TESTBERICHT
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Publikationsdatum
21. März 2020
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Die kanadische Edelschmiede Classé hat bewegte Zeiten hinter sich. Nach einem sehr erfolgreichen Abstecher in die Class-D-Technologie besinnt man sich nun wieder auf ein anderes bewährtes Verstärkerprinzip: Der neue Stereo-Endverstärker der Delta-Serie arbeitet bis zu einer Leistung von 2 x 12,5 Watt im Class-A-Betrieb. Etwas näher an seinem Vorgänger CP-800 scheint auf den ersten Blick der Delta Pre. Aber auch der neue Vorverstärker übertrifft den alten technisch in jeder Hinsicht. 

Seit der Erstpräsentation der neuen Delta-Serie auf der letztjährigen High End in München ist doch einige Zeit vergangen. Nun kommt die exklusive Delta-Serie endlich auf den Markt. Mit ein Grund: Sie vereint einen so hohen Stand der Technik, wie man ihn nur selten antrifft. Nicht nur das Feintuning im Classé-Headquarter in Montreal hat wohl viel Zeit beansprucht. Auch die adäquate Fertigung auf diesem Qualitätsniveau ist nicht ohne: Sie erfolgt bei den renommierten Shirakawa Audio Works in Nordjapan, wo beispielsweise auch die High-End-Gerätschaften von Marantz vom Band laufen.

Äusserlich kommt der neue Delta Pre im bekannten Classé-Design. Innen wurde grundlegend alles neu entwickelt.Äusserlich kommt der neue Delta Pre im bekannten Classé-Design. Innen wurde grundlegend alles neu entwickelt.

Vorverstärker mit allen Schikanen

Immer schon zeichneten sich «Signature»-Modelle von Bowers & Wilkins durch ihren aufgesetzten Hochtöner aus: Die veredelte 702 macht da keine Ausnahme. Zum Einsatz kommt eine 25-mm-Aluminiumkalotte mit Carbonpartikel-Beschichtung. Sie sitzt in einem massiven, mehr als 1 kg schweren Alugusskörper, der eine ungestörte Laufruhe ohne Resonanzen des Hochtöners sorgt. Das aus dem Vollen gedrehte Gehäuse dient zudem als effizienter Kühlkörper und eliminiert dank einem rückwärtigen akustischen Ausgleichsvolumen («Nautilus»-Röhre) unerwünschten Restschall.

Dieser Hochtöner ist ein echtes technisches Highlight: Die lediglich 30 Mikrometer dünne Aluminiumkalotte ist mit Carbonpartikeln beschichtet und innen durch einen weiteren Carbonring verstärkt. Damit gewinnt sie – nebst geringerem Gewicht – eine sehr gute Verwindungssteifigkeit. Die obere Materialeigenresonanz liegt nun bei 47 kHz – weit oberhalb des hörbaren Bereichs. Dank der aufgesetzten Bauweise im separaten, winzigen Gehäuse können sich die hohen Töne ungestört von Kantenbrechungen frei nach allen Seiten hin ausbreiten. Und auch das Phasenverhalten von Mittel- und Hochtönern kann durch diese Anordnung harmonisiert werden.

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Die sechslagige Hauptplatine bildet das Herzstück des Delta Pre. Darauf sind auch DAC und Phono-Schaltkreise untergebracht.Die sechslagige Hauptplatine bildet das Herzstück des Delta Pre. Darauf sind auch DAC und Phono-Schaltkreise untergebracht.

Grosses Augenmerk legten die Entwickler sowohl beim Vor- wie beim Endverstärker auf die Verringerung von Intermodulationsverzerrungen sowie auf die Reduzierung harmonischer Verzerrungen höherer Ordnung. Dies wirkt sich insbesondere im Bypass-Modus aus: Analoge Eingangssignale werden hier ohne jegliches Processing möglichst rein verstärkt. Die Verzerrungen liegen im gesamten Übertragungsbereich deutlich unter 0.0003 Prozent, einem beeindruckenden Wert.

Freilich bietet Classé wie gewohnt auch Klangregler, parametrische Equalizer und Subwoofer-Bassmanagement an, die jedoch auf der digitalen Ebene einsetzen. Analoge Signale müssen dazu erst AD-gewandelt werden. Auch dieses Processing soll beim Delta Pre gegenüber dem Vorgänger verbessert worden sein, so dass man beispielsweise die Tilt-Funktion (tonale Klangbalance) bei Bedarf guten Gewissens auch bei analogen Quellen einsetzen kann. Bei digitalen Quellen geschieht diese Einstellung verlustfrei. Aussergewöhnlich aufwändig ist die Lautstärkeregelung ausgelegt. Sie lässt sich hochpräzise in 0,25-dB-Schritten ausführen und ist technisch so ausgelegt, dass die Feindynamik auch bei sehr geringer Lautstärke gewahrt bleibt. Die gewünschte Lautstärke lässt sich via App sehr schnell und gezielt einstellen – ein wichtiges Feature im Musikalltag.

Die Classé-App für Android oder iOS erlaubt die schnelle und dennoch feinfühlige Lautstärke-Einstellung. Auch Eingangswahl, Klangregler und Balance (sowie vieles mehr) werden angeboten.Die Classé-App für Android oder iOS erlaubt die schnelle und dennoch feinfühlige Lautstärke-Einstellung. Auch Eingangswahl, Klangregler und Balance (sowie vieles mehr) werden angeboten.

High-End-DAC mit an Bord

Die Digitalsektion verfügt mit zwei DAC-Chips des Typs AKM 4497 über genügend Rechenleistung, um alle Digitalquellen bis und mit DSD 256 (über PC-USB) präzise auf die analoge Ebene zurückzuwandeln. Hierbei hilft ein aufwändiges Reclocking – der Takt der eingehenden Digitalsignale wird eigens neu generiert. Davon profitieren insbesondere auch optische und koaxiale Digitalsignale (wie sie etwa von Streamern angeliefert werden). Hier konnte Classé den anfallenden Jitter (Taktschwankungen) auf sagenhafte 40 Picosekunden reduzieren. Optional ist für den Delta Pre sogar ein HDMI-Modul erhältlich, worüber man beispielsweise Fernsehton oder auch Blu-ray-Tonsignale (PCM) verlustfrei wiedergeben kann.

Das Touch-Display auf der Front des Delta Pre zeigt nicht nur alle wichtigen Informationen, sondern erlaubt auch die detaillierte Konfiguration des Gerätes.Das Touch-Display auf der Front des Delta Pre zeigt nicht nur alle wichtigen Informationen, sondern erlaubt auch die detaillierte Konfiguration des Gerätes.
Die Anschlussbuchsen des Delta Pre sind standesgemäss in edlem Rhodium ausgeführt.Die Anschlussbuchsen des Delta Pre sind standesgemäss in edlem Rhodium ausgeführt.
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