22. November 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
20. August 2001
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Klein und handlich präsentiert sich der GR-DVP3 von JVC, extrem klein sogar und handlich trotz quaderförmigem Gehäuse. Dennoch ist er ein ausgewachsener Camcorder für digitale Bild- und Tonaufzeichnung auf MiniDV-Kassetten. Der DV-Standard erlaubt dabei nicht nur hochaufgelöste Videoaufnahmen, sondern auch die Aufzeichnung des Tones in zwei digitalen Formaten, einem Vollformat, das mit 16 Bit und 48 kHz die CD-Qualität leicht übertrifft und einem Format mit geringerer Datenmenge (12 Bit, 32 kHz), das dann zwei Audiospuren erlaubt, eine für den O-Ton und eine für die Nachvertonung.

Westentaschenformat

Seine geringen Abmessungen erkauft sich der Camcorder nicht nur mit engen Platzverhältnissen im Innern und aussen bei den Bedienelementen, sondern auch mit einem flachen Akku und einem kleinen LC-Display. Die Kapazität des Akku ist dementsprechend nicht allzu gross. Für längere Arbeiten am Computer wird er vorzugsweise durch den Netzadapter ersetzt. Das farbige LCD ist zwar nicht viel grösser als eine Sonderbriefmarke, liefert aber in den Farben und in der Auflösung gute Bilder, die eine sichere Beurteilung der Aufnahme und des Betriebszustandes zulassen. Klein bleibt der Camcorder auch, weil einige Anschlüsse – wie S-Video-Ausgang oder USB-Anschluss – in einen als Standfuss anflanschbaren Adapter ausgelagert sind.

Camcorder

Vielfältig sind die Funktionen für die Aufnahme von Videos. Selbstverständlich können alle Einstellungen der Automatik überlassen werden, die einwandfrei arbeitet. In schwierigen Situationen helfen die manuell einstellbaren Werte. So ist bei wenig Licht oder im Makrobereich oft die manuelle Scharfstellung nötig, da der Autofocus aus dem Tritt gerät. Für abwechslungsreiche Gestaltung des Bildes lassen sich über das Menu Blenden und Fades oder auch eine Breitbildaufnahme aktivieren. Verwacklungsfreie Bilder gelingen dank dem digitalen Bildstabilisator, der nur bei schnellen Schwenks ausgeschaltet werden muss. Die Bedienung des Zooms mit dem Wipphebel auf der Rückseite ist Anlass für eine kleine Fingerakrobatik. Sie unterstützt damit die alte Filmpraxis, während der Aufnahme keinen Zoom zu fahren.

Fotoapparat

Handlichkeit ist ein Pluspunkt für Aufnahmen unterwegs.
Handlichkeit ist ein Pluspunkt für Aufnahmen unterwegs.
Der GR-DVP3 nimmt Standbilder auf Videoband auf. Interessanter ist jedoch die eigentliche Fotofunktion, die Bilder auf eine SD Memory Card aufnimmt. Die Auflösung ist wählbar zwischen XGA und VGA. Mit XGA ergeben sich hoch aufgelöste und in den Farben fein nuancierte Bilder, die sich für den Ausdruck eignen. VGA-Auflösung reicht vollauf für Anwendungen, die mit E-mail verschickt oder in eine Homepage integriert werden.

Von der Memory Card sind die Fotos übers Menu wieder aufrufbar. Nicht gelungene Bilder werden über die im Monitor gezeigten Thumbnails ausgewählt und gelöscht. Gelungene Fotos können auf den Computer überspielt und dort weiter bearbeitet werden.

Bildbearbeitung

Der Transfer zum Computer erfolgt über die USB-Schnittstelle, die im mitgelieferten Adapter integriert ist. Die Bilder im JPEG-Format stehen dann im Computer zur Verfügung. Sie können mit einer beliebigen Bildbearbeitungssoftware – zum Beispiel Photoshop – weiterbearbeitet werden. Mit "Mr. Photo" von Newsoft liefert JVC ein einfaches Programm, das jedoch mehr kann als bloss Bildbearbeitung, mit dem Camcorder mit.

Die vordefinierten Funktionen von "Mr. Photo" optimieren die Fotos auf einfache Weise; eine detaillierte Bearbeitung nutzt die umfangreiche Werkzeugpalette. Die Bilder werden anschliessend in einem Fotoalbum abgelegt, in Kalenderblättern oder Karten eingefügt, mit grafischen Mustern oder Titeln versehen. Eine Auswahl von Fotos kann per Mausclick zu einer Diashow oder zu einem "Kurzfilm" mit wählbarer Bildgeschwindigkeit umgewandelt werden. Für den Versand in einem E-mail lässt sich die Diashow auch als Exe-Datei abspeichern, die beim Empfänger oder bei der Empfängerin mit Doppelclick direkt startet. Diese Exe-Datei ist allerdings recht umfangreich und benötigt entsprechend lange Übertragungszeit.

