TESTBERICHT
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Schau mir ins Auge

Neuentwicklung: Die Nikon Z 50 nutzt für die automatische Scharfstellung die Phasen- und Kontrastmesszellen auf dem neuen APS-C-Bildsensor. Gesichts- und Augenerkennung sind ebenfalls möglich.Neuentwicklung: Die Nikon Z 50 nutzt für die automatische Scharfstellung die Phasen- und Kontrastmesszellen auf dem neuen APS-C-Bildsensor. Gesichts- und Augenerkennung sind ebenfalls möglich.

Obwohl der APS-C-Chip in der Grösse den Sensoren entspricht, die auch in den Nikon-Spiegelreflex-Modellen D500 und D7500 verbaut werden, musste er neu konstruiert werden. Durch den Wegfall des Spiegels entfällt auch das separate Autofokus-Modul. Die Z 50 kombiniert wie die Vollformatmodelle zur automatischen Scharfstellung AF-Phasen- und Kontrastmessung direkt auf dem Bildsensor.

Es stehen total 209 AF-Messfelder zur Verfügung, die 90 Prozent der Sensorfläche in der Horizontalen und in der Vertikalen abdecken. Damit ist eine Schärfeverfolgung des Motivs bis nahe an den Rand hin möglich. In der Praxis funktionierte dies bei den beiden Kit-Objektiven sehr zügig, zielsicher und geräuscharm.

Das Verhalten der automatischen Scharfstellung lässt sich dem Aufnahmeobjekt anpassen. Einzel- oder Dauerfokus, Art und Grösse des Messfelds, Objekterkennung und Verfolgung sowie Tracking-Empfindlichkeit stehen zur Verfügung. Natürlich bietet die Z 50 neben der Tracking-Funktion auch eine Gesichts- und Augenerkennung. Beim Fotografieren von Porträts ist dies eine angenehme Hilfe. Erkennt die Kamera mehrere Gesichter oder Augen, kann per Pfeiltasten das gewünschte ausgewählt werden. Bewegt sich ein erkanntes Gesicht, verfolgt es die Z 50 und führt den Fokuspunkt nach. Bei der Wiedergabe lässt sich per OK-Taste direkt auf das fokussierte Auge einzoomen.

In den Praxistests gelang die Erkennung bei ausreichendem Licht problemlos und sicher. Die Augen wurden auch bei leichter Abwendung des Kopfs zur Kamera und durch feine Haarsträhnen hindurch scharfgestellt. Hier leistet die Nikon Z 50 durchaus gute Arbeit, wenn man bedenkt, dass die Kit-Objektive mit Anfangsblenden von f/3,5 und f/4,5 nicht zu den lichtstärksten gehören. Die Augenerkennung kann auch bei kontinuierlichem Autofokus hinzugeschaltet werden, jedoch nicht beim Videofilmen. Hier bleibt es bei der Gesichtserkennung.

Die kürzeste Verschlusszeit des mechanischen Schlitzverschlusses beträgt 1/4000 Sekunde. Wer Erschütterungen vermeiden möchte und mit elektronischem ersten Verschlussvorhang aufnimmt, ist auf eine 1/2000 Sekunde eingeschränkt. Mit dem elektronischen Verschluss lässt sich geräuschlos auslösen. Einzelbilder können durch Fingertipp auf den Touchscreen fokussiert und wenn gewünscht beim Abheben des Fingers auch gleich aufgenommen werden.

Wird auf schnelle Serienaufnahmen umgeschaltet, sind bis zu 11 Bilder pro Sekunde möglich, mit nachgeführtem Autofokus und Belichtungsmessung! Das ist toll und sogar noch etwas schneller als bei einer Z 7. Am meisten scharfe Sport-, Action- oder Wildlife-Fotos erhält man, wenn das zum Motiv passendste AF-Messfeld gewählt wird. Ausprobieren ist angesagt.

Beruhigte Aufnahmen

Der Nikon Z 50 fehlt leider der Kamera-interne sensorbasierte 5-Achsen-Bildstabilisator der Z 6 und Z 7. Das heisst, man ist zur Bildberuhigung auf Objektive mit eingebautem Stabilisator (VR) angewiesen. Das sind im Z-Angebot momentan nur die beiden neuen DX-Kit-Objektive, alle bisherigen Z-Objektive für das Vollformat haben keinen VR, da sie ja für die Z 6 und Z 7 entwickelt wurden.

Dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn neue Vollformat-Z-Optiken auf den Markt kommen. Die Z 50 kann mit ihnen nichts stabilisieren und man wird die ISO höher schrauben müssen, um auf eine genügend schnelle, verwacklungsfreie Verschlusszeit zu kommen. Mit dem Risiko von erhöhtem Rauschen im Bild.

