20. Juni 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
29. November 2004
Themen
Drucken
Teilen mit Twitter
Cremona brachte die grössten Meister des Geigenbaus hervor.

Praktisch alle der berühmtesten Geigenbauer der Welt stammten aus dieser Stadt. So zum Beispiel die Familien Amati und Guarneri, Antonio Stradivari, die Familien Ruggeri und Bergonzi.

Die Geschichte und Tradition dieser Stadt inspirierte die Boxenbauer von Sonus Faber, eine gleichnamige Lautsprecherlinie herauszubringen.

Sonus Faber produziert jedoch nicht in Cremona, sondern im Norden Italiens, in der Nähe von Venedig.

Handmade in Italy

Sonus Faber ist ein 24 Mann-Betrieb. Zwei der Mitarbeiter sind Meister des Geigenbaus und verarbeiten das speziell und sehr lange gelagerte Holz.

Diese beiden Kunsthandwerker wissen um die Geheimnisse der Hölzer, Lacke und der verschiedenen Leime.

Ein Cremona-Gehäuse kann - wie eine Stradivari - Jahrhunderte überdauern.

30 Stunden Handarbeit

Wie der Titel schon sagt, arbeiten gelernte Geigenbauer an einem Paar Cremona Lautsprechern jeweils nicht weniger als 30 Stunden.

Das ist viel - und wer den Preis der verwendeten Materialien und Chassis in Betracht zieht, wird bemerken, dass man mit der Produktion solcher Kunstwerke kaum reich wird.

Doch die Sound Faber Leute sind Idealisten, die Freude am Schönen haben, sei es in der Form von Klängen, Hölzern, Stil, oder aber auch an modernsten Chassis wie dem anerkannt guten Ringradiator von ScanSpeak, welcher auch die allerhöchsten Obertöne eines Cembalos locker wiedergeben kann.

Lautenförmig

In Cremona wurden im 15. und 16 Jahrhunder aber nicht nur Violinen gebaut, sondern auch Lauten. Die Form, die Sonus Faber für die Gehäuse der Cremona wählte, entspricht im Prinzip einer Laute.

Auch die alten Instrumentenbauer mussten verhindern, dass gewisse Töne des Instrumentes resonierten und unnatürlich laut herausstachen. Jeder Ton sollte genau gleich laut klingen. Die Form der Cremona verhindert ausgeprägte stehende Wellen und Resonanzen im Inneren des Gehäuses.

Doch zu einem perfekten Gehäuse gehören nicht nur eine optimale Form, sondern auch die richtigen Materialien.

In 32 Lagen wir speziell gelagertes Ahorn-Holz verleimt und lackiert, so dass das Gehäuse absolut schalltot ist. Dass dies auch tatsächlich gelungen ist, bemerkt man beim Handauflegen auf eine sehr laut spielenden Cremona. Die Gehäusewände sind absolut ruhig.

Violine kontra Lautsprecher

Was haben nun eine Violine und ein Lautsprecher gemeinsam und was nicht?

Sowohl ein Streichinstrument, wie auch ein Lautsprecher besitzen ein Gehäuse und einen Schallerzeuger. Bei der Violine vibrieren sowohl die Saiten als auch das Gehäuse, bei den Boxen idealerweise nur die Membranen.

Der grösste in der Geschichte des High Fidelity jemals gemachte Blödsinn war wohl, Lautsprecherchassis in ein Cello einzubauen und zu behaupten, dies sei ein „besonders musikalischer“ Schallwandler.

Technik

In den Cremona-Lautsprechern steckt nicht nur traditionelles Wissen, sondern auch eine Menge modernster Technik.

Die Lautsprecherchassis werden bei ScanSpeak nach den Vorgaben von Sonus Faber gefertigt. Als Weichen kommen sanft und phasenrichtig arbeitende 6 dB-Filter zum Einsatz.

Die beiden 6-Zoll-Woofer arbeiten parallel im geschlossenen Gehäuse. Der Ringradiator ist bekannt als Spitzentreiber, welcher locker bis hinauf zu 40 kHz spielt und damit die auf SA-CD und DVD-Audio vorhandenen Klangspektren mit links meistert.

Italy meets USA

Als Spielpartner zu den Cremonas wählte avguide.ch die Conrad Johnson Röhrenvorstufe Premier 17 L Series 2 und als Endstufe die mit MOSFETS bestückte 350 SA, andererseits die reine Röhrenendstufe MV 60.

