Die Kieler Boxenschmiede ist weltweit bekannt. Seit Jahren setzen die Ingenieure von Elac in verschiedenen Lautsprecherserien die von ihrem Landsmann Oskar Heil erfundenen Air Motion Transformer im Hochtonbereich ein. Auch für die weiteren Frequenzen sind die Kieler alles andere als Durchschnitt. Die von der Form her an einen überdimensionalen Diamanten erinnernde Membran des Tiefmitteltöners weckt Neugier. Ist der Diamant auch eine Perle?
Die ganz grossen Würfe von Apple waren immer smarte Geräte in Kombination mit neuen Ecosystemen. So war damals der iPod in Kombination mit iTunes ein unschlagbares User-Erlebnis. Später überzeugte das iPhone mit dem neuen Konzept der Apps vieler Anbieter aus dem App Store oder die Apple Watch als edles Smartgerät an der humanen Uhren-Position Handgelenk. Es waren nie nur die Geräte, die in der jüngeren Vergangenheit des Tech-Riesen alleine überzeugten, trotz ihrem genialen Design. Es waren User-Experience-Konzepte.
Mit den AirPods Max brachte Apple Ende 2020 einen sehr wertig wirkenden Over-Ear-Kopfhörer auf den Markt. Damit war nach der Übernahme von Beats durchaus zu rechnen, aber mit dem Bluetooth-Kopfhörer allein war es nicht getan. Es braucht mehr für die User Experience. Und dafür musste zuerst ein wichtiger Marketing-Schwenk vollzogen werden:
Die Apple-Gefolgschaft sollte an die «Realität» herangeführt werden, dass das digital komprimierte Musikformat AAC von Apple Music nun doch nicht das Mass der Dinge ist und man nun mit dem Streamingdienst Apple Music auch hochauflösende 24-Bit-Datenströme oder 16 Bit lossless im ALAC-Format und sogar noch eine Variante von Dolby Atmos 3D-Audio – Spatial Audio genannt – geniessen kann und dass sich das lohnt. Eine Erweiterung der Angebotsbandbreite von Apple Music musste und muss zuerst angeteasert werden.
Es gibt bei Apple einige Einschränkungen dessen, was Audiophile und auch professionelle Audioleute unter HiRes verstehen. Dazu mehr weiter unten. Apple geht darüber hinweg, wohl auch, um die Zielgruppe von Tech-Talk zu verschonen und nicht zu verwirren. Dafür stellt sich Apple nun gleich als Erfinder von HiRes-Audio-Streaming, Best-Headphones, Noise-Compensation u.s.w. ins Rampenlicht.
Nicht zu bestreiten: Die genial gemachten AirPods Max mit ihrem Schutz-Holster, welches auch noch dafür sorgt, dass die Standby-Stromaufnahme minimiert wird.Diese überdrehte Art, den Wettbewerb einfach zu ignorieren, ist etwas unanständig. Doch das haben sie früher auch getan – und trotzdem immer überzeugt, weil alles aus einem Guss war, weil es auch für kritische Ohren so schlecht gar nicht klang und weil die Produkte des Tech-Riesen und die User-Experience schon immer genial waren.
JET-Hochtöner, handmade in Germany (arbeitet nach dem AMT-Prinzip von Oskar Heil).Apple Music ist zwar auch nur ein Streamingdienst mit HiRes-Qualität im Angebot, wie Amazon Music, Tidal und Qobuz. Aber für die Apple-Gefolgschaft soll es der einzige Streamingdienst sein. Apple zählte 2020 weltweit um die 800 Millionen Unique User, Leute mit einer Apple-ID und mit einem oder mehreren Apple-Geräten im Einsatz. Auf diese Musikhörer richtet sich Apple Music aus. Es geht nicht um die HiFi-Hörer mit den Stereogeräten zuhause. Wenn die das auch nutzen wollen, dann muss irgendwo Apple-Hardware oder -Software rumstehen. Anders geht es nicht.
