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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
31. Dezember 2007
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Die treibende Kraft hinter der wohl ausgefallendsten Dockingstationen für iPods ist der Entwickler James Roth, Gründer des Roth Audio Teams. Er und seine Leute haben denn auch Top-Audio-Systeme für Bands und Hifi-Anwendungen in der Wiege des High Fidelitys - und das ist bekanntlich England - entwickelt.

Show für Aug und Ohr

Über die Erscheinung des Röhren Cocoons kann man geteilter Meinung sein.

Während gewisse Leute im Web das Design als "billige Neonleuchte" oder "Requisite aus Raumpatrouille Orion" bezeichnen, finden andere diesen kleinen Herz- und Ohrenwärmer einfach schnuckelig! Auch über die Technik kann man denken, was man will.

Mit Röhren zu werben und an die Nostalgiegefühle von HiTech-gepeinigten Konsumenten zu appellieren, ist relativ einfach. Einen Röhrenverstärker mit echtem Röhrensound zu einem Preis von unter 1000 Franken zu realisieren, ist - auch wenn er made ich China ist - heute fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Das weiss auch James Roth. Er hat sich deshalb etwas einfallen lassen, oder besser: er hat sich an ein altbekanntes und bewährtes audiophiles Prinzip erinnert und einen äusserst liebenswerten Musikspender geschaffen.

State of the Art im Mini-Format

Das geht nicht mit rechten Dingen zu und her! Wenn eine Audio-Röhre so leuchtete, hätte sie eine kurze Lebensdauer....

Bereits beim Auspacken des Cocoons und Sichten eines Paares weisser Handschuhe wird der Musikfreund von einem Hauch von Noblesse erfasst. Auch beim näheren Betrachten des Gerätchens, samt dem mitgelieferten Zubehör wie diversen Strom- sowie dicken und hochwertigen Lautsprecherkabeln, stellt man hocherfreut fest, dass hier alles in Mini - State of the Art - Manier gefertigt ist.

Unter einer sauber geschnittenen Deckplatte aus verblüffend dickem Acrylglas leuchten die Röhren sofort nach dem Einschalten des Gerätes in zauberhaft warmem Glanz. Möglich gemacht wird diese beeindruckende Micro-Light-Show mittels LEDs, die James Roth schamlos unter die Röhren montiert hat.

Die Röhren selbst beginnen erst nach einer gewissen Warmlaufzeit fast unsichtbar zu glimmen. In den beiden runden Aludosen sitzen - und das sei jetzt schon verraten - gut gekühlte Power MOS-FET - Transistoren, welche beachtliche und saubere 2 x 13 Watt Sinus an 8 Ohm liefern.

Die Anfassqualität der beiden Drehknöpfe ist ebenfalls erstaunlich und tiefe Ehrfurcht erfasst den HiFi-Fan beim Betrachten der ultrastabilen, goldglänzenden Anschlüsse auf der Rückseite des Cocoons.

Die kontaktsicheren Lautsprecherbuchsen können nicht nur sehr dicke Kabel, sondern auch Bananenstecker aufnehmen. Wie es sich gehört, sind auch die Cinch-Buchsen vergoldet und können so auch nach Jahren nicht korrodieren.

Wackelpudding?

Steht recht wackelig auf dem Podest. Macht nichts, denn der iPod braucht während des Betriebs nicht angefasst zu werden...

Eine wackelige Angelegenheit ist jedoch auch bei diesem Dock die Aufnahme des iPods. Auch wenn der richtige Sockel-Adapter für den iPod gewählt wird, steht die Apple Juke Box alles andere als stabil im Gerät.

Doch dem Music Cocoon kann man das verzeihen. Grund: Während des Betriebs muss der iPod nie angefasst werden, denn er ist mittels der kleinen Fernsteuerung praktisch vollumfänglich zu bedienen!

Auch die Fernsteuerung mit stabilem Metallgehäuse zeigt Klasse: Ihre Unterseite ist mit weichem Kunststoff beschichtet, so dass auch hochempfindliche Unterlagen nicht zerkratzt werden können.

Das Geheimnis der Kompaktheit dieses Cocoons liegt im ausgelagerten Netzgerät, das diskret unter dem Tisch versteckt werden kann. Es wird jedoch auch bei ausgeschaltetem Cocoon noch leicht warm und verbraucht somit geringfügig Strom. Umweltbewusste Leute sollten somit bei längerer Nichtbenutzung des Cocoons auch den On-Off-Schalter am Netzgerät betätigen.

Komfortabel

Die Fernsteuerung kann auf praktisch alle Funktionen des iPods zugreifen - Bravo!

An das anschlussfreudige Schmuckstück lassen sich, neben einem iPod, auch noch zwei andere Geräte wie CD-Player, Tuner etc. über je eine Cinch- und eine 3.5 mm Klinkenbuchse anschliessen.

Da iPods auch Videos und Bilder speichern können, sollten diese ja irgendwie zum Fernseher geleitet werden können. Das geschieht hier in hochwertiger Manier über einen S-Video-Ausgang. Der Akku des iPods wird, wie es sich für eine Dockingstation so gehört, über den Dock-Anschluss aufgeladen.

