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MUSIKREZENSION
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Publikationsdatum
5. Februar 2017
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Zwei neue HiRes-Alben – beide in Flac 96/24 – haben mich aufgewühlt: Es sind die Alben "Erbarme dich" mit dem Ensemble A Nocte Temporis und seinem Chef, dem Tenor Reinoud van Mechelen, und die "Französischen Suiten" BWV 812–817, gespielt von Murray Perahia.

Der französische Musikwissenschaftler Gilles Cantagrel gibt zum erstgenannten, vom 9. bis 13. Mai 2016 in der Eglise Sainte Aurele in Strassburg aufgenommenen Album einen ganz gewiss hochfundierten Kommentar. Er lässt aber kaum erkennen, wie er sich deren Interpretation im Detail vorstellt.

Doch das Ensemble A Nocte Temporis mit seinem Leader Reinoud van Mechelen (Tenor), Anna Besson (Flöte), Benjamin Alard (Orgel) und Ronan Kernoa (Cello) weiss, wie man Bach zu spielen hat. Sein Ziel ist es, die hier sinnvoll ausgewählten Bachwerke wie Choral-Vorspiele für Orgel, Ausschnitte aus Trio-Sonaten, Rezitative und Arien nicht nur auf Kopien alter Meister-Instrumente zu spielen, sondern auch – nach neusten Erkenntnissen der Musikwissenschaftler – möglichst original zu phrasieren.

Ganz anders der Pianist und Dirigent Murray Perahia, der die Französischen Suiten nicht auf dem Cembalo, sondern auf dem Klavier, das Bach damals noch gar nicht kannte, spielt. Murray Perahia gab in einem Interview zu seiner Art, Bach zu interpretieren, Folgendes an: "Viele Kritiker und auch einige grosse Pianisten lehnten Bach auf dem Klavier strikt ab, das Cembalo kam als einziges Instrument in Betracht. Das wirkte sehr abschreckend, weswegen ich es als Herausforderung annahm. Ich befasste mich zwei Jahre lang mit dem Cembalo und versuchte, die in dieser Zeit gewonnenen Erkenntnisse auf mein Klavierspiel zu übertragen, was aber gar nicht einfach war. Nach und nach fand ich meinen eigenen Weg, Bach auf dem Klavier zu spielen."

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