Klangschloss-Hörküche.Das intime Musikhören mit Kopfhörer wird immer wichtiger. Die Musik dringt direkt in die Gehörgänge ein und ist ganz nah, anders als im Konzertsaal, aber nicht minder intensiv und ohne die Mitbewohner zu stören.
Was einst der Walkman initiierte, führt das Smartphone konsequent weiter. Die Musik ist überall dabei, und dies dank moderner Technik in herausragender Qualität und nun in Verbindung mit Video. Diese Entwicklung belebt die Nachfrage auch nach sehr hochwertigen Kopfhörern für das Musikhören zuhause und unterwegs.
Höchste Zeit also, dass Kopfhörer im Klangschloss eine bedeutende Rolle spielen! Wer die Ausstellung kennt, der hat besondere Inszenierungen von hochkarätigen Musikanlagen in stimmungsvollen Räumen erlebt. Dies soll auch für Kopfhörer gelten, und so liessen wir uns etwas einfallen, die Kopf-Hör-Küche. Die Schlossküche mit altem Herd, verwinkeltem Charme und viel Patina wird als Ausstellungsraum für die Creme de la Creme der Kopfhörer inszeniert.
Die Vertriebe der angesagten Marken waren spontan begeistert von der Idee, und so wird die Küche zum Stelldichein der Stars in der Szene: Stax, Hifiman, Audeze, FloatQA, Abyss lassen dem Kenner das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Vergleichen
Man gebe verschiedenen Köchen dieselben Zutaten und lasse sie ein Menü kreieren. Ganz so kreativ soll unser Kopfhörervergleich nicht sein, aber wir wollten nutzen, dass man Kopfhörer relativ einfach unter denselben Bedingungen vergleichen kann. Wir benötigen dieselbe hochwertige Quelle (ein Musikserver von Weiss High-End) und verteilen das Musiksignal auf verschiedene Hör-Stationen. Die von den Ausstellern zusammengestellte Playlist läuft in einem Loop und erlaubt den Besuchern unmittelbare Vergleiche.
Eine Gelegenheit, um Topkopfhörer direkt zu vergleichen.Elektrostaten und Magnetostaten
Das mit Abstand gebräuchlichste Wandler-Prinzip für Kopfhörer ist das elektrodynamische. Es erlaubt sehr guten Klang von günstig bis teuer. Doch wenn es um absolute Klangreinheit geht, trifft man meist auf die beiden alternativen Wandler-Prinzipien: Elektrostaten und Magnetostaten. Dabei wird eine hauchdünne und grossflächige Folie in Schwingung versetzt und kann wegen der extrem geringen bewegten Masse und dem vollflächigen Antrieb dem Musiksignal besonders genau folgen.
Beim Elektrostaten schwingt die unter eine hohe Spannung gesetzte Folie zwischen zwei Statoren, an welche das Musiksignal angelegt wird. Zur Erzeugung der Hochspannung wird ein externes Speiseteil mit Übertrager benötigt oder ein speziell konzipierter Verstärker (oft auf Röhrenbasis). Beim Magnetostaten durchfliesst das Musiksignal Leiterbahnen, die auf eine Folie aufgebracht sind. Die Folie befindet sich in einem Magnetfeld, was die Bewegung im Takt der Musik auslöst.
Diese Hörer lassen sich direkt an jeden üblichen Kopfhörerausgang anschliessen und je nach Empfindlichkeit auch an portable Geräte.
Der elektrostatische Hörer FloatQA geht zurück auf Jürg Jecklins Erfindung von 1971.In der Schlossküche wickeln ausschliesslich Folienwandler die Zuhörer um den Finger! Dabei treffen die traditionsreichen elektrostatischen Hörer von Stax (80-jähriges Firmenjubiläum) und der FloatQA (geht zurück auf Jürg Jecklins Erfindung von 1971) auf die recht jungen Hersteller von Magnetostaten, Hifiman, Audeze und Abyss.
Dazu gesellt sich ein portabler elektrostatischer Hörer von Shure, der KSE1500. Und im Raum von Weiss wartet ein ganz nobler Gast, der in letzter Minute das elektrostatische Line-up perfektioniert: der HE-1 von Sennheiser, ebenfalls ein Hörer mit einer grossen Geschichte (Orpheus) und zusammen mit dem Röhrenverstärker ein veritables Kunstwerk.