Mittels der übersichtlich gehaltenen Fernbedienung können, wie schon erwähnt, nicht nur Play-Stop und On/Off-Funktionen, sondern praktisch alle Möglichkeiten des iPods gesteuert werden.

Goldener Röhrensound

Der herrliche Klang der Röhrenverstärker ist unbestritten.

Kenner wissen jedoch, dass der legendäre Röhrensound nur zum Teil von den Röhren in der Vorstufe, sondern vor allem von der Röhrenendstufe mit meist gigantischen Übertragern stammt. Nur diese Endstufen bieten das klassische Soft-Clipping an der Leistungsgrenze und die Impulskraft, die jeden Transistorverstärker der gleichen Leistungsklasse (Sinus-Messung!) in den tiefsten Schatten stellt.

Wahr ist leider auch, dass Röhren-Endstufen nicht preisgünstig realisiert werden können.

Doch es gibt eine Alternative, den sogenannten Hybrid-Verstärker, wo Röhren in den Vorstufen und MOS-FET-Transistoren in den Endstufen sehr harmonisch musizieren. Dieses Prinzip hat sich bewährt, und man findet es sogar in manchen sündhaft teuren High-End-Boliden realisiert.

Konzert für Röhren und MOS-FETs

Auch die Rückseite ist in Mini-State of the Art - Manier verarbeitet: Ultrastabile, vergoldete Anschlüsse auch für andere Schallquellen als den iPod. Ein externes Netzgerät kann diskret unter dem Tisch versteckt werden.

Zum Hörtest kombinierten wir den Cocoon mit den Minipod-Designboxen von Scandyna, welche schon in früheren Tests ihre beachtlich hohen klanglichen Fähigkeiten bewiesen hatten und stellten diese Kombiation in einen kleineren Büroraum mit rund 16 m2.

Es ist ganz klar, dass eine solche Design-Anlage nicht zur Beschallung grösserer Räume geeignet ist. Auch kann der Cocoon mit seiner doch begrenzten Leistung ganz gewiss keinen potenten HiFi-Verstärker ersetzen und schon gar keine hohe Dynamik im Verbund mit sogenannt leistungsfressenden Lautsprechern erzielen. Die maximal möglichen, unverzerrten Schallpegel reichen in kleineren Räumen für normales Hören jedoch völlig aus.

Die ersten klassischen Klänge ab neustem iPod Classic, mit einem Oboenkonzert von Albinoni, waren schockierend. Ganz deutlich machten sich Klirreffekte bemerkbar, die auch bei leisen Pegeln nicht verschwanden.

Der Grund für dieses Klirren war der Umstand, dass sich der Equalizer des iPods aufgrund eines vorhergehenden Tests noch auf Stellung "Gesang" befand, welche besagte Verzerrungen bewirkt.

Nach dem Ausschalten des iPod-Equalizers entspannten sich die Trommelfelle der Zuhörer und sehr ansprechende Klänge erfüllten den Abhörraum. Mit schönem und äusserst angenehmen Klangtimbre brachte unser Gespann klassische Musik. Seidenweich und doch sehr obertonreich erklangen Streicher.

Mit einem herrlichen, warm-brillantem Glanz schmetterte ein Blechbläer-Ensemble seine Attacken durch den Abhörraum. Lupenrein stellte unser Gespann auch kritische Klavierpassagen und heikle perkussive Instrumente wie Marimba und Xylophon in den Abhörraum. Leichte Unterhaltungsmusk erschien sehr angenehm und bei rockigen, dynamischen Klängen entfaltete unsere Kombination einen verblüffend vitalen Sound.

Wer auf eine optimale, am besten wandnahe Aufstellung der Boxen achtet, erhält - auch ohne Frequenzkorrekturen durch einen Equalizer - einen bassfreudigen, breitbandigen Sound. Doch bei gewissen bassarmen oder gar grellen Aufnahmen wäre eine Klangregelung am Gerät wünschenwert. Denn erstens klirrt der heutige iPod - Equalizer und zweitens sollten auch die Quellen der anderen Eingänge eventuell mal soundmässig aufgepeppt werden können.

Fazit

Die Roth Music Cocoon MC-4 ist ein ein ganz cleveres, nach audiophilen Prinzipien gebautes Gerätchen, das nicht nur mit einer beeindruckenden Mini-Röhrenshow, sondern auch mit einem lupenreinen, ja fast schon audiophilen Klang aufwarten kann. Als Spielpartner zum MC4 empfehlen sich hochwertige Lautsprecher mit guter Empfindlichkeit.

Info

Preis: 990 Franken
www.rothaudio.ch
Timeless Products: 043 477 57 67

STECKBRIEF
Modell:
Cocoon MC4
Profil:
Charakterstarkes, nach audiophilen Gesichtspunkten entwickeltes und hochwertig produziertes iPod-Dock.
Pro:
echter Eyecatcher ; sehr gute Klangqualität ; für kleinere Räume ausreichende Leistung; gute Verarbeitung; gute Bedienbarkeit; anschlussfreudig
Contra:
keine Klangregler;kein Suchlauf innerhalb eines Tracks;
Preis:
990.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
187 x 115 x 174 mm
Gewicht:
1,8 kg
Farbe:
schwarz
Analog Input:
2 x Line
Maximale Leistung:
2 x 13 Watt
Schnittstelle:
iPod
Wettbewerb