TESTBERICHT
OLED+935.OLED+935.

Symbiose von Bild und Ton: So lautete offenbar die Devise beim neuen OLED-Topmodell von Philips. Bereits beim letztjährigen Modell trug die Zusammenarbeit mit Bowers & Wilkins Früchte. Der OLED+934 (Test nachzulesen: hier) wartete mit einem TV-Ton der Extraklasse auf. Die Zusammenarbeit von TP Vision (dem Hersteller von Philips-TVs) mit den britischen Audio-Spezialisten wird weitergeführt. Der neue OLED+935 wartet mit nochmals besserem, sogar HiFi-tauglichem Klang auf.

Die dezidierte Soundbar ist sehr stabil aufgebaut und dient gleichzeitig als Basis für den zierlichen Standfuss.Die dezidierte Soundbar ist sehr stabil aufgebaut und dient gleichzeitig als Basis für den zierlichen Standfuss.

Beim neuen Soundsystem durften die B&W-Ingenieure scheinbar ohne Rücksicht auf die Kosten aus dem Vollen schöpfen. Insgesamt zehn hochwertige Lautsprecherchassis sind nicht nur für astreinen TV-Ton, sondern auch für waschechten Heimkino-Sound zuständig. Und sogar die Musikwiedergabe in HiFi-Qualität beherrscht der OLED+935 ohne Mühe.

Das System ist in einer eigenen Soundbar untergebracht, welche über einen angewinkelten Metallarm gleichzeitig auch als Standfuss des TVs dient. Alternativ ist auch die Wandmontage möglich. Die dafür benötigten Teile gehören zum Lieferumfang.

Apartes Erscheinungsbild

Oft wirken Fernseher mit dezidierter Soundbar vom optischen Erscheinungsbild her nicht sehr harmonisch. Nicht so der OLED+935. Speziell bei der Platzierung auf einem Lowboard scheint der Fernseher auf dem zierlichen Standfuss richtiggehend zu schweben. Die wertige Abdeckung mit speziellem Akustikstoff von Kvadrat sowie das aparte Design der Soundbar mit aufgesetztem Hochtöner bereichern das Erscheinungsbild dieses TV-Geräts – speziell auch in ausgeschaltetem Zustand.

Aus dem Vollen geschöpft: Nicht weniger als zehn Treiber sorgen für packenden Heimkinosound – Dolby Atmos inklusive.Aus dem Vollen geschöpft: Nicht weniger als zehn Treiber sorgen für packenden Heimkinosound – Dolby Atmos inklusive.

Links und rechts sorgen je ein Mittel- und ein Hochtöner für dezidierten Stereoklang. Zentral finden sich gleich zwei Mitteltöner und zusätzlich ein aufgesetzter Hochtöner im eigenen Gehäuse. Alle Hochtöner sind als 19-mm-Titanium-Kalotten ausgelegt und verfügen über eine spezielle Vibrationsentkoppelung. Die Soundbar wurde aus dickwandigem, glasfaserverstärktem und daher besonders steifem ABS-Kunststoff konstruiert. Zusätzlich ist sie auf einer Metallplatte montiert und mit internen Rippen versehen, um unerwünschte Resonanzen möglichst auszuschliessen.

Der aufwändig konzipierte Mittenkanal ist unter anderem verantwortlich dafür, dass Dialoge sich durch authentische Tonalität und ein beachtliches Klangvolumen auszeichnen. Die Sprachverständlichkeit ist ausgezeichnet – und dies, ohne dass man speziell laut hören muss. Das ist ein grosser Vorteil bei Spielfilmen, deren originale Soundtrack-Abmischung mehr auf Effekte abzielt – und wo bei normaler Lautstärke die Stimmen im «Action-Getümmel» oft untergehen.

Der aufgesetzte «Tweeter on top» arbeitet mit einer filigranen Titankalotte. Sie verleiht dem Sound eine enorme Feinzeichnung.Der aufgesetzte «Tweeter on top» arbeitet mit einer filigranen Titankalotte. Sie verleiht dem Sound eine enorme Feinzeichnung.

