16. November 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
4. Februar 2008
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Das Digital-Movie-System DM 2 vom Lautsprecherspezialisten Canton ist ein sogenanntes 2.1 Musiksystem und soll mit lediglich drei Komponenten ein vollwertiges Klangfeld erzeugen, wie es sonst nur bei 5.1 Systemen möglich ist.

Dieser Bericht zeigt, ob es auch beim Anhören von Musik in Stereo Spass bereiten kann.

2.1 - Virtual-Surround-Systeme bestehen im Prinzip aus zwei Satelliten-Lautsprechern, einem Basslautsprecher und einem sogenannten AV-Receiver mit integriertem FM-Tuner. Doch wer das in Deutschland gefertigte DM 2 von Canton auspackt, wird den AV-Receiver nirgends entdecken.

Dieses meist nicht zu übersehende Gerät hat Canton nicht einfach vergessen der Verpackung beizulegen. Die cleveren Canton-Designer haben dieses Steuergerät elegant in den Basslautsprecher integriert, das Display in die Fernsteuerung.

Das Schwester-System des DM 2, das DM 1, arbeitet ganz ähnlich, hat aber anstelle der beiden Satelliten einen balkenähnlichen Virtual-Surround-Lautsprecher, der unter den Fernseher gestellt wird.

Alleskönner?

Das DM 2 von Canton ist eine echte, eierlegende Wollmilchsau und kann nicht nur Musik in Stereo spielen, sondern auch mit lediglich zwei kleinen Satelliten und einem Subwoofer, eine verblüffend breite Klangbühne hinzaubern.

Zudem bietet es UKW-Radiohören, die Möglichkeit einen zweiten Raum zu beschallen und bei Bedarf das System als Basis für eine echte 5.1-Surroundanlage mit Center- und Surround-Lautsprechern zu benutzen. Damit aber noch nicht genug.

Die kombinierte Funk- und Infrarot-Systemfernsteuerung bietet eine bidirektionale Funktechnologie zur Bedienung des praktisch unsichtbar platzierbaren Bassmoduls und ist zudem eine lernfähige Infrarotfernbedienung zur Steuerung von Quell- und Bildwiedergabegeräten.

Satelliten mit Pfiff

Aus der Not eine Tugend gemacht: Die kompakten, aber nicht winzigen, Satelliten sind mit einem hochwertigen, koaxialen Zweiwegsystem bestückt.

Canton macht aus der Not eine Tugend: Die kleinen, aber nicht winzigen Satelliten bestückt man nicht einfach mit einem billigen Breitbandsystem, sondern realisiert auf kleinstem Raum ein hochwertiges, koaxiales Zweiwegsystem, indem man eine Hochtonkalotte genau ins Zentrum vor einen Bass-Mitteltöner montiert.

Ein solches System strahlt den Schall nach allen Seiten genau gleich ab. Räumlich bedingte Auslöschungen gewisser Frequenzbereiche gibt es hier nicht, und man kommt dem perfekten Punktstrahler sehr nahe.

Zudem sind diese Satelliten doch so gross, dass sie absolut linear und kräftig bis hinunter zu 150 Hz musizieren und so das berüchtigte "Frequenzloch" zwischen Bass und Satellit kaum hörbar machen.

Digital Power

Der potente Basslautsprecher wiegt imposante 12.5 kg und verfügt über ein ebenfalls schwergewichtiges Basschassis. Seine aus Aluminium bestehende Membran hingegen ist leicht und kann im Zusammenspiel mit einem sorgfältig abgestimmten Bassreflexgehäuse ganz tüchtig auf die Pauke hauen.

Insgesamt sitzen im Subwoofer vier digital arbeitende Endstufen mit insgesamt 350 Watt. Zwei Endstufen bedienen die Satelliten und je ein Endverstärker liefert Power für den Subwoofer und den lediglich im 5.1-Betrieb aktivierten Centerkanal. Ebenfalls sind hier die Elektronik des FM-Tuners und die Komponenten für die Erzeugung des virtuellen Klangbildes untergebracht.

