15. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
24. Mai 2000
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Längst nicht mehr nur ein Geheimtip: Die audiophile Marke Creek hat ihre Produktepalette in den letzten Jahren unermüdlich erweitert und optimiert. Bestes Beispiel: Bereits in der dritten Generation gibt es einen CD-Spieler komplett aus eigener Entwicklung. Dazu passend zwei Vollverstärker, einen davon sogar mit Fernbedienung. Daraus lässt sich das Kernstück einer High-End-Anlage konzipieren, welche nicht nur "Einsteiger" begeistert, sondern sogar an teuren "Edellautsprechern" erstaunliches Format beweist.

Engländer mit CH-Input

Hierzulande sind sie längst keine Unbekannten mehr: Nicht nur werden die Creek-Produkte seit Jahren schon vom gleichen Vertrieb gepflegt; der Schweizer Importeur kann dank eigener Beteiligung auch bei der Konzeption und Entwicklung ein gewichtiges Wörtchen mitreden und so dafür sorgen, dass die Geräte hiesigen Kundenbedürfnissen besonders gut entsprechen.

Sind Creek-Vollverstärker traditionell bei Analogliebhabern sehr beliebt, so will man mit dem CD-Spieler eine audiophile Kundschaft ansprechen, die sich aus Repertoire-Gründen längst mit der Silberscheibe angefreundet hat. Dass auch erhöhter Komfort durchaus mit audiophilen Ansprüchen vereinbar ist, hat sich selbst in High-End-Kreisen längst herumgesprochen. So wird die SER-Version des Verstärkermodells 5250 mit einer Fernbedienung ausgeliefert, welche zusätzlich zur Lautstärkeeinstellung (inkl. Muting) auch die Quellenwahl ermöglicht.

Die 500 Franken Aufpreis für die SER-Version erschöpfen sich jedoch nicht in Komfortmassnahmen; gleichzeitig wurde auch beim Netzteil deutlich dicker aufgetragen, und anstatt zwei Mosfet-Endtransistoren pro Kanal wie bei der Normalversion kommen deren vier zum Einsatz. Dies geschah offenbar (siehe Messungen) weniger, um mehr Leistung herauszuholen, sondern eher aus klanglichen Gründen (siehe Hörtest).

Sowohl der 5250 wie der 5250SER können als sehr praxistauglich gelten. Aufnahme- und Lautsprecherwahlschalter (A und/oder B) sind ebenso nützliche Ausstattungsdetails wie der Kopfhörerausgang, der auch deshalb Sinn macht, weil die Lautsprecher abschaltbar sind. Lediglich ein Balancesteller wird vermisst. Die Anschlussperipherie ist reichhaltig und umfasst sogar Endstufenein- und -ausgänge - letzere sinnvoll zwecks Bi-amping nutzbar. Die Lautprecherklemmen nehmen Kabelschuhe, Litzen und notfalls auch Bananenstecker (seitlich von oben) auf.

Auch der CD-Spieler hinterlässt einen ergonomischen Eindruck. Nur wenige Tasten auf der Gerätefront erleichtern das Handling, während die Fernbedienung alle üblichen Komfortfunktionen aufweist. Schön wäre allerdings, wenn sich das Display ausschalten liesse. Technisches Highlight beim Creek CD43 bildet die Wandlersektion, die auf dem modernen Delta-Sigma-Wandlerchip CD4390 von Crystal Semiconductors aufbaut und theoretische 24 Bit Auflösung erreicht.

Darf es auch etwas mehr sein?

Custom made: Selbstentwickelte Wandler- und Steuerplatinen gruppieren sich beim Creek CD43 um ein Sony-Laufwerk (links). Die Die Turbo-SER-Version verfügt über ein grosszügiger dimensioniertes Netzteil, je vier Endtransistoren und Fernbedienung.
Custom made: Selbstentwickelte Wandler- und Steuerplatinen gruppieren sich beim Creek CD43 um ein Sony-Laufwerk (links). Die Die Turbo-SER-Version verfügt über ein grosszügiger dimensioniertes Netzteil, je vier Endtransistoren und Fernbedienung.
Beide Vollverstärker zeigen nach dem Öffnen einen äusserst präsentablen Innenaufbau, der ganz offensichtlich nach audiophilen Gesichtspunkten konzipiert wurde: Die weitgehend diskret aufgebaute Schaltung überzeugt mit übersichtlichem Layout und kurzen Signalwegen. Und auch die stabil eingelassenen, direkt mit der Platine verlöteten Cinchbuchsen und Lautsprecheranschlüsse vermögen zu gefallen.

