Beim 4K-Cropping werden die Filme bei der Wiedergabe nachträglich mit kreativen Effekten versehen und davon neue Videoclips erstellt.Während die Kino-Effekte schon während der Aufnahme eingesetzt werden, findet das 4K-Cropping erst bei der Wiedergabe statt. Es ermöglicht nachträgliche Zooms, Schwenks, Nachführeffekte und Bildstabilisierungen.
Beim Filmen kann nur in die Bildmitte oder aus ihr heraus gezoomt werden. Das nachträgliche Zoom, von Panasonic "Zoom-Herausschneiden" genannt, bietet mehr Möglichkeiten. Es können Position und Grösse für Start- und Endpunkt sowie die Zoomgeschwindigkeit festgelegt werden. Dann wird zwischen den beiden Punkten gezoomt und/oder geschwenkt. Diese Fahrt im Bild kann danach als neuer Videoclip gespeichert werden.
Beim Nachführen ("Tracking-Zuschneiden") wird ein sich bewegendes Motiv gewählt und vergrössert. Die Kamera versucht dann, diesen Bildausschnitt zu verfolgen. Das Resultat lässt sich wieder als neuen Clip speichern.
Ähnlich funktioniert auch die nachträgliche Entwacklung einer Aufnahme ("Zuschneiden stabilisieren"). Dabei wird ins Bild hineingezoomt und diesen Ausschnitt zu glätten versucht. Da durch die Vergrösserung aber auch das beruhigte Wackeln mitvergrössert wird, sind die Resultate eher mässig.
Das 4K-Cropping gelingt jedoch nur, wenn vorher möglichst weitwinklig, also in der Totalen, in 4K gefilmt wurde. Ist das Motiv schon in Nahaufnahme, zum Beispiel ein spielendes Kind, das formatfüllend erscheint, hat die Cropping-Funktion zu wenig Bildfläche rundherum. Dies wird meiner Meinung nach in der Anleitung nicht genügend hervorgehoben.
Die neuen Clips aus den 4K-Cropping-Effekten können nicht mehr in 4K gespeichert werden. Sie kommen in Full-HD-Video mit 25 Vollbildern pro Sekunde (25p) auf die Speicherkarte. Eine Umwandlung in das besonders bei bewegten Sujets bessere 50p erfolgt nicht.
Augenschmaus und Bilderrauschen
Mit genügend Licht bei der Aufnahme erhält man von diesem Consumer Camcorder erstaunlich scharfe und knackige Bilder. Die eingebaute Videoleuchte verbessert die eher maue Bildqualität bei schwachem Licht.Die optischen Komponenten, der Sensor und der Prozessor sind die gleichen wie beim Vorgängermodell. Die Bildqualität ist somit ähnlich. Der Vorteil der kleinen Sensorgrösse liegt unzweifelhaft in der grossen Schärfentiefe.
Wer die 4K-Videoaufnahmen des HC-VXF999 auf einem 4K-Fernseher anschaut, wird begeistert sein. Die Detailfülle, Schärfe und Räumlichkeit der Bilder ist fantastisch. Aber auch herunterskaliert auf einem Full-HD-Monitor betrachtet, sind die Bilder ein Augenschmaus.
Es ist erstaunlich, welche Bildqualität aus diesem Consumer Camcorder kommt. Vor allem, wenn die Aufnahmen bei genügend Licht erstellt wurden. Hier kommt das Potenzial von HD-Aufnahmen erst richtig zur Geltung.
Klar, auch der VXF999 kann die physikalischen Einschränkungen kleiner Sensorflächen nicht umgehen. Bei wenig Licht tritt in homogenen Flächen Farbrauschen auf, das oft ein fixes Rauschmuster hinterlässt. Bei Schwenks werden die Kanten nicht mehr sauber dargestellt. Manchmal sieht das Bild auch flau und verwaschen aus.
Als Gegenmassnahme kann mit der eingebauten LED-Leuchte die Szene erhellt werden. Wird es noch dunkler, kommt die Nachtfunktion zum Einsatz, die im Farbmodus länger belichtet, was zu etwas ruckelnden Bildern führt. Die Aufnahmen sind dann zwar beinahe taghell, rauschen aber extrem.
Die nächste Stufe der Nachtfunktion nimmt dann mit Infrarotunterstützung selbst in absoluter Dunkelheit Gegenstände erkennbar auf, zumindest im Nahbereich.
Der neue 24p-Modus kann das Ganze etwas verbessern. Der Autofokus scheint davon am meisten zu profitieren und findet auch bei weniger Licht zuverlässig sein Ziel.
Die beste 4K-UHD-Qualität, vor allem bei Schwenks und bewegten Motiven, böte ein Camcorder mit 50 oder 60 Vollbildern pro Sekunde (50/60p). Doch weder Panasonic noch Mitbewerber bauen diese Bildraten in ihre Consumergeräte ein.
So ist für das aufmerksame Auge öfters ein Bildruckeln erkennbar. Zum einen, wenn der Camcorder zu schnell geschwenkt wird, was auch prompt eine Warnmeldung ins Display einblendet. Und zum andern, wenn Motive wie Autos oder Velofahrer auch bei ruhiger Kamerahaltung das Bild queren. Dann ruckelt nicht das ganze Bild, sondern die Autos und Velos.