Natürlich kann man die Links-Rechts-Bandbreite nicht mit derjenigen weit auseinanderstehender Lautsprecher vergleichen; dennoch ist die Art und Weise, wie sich der Klang von der Soundbar löst und scheinbar unbegrenzt im Hörraum ausbreitet, absolut beeindruckend. Inwieweit DSP (Digital Sound Processing) daran Anteil hat, kann man natürlich nur mutmassen. Der OLED+935 ist für Dolby Atmos spezifiziert und verfügt dafür über zwei dezidierte Atmos-Treiber, die nach oben abstrahlen und für erweiterten Raumklang sorgen. Im Tieftonbereich sorgt ein ovaler Basstreiber in einer Reflexkonstruktion für spürbaren Druck bei Action-Szenen und verleiht auch der Musikwiedergabe eine angenehme Fülle.

Verblüffend losgelöster Klang

Die Soundbar kann als sogenanntes 3.2.1-System prinzipbedingt zwar keinen echten Surround-Sound abstrahlen. Aber dennoch verblüfft es, wie dreidimensional der OLED+935 Dolby-Digital- oder DTS-Soundtracks im Hörraum ausbreitet. Bei anderen Fernsehern mit integrierter Soundbar hat man oft das Gefühl, dass das tonale Geschehen «am Boden» klebt.

Nicht so beim Philips: Man kann im Raum umhergehen und hat praktisch überall den gleichen Höreindruck. Die Pegelfestigkeit kann sich hören lassen. Natürlich leisten separate Heimkino-Systeme noch deutlich mehr. Aber auch mit dem OLED+935 kann man die Nachbarn spätabends tüchtig vergraulen. Deshalb verfügt er auch über einen speziellen Nachtmodus. Ansonsten kann man im Tonmenü verschiedene Klang-Szenarien abrufen. Dolby Atmos wird automatisch erkannt. Im «Film-Modus» werden sämtliche Soundtracks virtuell um die Dolby-Atmos-Tonspur ergänzt.

Trägt zum aparten Erscheinungsbild bei: die dezidierte Soundbar mit schöner Designer-Stoffabdeckung.Trägt zum aparten Erscheinungsbild bei: die dezidierte Soundbar mit schöner Designer-Stoffabdeckung.

Für die reine Musikwiedergabe wählt man im Menü am besten «Musik», worunter sich ein spezieller «True Sound»-Modus von Bowers & Wilkins verbirgt. Damit ist man bei sämtlichen Musikprogrammen sehr gut bedient. Die Klangqualität verdient durchaus das Attribut «HiFi-tauglich», so dass manch ein Besitzer damit liebäugeln wird, diesen Fernseher auch mal nur als Soundsystem ohne Bildschirm einzusetzen. Dazu kann man Letzteren per Menü ganz ausschalten. Ein beliebiger Tastendruck auf der Fernbedienung aktiviert das Display dann wieder.

Somit ist es auch denkbar, den TV kabellos via Tablet oder Handy als «Wireless»-Lautsprecher anzusteuern. Möglich ist dies einerseits via Bluetooth. Darüber hinaus ist der OLED+935 auch mit DTS Play-fi ausgestattet, einem Streaming-Client, der alle gängigen Musikdienste (so auch Qobuz, Spotify und Tidal) integriert hat. Die App offeriert nicht nur die Titelwahl, sondern auch die Remote-Lautstärkeregelung. DTS Play-fi beinhaltet ausserdem Multiroom-Streaming – darunter die Möglichkeit, den Fernsehton auf einen kompatiblen Lautsprecher beispielsweise in der Küche zu streamen. Zukünftig soll damit auch die Wireless-Anbindung von Subwoofer und Surround-Lautsprechern möglich werden. TP Vision (der Hersteller von Philips-TVs) hat entsprechende Produkte bereits in Planung. Ein Vorteil von Play-fi ist dabei, dass die Musik zwischen TV-Gerät und Wireless-Lautsprechern immer synchron bleibt. Ansonsten kann minimer Zeitversatz das Hör- und Sehvergnügen empfindlich stören.

