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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
8. November 2005
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Elac – die Traditionsfirma aus Kiel

Mit dem ringförmigen 4Pi Bändchen-Hochtöner und dem JET-Hochtöner hat Elac in den letzten Jahren zwei wichtige Innovationen im modernen Lautsprecherbau hervorgebracht.

Davon profitiert die gesamte Linie 600, in welche die beiden exklusiven Treiber konsequent eingesetzt werden.

Die BS 602 X-JET ist der Benjamin der 600er Linie.

Mit dem schmucken 3-Wege- Ständermonitor erweitert man die Baureihe um ein Model für schmalere Budgets und begrenzte Platzverhältnisse. Die Firma Elac ist wahrlich kein Newcomer unter den Lautsprecherherstellern.

Im norddeutschen Kiel widmet man sich nicht nur der Segelkunst, sondern fertigt seit 1926 auch elektrotechnische Produkte.

Als einiger der wenigen Lautsprecherhersteller entwickelt und baut Elac seine Wandlersysteme selbst.

Und dies mit Erfolg: denn Elac-Chassis werden auch von anderen Herstellern wie dem renommierten deutschen High-Ender »Burmester« und dem dänischen Lautsprecherhersteller »Audio Vector« eingesetzt.

Sympathisch, dass Elac seit Jahren auf ökologische Herstellungsverfahren setzt.

Die Lautsprecher werden in einem nahezu geschlossenen Werkstoffkreislauf im eigenen Hause hergestellt. Restmaterial ist daher zu 100% wieder verwendbar oder recyclierbar.

Koaxial-Lautsprecher

Konventionelles Koaxialsystem oben. Kozentrische Anordnung von Hoch- und Mitteltöner beim Elac JET-System unten.
Elac bietet in der 600 Serie zwei hochwertige, aber in ihrer Klangcharakteristik doch unterschiedliche Hochtonsysteme an: Das ringförmige Hochtonbändchen, welches dank einer sehr breiten Abstrahlcharakteristik ein sehr weiträumiges Klangbild entfaltet, sowie das koaxiale JET-System, das Mittel- und Hochtöner in einem akustischen Zentrum vereint und mit einer präzisen, punktgenauen Abbildung brilliert.

Ein Koaxialsystem ist eine Kombination von zwei einzelnen Chassis. Der Hochtöner sitzt dabei im Mitteltöner.

Koaxialsysteme besitzen den grossen Vorteil, dass die beiden Treiber ein identisches akustisches Zentrum aufweisen.

Bei der Elac Koaxialtechnolgie befinden sich die beiden Chassis nicht nur auf einer Achse, sondern vorteilhafterweise gleichzeitig auf einer Ebene, so dass man eigentlich von einer konzentrischen Anordnung sprechen muss.

Dem Ideal einer punktförmigen Schallquelle kommt man damit sehr nahe.

Der grosse Vorteil dieser Bauweise: Der für die Stimmwiedergabe und die Lokalisation wichtige Frequenzbereich von 400 Hz bis 50 kHz wird linear und vor allem phasentreu abgestrahlt.

Das ergibt ein stabiles und realistisches Klangbild, wo Instrumente positionsgenau und in ihrer angestammten Grösse abgebildet werden.

Heil Wandler

Doch damit nicht genug: Das Elac 115mm X-JET System besteht aus einem runden Aluminium- Waben- Flachlautsprecher für den Mitteltonbereich und einem JET III Hochtöner, welcher eine Weiterentwicklung des Heil-Systems ist.

Beim Heil-Wandler wird die Luft quasi aus der gefalteten Membran herausgepresst. Die Luft wird dadurch sehr effektiv bewegt, was ein hervorragendes Impulsverhalten ergibt.

Das auf Oskar Heil basierende Schallwandler-Prinzip wird von vielen Fachleuten als das wohl beste Wandlerprinzip für den Hochtontonbereich angesehen.

Die Kombination eines Flachmembran Mitteltöners mit einem Heil-Hochtöner zu einem Koaxialsystem ist weltweit einzigartig.

Exklusives Gehäuse

Dass heute mit einem konventionellen ‚Kistendesign’ bei Lautsprechern nichts mehr zu holen ist, hat sich rum gesprochen.

Dabei geht es gar nicht mal so sehr um das Design, als um die Reduktion gehäuseinterner Resonanzen.

Quaderförmige Gehäuse neigen infolge der parallelen Wände zu internen Reflexionen, welche sich wiederum negativ auf die Schallwandler und den Klangcharakter auswirken.

