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19. Mai 2003
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Apple hat mit dem iTunes Music Store einen eigenen Online Musikdienst gestartet, welcher es erlaubt, die gewünschte Musik zu finden, zu hören und für 99 Cent (US) pro Song zu kaufen und auf den eigenen Rechner zu laden.

Leider ist dieser Dienst erst in den USA erhältlich, feiert dort aber einen durchschlagenden Erfolg.

Über die Zukunft des legalen Downloads im Internet, auch in Bezug auf die Möglichkeiten in Europa, stand avguide.ch im Gespräch mit Andrea Brack, Apple MarCom & PR-Manager.

"...Apple hatte die richtige Vision..."

avguide.ch:
Eigentlich ist es für die Musikindustrie beschämend, dass eine Lösung des Urheberrechts-Problems nicht aus den eigenen Reihen kommt, sondern Apple dieses mit dem iTunes Music Store gelöst zu haben scheint.
Wie ist Apple dieser Schritt gelungen?

Andrea Brack:
Nun, es braucht verschiedene Partner und Komponenten: Die Musiklabels haben die Rechte an der Musik, Apple hatte die richtige Vision und die nötige Technologie, um einen MusicStore in dieser Form zu realisieren.

Steve Jobs hat nicht nur die US-Bosse der grossen Music-Labels mit dieser Lösung komplett überzeugt.
Der Erfolg des iTunes Music Store mit 2 Millionen verkaufter Songs in nur 16 Tagen ist mit einer konsequenten Ausrichtung auf den Kunden zu begründen, indem die Inhalte, die Distribution, das Interface sowie der Preis optimal aufeinander und auf die Bedürfnisse der User, der Labels und der Künstler abgestimmt wurden.

Bisherige Musikportale waren entweder höchst illegal oder hatten grosse Einschränkungen betreffend der Nutzungsrechte, von Kopierschutz –Problemen beim Brennen auf CD mal ganz abgesehen. Ausserdem mussten teilweise noch Monats- oder Memberbeiträge entrichtet werden – ohne jedoch das weitgehende Nutzungsrecht an der Musik zu erwerben, wie es im iTunes Online Store der Fall ist.

"Einen Zeitplan zur Verfügbarkeit des Musik-Dienstes in Europa können wir Ihnen hier leider nicht nennen"

avguide.ch:
Allerdings ist der iTunes Music Store erst für die USA zugänglich, da neben einer gültigen Kreditkarte auch eine Rechnungsadresse in den USA angegeben werden muss.
Geräte wie die iPods und die iTunes4-Software würden auch in Europa an Attraktivität gewinnen, wenn dieser Dienst hier verfügbar wäre. Wann ist dieser Schritt geplant?

Andrea Brack:
Nun, iTunes wurde bereits über 20 Millionen mal von Macintosh Usern geladen und der iPod erfreut sich auch hierzulande grösster Beliebtheit; bei Mac Usern mit iTunes und bei Windows Usern mit Music Match als Software.

In der Schweiz war der iPod bereits in seiner letzten Version im vergangenen Jahr mit Abstand klarer Marktleader bei den MP3-Playern.

Einen Zeitplan zur Verfügbarkeit des Musik-Dienstes in Europa können wir Ihnen hier leider nicht nennen. Das liegt nicht an Apple, sondern an den international äusserst kompliziert geregelten Musikrechten, die in jedem Land unterschiedlich sind.
Ein Musiclabel in den USA kann z.B, keine Rechte vergeben für eine Nutzung ausserhalb der USA.

Es sind jedoch Bestrebungen im Gange, die Rechte in den europäischen Ländern und weltweit zu vereinheitlichen oder die unterschiedlichen Regelungen zumindest stark zu vereinfachen.

Dann dürfte der Weg für die Einführung auch in Europa geebnet sein. Der Erfolg des Music Stores dürfte hier bestimmt einiges in Bewegung setzen.

"Das Sortiment im iTunes Music Store wächst täglich..."

avguide.ch:
Der iTunes Music Store umfasst in den USA über 200.000 Titel von Musikunternehmen wie BMG, EMI, Sony Music, Universal und Warner.
Werden auch kleinere, u.U. unabhängige Labels ihre Musik über Ihren Dienst anbieten können?

Andrea Brack:
Das Sortiment im iTunes Music Store wächst täglich, bereits sind wieder über 4500 neue Titel dazugekommen.