Drei Punkte machen den Hauptunterschied der SER-Version zum Einsteigermodell aus: So verfügt der grössere Bruder über vier Endtransitoren pro Kanal und entsprechend üppigere Siebkapazität (total 26400 µF) sowie einen etwas leistungsfähigeren Ringkerntrafo. Ausserdem kommen hochwertigere Volumenpotentiometer sowie Eingangswahlschalter (beide motorisch fernbedienbar) zum Einsatz. Die Standardversion kommt mit zwei Mosfets pro Kanal aus und bietet immerhin noch 20000 µF. Bei beiden Verstärkern muss nicht auf einen Phono-Eingang verzichtet werden. Optional sind - ebenfalls diskret aufgebaute - MM- und MC-Steckmodule sehr preisgünstig erhältlich (Fr. 140.-) - wahlweise auch in einer SER-Variante (Fr. 200.-).

Auch der CD-Spieler enttäuscht in puncto Innenschau nicht: Die Philosophie der kurzen Signalwege findet in den direkt bei Ausgangsbuchsen plazierten Digital- bzw. Analogausgangsstufen ihren Niederschlag. Separate Stabilisierungen und ein Trafo mit unabhängigen Wicklungen für die Digital- und Analogabteilung untermauern den audiophilen Anspruch dieses Geräts, für das Creek nicht nur eigene Wandler- und Ausgangsstufen entwickelt hat, sondern sogar eine aufwendige Steuereinheit für das verwendete Sony-Laufwerk.

Es handelt sich beim CD43 also eindeutig nicht bloss um "aufgepeppte" Massenware sondern um ein eigenständiges "Custom-made"-Produkt. Nicht zuletzt sei noch auf den passenden, puristisch ausgelegten Tuner T43 verwiesen (Fr. 1100.-), mit man Verstärker und CD-Spieler zu einer gefälligen Komplettanlage ausbauen kann.

Gut bemessen

Im Messlabor zeigten sich beide Verstärker recht ähnlich und auf einem hohen Qualitätsniveau. 42 bzw. 51 Watt Sinus an 8 Ohm stehen 64 bzw. 76 Watt an 4 Ohm gegenüber. Die Impulsleistung ist mit 100 bzw. 115 Watt an 4 Ohm und je 178 Watt an 8 Ohm bei beiden Modellen recht hoch.

Die Verzerrungen liegen auf einem äusserst niedrigen Niveau und fallen zudem durch ein günstig abfallendes Klirrspektrum mit dominanten K2 auf. Am Frequenzgang über die Line-Eingänge gibt es nichts auszusetzen, und auch die Phono-Entzerrung des MM-Moduls liegt innerhalb von 0,25 dB, wobei hierbei ein festes Subsonicfilter unter 100 Hz sanft einsetzt und bei 20 Hz 2 dB Abfall bewirkt - was tonal sicher zu verschmerzen ist.

Auffällig auch der sehr gute Fremdspannungsabstand (von 67 dB bei 1 Watt) über Phono. Geradezu exorbitant fällt der Dämpfungsfaktor aus: 500 beim SER- und immerhin noch 323 beim Standardmodell. Allerdings bleibt davon nicht mehr viel übrig, wenn man lange oder dünne Kabel zu den Boxen hin einsetzt. Trotzdem kann ein hoher Dämpfungsfaktor erfahrungsgemäss als Indiz für eine trockene Basswiedergabe gelten.

Der CD-Spieler zeigt einen minimen Höhenabfall von 0,4 dB bei 20 kHz - ebenfalls ein Hinweis auf eine diskrete tonale Abstimmung. Verzerrung sind beim CD 43 extrem gering, während der Fremd-/Geräuschspannungsabstand von 106 bzw. 114 dB auf die hohe Qualität des neuen Multibit-Wandlerchips hinweist.

Vollmundig und kraftvoll

Endlich dürfen die Creeks unter Beweis stellen, was sie so drauf haben. Und zwar zunächst an einer grossen, mit Bändchen-Mittel- und -Hochtöner bestückten High-End-Standbox, die Verstärkern einige Schubkraft im Bass abverlangt.

Die Kombination von "SER" und CD43 imponiert hierbei auf Anhieb mit einem sehr dynamischen und anspringenden Klang bei exzellenter Konturenschärfe. Trotz den "nur" 2 x 50 Watt wirkt der Amp selbst bei satter Lautstärke niemals schwachbrüstig, sondern agiert ausgesprochen tief- und grundtonstark. Die Basskontrolle lässt nichts zu wünschen übrig - sicherlich ein Folge des üppig dimensionierten Netzteils und des hohen Dämpfungsfaktors. So profiliert sich der 5250SER enorm in unteren Tonlagen. Beispielsweise klingen Männerstimmen überhaupt nicht kehlig sondern voll und natürlich.

Das Klangbild scheint wie aus einem Guss. Im Obertonbereich gibt sich der Engländer vergleichsweise eher rund, tendeziell diskret, was je nach Lautsprecher zum Vor- oder Nachteil gereichen kann: Am der tonal hellen Referenzlautsprecher wirkte die Kombination aus 5220SER und CD43 jedenfalls enorm stimmig, während digitale Streicheraufnahmen über einen Vergleichsverstärker fast schon etwas fransig klangen. Trotz der minimen Zurückhaltung im Obertonbereich bieten die Briten eine exzellente Ortungsschärfe.

