Naim Atom.Das Gehäuse
Die Rückseite des Atom Headphone Edition offeriert doppelte Vorstufenausgänge (Cinch und XLR). Auch ein symmetrischer Kopfhörer mit 4-Pin-XLR-Stecker findet Anschluss. Ins Heimnetzwerk wird der Naim wahlweise via Ethernet oder WiFi eingebunden.Die übrige Ausstattung ist ebenso komplett und umfassend wie beim «normalen» Atom. So punktet auch die Headphone-Version mit integriertem HiRes-DAC sowie dem bewährten Streaming-Konzept inklusive komfortabler Steuerung über die gelungene Naim App (für Android oder iOS). Aber auch die Möglichkeit, den Atom wahlweise ganz traditionell via Fernbedienung oder sogar am Gerät selber zu steuern, gefällt.
Insbesondere das grosse, beleuchtete «Drehrad» zur Lautstärkesteuerung oben auf dem Gerät hat einen ganz eigenen Reiz. Wir wollten wissen, wie sich der Neuling als Streamer/DAC/Vorstufe im Verbund mit Endverstärker und Lautsprecher gemessen an High-End-Ansprüchen schlägt. Und natürlich auch, auf welchem Niveau der Kopfhörerverstärker denn angesiedelt ist.
Die hohe Kunst der Integration: Der Uniti Atom ist auch in der Headphone Edition vollgepackt mit Hightech.High-End-Radio
Hierzulande droht ja in zwei Jahren die Abschaltung von UKW-Radio – und damit der zwangsweise Umstieg auf DAB+, möchte man lokale oder nationale Programme weiterhin nutzen. Für audiophile Radiohörer ist das ein Gräuel, wird auf DAB+ doch maximal eine Datenrate von 96 kbit/s angeboten – und dies auch nur bei den «zweiten» Landesprogrammen. Ansonsten muss man sich gar mit 64 kbit/s zufriedengeben. Im Zeitalter von HiRes eigentlich ein No-Go. Höchste Zeit also, sich nach einem guten Internetradio umzusehen.
Stand-alone-Radio: Mit zusätzlichem Kopfhörer avanciert der Naim Atom Headphone Edition zum veritablen High-End-Empfänger.Meiner Meinung nach gehört der Atom Uniti (egal, ob als Standard- oder als Headphone-Edition) zu den besten dieser Zunft – mit einem besonderen Faible für gute Klangqualität. So werden in der Naim Music App immerhin knapp 50 Radiosender in einem eigenen «HiDef»-Ordner angeboten. Und dies mit Datenraten von bis zu 1000 kbit/s. Aber auch, wer via Genre und Land nach hörenswerten Radiostationen sucht, wird etliche Sender mit seiner Lieblingsmusik finden, die mit immerhin 320 kbit/s übertragen.
Audiophiles Radiohören leicht gemacht: Naim offeriert eine Auswahl an Webradiostationen mit besonders hoher Datenrate in einem separaten «HiDef»-Ordner innerhalb der Music App.Bei der Suche nach guten Webradiostationen gibt der Naim vorab schon die nominelle Datenrate an. Streamt man einen Sender, so wird auf dem Display des Atom sogar die effektive Datenrate der aktuellen Radioübertragung angezeigt. Dann sieht man auch, dass die versprochene und die tatsächliche Bandbreite voneinander abweichen können.
Beispielsweise sendete während unseres Tests das sehr empfehlenswerte skandinavische Rondo Classic-Radio mit rund 850 kbit/s anstelle nomineller 1 mbit/s. Das ist jedoch immer noch ganz hervorragend. Tatsächlich tönen Klassik- und Jazzsender mit 128 kbit/s über den Uniti Atom gestreamt schon gut. Solche mit 192 kHz sehr gut, und ab 320 kbit/s so fein gezeichnet, dass man sich über die Klangqualität beim Radiohören keine (zweifelnden) Gedanken mehr machen muss. Natürlich hängt die gebotene Qualität auch vom jeweiligen Sender ab. Fast immer gilt jedoch, dass Stationen mit hoher Streaming-Datenrate auch auf gute Upstream-Qualität achten.
