TESTBERICHT
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Publikationsdatum
7. Juni 2003
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„Camcorder im Taschenbuchformat“ wäre übertrieben. Der GR-DX55 von JVC ist nur etwa halb so gross wie ein Krimi. Doch das macht die Story nicht weniger spannend, denn bei 55 mm Tiefe gibt es genug Platz für Technik und Features.

Der 1/6-Zoll Bildwandler löst das Bild mit 0,8 Megapixeln auf, und das dank Night Scope bis hinunter auf 0,1 Lux. Das Objektiv mit F1.6 hat einen kräftigen 16-fachen optischen Zoom mit dem Motive nah herangeholt werden. Der 700-fache digitale Zoom ist interessant für Spielereien, allerdings nur etwa bis 120 x, danach geht es fast in einem Ruck auf 700 x.

Der LCD hat dank geschickter Platzierung des Scharniers eine für diese Camcorderklasse grosse Bilddiagonale von 3 Zoll, was für die Anzeige vieler Informationen und eine optimale Bildkontrolle und auch Wiedergabe der aufgenommenen Szenen reicht. Ergänzt wird er durch einen Schwarz/Weiss-Sucher. Im Menu lässt sich einstellen, welche dieser beiden Anzeigen Priorität hat.

Automatisch und manuell

Der GR-DX55 arbeitet optimal mit den sechs wählbaren Automatiken. Für schwierige Situationen ist dennoch ein manueller Eingriff möglich. Die Belichtung lässt sich in 12 Stufen (+/- 6) anpassen, die Schärfe kann manuell geregelt werden und ebenso kennt der Weissabgleich neben der Automatik und drei voreingestellten Fixwerten die manuelle Einstellung.

Während der manuelle Fokus über eine Taste aktiviert und mit den Cursortasten eingestellt wird, erfolgt die Bedienung von Blende (auch die Arretierung auf einen festen Wert) und der Weissabgleich vollständig über das Menu. Das bedeutet, dass während der Aufnahme bei einer schnell ändernden Situation nicht sofort umgestellt werden kann, diese Funktionen also eher für geplante Aufnahmen hilfreich sind.

Menu und Fernbedienung

Das Menu selbst ist übersichtlich aufgebaut und intuitiv zu bedienen. Während der Aufnahme liegt der Camcorder gut in der Hand und alle wichtigen Tasten sind bequem erreichbar. Zusammen mit dem Bildstabilisator gelingen damit Handaufnahmen auch in anspruchsvollen Situationen. Gestaltend können die drei Fader und sechs Wipes eingesetzt werden oder – für Breitbildaufnahmen – die Letterbox- und die Squeeze-Funktion.

Mit der Fernbedienung stehen für die Wiedergabe und Nachbearbeitung eine ganze Reihe weiterer Funktionen zur Verfügung. Zeitlupenwiedergabe, Einzelbildfortschaltung, und Wiedergabezoom helfen bei der Bildanalyse. Die Nachvertonung von 12 Bit-Aufnahmen erlaubt das Aufsprechen eines Kommentars über das eingebaute Mikrofon. Insertschnitt ist ebenso möglich wie Assemble. Hier speichert der Camcorder gar acht Schnitte, die dann automatisch auf den Videorecorder überspielt werden. Für die Anpassung der modellabhängigen unterschiedlichen Anlaufzeiten zwischen Aufnahmepause und Aufnahme der Zuspieler bietet der GR-DX55 eine Synchrofunktion. Sie erlaubt Verschiebungen um +/- 1,3 Sekunden.

Digital und analog

Mit dem als Option erhältlichen Pinnacle-Schnittsystem können die Videos auch auf dem PC bearbeitet und anschliessend über den DV-Eingang zurück aufs Band gespielt werden. Der AV-Anschluss ist nicht nur Ausgang, sondern lässt sich auch – wahlweise für Video- oder S-Video-Signale – als Eingang schalten, so dass der GR-DX55 analoge Videos in das digitale DV-Format wandeln kann. Die Übertragung von Stand- oder Bewegtbildern zum PC kann auch über die USB-Schnittstelle erfolgen. Sie erlaubt den Einsatz des GR-DX55 als Webcam.

Als Camcorder bewährt sich der GR-DX55 mit einem detailreichen Bilde, dessen Farben gut ausdifferenziert sind. Die ganze Farbpalette wird auch in dunklen und ganz hellen Partien nuancenreich reproduziert. Das Bild wirkt dadurch sehr lebendig und zeigt gute Tiefenwirkung. Auch bei Aufnahmen mit lediglich 10 Lux sind die Farben deutlich erkennbar. Das Bild zeigt zwar ein leichtes Grieseln, jedoch kein Farbrauschen. Der kleine Chip verschmiert helle Lichtquellen in dunklen Bildern ordentlich. Die NightScope-Funktion arbeitet mit langer Verschlusszeit. Dadurch können zwar Bilder auch mit wenig Licht noch Farben erkennen lassen; sie zeigen aber einen ausgeprägten Stroboskopeffekt.

Fazit

Der GR-DX55 von JVC ist ein Camcorder mit ausgezeichnetem Bild und vielen digitalen Kreations- und Bearbeitungsmöglichkeiten. Er ist übersichtlich aufgebaut und gut zu bedienen, wenn auch einige manuelle Funktionen nicht für den spontanen Einsatz taugen. Positiv ragt der grosse LCD-Monitor heraus, negativ das Netzgerät, das nicht gleichzeitig Ladegerät ist. Der Akku muss so stets im Camcorder aufgeladen werden, wodurch dieser für freie Aufnahmen blockiert ist.

Der grosse Bruder, der GR-DX95 verfügt bei einem um 300 Franken höheren Preis zusätzlich über eine digitale Standbild-Funktion in den wählbaren Auflösungsmodi 1024x768 oder 640x480 Bildpunkten sowie einen eingebauten Automatik-Blitz. Fotos lassen sich mit diesem Camcorder direkt auf die mitgelieferte SD-Card abspeichern.
STECKBRIEF
Modell:
GR-DX55
Profil:
Handlicher, einfach zu bedienender digitaler Camcorder mit Anbindung an Computer und Internet.
Pro:
grosser LCD-Monitor;handlich;grosser optischer Zoom
Contra:
Netzgerät ist nicht auch Ladegerät
Preis:
1,599.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2003
Vertrieb:
Masse:
96 x 102 x 55 mm
Gewicht:
0,440 kg
Analog Input:
ja
Analog Output:
S-Video- und A/V-Ausgänge
Auflösung:
0.8 Megapixel, 520 Linien Horizontalauflösung
Bildsensor:
0.8 Megapixel CCD
Digital Input:
DV
Digital Output:
DV
Digitalzoom:
700x
Empfindlichkeit:
0,1 Lux Lichtempfindlichkeit im Night Scope Modus
LCD Monitor:
3”-LCD Farb-Monitor
Optisches Zoom:
16x
Schnittstelle:
USB
Videoaufnahme:
SP, LP