18. Oktober 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
11. April 2005
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allcanview ist ein Media-Center der neuen Art. Fernsehen, DVD wiedergeben, auf Festplatte aufzeichnen, Surround-Sound bis 7.1 sind einige seiner Funktionen.

Das Besondere ist seine Bildverarbeitung. Die bis 20-fach höhere Komprimierung des Video-Streams soll auch HDTV-Signale optimal darstellen können.

Herstellerin des allcanview ist die Firma Atvisican, die im deutschen Essen beheimatet ist.

Fragt man den Firmengründer und CEO Uwe Prochnow nach seinem Komprimierungsverfahren, beginnen seine Augen zu leuchten und er erläutert einem in logischer Weise, wie raffiniert sein Video-Codec funktioniert.

Auch dass schon verschiedene Grosskonzerne bei ihm vorsprachen, um sein Patent für mehrere hundert Millionen Euro abzukaufen.

Doch das ist nicht im Sinne des Entwicklers. Er möchte nebst dem eigenen Mediencenter allcanview weitere Produkte auf den Markt bringen und natürlich Lizenzen an Hersteller verkaufen.

Mit verschiedenen Chipproduzenten wird bereits intensiv verhandelt. Das Ziel sind unter anderem Chips, welche eine Bildübertragung in normale Handys ermöglichen, ohne teures UMTS.

Sein erstes Patent übrigens, ein digitaler Audioverstärker, hatte Uwe Prochnow aus der ehemaligen DDR, dem Konzern NEC im Alter von 16 Jahren verkauft.

Bildbeschreibung mittels Vektoren

Herkömmliche Bildkomprimierung basiert auf Pixeln.
Während herkömmliche Komprimierungs- verfahren mit Pixeln arbeiten, verwendet Prochnow Vektoren.

Es werden dabei vier Frames hintereinander untersucht und daraus bewegte Objekte erkannt, welche vektorisiert werden, das heisst mittles einer mathematischen Funktion beschrieben. Gleichzeitig werden die sich nicht ändernden Bildanteile als Texturen erkannt.

An Hand von Schärfeunterschieden, Positionen im Bild und Eigenbewegung werden den Objekten Prioritäten zugewiesen. Objekte mit hoher Priorität werden genauer vektorisiert.

Komplexe Farbverläufe (wie in Hintergründen) werden ebenfalls analysiert und mathematisch beschrieben. Dadurch wird nicht eine bestimmte Anzahl von Pixeln festgelegt, sondern eine Anzahl von Knoten. Je mehr Vektorknoten beschrieben werden, desto höher ist die Genauigkeit des Bildes und desto mehr Rechenleistung wird gebraucht.

Hauptvorteil ist, dass die Bildauflösung (z.B. 1280 x 720 Bildpunkte) erst bei der Reproduktion relevant wird. Mit anderen Worten, es können beliebige Auflösungen erzeugt werden, ohne die bekannte Verpixelung.

Kompression als mathematische Formel

Atvisican verwendet Vektoren, Basis für die Objekterkennung sind 4 aufeinanderfolgende Frames
Mit diesem Verfahren wird noch kein grosser Kompressionfaktor erreicht. Erst wenn die 256'000 Stellen umfassenden Zahlenreihen als mathematische Formeln beschrieben werden, kann ein sehr hohe Kompression erreicht werden.

Diese Formeln beschreiben die Zahlenreihen nicht in 100-prozentiger Exaktheit, sondern bewusst mit einem kleinen Fehler, welcher aber für das menschliche Auge völlig unsichtbar bleibt (nicht zu vergleichen mit MPEG Artefakten).

Diese durch ein neuronales Netz berechneten Formeln können als Geniestreich des 32-jährigen Deutschen bezeichnet werden.

Um diese Formeln wieder in eine Zahlereihe aufzulösen, ist auf der Empfängerseite wiederum ein neuronales Netz notwendig. Je nach verfügbarer Rechenleistung und notwendiger Auflösung kann dies genauer oder weniger genau erfolgen.

Der übermittelte Stream ist aber immer derselbe. Das heisst, es ist nicht wichtig, ob ich auf Empfängerseite einen HD-Fernseher habe oder lediglich ein Handy mit Farbdisplay.

DVD-Recorder und Gamekonsole

Den Objekten werden Prioriäten vergeben, welche Einfluss auf die Genauigkeit der Vektorisierung hat.
Der allcanview ist mit einem externen Audiointerface ausgestattet, welches die Ausgabe von bis 7.1 Kanälen mit 24 Bit/96 kHz ermöglicht (DolbyDigital-EX und DTS-ES). Alternativ kann auch der SPDIF Ausgang aktiviert werden und die Audiodecodierung einem externen Decoder überlassen werden.