Konturen von Einzelinstrumenten oder -stimmen werden klar umrissen abgebildet; man glaubt bei geschlossenen Augen, die Musiker leibhaftig vor sich zu haben und mit ausgestreckter Hand berühren zu können. Diese Tendenz zur Nahzeichnung ist sicher eine Tugend, schafft sie doch beim Musikhören ein packende Unmittelbarkeit, der man sich nur schwer entziehen kann. Selbst der kleine Creek setzte sich an der schweren Standbox ordentlich ins Zeug, wenn doch schnell klar wurde, dass er nicht die gleiche überbordende Kraft aufbringen kann wie sein grösserer Bruder.

Subjektiv zeigt er sich etwas höhenbetonter, was aber bei genauerer Prüfung daran liegt, dass er im Bass- und Grundtonbereich nicht annähernd so exorbitant loslegen kann. Dafür ist er ebenfalls ein wahres Stimmenwunder mit einem Timbre, welches fast schon an Röhrenverstärker erinnert.

Turbo eingeschaltet

Als perfekter Spielpartner für den kleinen Creek (immer zusammen mit dem CD43 gehört) erwies sich die audiophile 2-Weg-Box Epos 12 (ebenfalls made in England und beim gleichen Schweizer Vertrieb), die so angetrieben mit einem druckvollen und konturierten Tieftonbereich aufwarten konnte. "Agil" ist die bezeichnendste Eigenschaft, die man dieser Kombination zuschreiben kann.

Sie macht Bass körperlich spür- und damit Musik emotional erlebbar! Mit ihrem schnellen, mühelosen Timing profiliert sie sich bei akustischem Jazz und zeigt schönen, rhythmischen Swing. Die Epos kann sich an diesem kleinen Verstärker also prächtig entfalten. Und eine fast schon zarte Ansprache in den Höhen lässt auch Geniesser klassischer und Vokalmusik voll auf ihre Kosten kommen. Muss man schon der Kombination von Epos und Creek CD743/5250 ein exzellentes Impulsverhalten attestieren, so ist es doch eindrücklich, was sich nach Anschliessen des "SER" zusätzlich tut.

Man hat den Eindruck, dass hier ein "Turbo" eingeschaltet wird. Dieses Trio agiert unglaublich vital und dynamisch - und dies schon bei Zimmerlautstärke. Der "Boxenkiller" von der High-end Test Record bringt es an den Tag: Knochentrockene, ungemein schnelle und druckvolle Bassimpulse, die ansatzlos von Null auf Hundert beschleunigen und auch überhaupt nicht nachschwingen - das ist wirklich ein Erlebnis. Man kommt nicht umhin, der Epos bezogen auf die Boxengrösse Referenzqualitäten im Bass zu bescheinigen. Und auch im Grundtonbereich spielt sie ihre ultrastabile Gehäusekonstruktion und fehlende Tiefpass-Spule voll aus.

Fazit

Ein Klangbild wie aus einem Guss. Bleibt zum Schluss noch die Frage zu beantworten: Wie klingt denn der CD43 von Creek für sich alleine betrachtet?
Im Vergleich zu anderen 1500-Franken-Spielern zeigte er sich ausgesprochen obertonreich, geradezu brillant und mit enormen Auflösung. Somit der ideale Spielpartner zum 5250SER, der ja in den Höhen mit einem typisch britischen, diskreten Timbre aufwartet.

Die Überraschung dieses Tests war zweifellos, wie sich der Creek 5250SER in puncto Vitalität, Bass- und Grundtonstärke vom konzeptionell sehr ähnlichen (wahrlich nicht schlechten) kleinen Bruder nochmals abheben konnte.Der Aufpreis lohnt sich also nicht nur aufgrund des Fernbedienungskomforts.

Der CD43 erweist sich als klanglich idealer sowie komfortabler Spielpartner mit Up-to-date-Wandler und entsprechend guter Feinzeichnung. Ideale Grundsteine für eine anspruchsvolle High-End-Anlage nicht nur für Einsteiger, an denen man lange seine Freude haben kann.
STECKBRIEF
Preis:
1500.- , 1200.-
Profil:
Liebevoll konzipierte High-End-Produkte nicht nur für Einsteiger, die es klanglich in sich haben. Der "Turbo"-SER-Version des 5250 ist gegenüber der Normalversion der Vorzug zu geben. Sie treibt auch anspruchsvolle Lautsprecher.
Pro:
- einfache Bedienung
- schöner Klang
- straffer, dynamischer Grund- und Tieftonbereich
Contra:
- keine
Ausstattung:
Aufnahmewahlschalter
Lautsprecherwahlschalter (A und/oder B)
Kopfhörerausgang
Fernbedienung
Phono MM- oder MC-Modul optional
Technische Daten:
Sinusleistung
2 x 40W/8Ohm (5250)
2 x 64W/4Ohm (5250)
2 x 51W/8Ohm (5250SER) 2 x 76W/4Ohm (5250SER) 2 x 178Watt/2Ohm
Wettbewerb