Mit dem Bajonettadapter FTZ lassen sich auch Objektive aus dem D-SLR-System mit F-Bajonett und eingebautem VR anschliessen. Das mag fürs Fotografieren gehen, wer jedoch filmen möchte, wird schnell feststellen, dass ein sanftes und vor allem geräuschloses Arbeiten mit Autofokus damit nicht möglich ist.

F-Bajonett-freundlich: Die Nikon Z 50 nimmt über den Bajonettadapter FTZ auch Nikkor-Objektive mit F-Bajonett auf. Hier das DX Nikkor 10–20mm VR mit eingebauter Bildstabilisierung.F-Bajonett-freundlich: Die Nikon Z 50 nimmt über den Bajonettadapter FTZ auch Nikkor-Objektive mit F-Bajonett auf. Hier das DX Nikkor 10–20mm VR mit eingebauter Bildstabilisierung.

Die Bildstabilisierung in den beiden DX-Kit-Objektiven wird über das Kameramenü aktiviert. Es gibt keinen Schalter am Objektiv selbst. Mit den 50–250-mm-Objektiv im Teleanschlag gelangen mir scharfe Aufnahmen aus der Hand bis 1/15 Sekunden. Das 16–50mm-Objektiv erlaubte im Weitwinkel sogar händische Aufnahmen bis hin zu 1/5 Sekunde. Wer schnelle Objekte verfolgt, sollte nicht vergessen, den optischen VR im Menü von «Normal» auf «Sport» zu stellen.

Picture-Control

Für Alltags-Aufnahmen kann man sich auf die Matrix-Belichtungsmessung der Nikon Z 50 verlassen. Zusammen mit dem automatischen «Active D-Lighting» erhält man die besten Ergebnisse mit natürlichem Kontrast und Details in hellen und dunklen Bereichen. Bei extrem hellen Szenen, etwa Schauspieler im Scheinwerferlicht, bringt die «lichterbetonte Messung» sehr gute Bilder, da die Kamera nicht nur versucht, Überbelichtungen zu vermeiden, sondern auch die Farbe der Lichtquelle zu erhalten.

Die folgenden Fotos wurden in 20,9-MB-Auflösung und mit den beiden Kit-Objektiven aufgenommen. Sie zeigen Beispiele für den Bokeh-Effekt, das ISO-Rauschverhalten und dem Brennweitenbereich des 50–250mm-Objektivs. Objektivstörungen wie Vignettierungen oder Farbsäume werden von der Z 50 sehr gut herausgerechnet und sind kaum erkennbar.

Wie schon bei den Nikon-Spiegelreflex-Modellen D500 und D7500, die ja einen ähnlichen Bildsensor verwenden, einfach ohne Phasenerkennung auf dem Chip, kann auch bei der Z 50 die ISO-Empfindlichkeit je nach Motiv bis zu ISO 12'800 geschraubt werden, ohne dass die Bilder zu stark unter Rauschartefakten leiden.

Für die Bilderstrecke wurden die originalen JPEG-Dateien direkt aus der Nikon Z 50 genommen und nur auf Web-Grösse reduziert. Bemerkungen bei den Bildern: Verwendetes Objektiv und Brennweite; Belichtungs-Modus P = Programm, A = Blendenvorwahl bzw. Zeitautomatik, S = Zeitvorwahl bzw. Blendenautomatik, M = manuelle Einstellung; Blende; Verschlusszeit; ISO-Empfindlichkeit; Weissabgleich; Szenentyp; spezielle Anmerkungen. Die Nikon Z 50 besass die Firmware-Version 01.00.

Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 130 mm, M, f/5.3, 1/400 sec., ISO 7200, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 130 mm, M, f/5.3, 1/400 sec., ISO 7200, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 16-50mm, Brennweite 23 mm, M, f/4.2, 1/125 sec., ISO 800, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 16-50mm, Brennweite 23 mm, M, f/4.2, 1/125 sec., ISO 800, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 50 mm, M, f/11, 1/60 sec., ISO 400, WB Auto, Szenentyp Landschaft.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 50 mm, M, f/11, 1/60 sec., ISO 400, WB Auto, Szenentyp Landschaft.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 250 mm, M, f/11, 1/125 sec., ISO 1100, WB Auto, Szenentyp Landschaft.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 250 mm, M, f/11, 1/125 sec., ISO 1100, WB Auto, Szenentyp Landschaft.
Obj. Z DX 16-50mm, Brennweite 37 mm, M, f/5.3, 1/3 sec., ISO 12800, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 16-50mm, Brennweite 37 mm, M, f/5.3, 1/3 sec., ISO 12800, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 130 mm, M, f/7.1, 1/400 sec., ISO 100, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 130 mm, M, f/7.1, 1/400 sec., ISO 100, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 190 mm, M, f/5.6, 1/125 sec., ISO 3600, WB Auto, Szenentyp Standard.
Obj. Z DX 50-250mm, Brennweite 190 mm, M, f/5.6, 1/125 sec., ISO 3600, WB Auto, Szenentyp Standard.