Idealerweise besässe ein akustisch optimales Gehäuse eine Kugelform. Gewisse Hersteller haben sich auch schon daran versucht.

In der Regel verfolgt man heute mit tropfenförmigen Gehäusen einen guten Kompromiss zwischen Ästhetik, Gehäusevolumen, Herstellungskosten und akustischen Eigenschaften.

Auch Elac geht bei der Linie 600 in diese Richtung und reduziert mit dem sich nach hinten verjüngenden Grundriss Reflexionen.

Die Konstruktion fiel sehr aufwendig aus: Die Seitenwände sowie Boden- und Deckplatte sind aus Aluminium, während die Schall- und Rückwand aus MDF gefertigt werden.

Mit der inzwischen beliebten Verwendung von Aluminium beim Gehäusebau ist das so eine Sache: Aluminium sieht gut aus, ist aber auch empfindlich auf Eigenschwingungen.

Bei kleineren Gehäusen hat man naturgemäss weniger Probleme mit Gehäuseresonanzen, trotzdem kommt bei der BS 602 wie bei den grösseren Schwestermodellen das bei Elac entwickelte, aufwendige System von internen Zugverstrebungen zum Einsatz.

Die Fertigungskosten kriegt man so natürlich nicht runter, was sich entsprechend im Preis niederschlägt.

Feinsinnig

Die Elac BS602 präsentierte sich im Praxistest als im positiven Sinne unauffällig und edel aufspielender Lautsprecher. Die feinsinnige Klangentfaltung und das homogene Klangbild haben Klasse.

Ähnlich wie ein professioneller Studio-Monitor fördert sie auch noch so kleine Nuancen zu Tage und positioniert sie punktgenau auf der akustischen Bühne.

Die analytischen Fähigkeiten gehen allerdings nicht auf Kosten des Klangtimbres. Auch in Fortepassagen brilliert die Elac BS 602 mit einem seidenweichen und warmen Klangcharakter.

Sie gehört aber sicherlich nicht zu den ‚beschönigenden’ Lautsprechern. Wo schon im Aufnahmestudio gemurkst wurde, bringt die Norddeutsche dies schonungslos zu Tage.

Überzeugend auch die Attacke und Impulsfestigkeit. Die BS 602 wirkt sehr agil und lebendig. Während andere Lautsprecher sich ihre vermeintliche Dynamik oft mit einem angehobenen Hochtonbereich erkaufen, spielt sie natürlich und bleibt stets gelassen sachlich.

Tricks hat sie auch gar nicht nötig: Ihre Verfärbungsfreiheit und ihr Auflösungsvermögen verhelfen ihr zu einem ungemein durchzeichneten Klangbild, das auch schon bei kleinen Lautstärken einen tiefen Blick in die akustische Bühne ermöglicht.

Blechbläser kommen sehr brillant und nie aggressiv; Klavier bringt sie vital und bis in den Diskant resonanzfrei; selbst Schlagzeugpassagen reproduziert die Kleinbox knochentrocken, mit viel Attacke und ohne dröhnende Nachschwinger.

Der Bassbereich ist impulsiv und besitzt für eine Ständerbox dieser Grösse ausreichend Tiefgang, kann aber selbstverständlich nicht den Druck grossflächiger Systeme entfalten

Im Vergleich zu einem Kalottenlautsprecher wartet die Elac BS 602 dank ihrem Heil-Hochtöner mit einer deutlich leichtfüssigeren Spielweise im oberen Frequenzbereich auf.

Streicher kommen wunderbar luftig und fein ziseliert. Frauenstimmen geht jede Kehligkeit ab. Bei modernen Synthesizer-Passagen kann sie zudem ihre Schnelligkeit und Präzision ausspielen.

Fazit

Die Elac BS 602 ist ein gelungenes Exemplar Deutscher Lautsprecherkunst.

Gespickt mit innovativer Technik trumpft sie mit einer analytischen und dynamischen Klangentfaltung auf, die dank dem hohen Auflösungsvermögen nie zu unnatürlichen Härten neigt.

Die exzellente Verarbeitung und das ansprechende Design ergeben ein rundum positives Gesamtbild.

Der Vermutstropfen ist sicherlich der hohe Preis. Qualität gibt es nicht umsonst, doch knapp 8000.- CHF für einen Kleinlautsprecher (Ständer nicht eingeschlossen) sind happig.
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