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Publikationsdatum
15. April 2008
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Wenn Spielfilme von der Blu-ray Disk so gestochen scharf auf dem Bildschirm erscheinen, dass sich der Betrachter ins Kino versetzt fühlt, dann hat die moderne Video-Schnittstelle HDMI daran einen entscheidenden Anteil.

Alle HDTV-fähigen Flachbild-Fernseher und Blu-ray Player sind heute mit HDMI ausgestattet. Sie überträgt über eine einzige Kabelverbindung Bild und Ton digital und praktisch verlustfrei aus dem Abspielgerät an den Fernseher. Mittlerweile hat die Bild- und Tonschnittstelle der Unterhaltungselektronik sogar die Computerwelt erobert. Mediacenter PCs, aber auch Motherboards oder Graphikkarten der neuste Generation verfügen inzwischen immer öfter über einen HDMI-Ausgang. So entwickelt sich dieser Anschluss zum Ausstattung-Standard in der gesamten Welt der digitalen Unterhaltung.

Nebend er der verlustfreie Übertragung erlaubt HDMI auch den Ausstauch Infomation zwischen verbundenen Geräte. Ein Fernsehgerät zum Beispiel kann sich so automatisch auf die bestmögliche Signalverarbeitung einstellen. Ein weiterer Vorteil: Ein HDMI-Kabel transportiert auch Fernbedienungsbefehle. Danach genügt zum Beispiel eine einzige Infrarot-Fernbedienung, um alle Geräte gleichzeitig einzuschalten und zu steuern, vom Player über den Bildschirm bis hin zum Heimkino-Receiver.

Darüber hinaus unterstützt HDMI auch den von allen Programmanbietern verlangten Kopierschutz HDCP (High Definition Copy Protection), der die zum Bildschirm übertragenen Videodaten verschlüsseln kann, um Vervielfältigungen zu verhindern.

WirelessHD soll nun die gleichen Merkmale wie HDMI kabellos anbieten.

WirelessHD - ein Gemeinschaftsprojekt

Die WirelessHD-Gruppe sieht den Fernsher als Schaltzentale im multimedialen Wohnzimmer
Das WirelessHD genannte Gemeinschaftsprojekt der Ende 2006 gegründete WirelessHD-Gruppe um Intel, LG, Matsushita (Panasonic), NEC, Samsung, Sony und Toshiba soll ähnliche Leistungsmerkmale verwirklichen wie HDMI - nur ganz ohne Kabel. Genutzt wird bei WirelessHD beziehungsweise WiHD das Funktnetz im 60 GHz Bereich.

In der ersten Generation sollen Bandbreiten von 2 bis 5 GBit/s erreicht werden. Dies soll ausreichen, um HD-Inhalte einschliesslich Audio-Inhalten unkomprimiert zu übertragen. Theoretisch soll die Basistechnik aber Bandbreiten bis zu gigantischen 20 GBit/s zulassen. Künftige Camcorder-Generationen etwa werden ihre High Definition-Aufnahmen dann einfach an den Bildschirm funken - ohne jede mechanische Verbindung und ohne Kabel.

Anfangs Januar 2008 definierte die WirelessHD-Gruppe die Spezifikation 1.0 der Schnittstelle. In den Labors der Hersteller wird nun zielgerichtet an der Realisierung marktreifer Produkte mit dem drahtlosen Pendant der HDMI-Schnittstelle gearbeitet. Vor 2009 sollte man allerdings nicht mit ersten Geräten rechnen. Doch anlässlich der IFA 2008, die vom 29. August bis 3. September in Berlin stattfindet, wollen einige Hersteller anhand von Prototypen zeigen, wie die drahtlose High Definiton-Übertragung im Wohnzimmer funktioniert.

Zunächst soll WirelessHD über Adapter zur Verfügung stehen, später dann in HDTV-Geräten, Beamer, DVD-Player und Set-Top-Boxen fest integriert werden. Auch Spielekonsolen und portable Geräte hat man im Blick. Erstmals zeigte Panasonic im Januar an der CES 2008 in Las Vegas ein erstes, in Partnerchaft mit SiBeam entwickeltes WirelessHD Übertragungssystem. 

WirelessHD Demonstration von Panasonic

Wem die eitle Einigkeit unter den Herstellern bezüglich des gerade auch von der Filmindustrie geforderten kabellosen Schnittstelle befremdlich vorkommt, schliesslich ist der Formatkrieg um die HD Disk ja noch nicht vergessen, wird sich kaum wundern, dass an der CES 2008 bereits Konkurrenztechnolgien wie WirelessUSB oder auch WiFi aufgetaucht sind.

So wird der Wi-Fi Standard mit seinem 802.11n Protokol vor allem von IT-Herstellern wie Hewlett-Packard kolportiert. Der Grund liegt nahe, bei WirelessHD geht man vom Fernseher als zentrale Schaltzentrale aus. Ein Konzept, dem IT-Technolgie Hersteller wie Apple, Dell oder eben HP verständlicherweise nichts abgewinnen können. Sie sähen lieber denPC beziehungsweise ein Mediacenter im Zentrum. Und Sony braut mit Puls-Link tatsächliches schon wieder ein eigenes Süppchen. Sonys Technology stammt vom Israelischen Hersteller Amimon und kann über 30 Meter die Datenmenge von einem halben Gigabyte übertragen.

Momentan hat jedoch WirelessHD die Vorteile auf seiner Seite. Die Unterstützung unter den Heimelektronikherstellern ist breit abgestützt. Technologisch erlaubt WirelessHD die mit Abstand höchsten Bandbreiten und liegt im Datendurchsatz mit HDMI auf Augenhöhe. Der bis anhin sehr solide Kopierschutz HDCP ist ein Teil von WirelessHD, und somit ganz auf der Linie der US Filmindustrie, welche ihre Macht ja beim Abschuss der HD-DVD bereits eindrücklich bewiesen hat.


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