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Publikationsdatum
19. April 2004
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Keine Lust mehr auf TV-Einheitskost? Sie möchten mehr als nur die Wahl zwischen den privaten und den öffentlichen Sendeanstalten mit ihrem Standardprogramm: Aktuellere Spielfilme ohne Werbeunterbrechung, exklusive Kultserien, mehr Spartenprogramme und ein weitreichenderes Sportangebot?

Kein Problem: Die digitalen Pay-TV-Angebote von Teleclub und Cablecom versprechen abwechslungsreiche Heimunterhaltung.

Und auch die Swisscom will ab 2005 Spielfilme via ADSL anbieten.

Bezahlfernsehen in der Schweiz

Klar, eine monatliche Grundgebühr wird schon bei den ansonsten frei empfangbaren Programmen fällig. Aber nicht nur die Bilag fordert ihren Tribut. Auch der Kabelbetreiber langt bereits bei der Grundversorgung zu, wenn man nicht auf die Alternative Satellitenempfang zurückgreifen kann.

So gesehen ist „Free TV“ in der Schweiz ein kostspieliges Unterfangen, weshalb ein zusätzliches Pay-TV-Angebot schon etwas Besonderes bieten muss, um dem medial gesättigten Konsumenten weitere Abonnementsgebühren zu entlocken.

20 Jahre Teleclub

Filme, Famielienprogramme und Sport: Teleclub bietet ein breites Spektrum mit einem Angebot, das im frei empfangbaren Fernsehen nicht zugänglich ist.
Mit Pay-TV im eigentlichen Sinne assoziiert man hierzulande zunächst mal Teleclub, der dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum feiern kann: Bereits 1984 wurde ihm vom Bund die Konzession erteilt.

Bis vor zwei Jahren analog per Kabel und Satellit ausgestrahlt, profilierte sich Teleclub vor allem als Wohnzimmer-Spielfilm-Lieferant, stieg aber vor zwei Jahren auf die digitale TV-Plattform um und hat sein Angebot seither deutlich erweitert.

Auf insgesamt 10 Kanälen wird neben Movies nun auch ein vielseitiges Sport-, Familien- und Kinder- sowie Dokumentarfilman-Angebot ausgestrahlt, welches man individuell paketweise abonnieren kann

Als zweiter Anbieter auf dem Schweizer Markt versuchte sich die Cablecom schon länger auf dieser Schiene und offerierte das Digitalpaket «Swissfun» an, welches aber mangels attraktiver Programminhalte bei Deutschschweizer Kunden kaum Marktanteile gewinnen konnte.

Unter dem etwas irreführenden Label wurden bis vor einem Jahr vor allem ausländische, per Satellit nicht empfangbare Sender vermarktet. Damit kamen Bevölkerungsgruppen aus dem Balkan und aus der Türkei auf ihre Rechnung.

Nun nennt die Cablecom ihr Pay-TV-Angebot nicht mehr „Swissfun“, sondern schlicht und einfach „digital tv“. Darunter finden sich unter anderem die beiden Programmpakete „Family“ und „Expedition“, die zum Teil auch deutschsprachige Programme enthalten.

Spielfilm-Angebote sucht man hier allerdings vergeblich. Diese werden von der Cablecom unter dem Label „digital cinema“ als „Pay-per-View“ vermarktet. Das heisst, dass man einzelne Spielfilme aus einem täglichen Sortiment von 6 – 8 Titeln aussuchen, per Modem oder Hotline bestellen und zu einem bestimmten Zeitpunkt sehen kann.

Der Wiedergabebeginn ist dabei nicht völlig frei wählbar. Zum Teil starten die Filme im Halbstunden-Takt, zum Teil zu jeder vollen Stunde. Bezahlt wird pro konsumierten Film.

Teleclub digital: bunt und breit gefächert

Teleclub vertreibt exklusiv für die Schweiz zwei attraktive Programm-Pakete von Premiere via Satellit (ab Astra).
Die Programmbouquets von Teleclub können sich sehen lassen. Das Herzstück des Angebotes besteht wie bis anhin aus dem ¬«Cinema»-Kanal, welcher pro Monat dreissig aktuelle Spielfilme, die noch nicht im Fernsehen zu sehen waren, ohne Werbeunterbrechung ausstrahlt. Im «Star»-Kanal werden monatlich vierzig populäre Spielfilme wiederausgestrahlt.

In beiden Kanälen finden sich immer mehr Filme im 16:9-Bildformat, z.T. in Mehrkanalton mit Dolby Digital. Zusätzlich gibt es mit „MGM“ einen weiteren attraktiven Spielfilmkanal.