Die Zusammenarbeit mit Bowers & Wilkins zahlt sich auch beim neuen OLED-Topmodell von Philips aus.Die Zusammenarbeit mit Bowers & Wilkins zahlt sich auch beim neuen OLED-Topmodell von Philips aus.

Aber auch ohne zukünftige Erweiterungen überzeugt die Tonabteilung des OLED+935 auf der ganzen Linie. Dem Autor ist derzeit kein Fernseher bekannt, der eine bessere Klangqualität anbieten würde. Das Soundsystem von Bowers & Wilkins ist übrigens in allen drei verfügbaren Bilddiagonalen (48, 55 und 65 Zoll) das Gleiche.

Top-Bildqualität

Schon der Vorgänger hatte im Test (nachzulesen: hier) mit seiner aussergewöhnlich hohen Bildqualität gefallen. Punkto Farbbrillanz und Schwarzwiedergabe punktet auch das neue Modell auf voller Linie. Fortschritte gegenüber dem letztjährigen Modell wurden vor allem beim Bildprozessor erzielt.

Gute Naturaufnahmen bringt der Philips OLED+935 in voller Farbpracht.Gute Naturaufnahmen bringt der Philips OLED+935 in voller Farbpracht.

Die hauseigene «P5 Engine» verfügt nun über einen neuartigen KI-Modus: Dieser soll mit fortwährender Analyse der wechselnden Bildinhalte die wichtigen Wiedergabe-Parameter wie etwa Kontrast, Farbsättigung, Bildschärfe und Bewegungsdarstellung stetig optimieren. Dazu muss man im Menü «Bildeinstellungen» erst «KI» auswählen. Eine integrierte Demo-Show veranschaulicht dem Anwender auf Wunsch die Wirkungsweise der künstlichen Intelligenz.

Vollautomatisch perfekt arbeitet diese freilich dann doch nicht. In einem Untermenü kann man alle Parameter in der Intensität des Regeleingriffs in drei Stufen dosieren. Unser (zugegeben nur) kurzes Ausprobieren zeigte, das der KI-Modus vor allem bei geringerer Dosierung gute Ergebnisse erzielte. Dies gerade auch, wenn das Videomaterial (wie beim alltäglichen Fernsehkonsum häufig) punkto Signalqualität nur durchschnittlich war.

Die intelligente Bildverarbeitung bietet neu auch eine durchdachte «Anti-Burn»-Lösung, die mittels ausgefeilter Logo-Erkennung die Bildschirmfläche auf 32'400 Zonen überwacht. Sie erkennt sehr genau statische Inhalte und reduziert dann schrittweise die lokale Helligkeit, um OLED-Einbrenneffekten vorzubeugen. Dies, ohne die Helligkeit auf dem übrigen Bildschirm zu beeinträchtigen. 

Der OLED+935 unterstützt alle wichtigen HDR-Formate. Dabei verarbeitet die neue Engine Quellen mit HLG, HDR10 sowie HDR10+ und verbessert auf Wunsch sogar die Wiedergabe von dynamisch kodierten Dolby-Vision-HDR-Inhalten im speziellen «Dolby Bright Mode». 

Überlegene Schwarzwiedergabe und hohe Farbbrillanz zahlen sich gerade in dunkeln Bildszenen deutlich aus.Überlegene Schwarzwiedergabe und hohe Farbbrillanz zahlen sich gerade in dunkeln Bildszenen deutlich aus.

Zur Bestform läuft der OLED+935, wenn ihm gutes Filmmaterial – beispielsweise ab Netflix – zur Verfügung gestellt wird. HDR- oder Dolby-Vision-codierte Filme/Serien in UHD kommen in einer Bilderpracht, die keine Wünsche offen lässt. Seine prinzipbedingt überlegene Schwarzwiedergabe setzt der OLED-TV eindrucksvoll bei Weltraum-Operas à la «Away» in Szene. Generell ist man hier mit dem Wiedergabe-Modus «Film» am besten bedient. Aber auch Musikfilme wie etwa «Devil at the Crossroads» sind über den OLED+935 eine Klasse für sich. Selbst Bild- und Tonmaterial, das weder Dolby-Vision- oder Dolby-Atmos-codiert noch in UHD/HDR anliegt, poliert die fortschrittliche Signalverarbeitung zu einem einwandfreien Seh- und Hörvergnügen auf.

