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Publikationsdatum
12. Februar 2002
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Das Zeitalter des Aneinanderrückens von Internet, Fernsehen und Netzdiensten hat begonnen. Seit der Digitalisierung der Medieninhalte wird an der Konvergenz auf technischer und inhaltlicher Ebene gearbeitet. Obwohl die vernetzte Medienkommunikation der Zukunft noch einer Baustelle gleicht, zeichnen sich doch erste Konturen ab, wie die konkrete Realisierung aussehen könnte.

Was ist Konvergenz?

Unter Konvergenz in der Heimelektronik versteht man die Zusammenführung von Unterhaltungselektronik, Telekommunikation, Informationstechnologien und intelligentem Heim zu einer gemeinsamen Plattform. Die Bedürfnisse für Unterhaltung wie Heimkino, Musik oder Spiele werden kombiniert mit Informationsangeboten aus Fernsehen und Internet sowie den Kommunikationsdienstleistungen wie Digital Phone oder der Übermittlung von Nachrichten auf mobile Endgeräte wie Handy und Auto-Navigationskonsolen. Über ein gemeinsames Netzwerk sollen die Komponenten aus ehemals unterschiedlichen Branchen in einem Infotainmentpark vernetzt und über eine gemeinsame, vereinheitlichte Plattform betrieben und genutzt werden. Der Fernseher soll sich mit dem Handy genauso verstehen wie der PC mit der Videokonsole.

Als zentraler Speicher dient ein mit Festplatten ausgestatteter Multimedia-Heimserver. Photos und Videos werden vom PC auf den Server gespielt und dann direkt am Fernseher anzeigt. Umgekehrt können Fernsehsendungen auch auf jedem PC dargestellt und auf Wunsch zur späteren Nachbetrachtung auf Festplatte gespeichert werden.

Multimedia ab Heimserver

Multimedia Heimserversystem von VIA
Multimedia Heimserversystem von VIA
Was vorab als Zukunftsvision erscheint, gleicht in vielen Bereichen einer Baustelle, wird aber nun dank fortlaufender Digitalisierung zunehmend in konkrete Produkte umgesetzt. Erst die Digitalisierung des Fernsehers und seiner Peripheriegeräte, wie z.B. Videorecorder, DVD-Spieler etc. ermöglicht aber eine komponentenübergreifende Vernetzung. Während im Computerbereich und der Telekommunikation die Digitalisierung systemimmanent vorhanden beziehungsweise bereits flächendeckend implementiert ist, läuft dieser Prozess nun auch in der Unterhaltungselektronik an. Fernseher mit Internetmodul und ersten Vernetzungsmöglichkeiten mit PC und der Haussteuerung sind ebenso auf dem Markt wie Home-Entertainment Komplettanlagen mit integrierten Multimediafunktionen inklusive Festplattenspeicher. Neben den grossen Herstellern aus dem UE-Bereich präsentierten auch Anbieter aus dem PC-Markt vermehrt speziell für den Einsatz im Wohnzimmer konzipierte Multimedia-Computer. Auf Frühjahr 2003 kann mit der Markteinführung diverser System gerechnet werden, die diesen Herbst als Prototypen dem Fachpublikum präsentiert werden.

Vernetzung der Hauskomponenten

Sony CD-Festplatten-Kombigerät HAR-D1000: Auf der 40 GB grossen Festplatte finden bis zu 500 Musik-CDs Platz.
Sony CD-Festplatten-Kombigerät HAR-D1000: Auf der 40 GB grossen Festplatte finden bis zu 500 Musik-CDs Platz.
Wichtiger Anspruch an die Konvergenz der Heimelektronik ist die Fähigkeit, die von den elektronischen Geräten verfügbar gemachten Inhalte in unterschiedlichen Räumen gleichzeitig nutzbar zu machen. Dies setzt voraus, dass die Geräte über eine drahtlose Breitbandverbindung kommunikationsfähig werden. Während mit Bluetooth und Wireless-LAN diesbezüglich branchenübergreifende Standards bereits vorhanden sind, arbeiten die Hersteller schon an der Integration von noch leistungsfähigeren kabellosen Netzen wie UWB (Ultra Wideband Technology), die Durchsatzraten von bis 500 Megabit pro Sekunde ermöglichen. Auf dem Heimserver hinterlegte Inhalte können dank UWB innerhalb des Heimnetzes in höchster Qualität und ohne Datenreduktion auf Bildschirme oder Soundsysteme übertragen und ausgegeben werden. (Quelle www.uwb.org)

Der Fernseher als Hauszentrale

Loewe Systems verbindet Home Multimedia mit dem eHome. Per Fernbedienung, Funk und TV Screen werden Hausgeräte angesteuert.
Loewe Systems verbindet Home Multimedia mit dem eHome. Per Fernbedienung, Funk und TV Screen werden Hausgeräte angesteuert.
Das letzte Bindeglied der vernetzten Heimelektronik ist die Automation und Steuerung der Haustechnik über Geräte der Unterhaltungselektronik.

In nahezu jedem Haus, jeder Wohnung gibt es heute eine Vielzahl elektrischer und elektronischer Netze für die unterschiedlichsten Anwendungen:
das Telefonnetz, das Breitbandkabelnetz, die Satelliten-Empfangsanlage, aber
auch Leitungen für Raumklima, Licht und Sicherheitskomponenten. In dem Masse, wie auf diesen Leitungen und Netzen mehr und mehr digitale Signale transportiert werden, liegt es nahe, sie alle zu einem einzigen "Hausnetz" zusammenzufassen und über eine gemeinsame Plattform zu verwalten. Standardisierte Funkverbindungen ermöglichen Bedienung und Einstellung der Haussysteme von dezentralen Touch-Screen-Terminals oder direkt über den Fernsehbildschirm.