Insgesamt sind 4 Audioein- und 10 Audioausgänge vorhanden. Ein Eingang lässt sich als Phono-Eingang definieren.

Das integrierte DVD/CD-Laufwerk schreibt alle Formate bis auf DVD-RAM und liest alle Formate ausser DVD-RAM und SACD.

Was der allcanview nicht kann, ist gekaufte DVD’s mit Kopierschutz auf die Harddisk zu spielen; hier hält man sich an die Regeln von Hollywood.

Der allcanview kann auch als Gamekonsole gebraucht werden und kommt mit Microsoft-kompatiblen Spielen zurecht.

Anschlussvielfalt

Ein- und Ausgänge: die externe Audiobox wird per Firewire angeschlossen.
Das Hauptbetriebssystem SE GO! wurde von Atvisican selber entwickelt, parallel dazu läuft Windows XP Professional Edition. So möchten die Essener eine hohe Stabilität bei gleichzeitig hoher Kompatibilität erreichen.

Als PC-Ersatz sehen die Leute von Atvisican ihren allcanview nicht. So wird auch unterbunden, dass im Windows-Teil selber beliebige Software installiert werden kann. Dies würde unweigerlich die Stabilität beeinträchtigen.

Um die hochwertige Bildaufbereitung auch verlustfrei auf den Bildschirm zu bringen, ist eine DVI-I Schnittstelle vorhanden, welche auf Wunsch auch Komponentensignale ausgibt und gleichzeitig zwei DVI Monitore versorgen kann.

Composite- und S-Video-Ausgänge sind ebenfalls vorhanden, wobei auch die Ausgabe unterschiedlicher Signale auf einem DVI- und Video-Ausgang möglich sind.

Auflösungen bis 2048 x 1536 Pixel mit max. 200 Hz sind möglich.

Erweitertes „adaptives per Pixel“ und „temporales“- De-Interlacing ermöglicht eine hochwertige Ausgabe von DVD’s auf den hochauflösenden Bildschirm/Beamer.

Das Gerät beherrscht auch digitales (z.B.über Firewire) und analoges Video-Encodieren bzw. –Decodieren (von NTSC bis HDTV).

Digitales Fernsehen

Die Zahlenfolgen werden als Formeln mit guter Genauigkeit beschrieben.
Je nach Wunsch wird der allcanview mit einer oder zwei digitalen Empfängerkarten ausgeliefert. Es können sowohl DVB-T (terrestrisch), DVB-S (Satellit) und DVB-C (Cable) Karten geordert werden.

Mit den Karten ist es möglich bis HDTV alles zu empfangen, aufzuzeichen und von der Harddisc (400 GB) wiederzugeben. Zeitversetztes Fernsehen ist ebenso möglich, wie das Anhalten des laufenden Progamms. Dank EPG (elektronischer Programmführer) ist eine bequeme Programmierung möglich.

Dank zwei CI-Slots (Common Interface) ist es möglich, auch verschlüsselte Sendungen zu sehen.

Empfangen werden nebst den TV-Sendern auch alle Radio-Stationen über DVB; auch Internetradio ist möglich.

Kommunikationszentrale

Das allvanview verfügt über ein gut zugängliches Interfaces auf der Frontseite.
Im Kommunikations- bereich kann telefoniert werden, mit und ohne Video. Dank dem hohen Komprimierungsfaktor kann über eine ISDN-Leitung ruckelfrei und in nahezu PAL-Bildqualität eine Videokonferenz geführt werden.

Voice over IP ist ebenfalls möglich.

Der eingebaute Browser ermöglicht das Surfen im Internet, wobei man hier nicht zu hohe Erwartungen haben sollte. Aus Virenschutzgründen ist diese Funktion ziemlich eingeschränkt.

Ein Email-, Fax- und SMS-Interface ermöglicht das schriftliche Kommunizieren über die gängigsten drei Wege.

Andere Medieninhalte wie Digitalefotos, eigene Filme (z.B. ab DV-Cam) etc. können auf dem allcanview ebenfalls abgespielt und bearbeitet werden.

Bedienung

Bedient wird der allcanview über die drahtlose Gyro-Maus und über die ebenfalls drahtlose Tastatur, welche mitgeliefert werden.
Im Preis inbegriffen ist das erstmalige Setup, welches durch einen lokalen Spezialisten ausgeführt wird. Dabei wird die vorhandene Umgebung (z.B. Bildschirm) berücksichtigt.

Voraussetzung ist ein ADSL-Anschluss, der allcanview hängt am Netz und kann so bei Bedarf auch aus der Ferne gewartet werden, oder wenn Updates verfügbar sind, werden diese auf Wunsch automatisch geladen.