Das skandinavische Rondo Classic Radio überträgt mit bis zu 1 mbit/s. Tolle Klangqualität ...Hält man weltweit nach «audiophilen» Radiostationen Ausschau, so fällt auf, dass offenbar vor allem in Frankreich, Grossbritannien und den Niederlanden ein Faible für hochwertiges Webradio besteht. Jedenfalls finden sich etliche Stationen, die werbefrei Klassik, Jazz und auch Pop mit 320 kbit/s streamen. Die Klangqualität, welche der Naim Atom beispielsweise bei ClazzRadio oder auch bei Europa Radio Jazz realisiert, ist doch sehr eindrücklich.
Hörenswert und klanglich hochwertig sind auch der Klassik- und der Jazzsender von Linn (ebenfalls mit 320 kbit/s). Naim offeriert die eigenen Programme «Radio», «Classical» und «Jazz» in HiRes-Qualität innerhalb des «HiDef»-Radiobouquets. Auf dem Display des Atom werden dann (stellenweise) atemberaubende 1 mbit/s angezeigt. Hier bekommt man tatsächlich die Möglichkeit, geschmackvolle Musik in HiRes-Audio auch ohne teures Abonnement zu streamen. Sehr schön.
Klassik und Jazz friedlich vereint: Der französische Sender ClazzRadio bietet gute Musik in ansprechender Klangqualität.Gut gelöst hat Naim das Erstellen/Abrufen der Favoritenliste. Mit zweimaligem Tastendrücken ist ein Sender gespeichert und sehr einfach über die Favoritenübersicht wieder auffindbar. Dies übrigens auch mittels der handlichen und übersichtlichen Fernbedienung, die ebenfalls einen problemlosen Zugriff auf die gespeicherten Lieblingssender erlaubt. Dazu drückt man auf die Favoritentaste oben links – und schon werden die Senderlogos auf dem Display des Atom angezeigt. Man scrollt nun nach rechts, bis das Wunschprogramm auftaucht und bestätigt es mit «o.k». Alles in allem ermöglicht der Uniti Atom ein bestechend gutes Webradio-Erlebnis. Sowohl, was die Sendernavigation betrifft als auch bezüglich der erzielbaren Klangqualität.
Audio-Server und Streamer
Der Uniti Atom hat alle gängigen Musikstreaming-Services integriert. Darüber hinaus soll er auch mit Spotify Connect, Tidal Connect sowie mit Roon kompatibel sein. Letzteres haben wir erfolgreich getestet: Tatsächlich kann es durchaus Sinn machen, den Atom Headphone Edition als Roon Endpoint im Zusammenspiel mit einem Roon Core zu betreiben. Denn Roon hat ein Herz für Kopfhörer-User und seit langem schon eine DSP-Sektion (Digital Signal Processing) integriert, welche die Wiedergabe selbst hochwertiger Hörer verbessern kann.
Roon hat ein Herz für Kopfhörer-Anwender. So lässt sich ein zu dünner, analytischer Klang per grafischem EQ problemlos entschärfen. "Crossfeed" verbessert die Vorne-Ortung dramatisch.Einerseits lässt sich mit dem fünffachen parametrischen Equalizer gezieltes tonales Feintuning beim verwendeten Kopfhörer vornehmen. Andererseits mittels der zuschaltbaren «Crossfeed»-Funktion die Vorne-Ortung des Höreindrucks hörbar verbessern. Beide Funktionen sind sehr detailliert konfigurierbar, benötigen jedoch etwas Know-how beziehungsweise Fingerspitzengefühl in der Ausgestaltung. Besitzer von Audeze-Kopfhörern kommen sogar in den Genuss spezieller «Presets», die für diverse Modelle dieses Herstellers angeboten werden.
Die Windows-Roon-App findet den Uniti Atom – vorausgesetzt, dieser ist bereits eingeschaltet – problemlos im Heimnetzwerk und stellt ihn automatisch auf Wiedergabe. Die Klangqualität ist astrein und ein-zu-eins vergleichbar mit derjenigen beim direkten Streamen via Naim Music App. Der Nachteil dieser Einsatzvariante: Das Display auf dem Atom zeigt keine weiteren Information oder Album-Screenshots mehr an. Und ebenso wie bei Spotify Connect und Tidal Connect erfolgt die Steuerung via dezidierte Applikation und nicht mehr über die Naim Music App.