Trotz neu 100 % des Katalogs von Apple Music in 16bit/44,1kHz (CD-Qualität) und einer Auswahl in 24/96/192: Mit der Bluetooth-Verbindung zu den AirPods Max geht HiRes oder lossless nicht. Natürlich klingt es, aber es gibt keinen Bluetooth-Codec, der in der Lage wäre, diese Daten lossless zu übertragen. Das mag so tragisch nicht sein, aber das Leistungsversprechen ist nicht zu erfüllen. Wahrscheinlich kümmert das niemanden.
Will man einen Kabelkopfhörer ans iPhone anschliessen, braucht man einige unpraktische Adapterkabel, die weiss Gott was alles machen. Will man ein Android Smartphone mit Apple Music nutzen, geht es mit dem USB-Ausgang zwar einfacher, aber Android OS macht ein re-sampling auf 24/48, genau so, wie viele DA-Adapterkabel für Kopfhörer auch. Mehr als 48 kHz Samplingrate ist also nicht drin, egal was man vorne reinschiebt.
Wenn man nun Apple Music zuhause mit einem MacBook Pro nutzen will, bekommt man «Bit-perfect» und «gapless» auch nicht zu Gange. Der von den HiFi-Hörern gewollte Purismus der Bit-Transparenz ist nicht zu erzielen und viele Leute wollen keine Computer mehr an ihr HiFi anschliessen. Die theoretisch erzielbare «Qualität», die sich mit der Wiedergabe von HiRes-Formaten erzielen lässt, ist mit Apple Music vorerst nicht erreichbar. Die User-Zielgruppe, die das wünscht, ist zu klein ... für Apple.
Schliesslich gibt es nebst Apple Music noch grosse Player wie Spotify (HiFi) und Amazon Music. Alle anderen wie Qobuz und Tidal backen kleinere Brötchen, aber dafür schmackhafte. Sie kümmern sich um die Bedürfnisse der «Digital-Audiophiles».
Weit spannender ist aber 3D-Audio oder Spatial Audio: Dieses auf Dolby Atmos basierende neue «Raumklang-Format» ist prädestiniert für die AirPods Max. Damit soll es räumlicher, grösser und plastischer klingen. Das Format lässt sich aus jeder Mono- und Stereo-Aufnahme generieren. Auf Apple Music findet man schon eine beeindruckende Liste an neuen und alten (= konvertierten) Aufnahmen. Bei 3D-Audio geht es nicht um Bit-Perfect: Bluetooth reicht völlig, es geht um ein neues Klangerlebnis, will man Apple glauben.
Wir haben uns das angehört.
Kleiner Lautsprecher, kleiner Sound? Nicht bei der Vela BS-403. Der 15-cm-Tieftöner ist als Langhubtreiber ausgelegt, was man unschwer an der breiten Sicke erkennen kann. Im Grenzbetrieb vollführt dieser Treiber beängstigende Hübe, aber ohne jegliche Störgeräusche. Die Präzision ist dann nicht mehr so hoch wie bei moderaten Lautstärken, was wohl mit der nicht ganz so lang gewickelten Schwingspule zusammenhängt.
Doch aus meiner Sicht ist der Kompromiss zwischen Maximalpegel und Wirkungsgrad gut gelungen. Im Hörtest standen immerhin zweimal 150 W RMS zur Verfügung. Nebst einer guten Grobdynamik brilliert die kleine Vela mit einem kultiviertem Sound bei moderaten Lautstärken – dies ist schliesslich ihr Hauptaufgabengebiet. Egal, ob Jazz-Klassiker, moderne Elektrosounds oder klassische Musik: Die Elac konnte mit einer guten Bühne auftrumpfen und spielte ausgewogen, mit einer leichten Betonung zu den obersten Höhen hin. Dies ist je nach Bedämpfung des Raumes gar nicht oder nur wenig feststellbar. Was weiter positiv ist: Der Lautsprecher klingt recht resonanzarm und musiziert dadurch weitestgehend verfärbungsfrei. Das liegt unter anderem daran, dass das Gehäuse praktisch keine parallelen Wände aufweist und somit im Innern keine stehenden Wellen entstehen können. Wie viele andere Zweiwegsysteme zeigt auch die Elac eine schöne Homogenität; der Klang wirkt aus einem Guss.