Auf bis zu drei Sportkanälen laufen Live-Übertragungen aus den grossen Ligen des europäischen Fussballs – aus Deutschland, Italien, Spanien und England. Ebenfalls live zu sehen sind Eishockey (NHL und DEL), Basketball (NBA) und Baseball (MLB) aus Nordamerika, Boxen, Golf, Tennis sowie sämtliche Formel-1-Grands-Prix samt Training und Qualifying mit jeweils einer zusätzli¬chen Kameraoption.

Wissenshungrige bedienen «Discovery» und „Planet“ mit Dokumentationen aus der Natur- und Tierwelt sowie Wissenswertem über Mensch, Technik und Geschichte. Unterhaltung für Kids und Junggebliebene offeriert «Disney Channel».

Je ein Krimi- und Serienkanal runden das neue Teleclub-Angebot ab, welches in vier Programmpaketen gebucht werden kann. Die Abo-Preise liegen dabei monatlich zwischen 40 und 60 Franken.

In allen Abonnements ist die Miete des erforderlichen Digitalempfängers bereits inbegriffen. Hinzu kommt allerdings eine einmalige Eintrittsgebühr von 95 Franken. Die Mindestlaufzeit für das Basisabonnement beträgt 12 Monate. Zusatzpakete kann man auf Wunsch nach 3 Monaten kündigen (Kündigungsfrist weitere 3 Monate).

Inbegriffen ist eine ausführliche, schön aufgemachte Programmzeitschrift mit Hintergrundinformationen und Tagesübersichten – trotz elektronischem Programmführer ein unverzichtbares Hilfsmittel in der täglichen Programmvielfalt.

Wer zu Hause über keinen Kabelanschluss verfügt braucht nicht auf Pay TV zu verzichten, sofern er über Sat-Empfang verfügt: Teleclub vertreibt neu die Premium-Kanäle aus dem Hause Premiere: Die Filmkanäle Premiere 1-7, Disney Channel, Premiere Serie, Premiere Krimi, Premiere Nostalgie, MGM, Junior, FoxKids, Discovery Channel, Planet, Classica, Beate Uhse TV und die Radioprogramme Music Choice. Der Abopreis für dieses Basispaket beträgt Fr. 49.90 im Monat. Des Weiteren können die Sportkanäle Premiere Sport1 und Premiere Sport 2 über Satellit dazuabonniert werden. Der Abopreis für dieses Paket beträgt Fr. 59.90 im Monat

Cablecom Digital TV: Erotik und Pay-Radio als Zugpferd

Bei der Cablecom Set-Top-Box handelt es sich um ein ausgereiftes und komfortables Markengerät von Nokia. Damit kann man theoretisch auch das Teleclub-Angebot nutzen, sofern man den entsprechenden Decoder-Einschub im Common-Interface nachrüstet.
Um in den Genuss der Cablecom-Angebote zu kommen, muss man erst die Set-Top-Box kaufen oder mieten und zudem 95 Franken Eintrittsgebühr zahlen.

Zur Zeit sieben Programme (drei davon deutschsprachig) bilden das «Family»-Basispaket, das für 29 Franken monatlich inkl. Miete für den Digitalempfänger abonnierbar ist. Es soll laut Cablecom inhaltlich demnächst aufgewertet werden.

Alternativ dazu gibt es für 33 Franken monatlich (inkl. Empfänger) das «Expedition»-Paket – eigentlich ein Lifestyle- und Bildungpaket, wenn einem da nicht noch der Erotik-Sender „Adult Channel“ untergejubelt würde. Offenbar befürchtet man, dass sich die Nachfrage sonst in Grenzen hielte.

Interessanter scheint da schon das Radio-Paket «Music Choice» für 9 Franken (zuzüglich Receiver-Miete) pro Monat, welches über 40 reine Musiksparten-Programme anbietet. So kann man den ganzen Tag seiner Lieblingsmusik frönen, ohne durch Werbung oder Kommentar abgelenkt zu werden. Damit kann man auch Kassetten oder CDs mit dem bevorzugten Musikprogramm für unterwegs aufnehmen.

Grosses Manko: Was „digital tv“ von Cablecom leider nicht anbietet, ist eine Programmzeitschrift. So ist man darauf angewiesen, was einem der elektronische Programmführer des Empfängers kundtut. Oder man holt sich die Informationen aus den Internetseiten der einzelnen Programmanbieter.

Pay-per-View

Auch das Pay-per-View-Angebot von Cablecom setzt den Erwerb oder die Miete der Set-Top-Box voraus. Dabei handelt es sich um eine speziellen Digital-Receiver mit eingebautem Modem, welches an die heimische Telefonsteckdose angeschlossen werden will. So kann man bequem per Fernbedienung den gewünschten Titel aus einem Angebot von acht verschiedenen, topaktuellen Spielfilmen zum Preis von Fr. 7.50 bestellen.