Das verglaste LC-Display auf der Front spiegelt zwar etwas, zeigt aber wahlweise das Album-Cover oder detaillierte Informationen an. Der Anzeigemodus wechselt, sobald sich die Hand dem Display annähert.Auch offline nutzbar
Musikhören in HiRes direkt ab Internet (in unserem Falle ab Qobuz) klingt über den Uniti Atom ganz ausgezeichnet. Man kann dem kleinen Naim als Streamer aus audiophiler Sicht ein einwandfreies Zeugnis ausstellen. Toll ist auch, dass der Atom ebenso offline, also ohne Internetzugang, als HiRes-Audio-Server nutzbar ist. Voraussetzung ist lediglich, dass die gewünschte Musikauswahl auf einem USB-Stick oder einer portablen USB-Festplatte vorliegt. Diese werden an der Gerätefront oder -rückseite angestöpselt – und schon erhält man «manuellen» Zugriff auf die gespeicherte Musiksammlung.
Die Titel-/Albumauswahl erfolgt dann – überraschend einfach – über die Fernbedienung und das Gerätedisplay, indem man mittels der Pfeiltaste durch die Ordner navigiert und den ersten Titel eines Albums auswählt. Der Naim spielt alle Titel der Reihe nach ab. Er verarbeitet FLAC-Formate mit einer Sampling-Frequenz von bis zu 352,8 kHz und einer Auflösung von 24 Bit. DSD wird ebenfalls abgespielt (bis DSD128). Verzichten muss man im Offline-Modus natürlich auf die Steuerung via App, und Webradio steht ebenfalls nicht zur Verfügung.
Superbe Aufnahme in 24-Bit/352.8-kHz. Das «Magnificat» vom Label 2L kann man gratis herunterladen. Der Atom spielt es ab USB-Speicher in Originalauflösung mit fantastischer Klangqualität.Wir machten die Probe aufs Exempel und luden audiophile Testfiles vom norwegischen Label 2L in verschiedenen Auflösungen (downloadbar: hier) auf eine SSD-Festplatte. Der Naim Atom generierte daraus eine absolut fantastische, fast schon atemberaubende Klangqualität und zeigte sehr differenziert feinste Unterschiede etwa zwischen DSD und FLAC. Am besten tönte FLAC mit 352,8 kHz. Auf Qobuz liegen die Aufnahmen von 2L hingegen in 16-Bit/44,1 kHz zum Streamen vor: Vergleicht man diese A/B mit der Original-HiRes-Variante, so gelangt man unschwer zur Erkenntnis, dass klanglich Welten dazwischen liegen. Insbesondere die räumliche Abbildung ist bei HiRes dramatisch besser. 16-Bit tönt vergleichsweise flach und ohne besonderes Ambiente.
Der Naim Atom macht die Vorteile von HiRes beim Musikhören deutlich und empfiehlt sich damit insbesondere auch für Zeitgenossen, die HiRes in besonders hoher Auflösung lieber herunterladen und permanent speichern als es «nur» zu streamen. So wird Musikhören in allerhöchster Qualität auch ohne Internet möglich. Man kann einen Uniti Atom Headphone Edition also beispielsweise in die Ferienwohnung mitnehmen und dort unbeeinträchtigt vom fehlenden Netzzugang seine Lieblingsmusik geniessen. Dazu benötigt man nur noch den passenden (hochwertigen) Kopfhörer.
Der Uniti Atom lässt sich auch ohne App ganz traditionell mittels der sehr gelungenen Fernbedienung steuern. So ist auch der Offline-Betrieb ohne Internetzugang möglich, indem man Musik ab USB-Stick oder -Festplatte hört.Vorstufe und Kopfhörerverstärker
Die Headphone Edition des Uniti Atom verfügt ja anstelle eines Leistungsverstärkers über eine aufgewertete Vorstufensektion mit Cinch- und XLR-Anschlüssen. Als DAC/Vorverstärker kann man dem Atom ebenfalls ein hervorragendes Zeugnis ausstellen: So machte er im Vergleich mit einem bewährten Vertreter der 1000-Franken-Klasse (Project Pre Box DS2 Digital) nicht lange Federlesen und verkündete im Zusammenspiel mit einem Endverstärker Odyssey Kismet und Scan-Speak-Referenzlautsprechern stolz: «Ich spiel in einer anderen Liga».