E-Video

Die meisten Funktionen sind auch über die kreditkartengrosse Fernbedienung steuerbar.
Die meisten Funktionen sind auch über die kreditkartengrosse Fernbedienung steuerbar.
In die SD Memory Card – und damit schliesslich in den Computer – lassen sich im GR-DVP3 nicht nur Fotos, sondern auch zuvor aufgenommene Videosequenzen abspeichern. Diese E-mail-Funktion des Camcorders erlaubt das Aufsuchen einer beliebigen Bandposition und das Kopieren von 20 Sekunden Bewegtbild. Die Daten werden dabei stark reduziert, so dass vom Glanz der Videoaufnahme nicht mehr viel übrig bleibt. Insbesondere wird auch die Helligkeit stark reduziert, das heisst das Ausgangsmaterial muss gut ausgeleuchtet sein. Als Ergebnis erhält man eine kurze Videosequenz im MPEG4-Format, die noch genügend Details enthält und ruckelfrei abspielt, als Datei, die nicht zu fett aufträgt (200 KB für einen 20-Sekunden-Clip) und so auch in einem E-mail mitgeschickt werden kann. Zur Wiedergabe dient beispielsweise der Windows Mediaplayer.

Computeranbindung

Die Verbindung von Camcorder und Computer ist dank USB denkbar einfach. Nach dem Verkabeln fragt der Computer nach dem Treiber auf der mitgelieferten CD-ROM. Und schon ist die Installation abgeschlossen.

Etwas Verwirrung kann auf der Dateiebene entstehen. Der Camcorder vergibt den aufgenommenen Fotos automatisch einen Dateinamen. Bearbeitete Bilder, die wieder zurück auf die SD Memory Card gespielt werden sollen, müssen dieser Namenskonvention gehorchen, sonst werden sie nicht mehr gefunden. Das mitgelieferte "Mr. Photo" ist für die Praxis etwas zu raffiniert. Es merkt sich die bereits übertragenen Bilder und streicht sie aus dem Inhaltsverzeichnis. Dadurch sind sie ein zweites Mal nicht mehr verfügbar. Mit dem Explorer – für PC-Benutzer – sind jedoch alle Dateien stets auffindbar, das heisst der Inhalt der Speicherkarte wird am besten zuerst auf Festplatte kopiert und von dort aus weiterbearbeitet. Zu beachten ist dabei, dass der Camcorder für neue Fotos stets dieselben Dateinamen vergibt. Mit Vorteil werden die übertragenen Bilder also gleich umbenannt.

Anwendung

Der GR-DVP3 wird hauptsächlich über das Menu, dessen Tasten bequem mit dem linken Daumen betätigt werden, oder über den Wipphebel auf der Gehäuserückseite bedient, der einmal den Zoom regelt, bei der Wiedergabe das Laufwerk steuert und im Fotomodus durch den Index der aufgenommenen Bilder navigiert. Die meisten Aufnahme- und Wiedergabefunktionen sind auch über die Fernbedienung steuerbar.

Das Konzept des Camcorders ist durchdacht. Die Videoaufnahmefunktion auf DV-Kassette wird sinnvoll ergänzt um das aktuelle Feature der Fotoaufnahme und zusätzlich um Funktionen, die eine Verwendung der Bilder für die elektronische Post aber auch fürs weltweite Netz erlauben. Damit bietet der GR-DVP3 Einsatzmöglichkeiten, die auf einfache Weise viel Spielerei und kreatives Arbeiten zulassen. Interessant beim Gestalten bebilderter Grüsse ist die Möglichkeit, bereits im Camcorder Ton von MP3-Files ab SD Memory Card zuzuspielen.
STECKBRIEF
Preis:
3300.-
Profil:
Kleiner, handlicher Camcorder für die Westentasche mit allen Funktionen für MiniDV und digitaler Fotografie, ergänzt um Features fürs elektronische Publizieren.
Pro:
Klein und leicht,
reiche Ausstattung,
zukunftsweisende Funktionen,
SD-Memory-Card für den Transfer zum Computer
Contra:
enge Platzverhältnisse bei der Bedienung
Ausstattung:
elektronischer Bildstabilisator
Farbsucher/Farb-LCD
Digitaleffekte bei Aufnahme und Wiedergabe
Zubehörschuh
DV-Ausgang
USB-Anschluss
SD-Memory-Card
Technische Daten:
800000 Pixel
1/5 Zoll-Chip
Obiejtiv: 1:1,8
10 fach Zoom
Brenneweite 2,7 - 37 mm (entspricht KB 45 - 450 mm)
350 g
Wettbewerb