20. August 2019 | seit 1999
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4K direkt aus der Dose

In der Kabel-TV-Dose steckt mehr als man denkt. Dank DVB-C2 ist sie auch 4K/UHD-fähig. (Bild: burosch.de)

Die Kabel-TV-Netzverteiler haben allerdings Glück. Auch in den neusten TV-Geräten schlummert noch immer eine Kabelanschlussdose (DVB-C), die heute dank Settopboxen kaum jemand nutzt. Weil die Boxen nicht 4K-tauglich sind, übertragen die Kabler die EM-Spiele einfach bis zur Wanddose. Dort soll dann ein Kabel und ein 4K-tauglicher DVB-C-Empfänger im TV-Gerät für UHD-Bilder sorgen.

Ob und mit welchen TV-Modellen das funktionieren wird, ist offen. Sicher ist nur, dass die ersten 4K-TV-Käufer, die ihn ihrem Gerät kein HEVC/H.265 haben, ausgeschlossen sind. Im Prinzip ist für die Übertragung von 4K via Kabel der Standard DVB-C2 vorgesehen. Eine Suche nach DVB-C2-Modellen bei Toppreise.ch hat allerdings lediglich eine Handvoll Samsung-Modelle aufgelistet. Mehr Hintergründe zu DVB-C2 liefern Burosch und Wikipedia sowie das DVB-Konsortium.

Ab 7. Juni soll, so der Plan, ein neuer Sender „SF 2 UHD“ in den Kabelnetzen vertrieben werden. Ob dabei wirklich DVB-C2 verwendet wird, oder ob die Kabler einfach das alte DVB-C hochfrisieren, wird aus dem Schreibenden noch nicht klar. Aber egal: Wer seinen Fernseher richtig anstöpselt und die Daten für einen Kanalsuchlauf noch irgendwo findet, darf auf den neuen 4K-Sender hoffen. Die Einstelldaten für UPC finden sich übrigens hier.

Vom Abotyp soll der 4K-Inhalt übrigens nicht abhängig sein. Laut der UPC-Pressestelle können alle Kunden, die TV via DVB-C empfangen, auch die EM-Spiele in 4K auf der Dose haben.

Schwarzer 4K-TV mit Swisscom TV 2.0

Dass aber auch eine 4K-Settopbox nicht alle Probleme löst, mussten in den letzten Wochen viele Swisscom-Kunden erfahren, welche auf die neue UHD-taugliche Swisscom-Box 2.0 setzten. Diese verwendet nämlich zwingend das Kopierschutzverfahren HDCP 2.2. Auch hier patzen die ersten 4K-TV-Modelle, weil diese verkauft wurden, bevor der Kopierschutz wirklich definiert war. Schliesst man an einen TV ohne HDCP 2.2 die Swisscom-Box an, bleibt der Schirm schlicht schwarz. Und das auch bei normalen SD- oder Full-HD-Sendern.

Auch wer „zukunftsträchtig“ die neue Box an einen alten Full-HD-Fernseher anschliesst, wird nur den Krimi „Ewige Nacht“ sehen können. Welche Modelle wirklich HDCP 2.2 an welchen HDMI-Dosen unterstützen, muss man mühsam aus den Datenblättern klauben. Eine nicht vollständige und leicht veraltete Liste findet sich hier. Swisscom will sich aber gegenüber enttäuschen TV-2.0-Besitzern tolerant verhalten: "Ist ein Kunde mit unserem Produkt nicht zufrieden oder funktioniert etwas nicht, prüfen wir eine allfällige Kulanz individuell", erklärte man auf Anfrage.

Wer also heute einen 4K-Fernseher kauft, sollte auf HDCP 2.2, HDMI 2.0, HEVC/H.265, allenfalls HDR und jedenfalls auf einen Kopfhörer-Anschluss achten. Zur Kopfhörerfrage mehr in der nächsten Kolumne.

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