Bildformat, Ton und WiFi
Die eingebaute Zweitkamera im Display wie noch beim Vorgängermodell ist verschwunden. Geblieben sind die umfangreichen WiFi-Funktionen zur Überwachung und Fernsteuerung. Für die Videoaufnahme stehen 4K MP4, 24p in 4K oder Full-HD, AVCHD, MP4 oder iFrame zur Auswahl. Im MP4- und AVCHD-Untermenü können noch Datenrate und Bildauflösung, also bessere Bildqualität oder längere Aufnahmezeit, bestimmt werden.
Panasonic empfiehlt für 4K-Video, 24p, Full-HD mit der höchsten Datenrate, Full-HD-Zeitlupe und 4K-Fotomodus-SD-Karten, die der Klasse 10 des Speed-Class-Ratings entsprechen.
Vom gewählten Videoformat hängen viele weitere Einstellungen ab, z.B. Zoomfaktor, Zeitlupe oder Kreativprogramme. Nicht jedes Format erlaubt jede Funktion. Was nicht geht, wird im jeweiligen Menü grau dargestellt und kann nicht gewählt werden.
Den Ton liefert ein 5.1-Kanal-Mikrofonsystem mit mehrfachem Windfilter, manueller Tonpegelanpassung, LowCut-Filter und umfangreichem Einstellungsmenü.
Mit Surround-, Zoom-, Center- oder Stereo-Mikrofon passt man die Charakteristik an und mit Auto, Musik, Sprache, Natur oder Festival berücksichtigt man die Aufnahmesituation und Umgebung.
Die eingebaute Zweitkamera im Display wie beim Vorgängermodell ist verschwunden. Geblieben sind die umfangreichen WiFi-Funktionen.
Mit "Wireless Multi Camera" können simultan bis zu drei Smartphones oder Actioncams zusammenarbeiten, um deren Aufnahmen als Bild im Bild zu übernehmen. Es gibt eine Baby-Monitor- und eine Home-Monitor-Überwachungsfunktion sowie Live-Streaming per "Ustream" ins Internet.
Die drahtlose Übertragung von aufgezeichneten Clips zum heimischen DNLA-Fernseher ist ebenso möglich wie die Fernbedienung der Kamera per Smartphone oder Tablet.
Im Camcorder selbst erledigt man neben 4K-Cropping auch rudimentäre Schnittaufgaben. Szenen können aufgeteilt, gekürzt oder Teile davon gelöscht werden. AVCHD-Aufnahmen lassen sich als neue Zusammenstellung aus ganzen Szenen oder 3-Sekunden-Häppchen abspeichern und Lieblingsszenen einer Highlight-Wiedergabe hinzufügen.
Videos und Fotos können auf eine externe USB-Festplatte überspielt und von dort via Camcorder auch wieder am Fernsehgerät abgespielt werden. Drahtlos oder per Kabel. Dafür sind Micro-HDMI- und USB-Anschlüsse vorhanden.
Die HD-Writer-Software von Panasonic verwaltet die Video- und Fotodaten auf einer PC-Festplatte und schreibt sie auf Speichermedien wie Blu-ray-Discs, DVDs oder SD-Karten.
Wird der Camcorder ohne HD-Writer-Software direkt am PC angeschlossen, wird er als Festplatte erkannt. Die Dateistruktur enthält neben den verschachtelten AVCHD-Verzeichnissen auch jede Menge Unterordner für die verschiedenen Aufnahmemodi und -formate.
Zurzeit werden 4K-Aufnahmen zum Anschauen oft heruntergerechnet. Dies macht der Camcorder selbst und wandelt 4K-Video in sehr gutes Full-HD-MP4, mit 1920 x 1080 Pixel und 25 Vollbildern pro Sekunde. AVCHD kann er auch nach MP4 konvertieren.
Fazit
Neu bei der Videoformat-Auswahl: Die Möglichkeit, mit 24 Vollbildern pro Sekunde (24p) in 4K und Full-HD zu filmen.Panasonic hat bei seinem zweiten 4K-Top-Consumer-Camcorder HC-VXF999 die kaum überschaubare Funktionsvielfalt des Vorgängers nochmals erweitert. Dank intelligenter Automatik kann trotzdem sofort losgefilmt werden. Damit spricht man Gelegenheits- wie Hobbyfilmer gleichermassen an.
Durch den wieder vorhandenen Sucher und die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten erhöht sich auch die Akzeptanz bei engagierten Amateurfilmern. Dank kleiner Abmessungen ist der HC-VXF999 zudem ein idealer Reisebegleiter.
Die 4K-Videoaufnahmen bei genügend Licht beeindrucken immer wieder und machen beinahe schon süchtig. Natürlich filmt dieser Camcorder auch in bester Full-HD-Qualität, wahlweise im MP4- oder AVCHD-Format.
Den von Panasonic besonders hervorgehobenen Features wie 4K-Cropping und Kino-Effekte für kreative Video-Produktionen stehen der kleine Sensor sowie die Tatsache, dass die meisten Funktionen weder in 4K noch mit 24p möglich sind, entgegen.

Alle Themen