Als CD-Spieler kam keine ultrateure Bolide zum Einsatz, sondern der sehr preisgünstige und erstklassig klingende Cyrus CD 8 mit Zusatznetzteil PSX-R.

Da fehlen die Worte...

Spielpartner vom Feinsten: Röhren- und MOSFET-Verstärker von Conrad Johnson und Cyrus CD 8 mit PSX-R Netzteil.
Die MOSFET-Endstufe liess die Cremonas absolut meisterhaft aufspielen. Vom tiefsten Bass bis zum Diskant herrschte absolute Transparenz. Die Klangfarben der Streicher erschienen sehr natürlich und feinste klangliche und musikalische Nuancen wurden mit exzellenter Klangdefinition gebracht.

Doch auch bei Klavier und Orchesterwerken spielte diese Kombination ganz hervorragend auf. Mit spielerischer Leichtigkeit stellten die Cremonas einen grossen Konzertflügel überzeugend in den Abhörraum. Elegant perlten die Läufe im Diskantbereich auf und ab, der Bassbereich strotze geradezu vor Potenz ohne allerdings dick und aufgebläht zu wirken.

Die Räumlichkeit des Klangbildes war kaum zu tadeln: breit und aufgefächert wurden die diversen Instrumentengruppen eines grossen Sinfonieorchesters in die gute Stube transferiert.

Auch bei swingendem Jazz und härterem Rock war dies Kombination voll mit dabei. Die in den Vordergrund gestellte Bassgitarre der Jaco Pastorius Big Band knallte den Zuhöreren bis zur tiefsten Oktave ihre virtuosen Riffs entgegen, während Blech und Drums ganz ordentlich Dampf erzeugten.

Probe aufs Exempel

Massive Fertigung bis ins Detail: Die Lautsprecherklemmen lassen sich bombenfest drehen.
Würde das aufwändige und mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Gehäuse tatsächlich das ultimative Teststück Tulungusak Test Record „Explosion“, das schon Dutzende von High-End-Boxen entlarvte, perfekt meistern?

Und in der Tat: Ohne die geringsten Klapper- und Scheppergeräusche, und ohne jegliche (!) von Bassreflexöffnungen stammenden Blasgeräusche brachten die Cremonas Basstöne hinunter bis zu 16 Hz.

Und das muss ihr erst mal eine andere Box nachmachen.

Sound of Tubes

Doch dann wurde die MOSFET-Endstufe gegen die röhrenbestückte MV 60 ausgetauscht.

Von den ersten Paar Takten an herrschte absolutes Entzücken.

Diese fantastische Atmosphäre, diese Klangfarben und unglaubliche Räumlichkeit – und dies aus den gleichen Boxen.

Doch auch hier ein Wermutstropfen: die unteren Lagen inklusive Tiefbass büssten gegenüber der MOSFET-Wiedergabe hörbar an Transparenz und Impulsivität ein.

Doch dieser Nachteil konnte das neue Glücksgefühl nicht mindern. Egal, ob Stimmen, Streichinstrumente, oder rauschende Orgelklänge, dieser Sound kann kaum mit Worte beschrieben werden – den muss man einfach gehört haben...

Fazit

Der italienische Lautsprecherspezialist Sonus Faber hat mit den Cremona Standboxen echte State-of-the-Art-Lautsprecher geschaffen, die nicht nur absolut hervorragend klingen, sondern auch eine Aura sondergleichen ausstrahlen, der man sich als Freund der schönen Künste nicht entziehen kann.
STECKBRIEF
Preis:
9680.- Fr. pro Paar
Profil:
State of the Art Lautsprecher in denen jahrhundertaltes Wissen im Instrumentenbau mit modernster Technik vereint ist.
Pro:
herausragendes Finish,
hohe Klangdefinition,
sauberer, tiefreichender Bass,
für alle Musikarten geeignet,
Contra:
-
Ausstattung:
1 Tweeter 29mm,
1 Mitteltöner 15 cm,
2 Woofer 18 cm,
Weiche 6 dB/Okt,
Ausführungen Ahorn Graphit
Technische Daten:
Konstruktionsprinzip 3-weg geschlossen,
Impedanz 4 Ohm,
Abmessungen (BxHxT) 22,5 x 1090 x 43 cm,
Gewicht 34 kg,
Wettbewerb