Ob unabhängige Künstler und andere Labels in Zukunft ihre Songs im Music Store anbieten werden, können wir aber im Moment nicht sagen, da die Verträge in den USA ausgehandelt werden und wir dies selbstverständlich erst kommunizieren werden, wenn es soweit ist.

"Apple hat nicht das Musikbusiness revolutioniert sondern die Online-Distribution"

avguide.ch:
Wäre es auch denkbar, dass junge, aufsteigende Bands in Zukunft durch den Music Store ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen können?

Andrea Brack:
Denkbar wäre es eigentlich schon, die Frage stellt sich natürlich, ob es genügt, einen Song oder ein Album in einem Online-Store anzubieten ohne dass dieser auch bekannt gemacht wird.
Ein Download oder Kauf würde sich nur dann daraus ergeben, wenn ein Benutzer diesen per Zufall anklickt.

Apple hat nicht das Musikbusiness revolutioniert sondern die Online-Distribution. Die Hauptaufgabe der Labels, die Selektion und das Marketing aufstrebender Künstler, können und wollen wir ihnen aber nicht abnehmen.

"...eine Windows-Version wurde auf Ende Jahr in Aussicht gestellt..."

Für den PC-User noch die Antwort auf die Frage des legalen Musikdownloads.
Für den PC-User noch die Antwort auf die Frage des legalen Musikdownloads.
avguide.ch:
Der Zugang zum iTunes Music Store ist in iTunes 4 integriert. Können auch PC-User Ihren Dienst in Anspruch nehmen? Welche Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein?

Andrea Brack:
Steve Jobs hat an seiner Präsentation eine Windows-Version auf Ende dieses Jahres in Aussicht gestellt.

"Das nächste Update (von iTunes) kommt bestimmt."

avguide.ch:
Welche weiteren Nutzungsmöglichkeiten des iTunes Music Store sieht Apple in Zukunft vor?

Andrea Brack:
Die Nutzung des iTunes Music Store ist im Prinzip auf die Auswahl, den Kauf und den Download von Musik beschränkt. iTunes selbst wird aber laufend weiterentwickelt.

iTunes 4 bietet heute schon eine Fülle von verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten an.
So können User ihre Musik ab CD oder online importieren, verwalten, mixen und brennen.

Die Musik in iTunes kann unbeschränkt in Programmen wie iPhoto, iMovie und iDVD genutzt werden. Weiter ist es auch möglich, Internetradios zu hören sowie Playlisten in Netzwerken zu streamen.
Das nächste Update kommt bestimmt.

"...auch hier (erster legaler Filmdownload) hätte Apple das nötige Rüstzeug, was die Technologie anbelangt..."

avguide.ch:
Neben der Musik- hat auch die Filmindustrie die Frage der Urheberrechte und des Downloads im Internet noch nicht beantworten können. Möchte sich Apple auch in diesem Segment die Vorreiterrolle sichern?

Andrea Brack:
Wie Sie wissen, kann Apple über zukünftige Produkte oder in der Entwicklung befindlicher Dienste keine Auskunft geben.
Aber auch hier hätte Apple das nötige Rüstzeug, was die Technologie anbelangt.

Die Film- und Videoindustrie ist eines unserer Top-Marktsegmente. Nebst Final Cut Pro oder Final Cut Express für die professionelle Video-Editierung oder DVD Studio Pro für professionelle DVDs sei hier nur QuickTime erwähnt.
In der Videoindustrie gilt QuickTime als die Technologie, die Audio- und Videomaterial am besten und zuverlässigsten überträgt.

Was offene Standards betrifft: Von USB über den drahtlosen Netzwerkbetrieb mit AirPort (802.11) bis zu FireWire setzt sich Apple für Technologie-Standards ein, die industrieweit angenommen wurden.

Einen weiteren Beitrag in dieser Richtung leistet Apple mit der Unterstützung für MPEG-4.
Das MPEG-Komitee des ISO-Normengremiums hat das QuickTime Dateiformat als Grundlage für MPEG-4 ausgewählt.
Und darüber hinaus ist Apple ein Gründungsmitglied der ISMA (Internet Streaming Media Alliance), einer Organisation, die sich für eine schnellere Annahme von offenen Standards für das Streaming von Inhalten über das Internet einsetzt.
Wir sind hier also gut gerüstet.
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