Auch Weltraum-Operas auf Netflix laufen über den OLED+935 zur visuellen Höchstform auf.Auch Weltraum-Operas auf Netflix laufen über den OLED+935 zur visuellen Höchstform auf.

Erfreut stellt man auch beim diesjährigen Philips-OLED-Flaggschiff fest, dass Spiegelungen auf der Display-Oberfläche kein ernsthaftes Problem darstellen. Man muss also auch tagsüber sein Heimkino nicht abdunkeln. Standardmässig passt ein integrierter Lichtsensor die Bildschirmhelligkeit an das Umgebungslicht an. Optional lässt sich diese Funktion freilich auch ausschalten. Dann steigt jedoch auch der Stromverbrauch, der prinzipbedingt bei einem direkt lichterzeugenden OLED-Fernseher per se schon deutlich höher ist als bei einem modernen LCD/LED-TV. Mit dem Energie-Effizienzlabel B verbraucht ein OLED rund doppelt so viel, bleibt jedoch mit nominell 159 Watt noch in einem problemlos verkraftbaren Bereich.

Die rückwärtig integrierte Fernsehleuchte Ambilight trägt im Übrigen nur wenig zum Stromverbrauch bei. Sie erweitert das Seherlebnis vor allem nachts ungemein. Im Unterschied zum letztjährigen Modell verfügt der OLED+935 nun sogar über vierseitiges Ambilight, welches in seiner Farbpracht und Aktionsweise vielfältig an den eigenen Geschmack angepasst werden kann.

Übersichtlich: Die neue Fernbedienung gefällt mit beleuchteten Tasten und mit Leder-eingefasstem Rücken.Übersichtlich: Die neue Fernbedienung gefällt mit beleuchteten Tasten und mit Leder-eingefasstem Rücken.

Auch die Fernbedienung wurde überarbeitet und besitzt beleuchtbare Tasten, die im Dunkeln die Navigation erleichtern. Der neue Befehlsgeber liegt gut und – dank lederbemantelter Rückseite – auch sehr angenehm in der Hand. Lediglich beim oft benötigten Navigationskreuz (etwa bei Netflix) hätte man sich haptisch klarer abgesetzte Pfeilsymbole gewünscht. Aber nach kurzer Gewöhnung hat man auch das sicher im Griff. Wer lieber auf Sprachsteuerung setzt, kann das integrierte Alexa verwenden. Der OLED+935 arbeitet (wie schon der Vorgänger) mit dem Android-Betriebssystem der Version 9 (Pie) und stellt Benutzer, die mit Android etwas vertraut sind, vor keine grösseren Probleme.

Fazit

Das dezidierte Soundsystem – made by Bowers & Wilkins – ist bei der neuen OLED+935-Reihe von Philips nochmals deutlich verbessert worden. Der aufgesetzte Hochtöner ist kein unnötiger Gimmick, sondern sorgt für eine verblüffend gute Durchhörbarkeit sowohl von Soundtracks wie auch von Musik.

Das vierseitige Ambilight kommt bei der Wandmontage des OLED+935 visuell am Besten zur Geltung.Das vierseitige Ambilight kommt bei der Wandmontage des OLED+935 visuell am Besten zur Geltung.

Das vierseitige Ambilight verleiht dem OLED-Fernseher ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Die Bildqualität ist wie schon beim Vorgänger top. Der Preis von CHF 2999 (Katalogpreis) ist für einen solchen 55-Zoll-OLED-TV der Spitzenklasse absolut gerechtfertigt. Das 65-Zoll-Modell kostet CHF 3999, das 48-Zoll-Modell CHF 2699.

Wem das zu viel ist, der kann sich die neuen LED-Modelle PUS9435 von Philips anschauen, die ebenfalls mit einem überdurchschnittlich guten Soundsystem von Bowers & Wilkins aufwarten. Hier kostet das 55-Zoll-Modell CHF 1999, das 65-Zoll-Modell CHF 2299.

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