Neuere Top-Kopfhörer setzen oft auf das magnetostatische Wandlerprinzip. Im Bild die sehr erfolgreichen Audeze LCD3 aus Kalifornien.Im-Kopf-Lokalisation überwinden
Viele Musikhörer vermissen bei Kopfhörern das frontale Hören wie bei Lautsprechern oder eben im Konzert, denn die Musik wird vor allem im Kopf wahrgenommen. Nun ist dieser Effekt grundsätzlich auch ein aufnahmeseitiges Problem, denn praktisch alle Musikaufnahmen werden im Studio für Lautsprecherwiedergabe abgemischt, wo ein Übersprechen von linkem Lautsprecher aufs rechte Ohr und umgekehrt stattfindet.
Kopfhörergerecht sind dagegen binaurale Aufnahmen, welche mit Kunstkopf oder ähnlichen Methoden gemacht werden, mit der Idee, dass bei der Aufnahme genau das aufgenommen wird, was ein Hörer in einem echten Konzertsaal wahrnimmt. Der Musikhörer sitzt, wenn er eine solche Aufnahme mit Kopfhörer hört, quasi am Ort des Geschehens. Im Zusammenhang mit der Entwicklung mit Virtual Reality und VR-Brillen gewinnt dieses Verfahren neu an Bedeutung. Veronique Larcher wird in einem Vortrag (Samstag, 14. April, 13 Uhr) die Thematik der Augmented Audio Reality vertiefen und das passende Aufnahme- und Wiedergabe-Konzept Ambeo von Sennheiser darlegen. Neu nutzt etwa der Zürcher Jazz Club Moods Ambeo, um Live-Streams zu übertragen.
ESL Home von Sombetzki.Eine rein wiedergabeseitige Lösung präsentiert Amoenus Audio, ein innovativer kleiner Hersteller aus Bern mit seinem Authentic Stereo Monitor, um das Musiksignal kopfhörergerecht aufzubereiten.
Eine originelle Lösung und ein Zwischenschritt zum üblichen Lautsprechersetup ist der ESL Home von Sombetzki. Zwei elektrostatische Panels werden nahe beim Hörer aufgestellt (circa 1 m), sodass automatisch eine Front-Lokalisation durch Übersprechen entsteht, aber die Intimität und Intensität des Kopfhörer-Erlebnisses durch die Nähe und die grossflächigen Panels erhalten bleiben. Übertragen werden auch tiefe Töne, die vom Körper aufgenommen werden, und somit wird ein anderes Manko von Kopfhörern behoben.
Wie in den guten alten Zeiten
In den Zeiten, als man noch Schallplatten im Lieblingsladen kaufte, waren Kopfhörer an der Schallplattenbar ein Garant für heisse Ohren, ob wegen dem hohen Anpressdruck, der tollen Musik oder dem adretten Visavis! Die Analog Audio Association lässt mit drei Vintage-Musikanlagen diese Szenerie augenzwinkernd aufleben.
Die alten Zeiten haben Toningenieur Ralph Zünd von 2inch Records zu einem neuen Aufnahmeverfahren inspiriert: straight2tape®, heisst über eine analoge Konsole direkt auf eine originale Studer-Bandmaschine. Die Musiker spielen ihre Songs zusammen im Studio direkt ein und inmitten von Zuschauern. Diese können den Prozess über Kopfhörer mitverfolgen und werden hautnah Zeuge, wie der Tonträger entsteht: 100 % live – 100 % analog und ohne Computer. Im Schloss gibt er über Kopfhörer und Bildschirm einen Einblick in die bisherigen Sessions und lässt etwas von dem Geist aufleben, in dem manche grosse Alben des letzten Jahrhunderts entstanden sind, etwa von Elvis Presley oder Johnny Cash.
Aus dieser Zeit vor einem halben Jahrhundert berichtet Musikredaktor Lothar Brandt in seinem Vortrag über 1968, das bewegte Jahr des Aufbruchs und was dies musikalisch bedeutete. Doch dazu müssen keine Kopfhörer angezogen werden, man versteht Lothar sehr gut, «analog» und ohne Mikros! Die Musik darf dann über Lautsprecher klingen.
Lothar Brandt berichtet Musikalisches über 1968, das bewegte Jahr des Aufbruchs.Auf ins Schloss
Samstag, 14. April 10–19 Uhr
Sonntag, 15. April 10–17 Uhr
Eintritt 10 CHF (inkl. Getränkebon)
Keine Reservation erforderlich
Informationen: www.klangschloss.ch

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