Kontaktfreudig

Sucht Anschluss: Die Rückseite des Subwoofers bietet eine Menge Anschlussmöglichkeiten. Von hier aus lassen sich auch die Grundfunktionen des Systems wie Lautstärke, Wiedergabemodi etc. steuern.

Dieser Subwoofer ist sehr kontaktfreudig, was die vielen Anschlussbuchsen auf seiner Rückseite deutlich zeigen. Hier lassen sich neben der FM-Antenne noch digitale Signale ab SAT-Receiver und DVD-Player sowie analoge Programme ab TV, VCR und Aux zuleiten.

Rein digital verarbeitet und für die spezielle Virtual-Surround Wiedergabe mit zwei Lautsprechern aufbereitet, werden die Bitstreams der Dolby Digital und DTS-Formate. Line-Ausgänge mit Cichbuchsen gibt es für Funk- und Surroundlautsprecher.

Weiter kann ein Aufnahmegerät oder eine zweite Hörzone mit Musiksignalen bedient werden. Zusätzlich zu den Stereo Lautsprecheranschlüssen ist ein Center-Ausgang vorhanden, der allerdings nur bei gewähltem 5.1-Betrieb funktioniert. Was man hier eventuell vermissen könnte, ist ein HDMI-Anschluss zur Aufnahme digitaler Musiksignale ab Blue-ray - oder HD-DVD-Player.

Wenige Tasten - viele Funktionen

Die kombinierte Funk- und Infrarot-Systemfernbedienung mit Informationsdisplay ermöglicht eine bidirektionale Bedienung des praktisch unsichtbar platzierbaren Bassmoduls und ist zudem lernfähig.

Die schön verarbeitet IR-Fernsteuerung besitzt das einzige Display der ganzen Anlage. Rückseitig ist sie mit einem griffigen, aber weich-elastischen Belag beschichtet. So hat man sie jederzeit fest im Griff und auch hochempfindliche Unterlagen werden nicht von ihr zerkratzt.

Über lediglich zwölf Tasten werden alle die vielen Funktionen des Systems gewählt. Somit kommt es zwangsläufig zu zahlreichen Doppelbelegungen, was nicht sehr technisch begabte Leute verwirren kann.

Doch nach einem kurzen Studium der Bedienungsanleitung hat man das Ding bereits nach kurzer Zeit voll im Griff. Zudem ist die Fernsteuerung, wie schon erwähnt, lernfähig und kann die Codes anderer IR-Fernsteuerungen übernehmen.

Feinanpassung

Damit das virtuelle Raumempfinden auch wirklich klappt, kann das DM 2 sehr genau den räumlichen Gegebenheiten angepasst werden. So lassen sich im Speaker Setup die Distanzen der Lautsprecher zum Hörer und die Pegel der Systeme eingeben.

Im Parameter Setup kann man Bässe und Höhen regeln, eine Lippensynchronisation vornehmen und einen Bass Expander, für sehr dynamische, aber dennoch kontrollierte Bässe einstellen. Das DM 2 wählt automatisch für jeden Eingang das passende Raumklangprogramm.

Ab CD-Player über analogem Aux-Eingang, wählt es "Analog Stereo" und ab DVD-Player, via Coax-Leitung, den Betrieb "Dolby Digital".

Überraschung in Stereo

Canton hat den DM 2-Satelliten einen dezenten, angenehmen Klangcharakter verpasst

Zum Hörtest wurde zunächst ein CD/SACD Player über den Aux-Eingang angeschlossen.

Die heiklen, klassischen Klänge der High End Test Record "Impressions" erschienen im Stereomodus des DM 2 mit bemerkenswert schönem, eher sanftem Klangtimbre. Fein gezeichnet, ohne jegliche unnatürliche Härten erschienen Streicher. Der Klang einer Klarinette schien frei und luftig im Raum zu schweben.

Die Räumlichkeit dieser phasentreuen 2-Mic- Aufnahmen kam sehr gut zur Geltung, was ganz gewiss nicht zuletzt den hochwertigen koaxialen Satellit-Lautsprechern zuzuschreiben ist. Bei anspruchsvollen und sehr dynamischen Blechbläsern dasselbe Spiel: mit warmer Brillanz kamen Trompeten und sonor die tiefen Posaunen.

