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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
10. Juli 2006
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Nur wenigen Minuten nach dem Öffnen der Verpackung macht das sehr kompakte Bose SoundDock mit allen iPod-Typen Musik - und zwar gar nicht übel.

Verblüffendes Klangvolumen

Das Klangvolumen aus dem kleinen Ding erstaunt. Wandnah aufgestellt, legt der Bass sogar nochmals zu. Natürlich sind keine abgrundtiefen Powerbässe zu hören. Doch das elegante, kleine Ding tönt alles andere als mickrig.

Die Räumlichkeit ist nicht gerade sensationell, ober gewiss mit einem "gut" zu benoten. Der Klang ist aber auch bemerkenswert klar und für eine so kompakte Docking Station verblüffend ausgewogen.

Hitparaden-Klänge sind für dieses Mini-PA-System kein Problem. Es kann sogar recht laut Musik machen ohne zu verzerren. Hebt man die Bässe am iPod an, so bleibt der Sound auch bei höheren Pegeln immer noch erstaunlich sauber.

Weshalb das so ist, verraten wir später. Zu beachten ist, dass gewisse Verzerrungen sogar dem nicht ganz klirrfreien iPod-Equalizer angelastet werden müssen.

Bei linear eingestelltem iPod klingt sogar ein Klavierkonzert von Mozart - ohne natürlich audiophile Ansprüche stellen zu wollen - durchaus hörenswert. Die Dynamik eines Konzertflügels ist in Anbetracht der Grösse des Systems fast nicht zu glauben.

Typisch Bose...

Bose-Trick No 1: Das Netzteil ist ausgelagert.
Anschliessend an den Hörtest wird das schneeweisse Mini Ding, das für happige 595 Franken über den Ladentisch geht oder direkt via Bose Versand zum Konsumenten kommt, näher unter die Lupe genommen, denn es erhebt sich die Frage, weshalb dieses kleine System einen so grossen Sound bringen kann.

Dabei fällt als erstes der "Bose Trick No 1" auf: Bei praktisch allen kompakten Geräten lagert Bose das Netzteil aus.

Es ist tatsächlich nicht einzusehen, weshalb Trafo und anderes Netzteil-Beigemüse im Gerät stecken müssen, wenn sie doch auch unter dem Pult unsichtbar bei den Netzdosen platziert werden können.

So wird hier praktisch das ganze Volumen des Gerätes für guten Sound verwendet.

Blick unter die Haube

Tester sind neugierige Menschen - müssen sie auch sein - und es geht nicht lange, so ist die Frontverkleidung des SoundDocks entfernt (bitte nicht nachmachen, die Garantie könnte bei einer Fehlmanipulation entfallen...) und gibt den Blick frei auf zwei Mini-Lautsprecher und eine zentral angeordnete, topmoderne Digitalendstufe, die auch bei Dauerbetrieb kaum warm wird.

Digitalverstärker mit Notbremse

Dieser sogenannte Class D-Verstärker ist mit einem Digital Signal Processing Circuitry und einer Kompressionsschaltung kombiniert, die verhindern, dass die Chassis samt Verstärker auch bei höheren Pegeln überlastet werden.

Die Limiter- Schaltung arbeitet so geschickt, dass keine Pump-Effekte hörbar sind und die übermässig starken Impulse, die zur Zerstörung der Chassis führen könnten, elegant - das heisst: fast unhörbar - abgeschnitten und damit unschädlich gemacht werden.

Weiter linearisiert ein aktiver Equalizer den Klang in Abhängigkeit der Lautstärke und ermöglicht damit tiefe Bässe und ein ausgewogenes Klangbild.

Wo steckt der Bass?

Bass aus kompaktem Gehäuse?
Wo aber ist der Basslautsprecher? Es ist ja nicht anzunehmen, dass die beiden Mini-Lautsprecher diesen beachtlichen Bass erzeugen können!

Doch ein Subwoofer ist nirgends zu entdecken und muss somit im Innern des Gehäuses stecken, wie das die Firma Kef über lange Jahre mit Erfolg machte.

Fieberhaft werden die Schrauben des Digitalverstärkers gelöst und der Blick in das Gerät gibt Aufschluss.

Aber alles was zu sehen ist, sind sauber gekapselte Magnete der Mini-Lautsprecher und die Schallführungen des Bassreflexsystemes.

Die Magnete der Lautsprecher sind deshalb gekapselt, damit das SoundDock, auch wenn es nahe an einem Röhrenfernseher oder Monitor steht, keine Bildbeeinflussung oder gar bleibende Schäden am Bildgerät hervorrufen kann.

Ein Subwoofer ist also nicht vorhanden und so unglaublich es auch klingt: Die beiden Mini-Lautsprecher machen in Verbindung mit elektronischen Kniffen und einer optimal ausgelegten Bassreflex-Schallführung tatsächlich Bass!

Wackelpudding oder mechanisches Filter?

Wackelpudding? Der iPod sitzt gewollt wackelig im Dock und bricht auch bei kräftigem Druck auf den iPod nicht ab.
In der Folge wird das demontierte SoundDock wieder zu einer funktionierenden Einheit zusammengefügt. Dabei wird festgestellt, dass das Teil zum Andocken des iPods fürchterlich wackelt.

Aber auch da gilt: Typisch Bose!

Die cleveren Bose Ingenieure haben das Docking Teil für den iPod vom Rest des Systems mechanisch entkoppelt. So wird verhindert, dass Vibrationen der Lautsprecher die Festplatte des iPods zur Verzweiflung treiben können.

Und auch das Fact, dass der iPod recht wackelig im Dock steckt, muss man diesen Entkoppelungsmassnahmen zuschreiben. Fasst man den iPod bei lautstarker Musikwiedergabe an, so ist er (fast) frei von Vibrationen.

Wie bei praktisch allen Docking Stationen des Marktes wird der Akku des angedockte iPod automatisch geladen.

Die hier etwa kreditkartengosse Fernsteuerung kann nur die wichtigsten Grundfunktionen des iPods steuern. Muss auf die Playlist zugegriffen oder die Equalizerstellung geändert werden, so muss auf den iPod gedrückt werden.

Dies hat zur Folge, dass sich der wackelig im Dock sitzende iPod leicht nach hinten neigt und dann auf der Frontverkleidung aufliegt. Das hat den Vorteil, dass das iPod-Dock auch bei stärkerem Drücken nicht abbrechen kann.

Fazit

Typisch Bose: Die Bose Leute haben erneut bewiesen, dass sie fähig sind, aus winzigen Systemen einen überaus beachtlichen Sound zu zaubern.

Wenngleich das sehr kleine Bose SoundDock keine HiFi Anlage ersetzen kann, macht es seine Arbeit als iPod-Mini-PA-System sehr gut.
STECKBRIEF
Modell:
SoundDock
Profil:
Typisch Bose: Grosser Sound aus Mini-Gehäuse!
Pro:
beachtliches Klangvolumen; sehr kompakt; attraktives Design; geschickte Konstruktion; verfärbungsarmes Klangbild; erstaunliche Dynamik;
Contra:
happiger Preis;
Preis:
445.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2006
Vertrieb:
Masse:
69 x 31 x 165 mm
Gewicht:
2.1 kg
Farbe:
schwarz, weiss
Schnittstelle:
iPod
Wettbewerb