Die grossen Konzerne der Unterhaltungsindustrie favorisieren klar den Fernseher als Verwaltungs- und Kommunikationszentrale der Heimelektronik. Aktuell erlauben aber erst die Topmodelle eine Verknüpfung mit weiteren Multimediakomponenten oder den Zugang zum Internet. Noch in den Kinderschuhen steckt auch die Nutzung der kabellosen Kommunikation mit Geräten der Haustechnik. Mit der Einführung von Standards wie EIB und Wireless-LAN wurden jedoch markante Verbesserungen erzielt. Erste Systemlösungen werden im nächstem Frühjahr auf dem Markt erwartet.

Sturm auf das Wohnzimmer

Oberfläche des WIndows Media Center. Anwahl der Funktionen per Fernbedienung.
Oberfläche des WIndows Media Center. Anwahl der Funktionen per Fernbedienung.
Grosse Anstrengungen unternehmen momentan Hersteller aus der Informationstechnologie, sich im zukünftigen Grossmarkt Heimelektronik zu positionieren. Selbstredend sehen sie nicht den Fernseher, sondern den PC als multimediale Verwaltungszentrale. Apple ist mit seiner „Digital Hub“ Strategie seit längerem auf die Verknüpfung von Computer und Unterhaltungsmedien aus. Nach Musik (MP3) und Video (Camcorder) wird mit der Breitbandtechnik bald der Sturm auf das Internet-Fernsehen folgen. Bill Gates, Besitzer des grössten Filmarchivs der Welt, lässt bekanntermassen kein lukratives Geschäft ungenutzt passieren. Mit dem speziell auf Home-Entertainment ausgerichtetem Windows XP Media Center setzt er momentan zu einer wahren Grossoffensive auf das Wohnzimmer an. Wie bei den Bürocomputern will er möglichst früh eine hohe Marktpenetranz mit seinem Multimedia-Betriebssystem erreichen.

Im diesjährigen Weihnachtsgeschäft werden in Nordamerika, Japan und Korea in Zusammenarbeit mit Hardwareherstellern erstmals fertige Produkte mit dem XP Media Center als Betriebssystemsoftware angeboten. Die Home-Entertainment-PCs werden sich komplett über eine Fernbedienung steuern lassen und besitzen sämtliche für Multimedia relevanten Funktionen wie Videorecorder, Verwaltung und Abspielen von DVD, Videos und Musik sowie eine integrierten Bildbearbeitung. Die Benutzeroberfläche wurde so gestaltet, dass die Funktionen bequem vom Sofa über die Fernbedienung angewählt werden können.

Internet ab TV für Computermuffel

avguide Neuheiten präsentiert im Loewe TV
avguide Neuheiten präsentiert im Loewe TV
Trotz den technologisch sehr starken Firmen aus dem Informationssektor werden dem Fernseher die grösseren Chancen eingeräumt. Beim Fernseher bestehen immer noch deutlich weniger Berührungsängste auch komplexere Techniken zu nutzen als auf dem PC. Auch Computermuffel lassen sich beim Fernseher zur interaktiven Nutzung bewegen. Zudem verrichtet der Fernseher zunehmend alltägliche PC-Arbeiten. So wird man bei den gegenwärtigen Topmodellen, die bereits eine Vernetzung mit dem PC erlauben, schon mal bei laufender Sendung daran erinnert, dass in wenigen Minuten ein Termin ansteht oder eben eine neue Mail eingetroffen sei, die dann auch gleich am Fernseher angezeigt wird.

Was ist MHP?

Annähernd 730 Mitglieder aus 51 Ländern und fünf Kontinenten haben sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um gemeinsam einen einheitlichen offenen Standard für die Entwicklung von iTV-Produkten (iTV = interaktives Fernsehen) und -Dienstleistungen zu realisieren: die Multimedia Home Platform (MHP). MHP als einheitlicher Standard revolutioniert den Markt für digitales Fernsehen und ermöglicht damit die Konvergenz der Medien weltweit. MHP vereint die Vorteile des digitalen Fernsehens (verbesserte Bild- und Tonqualität) mit der Interaktivität des Internets.

Die Plattform bietet eine einheitliche, offene Schnittstelle für alle Beteiligten zur Entwicklung von interaktiven, multimedialen Mehrwertdiensten für digitale TV-Programme und Dienste. MHP ermöglicht die Entwicklung eines offenen horizontalen Marktes für digitales Fernsehen. Dies bietet Vorteile für alle Beteiligten. In erster Linie für den Konsumenten, der mit nur einer MHP-tauglichen digitalen Set-Top-Box oder einem digitalen TV-Gerät mit integrierter MHP-Lösung (iDTV= integrated Digital TV) alle multimedialen und interaktiven Anwendungen nutzen kann.

Der MHP-Standard wurde im Februar 2000 veröffentlicht. Die Ergänzung für Internetzugang erfolgte im Juli 2001. MHP ergänzt die Standards des DVB-Konsortiums (DVB = Digital Video Broadcasting), die mittlerweile von mehr als 300 DVB-Mitgliedern aus 51 Ländern unterstützt werden.

MHP setzt digitales Fernsehen voraus. Leider besitzt die Schweiz lediglich eine Marktpenetranz von 1% bei digitalen Fernsehern beziehungsweise Fernseher mit integrierter Set-Top-Box, während in England bereits 30% der Geräte und Sendeanlagen umgestellt wurden. In den USA dürfen auf Beschluss der Regulierungsbehörde FCC ab 2004 nur noch digitalfähige Grossfernseher verkauft werden, ab 2006 gilt dies grundsätzlich für alle TV-Apparate und Sendeanlagen.
(Quelle www.mhp-forum.de)
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