Die Grundfunktionen lassen sich relativ logisch bedienen, die konfigurierbare Schnellstartleiste ermöglicht das direkte Starten der beliebtesten Applikationen.

Die einzelnen Anwendungen sind optisch aufeinander abgestimmt, leider sind einige Funktionen anfänglich etwas schwer auffindbar und gewisse gemeinsame Befehle sind nicht durchs Band mit dem gleichen Symbol versehen.

Bildauflösungen können per Funktionstasten auf dem Keyboard direkt aufgerufen werden, beliebige Auflösungen können durch den Installateur auf Wunsch realisiert werden.

Hohe Bildqualität

Das Menu präsentiert sich übersichtlich und erlaubt eine weitgehend einfach verständliche Bedienung.
Gespannt waren wir insbesondere auf die Bildqualität. Bringt die spezielle Bildaufbereitung einen Vorteil gegenüber einem High-End-DVD-Player?

Sie bringt! Der grösste Vorteil wird sichtbar bei Objektkanten. Während beim normalen Player die Konturen bei hochskalierten Bildern tendenziell verwischen, bleiben diese bei einem hoch auflösenden Bildschirm wie mit dem Messer gezogen.

Das heisst das Hochskalieren der PAL-Norm auf HDTV-Auflösung (auch 1920 x 1080 Bildpunkte) geschieht hervorragend.

Bei niedrig auflösenden Bildschirmen verschwindet dieser Vorteil teilweise, aber die Bildschärfe bleibt ungeschlagen und das ohne lästige Doppelkonturen.

Durch umfangreiche Einstellung der Bildparameter kann nahezu jedes Display oder jeder Projektor optimal angesteuert werden. Aufgefallen ist uns, dass die Helligkeits- und Kontrastregler in einem riesigen Umfang zur Verfügung stehen, sich aber gegenseitig beeinflussen, was die Einstellarbeit nicht gerade erleichtert. Doch um die kümmert sich ja wie erwähnt eine Fachperson.

HDTV-Aufzeichnung

Die Empfangsqualität über DVB (im Test über Satellit) ist hervorragend, auch der HDTV Sender HD1 (Euro 1080) wird in einer atemberaubenden Qualität wiedergegeben.

Drückt man auf den Record-Knopf, wird auch HDTV in voller Qualität aufgezeichnet.

Die gespeicherten Sendungen können über die Wiedergabeliste abgespielt werden, automatisch werden Stationsname, Datum und Uhrzeit als Programmname gewählt.

Mittels EPG können Sendungen auch ohne Programmier-Knowhow ausgesucht und so zur Aufnahme vorgemerkt werden, was gemäss unserem Test gut funktioniert.

Die Audioqualität ist abhängig von der Art der weiteren Verarbeitung. Werden direkt Endstufen angeschlossen, liefert das Audiointerface sehr gute Audioqualität. Dies verwundert auch nicht besonders, wird dieses doch vom Profi M-Audio hergestellt.

Wird der SPDIF-Ausgang benutzt, entscheidet der Surround-Decoder schliesslich über die maximale Tonqualität. Einzig störend ist das doch nicht unüberhörbare Laufwerksgeräusch, mit welchem die Scheiben gelesen werden.

Fazit

Der allcanview setzt bei der Bildqualität Massstäbe. Ein derart scharfes DVD-Bild auf hochauflösenden Flachbildfernsehern und Beamern haben wir bisher nicht gesehen.

Besonders lobenswert ist der HDTV-Empfang mit Aufzeichnungsmöglichkeit in ruckelfreier Qualität.

Die Bedienung ist grösstenteils logisch, an einige Symbole muss man sich erst gewöhnen.

Alles in allem ist der allcanview ein faszinierendes Gerät, welches heute schon ein bisschen Zukunft ins eigene Heim bringt.

Thomas Flammer
STECKBRIEF
Preis:
Fr. 17'500.-
Pro:
sehr gute Bildqualität
hoher Funktionsumfang
Anschlussvielfalt
HDTV-Kompatibilität
Zukunftsperspektiven
Contra:
Bedienung nicht immer intuitiv
Lüfter und Laufwerk deutlich hörbar
Ausstattung:
Intel Pentium 4 / 2.66 GHz
400 GB Festplatte
2 x DVB-S HDTV (opt. DVB-T/DVB-C)
TV-Genie / tvtv
6 x USB 2.0
3 x Firewire
1x VGA und 1x DVI-I (Dual), Composite (max. 2048x1536 Pixel -200 Hz)
1 x Ethernet 100
Technische Daten:
Abmessungen (B x H x T) 430 x 90 x 365 mm
Gewicht 13 kg
Wettbewerb