Insbesondere die Ansprache war deutlich besser. Vokalmusik kam konturierter und gleichzeitig natürlicher mit einer emotionalen Eindringlichkeit, die dem günstigeren DAC/Vorverstärker in diesem Ausmass abging. Die Basswiedergabe wirkte enorm druckvoll und tiefreichend, blieb aber stets auf der konturierten Seite. Von der Höhenwiedergabe des Uniti Atom darf man uneingeschränkt schwärmen.
Man kann am Naim bis zu drei Kopfhörer gleichzeitig anschliessen. Per Tastendruck lässt sich zwischen Vorstufen- und Kopfhörerbetrieb umschalten.Zu guter Letzt durfte der Naim noch zeigen, was er als Kopfhörerverstärker drauf hat. Schnell wurde klar, dass die Class-A-Schaltung auch schon preisgünstigen Kopfhörern wie einem niederohmigen AKG K701 (60 Ohm) zu einer verblüffenden Klangtransparenz und gehaltvoller Wiedergabe mit straffem Bass und brillanten Höhen verhalf.
Mehr noch profitierte ein Fidelio X3 (32 Ohm) von Philips (Test nachzulesen: hier). Dieser toll verarbeitete Hörer wird inzwischen für lächerliche CHF 230 angeboten. Der Fidelio präsentiert jedoch – von der Headphone Edition angetrieben – ein Klangniveau, das selbst einem dreimal so teuren Hörer gut angestanden hätte. Fantastische Feinzeichnung, weiträumige Abbildung und druckvoller, tiefreichender Bass – keine Frage: echtes audiophiles Hörvergnügen. Sodann wurde ein Sendy Audio Aiva (Test nachzulesen: hier) symmetrisch per Pentaconn-Stecker angeschlossen: Die resultierende Klangpracht mit wunderbar warmen Timbre und schönen Klangfarben war eine Wohltat für gestresste Gemüter.
An der Front offeriert der Atom eine 6,3-mm-Klinkenbuchse. Er beherrscht aber auch die symmetrische Anschlussvariante, wahlweise per Pentaconn oder 4-poligem XLR (auf der Rückseite).Genau in die gegenteilige Richtung tangiert der legendäre Studiohörer AKG K1000 (Impedanz: 155 Ohm), der mittels 4-poligem XLR-Stecker am Atom Anschluss findet: Der für Tonmeister und das Abhören von Aufnahmen entwickelte «Kopflautsprecher» ist für den musikalischen Alltag deutlich zu analytisch ausgelegt und ausserdem sehr anspruchsvoll, was die Elektronik betrifft. Wir nutzten deshalb kurzerhand die DSP-Funktionen von Roon, um den K1000 im Präsenzbereich milder abzustimmen. Und siehe da: Mit passendem Equalizing klingt dieser Hörer nicht nur unerreicht offen und frei, sondern auch langzeitverträglich im Hochtonbereich.
Nach einer zusätzlichen Frequenzanhebung in den unteren Registern agierte der AKG richtig gehaltvoll. Der Atom Headphone Edition machte diese Übung klaglos mit. Obwohl man das Volumen stellenweise auf über 90 stellen musste, zeigte er keine Kompression oder gar Anflüge von Verzerrungen. Damit darf man erfreut feststellen, dass er wohl jeden Kopfhörer zur bestmöglichen Wiedergabe motiviert.
Durchweg gelungen
Der Uniti Atom Headphone Edition von Naim macht alles richtig: Selten ist mir ein All-in-One-Gerät untergekommen, das in allen Disziplinen eine gleichermassen hohe Wiedergabegüte an den Tag legt. Egal, ob man das Streamer-, DAC-, Kopfhörer- oder Vorverstärkerteil des Naim unter die Lupe nimmt: Stets darf man nach ausgiebigem Anhören erfreut konstatieren: Klingt richtig gut. Da zudem auch die Ausstattung überraschend komplett ist und die Praxistauglichkeit/Ergonomie sehr gut ausfallen, kann man auch die Frage nach der Preiswürdigkeit des schön gestylten und toll verarbeiteten Briten positiv beantworten: CHF 3190 sind zwar richtig viel Geld. Im Vergleich zu anderen (meist deutlich teureren) High-End-Vorverstärkern steht der Uniti Atom Headphone Edition jedoch sehr gut da.
Mit Abmessungen von lediglich 24,5 x 26,5 x 9,5 cm findet der Atom auf jedem Sofatisch Platz. Dank WiFi bzw. Wiedergabe ab USB-Datenträger stellt auch die Connectivity kein Problem dar.
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