AirPods Max
Es stellt sich auch ab und zu die Frage, wie ein solch klassisches Lautsprecherkonzept gegenüber einem «All-in-One-Multiroom»-Lautsprecher abschneidet. Eine Vela BS-403 bietet zwar keine dynamischen Spielereien wie dies die DSP-gesteuerten Kollegen tun. Doch das massive Gehäuse der Elac macht sich deutlich bezahlt, die Verfärbungen sind dadurch sehr gering. Da können die «smarten» Kollegen aus Plastik nicht mithalten.
Mittels einem cleveren Streamingverstärker muss heute nicht auf eine dynamische Loudness verzichtet werden, da diese und ähnliche Funktionen solche Geräte teilweise auch beinhalten. Auch die Multiroom-Tauglichkeit ist gegeben, bieten doch die meisten Multiroom-Anbieter auch MR-Verstärker an, mit denen jedes konventionelle Lautsprecherpaar betrieben werden kann. Dann hat man das Beste aus beiden Welten.
Apple AirPods Max: Ein echter Hingucker.Auf der Oberseite des rechten Hörers gibt es diese Drehkrone mit Tastfunktion und eine zusätzliche Taste. Hält man die Kopfhörer nahe ans iPhone, öffnet sich die Konfigurationsanleitung automatisch. Betätigt man die Taste bis das Licht weiss blinkt, kann man in den Bluetooth-Einstellungen den AirPods Max wählen. Bei Geräten, die mit iCloud verbunden sind, erfolgt dann die Verbindung immer gleich automatisch.
Mit der Drehkrone regelt man die Lautstärke. Einmaliges Drücken bewirkt das Abspielen oder das Pausieren. Zweimaliges Drücken einen Titelsprung nach vorn und dreimaliges Drücken einen Titelsprung zurück. Drückt man etwas länger, dann meldet sich Siri für Sprachbefehle. Man kann auch «Hey Siri» sagen.
Die vordere Taste dient der Kontrolle der aktiven Geräuschunterdrückung. Es gibt drei Möglichkeiten: die aktive Geräuschunterdrückung ein oder aus und den Transparenzmodus. Ohne Geräuschunterdrückung ist man gegen Aussengeräusche schon sehr gut abgeschirmt. Mit Geräuschunterdrückung und OHNE Musik glaubt man, sich in einer anechoischen (schalltoten) Kammer aufzuhalten. Aktiviert man den Transparenzmodus, hört man seine Umgebung, als wären die Kopfhörer nicht da. Mit Musik und ANR aktiv hört man wirklich nur noch die Musik – und das macht den Unterschied auch bei geringfügigen Aussengeräuschen. Die Konfiguration der Bedienelemente und auch die Bedienung selbst lassen sich auch auf der Bedienoberfläche auf dem iPhone vornehmen.
Wenn man die Kopfhörer in das Smart Case versorgt, wird der Ruhezustand aktiviert und die Akkuladung geschont. Mit einem konventionellen Ladekabel mit Lightning Connector kann man die AirPods Max laden. In meinem Fall ging das recht schnell.
Bedienoberflächen auf dem iPhone: Links Einstellungen für Tastenfunktion und Kronenfunktion etc. Mitte: Ausschnitt einer Auswahl für Musik in 3D-Audio auf Apple Music: Rechts: Ein Klassik-Sampler in Lossles Audio auf Apple Music.Der Paarpreis für die Standardversion liegt 2320 Franken bei und für die Variante in Nussbaum bei 2420 Franken.