Wer keinen freien Telefonanschluss in der Nähe zur Verfügung hat, der kann seinen Wunschfilm auch telefonisch via Call-Center bestellen. Filmstart ist meistens zu jeder vollen oder halben Stunde.

Teurer wird das sogenannte „Erotik“-Angebot zum Preis von Fr. 12.90 pro Film, bei dem es sich um Hardcore-Pornostreifen handelt. Offenbar will man diejenige Kundschaft bedienen, der es peinlich wäre, entsprechendes Material in der nachbarschaftlichen Videothek zu besorgen.

Welches für wen – und überhaupt?

Das Angebot bei Cablecom: Noch mehr des Guten? Zumindest die Filme machen sich für eine Familie gegenüber dem Gang ins Kino schnell bezahlt.
Die Grundsatzfrage betreffend Pay-TV lautet: Braucht man es überhaupt angesichts des üppigen, frei empfangbaren TV-Angebots?

Eine Frage, deren Fehleinschätzung das Imperium des deutschen Medienzars Kirch in die Krise brachte, indem der Markt für Digital-TV in Deutschland anfänglich massiv überschätzt worden war. Das deutsche Pay-TV-Programm „Premiere“ feiert inzwischen aber beachtliche Erfolge – ermöglicht dadurch, dass der Abopreise für das Einstiegs-Grundpaket massiv gesenkt wurden (ab 5 Euro) und die Set-Top-Box sehr günstig gemietet oder gekauft werden kann.

In der Schweiz werden kleinere Brötchen gebacken, aber über 45000 Abonnenten bei Teleclub Digital, die seit dem Start vor zwei Jahren auf die digitale Plattform ein- oder umgestiegen sind, sind doch schon eine beachtliche Zahl. Zumal diese ein weitgefächertes Angebot beinhaltet, welches eine noch grössere Kundengruppe – insbesondere auch Familien – anspricht.

Zwar werden zuallererst immer noch Spielfilmliebhaber bedient: Hier wirbt Teleclub mit 30 Premieren pro Monat, die noch nicht im Fernsehen gelaufen sind. Zum Teil werden diese in 16:9 und mit Dolby-Digital-Ton ausgestrahlt, so dass auch Heimkinofreaks mit entsprechendem Equipment auf ihre Kosten kommen.

Berücksichtigt man die Erstehungskosten für eine Spielfilm-DVD, so hat man die monatliche Gebühr für das Basis-Paket fast schon amortisiert, wenn man auf den Kauf einer einzigen DVD verzichtet.

Aber gerade auch Familien bekommen angesichts der satten Kino-Eintrittspreise in der Schweiz mit Teleclub eine kostengünstige Unterhaltungs-Alternative für Jung und Alt - vorausgesetzt, man verfügt zu Hause über einen Grossbild-Fernseher.

Demgegenüber dürfte sich die Cablecom weiterhin schwer tun, sich als Pay-TV-Anbieter für eine breite Schweizer Kundschaft zu etablieren. Zu wenig attraktiv ist das „digital tv“-Angebot im Vergleich zu Teleclub.

„Digital cinema“ offeriert zwar topaktuelle Spielfilm-Titel, jedoch bei hohem Einzelpreis und gleichzeitig zu geringer Auswahl. Bleibt das „Hardcore-Erotik“-Angebot, mit welchem die Cablecom vermutlich ein Geschäft machen wird. Ob dies alledings als Legitimation dafür herhalten kann, dass „Pay-per-View“ ungeachtet der effektiven Nachfrage eine enorme Kabelkapazität belegt, die Drittanbietern wiederum verloren geht, darf mehr als nur bezweifelt werden.

Fazit

Pay-TV hat in der Schweiz gute Aussichten auf eine breitere Akzeptanz, als es die gut 80000 Abonnenten von Teleclub sowie ca. 50000 von Swissfun (beide Zahlen laut Anbieter) bisher erkennen lassen. Denn die digitale Plattform bietet dank vielfältigem Programmangebot für die gesamte Familie erhöhte Attraktivität. Insbesondere die Teleclub-Pakete können sich sehen lassen und stellen nicht nur eine echte Ergänzung zum werbelastigen „Free TV“-Angebot dar, sondern durchaus eine Alternative zum Kinobesuch.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die beiden Schweizer Anbieter bald einigen werden und die Cablecom erkennt, dass die weitere digitale Verbreitung von Teleclub auf dem eigenen Kabelnetz die Nachfrage nach digitalem Bezahlfernsehen bei allen Beteiligten nur steigern kann. Denn grundsätzlich lassen sich beide Pakete mit dem gleichen Receiver empfangen – man muss lediglich den entsprechenden Decodereinschub nachrüsten.
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