12. Dezember 2018 | seit 1999
MUSIKREZENSION
ARTIKEL
Publikationsdatum
11. Mai 2018
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Wer so richtig in gefühlsvollen Orchesterklängen baden will, ist hier an der richtigen Adresse, denn diese Tonmalereien huldigen diversen Mythen, Landschaften und Geschichten von Smetanas tschechischer Heimat.
Wer könnte diese anno 1882 in Prag uraufgeführten Werke besser interpretieren als die Tschechische Philharmonie unter der Leitung des im Jahre 1946 in Prag geborenen Jiri Blohlavek? Auch die Aufnahme-Crew besteht vor allem aus tschechischen Leuten wie Vaclav Roubal und Karel Soukeník.

Überschattet wurde die Entstehung dieses Zyklus von der völligen Ertaubung Smetanas. Dieses Schicksal ist bei namhaften Komponisten kein Einzelfall, wie die Geschichte Beethovens zeigt. Jeweils am 12. Mai, Smetanas Todestag, bildet die Aufführung dieses Werkes die Eröffnung des musikalischen Prager Frühlings, ein mehrwöchiges Kultur- und Musikfestival in Prag. Und obwohl das Erscheinungsdatum dieser Aufnahmen mit 2018 angegeben wird, entstanden sie 2014 während dieses Festivals in der Smetana Hall in Prag.

Wie es sich für eine HD-Aufnahme von DECCA in 96 kHz / 24 Bit gehört, begeistert hier eine umwerfende Feinzeichnung und Dynamik. Auch in Sachen Räumlichkeit bietet diese Aufnahme alles, was man von einer zweikanaligen Aufnahme erwarten kann. Als unverbesserlicher Raumklang-Fan, wünschte ich mir natürlich eine Version in 5.1, die es leider nicht zu kaufen gibt.

Die Stimmungen dieser Werke reichen von feinsten pianissimo-Klängen bis zu bombastischen Orchester-Pegel-Orgien, welche die Anlage ganz tüchtig fordern.

Der erste Satz beschreibt den Anblick der düstern Burg Vysehrad und beginnt mit geheimnisvollen Harfenklängen. Es folgen dunkle Bläsergruppen und kurz darauf kommt es zu einem bezaubernden Wechselspiel zwischen Harfe und Bläsern. Der Klang ist warm, voll und satt. Auch die etwas später einsetzenden Streicher wirken stimmungsgeladen, kaum jemals grell oder gar aggressiv, sie behalten ihren noblen, edlen Charakter auch in den höchsten Lagen.

Die tschechischen Tonmeister haben den Klangcharakter der Aufnahmen ganz gekonnt der Musikstilrichtung angepasst. Es folgt die bekannte «Moldau», welche den Lauf dieses Flusses musikalisch beschreibt sowie weitere stimmungsvolle Werke.

Fazit: Perfektion in klanglicher und musikalischer Hinsicht.

STECKBRIEF
Interpret:
Tschechische Philharmonie
Besetzung:
Tschechische Philharmonie unter der Leitung von Jiri Belohlavec.
Albumtitel:
«Ma Vlast»
Komponist:
Smetana
Herkunft:
Tschechien
Label:
DECCA
Erscheinungsdatum:
2018
Spieldauer:
01:16:48
Tonformat:
Flac 96 kHz/24Bit
Medium:
download
Musikwertung:
10
Klangwertung:
10
Bezugsquellen
Wettbewerb