Erst bei drastisch erhöhten Schallpegeln waren leichte Übersteuerungseffekte zu hören. Egal ob anspruchsvolle Klassik, Jazz oder fetzige, rockige Sounds, das DM2 lieferte im Stereomodus, also ohne virtuelle elektronische Tricks, ein äusserst sympathisches Klangtimbre, das auch anspruchsvolleren Hörern auf lange Dauer gefallen kann.

Virtuelle Klangwelten

DM 2 in black: bietet eindrucksvollen Pantoffel-Kino-Sound

Zum Klassiker Titanic mit seinen umwerfenden Surround- Effekten kam auch noch das gerade neuerstandene 3er Pack mit "Pirates of the Caribian" zum Einsatz. Ein guter DVD-Player versorgte das DM 2 via coaxialer Leitung mit digitalen Audiosignalen.

Auffallend war die sehr gute Sprachverständlichkeit, auch ohne eine zusätzliche Höhenanhebung. Während viele Billig-Systeme mit einem zischelnden, nervenden Sound eine gewisse Brillanz vortäuschen, die nach einer gewissen Zeit unglaublich nervt, klingt das DM 2 im Surroundbetrieb - genau wie auf Stereo - sauber und ausgewogen.

Doch wehe, wenn es losgelassen! Es ist absolut sensationell, wie dieses doch recht kompakte Musiksystem bei Actionszenen das ganze Pantoffelkino, samt den Zwerchfellen der Insassen, tüchtig durchschütteln kann.

Die Klangbühne erstreckt sich zwar nicht rund um den Hörer, so doch in einem riesigen Halbkreis vor den Hörern. Einfach unglaublich, wie plötzlich - weit von den Satelliten entfernt - Stimmen und Geräusche zu hören sind.

Das ganze funktioniert aber nur auf den mittig positionierten VIP-Plätzen des Heimkinos.

Wer auf den seitlichen Plätzen des Heimkinos sitzt, wird nur noch wenig vom Raumklang spüren. Dialoge erklingen dann auch nicht mehr von dort, wo sie herkommen sollten - also aus der Mitte - sondern von ausserhalb der Bildfläche.

Wer aber mit der Zeit dann doch auf den Home-Cinema-Geschmack kommt und gewillt ist, den Wohnraum noch zusätzlich mit einem Center- und zwei Surround-Lautsprechern zu schmücken, kann das DM 2 bekanntlich auf ein echtes 5.1-System aufrüsten. Dazu hat Canton die passenden Komponenten parat.

Fazit

Von real bis virtual: Das DM 2 von Canton beherrscht beide Kunstarten verblüffend gut und bietet bei rein stereofonen Klängen eine höchst erfreuliche Klangqualität, welche auch anspruchsvollere Hörer zufriedenstellen kann. In der Welt des Filmes kommen die virtuellen Fähigkeiten voll zum Zuge, und das System bietet auch mit lediglich 2.1-Kanälen ein packendes Filmvergnügen.

 

Hersteller: Canton
Typ: Digital Movie System DM 2
Preis: 1930 Franken
Info: www.telanor.ch , 062 285 95 95

STECKBRIEF
Modell:
DM 2
Profil:
Ob HiFi in Stereo oder Movies mit 2.1 Surround Sound - das DM 2 von Canton bietet stets einen äussert angenehmen und eindrucksvollen Klang.
Pro:
hochwertige Verarbeitung, made in Germany; ausgeklügeltes Konzept; sehr angenehmes Klangtimbre; sauberes Klangbild in Stereo ; beeindruckender Virtual Surround Sound; hohe Dynamik;
Contra:
kein HDMI-Eingang;
Preis:
1,930.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
Subwoofer: 255 x 450 x 370 mm
Gewicht:
Subwoofer: 12,5 kg
Farbe:
schwarz, weiss
Analog Input:
3 x Line
Analog Output:
1 x Zone 2
Decoder:
Dolby Digital, DTS
Digital Input:
2 x Audio
Maximale Leistung:
350 Watt
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