Spiegelreflexkameras von Nikon neigen bei automatischem Weissabgleich zu einer eher kühlen Stimmung auf JPEG-Fotos direkt aus der Kamera. Bei der Z 50 hat man die Wahl zwischen drei automatischen Weissabgleichseinstellungen. Bei «A0» bleibt weiss im Bild weiss, indem warme Farben reduziert werden, «A1» berücksichtigt die gesamte Atmosphäre im Bild, und «A2» betont warme Farben. Daneben stehen weitere acht manuelle Weissabgleichseinstellungen bereit, mit bis zu sieben unterschiedlichen Leuchtstoffröhren-Typen. Schliesslich darf auch noch ein eigener Messwert eingegeben und gespeichert werden.

Die Anmutung von Fotos und Videofilmen kann neben der Belichtungsmessung und dem Weissabgleich durch vier Hauptbelichtungs-Modi, 16 Motivprogramme und 10 Spezialeffekte bestimmt werden. Genügt dies nicht, stehen mit dem «Picture-Control-System» über 20 verschiedene Bildkonfigurationen zur Verfügung. Die ausgewählte Stimmung lässt sich auch noch weiter modifizieren.

Einige «Picture-Control»-Konfigurationen zeigt die folgende Bilderstrecke. Die Fotos wurden mit dem DX-Kit-Objektiv 50–250 mm aufgenommen, Brennweite (Kleinbild) 172 mm, Blende f/7,10, Belichtung 1/640 Sekunde, ISO 200, Matrix-Messung, Szenentyp «Standard», Active D-Lighting «Normal», Weissabgleich «Bewölkt».

Picture-Control «Standard»
Picture-Control «Standard»
Picture-Control «Neutral»
Picture-Control «Neutral»
Picture-Control «Brillant»
Picture-Control «Brillant»
Picture-Control «Monochrom»
Picture-Control «Monochrom»
Picture-Control «Porträt»
Picture-Control «Porträt»
Picture-Control «Landschaft»
Picture-Control «Landschaft»
Picture-Control «Ausgewogen»
Picture-Control «Ausgewogen»
Picture-Control «Traum»
Picture-Control «Traum»
Picture-Control «Morgen»
Picture-Control «Morgen»
Picture-Control «Pop»
Picture-Control «Pop»
Picture-Control «Sonntag»
Picture-Control «Sonntag»
Picture-Control «Düster»
Picture-Control «Düster»
Picture-Control «Dramatisch»
Picture-Control «Dramatisch»
Picture-Control «Stille»
Picture-Control «Stille»
Picture-Control «Verblichen»
Picture-Control «Verblichen»
Picture-Control «Melancholisch»
Picture-Control «Melancholisch»
Picture-Control «Rein»
Picture-Control «Rein»
Picture-Control «Jeans»
Picture-Control «Jeans»
Picture-Control «Spielzeug»
Picture-Control «Spielzeug»
Picture-Control «Sepia»
Picture-Control «Sepia»
Picture-Control «Blau»
Picture-Control «Blau»
Picture-Control «Rot»
Picture-Control «Rot»
Picture-Control «Pink»
Picture-Control «Pink»
Picture-Control «Holzkohle»
Picture-Control «Holzkohle»
Picture-Control «Graphit»
Picture-Control «Graphit»
Picture-Control «Binär»
Picture-Control «Binär»
Picture-Control «Russ»
Picture-Control «Russ»

Wer seine Aufnahmen im NEF-(RAW-)Format speichert, hat bei der späteren Bildbearbeitung noch genügend Reserven auch für grössere Veränderungen. Die Software Capture NX-D von Nikon bietet speziell für das Verarbeiten von RAW-Aufnahmen entwickelte Funktionen in Form von komfortabel und intuitiv anwendbaren Werkzeugen. Selbstverständlich lassen sich die NEF-(RAW-)Bilder auch mit anderen RAW-Convertern bearbeiten.

Im Bildbearbeitungsmenü der Z 50 kann der Fotograf seine abgespeicherten Bilder direkt in der Kamera noch nachträglich bearbeiten. Die Palette reicht dabei von Beschneiden, Verkleinern, Ausrichten über verschiedene Korrekturen bis hin zu Filtereffekten. Selbst ein nachträgliches «D-Lighting» ist möglich. Fotos im NEF-(RAW-)Format können als neue JPEG-Varianten gespeichert werden.

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