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Publikationsdatum
3. September 2026
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Das Laufwerk war jahrzehntelang die Prestigedisziplin der japanischen Edelschmiede Esoteric. Ihre VRDS-Laufwerke gelten bis heute als Referenz für mechanischen Aufwand.

Inzwischen dominieren Netzwerkspieler mit integriertem DAC. Mechanik gibt es hier keine mehr. Der Aufwand verschiebt sich in die Elektronik. Damit stellt sich die Frage, wie ein Hersteller sich noch abheben will, wenn alle mehr oder weniger dieselben Wandlerchips einkaufen und in ihre DACs einbauen. Man verweist dann auf die Besonderheiten der analogen Ausgangsstufe. Argumente wie bessere Puffer oder Reclocking greifen nur teilweise. Aber auch dort sind längst fast durchs Band ausgereifte Standardkomponenten verbaut.

Vom Eigenbau ist oft wenig zu sehen. Es mutete schon immer wieder seltsam an, wenn im obersten Preissegment neben der edlen Fassade im Innern nur wenige Franken teure DACs von der Stange von Anbietern wie ESS werkeln. Die müssen nicht per se schlecht sein, aber sie nivellieren. Wer sich abheben will, baut einen eigenen Wandler.

Fairerweise muss man sagen, dass auch bei den Koryphäen der digitalen Audiotechnik die Meinungen auseinandergehen. Ed Meitner kann mit Chips von der Stange rein gar nichts anfangen, egal ob sie nun mit überragenden Spezifikationen und Rauschabständen brillieren oder nicht. Er macht sie für die emotionslose Klangsignatur vieler Produkte verantwortlich und baut konsequent eigene, auf DSD basierende Wandlermodule. Grammy-Gewinner Daniel Weiss hat hingegen keine Berührungsängste gegenüber den ESS-Produkten. Für ihn liegt die Qualität in der Präzision der Ansteuerung.

Ein Wandler aus Eigenentwicklung

Esoteric beantwortet die Frage nach Originalität im N-01XE mit einem selbst entwickelten Wandler. Der Netzwerkspieler übernimmt zwei Baugruppen direkt aus dem Grandioso N1, dem teuersten Gerät im Programm. Dazu gehört auch die Wandlerplatine aus der Eigenentwicklung, genannt Master Sound Discrete DAC G2. Die Rechenarbeit erledigt ein FPGA, also ein Chip, dessen Schaltung sich frei programmieren lässt. Die Wandlung übernehmen 32 einzelne Elemente pro Kanal aus diskreten Bauteilen.

Der Vorteil liegt in der Kontrolle. Filterverhalten und Wandlerkennlinie bestimmt Esoteric nach eigenen Angaben selbst. Ein weiterer Vorteil liegt in der Unabhängigkeit. Wird ein DAC-Chip nicht mehr produziert, führt kein Weg an einer Anpassung des eigenen Produkts vorbei.

Der Preis dafür ist Aufwand. Ein diskreter Wandler braucht mehr Platz, mehr Bauteile und genauere Fertigung. Jedes Bauteil ist auch eine Fehlerquelle. Die Chip-Wandler erreichen Störabstände, die kaum zu unterbieten sind. Der diskrete Aufbau liefert aber Gestaltungsfreiheit, auch wenn die Spezifikationen eventuell nicht so fulminant daherkommen.

Der Master Sound Discrete DAC G2. Esoteric verzichtet auf einen fertigen Wandlerchip und baut die Wandlerstufe aus Einzelbauteilen auf, je eine Platine pro Kanal im Dual-Mono-Aufbau.Der Master Sound Discrete DAC G2. Esoteric verzichtet auf einen fertigen Wandlerchip und baut die Wandlerstufe aus Einzelbauteilen auf, je eine Platine pro Kanal im Dual-Mono-Aufbau.

Das Netzwerk als Störquelle

Die zweite Baugruppe aus dem Flaggschiff ist die Esoteric Network Engine G4 mit eigenem Linearnetzteil. Über das Kupferkabel kommen nicht nur Daten, sondern vermeintlich auch Störungen aus Router und Hausnetz.

Der Trend geht daher zunehmend zu Glasfaser-Verbindungen, auch im heimischen Netzwerk. Der N-01XE bietet deshalb neben der RJ45-Buchse einen SFP-Steckplatz für Glasfaser. Licht stellt keine elektrische Verbindung her, die Masseschleife zwischen Netzwerk und Anlage ist unterbrochen.

Die Daten selbst kommen ohnehin fehlerfrei an, egal ob über Kupfer oder Licht, denn das Netzwerkprotokoll fordert fehlerhafte Pakete neu an. Wie gross das Störpotenzial durch die fehlende galvanische Trennung bei einer digitalen Übertragung ist, und ob es gar Mikrojitter verursacht, wissen wir nicht. Aber es fühlt sich sicher gut an, das auszuschliessen.

Unter «Network» sitzen die RJ45-Buchse und der SFP-Steckplatz für Glasfaser. Aussen die Ausgänge je Kanal, in der Mitte die Digitaleingänge samt Eingang für eine 10-MHz-Clock.Unter «Network» sitzen die RJ45-Buchse und der SFP-Steckplatz für Glasfaser. Aussen die Ausgänge je Kanal, in der Mitte die Digitaleingänge samt Eingang für eine 10-MHz-Clock.

Bei den Formaten geht der N-01XE bis DSD mit 22,5 MHz und PCM mit 768 kHz. Als Eingänge stehen USB, XLR, koaxial, optisch und Esoterics hauseigene ES-Link5-Verbindung bereit. Tidal, Qobuz und Spotify lassen sich direkt ansteuern. Fünf getrennte Linearnetzteile versorgen die Baugruppen, der Wandlerteil ist als Dual-Mono ausgelegt.

In den USA wird der N-01XE mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 28'000 Dollar geführt. Die internationale Auslieferung soll im November 2026 beginnen. In der Deutschschweiz betreut AV Spalinger in Dietlikon die Marke, ein Schweizer Preis steht noch aus.