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Musikrezension

Violine in DSD und PCM

Werke von Vivaldi und Mozart

Von Hans Jürg Baum · · Seite 3 von 6

Geiger und Dirigent der besonderen Art

Brillant und authentisch: Violinist und Dirigent Andrew Manze.Brillant und authentisch: Violinist und Dirigent Andrew Manze.

Der britische Geiger und Dirigent Andrew Manze wird zu den Interpreten gezählt, die auf sogenannt authentische Spielweisen setzten, die also mindestens versuchen so zu spielen, wie das zu Zeiten der entsprechenden Komponisten üblich war. Aber da man aus dieser Zeit keine Aufnahmen, sondern höchstens Beschreibungen zu Rate ziehen kann, eröffnet sich ein weites Feld für sehr unterschiedliche Ansichten und Behauptungen. Im Gegensatz zu anderen Musikern, die sich der authentischen Spielweise verschrieben haben, sind hier keine von völlig unmusikalischen Musikwissenschaftlern propagierten akademischen Mätzchen zu hören, die nicht nur in meinen, sondern auch in vielen anderen Ohren grauenhaft und absolut geschmacklos klingen.

Nein! Andrew Manze spielt zwar auf eine ganz besondere Art, doch klingt es immer grundmusikalisch und natürlich. Manze geizt mit dem Vibrato und setzt es nur dann ein, wenn er es wirklich für angebracht hält. So spielt er oft schnurgerade Töne, die nur ganz kurz vor dem Ausklingen noch ein dezentes Vibrato erhalten. Das klingt nicht nur ausserordentlich schön, sondern auch viel lebendiger, als wenn der Geiger jeden Ton mit gleich intensivem Vibrato spielt.

Und in Sachen bogentechnischer Feinheiten ist Manze der absolute Meister! Wie er im Pianissimo den Bogen mit federleichtem Druck über die Saiten streichen lässt und ihnen ein zartes Hauchen entlockt, erstaunt immer wieder. Dass auf diese feinste Art und Weise die Saiten überhaupt noch ansprechen, grenzt an ein Wunder. Andrerseits kann er seiner Geige mit sattem Bogenstrich auch mal kräftige, aber immer edle Töne entlocken und holt so die ganze Dynamik aus diesem Instrument.

In PCM bei Qobuz wiedergeboren

Ursprünglich eine SACD in DSD, heute bei Qobuz in HiRes-PCM 88,2 kHz / 24 Bit erhältlich zum Downloaden oder Streamen. Ursprünglich eine SACD in DSD, heute bei Qobuz in HiRes-PCM 88,2 kHz / 24 Bit erhältlich zum Downloaden oder Streamen.

Das Album Concertos for the Emperor befindet sich seit Langem als Hybrid-SACD in meiner Sammlung. Vereinzelt ist diese SACD mit wunderschönen Vivaldi-Werken heute noch im Handel zu ergattern. Bei Qobuz ist dieses Album nun als PCM 88,2 kHz / 24 Bit als Download und auch per Streaming erhältlich.

Bei diesen barocken Violin-Konzerten ist Andrew Manze ganz im Element und zeigt seine ganze Virtuosität. Auch das Orchester spielt mit Können und grosser Spielfreude. Ab und zu hätte ich mir gewünscht, dass man den Solisten etwas deutlicher aus dem Orchesterklang herausgehoben hätte. So muss ich der Versuchung widerstehen, den Lautstärkeregler bei Solopassagen etwas aufzudrehen und ihn dann bei den dann allzu laut erscheinenden Orchester-Tutti wieder zurückzudrehen.

Klanglich liegt das Album auf der hellen, brillanten Seite, was diesen barocken Werken gut ansteht, solange die Wiedergabeanlage nicht auch schon mit betonter Brillanz zum Konzert aufspielt. Dann nämlich kann es vorkommen, dass diese Aufnahmen etwas höhenbetont und unterkühlt wirken.

Geiger und Dirigent der besonderen Art

Vom Barock zur Klassik

Ursprünglich ebenfalls eine Hybrid-SACD, heute in zweikanaligem DSD bei Highresaudio zu downloaden.Ursprünglich ebenfalls eine Hybrid-SACD, heute in zweikanaligem DSD bei Highresaudio zu downloaden.

An Aufnahmen der drei Mozart-Violin-Konzerte KV 216, KV 218 und KV 219 mangelt es heute wahrlich nicht. Doch das hier vorliegende Album «3 Violin Concertos» mit dem Geiger und Dirigenten Andrew Manze und dem Orchester The English Concert unterscheidet sich von der breiten Masse nicht nur klanglich, sondern auch bezüglich der Interpretation.

Diese Werke wurden vom Label Harmonia mundi USA 2005 ebenfalls in den Air Studios, Lyndhurst Hall in London, aufgenommen und sind nun bei highresaudio.com als DSD-Download erhältlich. Für DSD-Freaks: Laut Angaben von Harmonia mundi soll es sich um eine (stuben-) reine, originale DSD-Aufnahme handeln, die nicht auf dem Umweg über PCM bearbeitet und dann – wie es oft üblich ist –  wieder zurück ins DSD-Format transferiert wurde.

Mozart pur

So waren denn meine Erwartungen an das Album extrem hoch, und als dieser DSD-Download via meinem neuen HiRes-Referenzplayer Pioneer XDP-300R dann endlich in meinem Abhörraum erklingt, muss ich zugeben, dass hier musikalisch höchst Erfreuliches – nämlich Mozart pur – geboten wird. Andrew Manze spielt in der bereits beschriebenen Art und Weise und lässt die Mozart-Werke so erklingen, wie es zu Mozarts Zeiten absolut denkbar gewesen wäre.

Der Autor Hans Jürg Baum

Hans Jürg Baum ist Mitgründer von avguide.ch und war zehn Jahre lang Geschäftsführer. Der Musiker schrieb zwei Jahrzehnte lang über Audio-Komponenten, Kopfhörer und Musik — Schwerpunkt Klassik und Barock in HiRes.

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