Cyrus One Amp im TestDer ultimative Dipolstrahler kam bekanntlich im Jahre 2014 als Master Line Source (MLS) auf den Markt und kostete satte 200'000 Franken das Paar. Haben Sie, Herr Scheuch, ganz einfach die damalige Infinity IRS aus dem Jahre 1988 kopiert oder stecken auch eigene Ideen dahinter?
Scheuch: Die IRS war ein sehr interessanter Lautsprecher, aber natürlich mit einer vergleichsweise steinzeitlichen Technologie. Mich reizte die Frage, was kommt dabei heraus, wenn wir einen grossflächigen Bändchen-Dipol gemäss dem Stand der Technik aufbauen. Gemeinsamkeiten haben die IRS und die MLS aber keine.
Weshalb haben Sie, Herr Greiner, als Finanzchef diesem kostspieligen Monster-Projekt grünes Licht gegeben? Hätte das finanziell nicht ins Auge gehen können?
Greiner: Da unsere Entwicklung sehr Kosteneffizient arbeitet, waren die meisten Aufwände in der Arbeitszeit zu finden. Der Aufwand für Prototypen war sicherlich höher als bei «normalen» Lautsprechern, war aber durchaus zu finanzieren.
Viele Möglichkeiten
Die Fähigkeit, mit vielen Lautsprechern klarzukommen, wird beim One über eine automatische Impedanz-Anpassung vollzogen. Bluetooth aptX sorgt für optimale Klangqualität ab mobilen Quellen, die via Bluetooth verbunden werden, sofern die Quelle ebenfalls aptX unterstützt. Bei Apple ist dies bekannterweise noch nicht der Fall.
Cyrus verspricht, einen sehr hochwertigen Vorverstärker für Kabel-Kopfhörer einzusetzen. Der Vorverstärkerausgang erlaubt z. B. die Anwendung von Bi-Amping über weitere Endstufen oder teil-aktive Lautsprecher, z. B solche mit einem aktiven Bassbereich. Bi-Wiring ist auch kein Problem. Dafür gibt es zwei Lautsprecherausgänge pro Seite.
Zudem wird der Popularität von Plattenspielern Rechnung getragen: Der One verfügt über einen Phono-Eingang für MM-Tonzellen. Mit dem AV-Bypass-Modus wird die Einbindung des One und seiner Lautsprecher in jedes AV-System ermöglicht. Das HiFi-Set-up wird dann per Knopfdruck Teil des Heimkino-Vergnügens.
Die Steuerung des Geräts erfolgt vom Smartphone aus mittels der dazugehörigen App. So benötigt man keine Extra-Fernbedienung und somit keine Batterien. Zudem kann auf diese Weise jedes Familienmitglied mitwirken.
Der Markt in Fernost verlangte grosse Boxen mit Holzgehäusen, was nicht unbedingt der Piega-Philosophie entsprach. Piega lässt diese Serie nach relativ kurzer Zeit auslaufen.Einfaches Set-Up
Zwischen Bändchen und Kalotte
Im Jahre 2015 kamen die ersten Piega-Lautsprecher mit dem AMT-Hochtöner auf den Markt. Das sehr preisgünstige Chassis, das ursprünglich von Dr. Oskar Heil konstruiert und nun in China produziert wird, wird bekanntlich von gewissen deutschen High-End-Herstellern in teuren Boxen verbaut. Weshalb nimmt dieses Chassis bei Piega lediglich eine etwas untergeordnete Position zwischen Bändchen und Kalotten bei preisgünstigen Boxen ein?
Scheuch: Unser AMT-Hochtöner hat einige wesentliche Bändchen-typische Eigenschaften und glänzt durch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. In Summe also geradezu ideal für unsere Einsteigermodelle. Natürlich bleibt der Respektabstand zum LDR aber erhalten. Während die grossen Modelle der Classic-Serie wie schon erwähnt auslaufen, verkaufen sich die Classic 3.0 bis 7.0 als Einsteiger-Lautsprecher für Freunde des klassischen Holzlautsprechers sehr gut.
Aufbau und Verarbeitung
Das Doppel-Mono-Layout zeigt, wie die kleinen Schalttransistoren in der Platine eingebettet sind. Grosse Kühlkörper sucht man vergebens. Es gibt trotz 100 Watt Leistung pro Kanal wenig zu kühlen.Der im Jahre 2016 lancierten MLS 2 wurde eine rückseitig angebrachte akustische Linse spendiert. Was bewirkt diese Lamellen-Konstruktion?
Scheuch: Die Akustiklinse transformiert den rückwärtig abgestrahlten Schall von einer kohärenten Wellenfront zu einem diffusen Schallfeld. Dies erlaubt es, den Lautsprecher (was für ein Dipol untypisch ist) wandbezogen aufzustellen.
Wenig Holz unter der Haube, dafür hoch integrierte Elektronik. Am auffälligsten ist der grosse Ringkerntrafo für die Stromversorgung.Hörtest
2017 brachte Piega die 2. Generation der Coax-Serie auf den Markt (siehe Test «Klangschönheit und Präzision»), deren Coax-Bändchen nochmals verbessert wurden und deren Gehäuse mit den TIM bestückt wurden. Somit wurden sie erstmals praktisch frei von Gehäusevibrationen. Wurden diese deutlich hörbaren Fortschritte von den Fachleuten und Konsumenten gebührend gewürdigt?
Greiner: Bei der neuen Generation der Coax-Modelle war der Qualitätssprung in der Tat unüblich gross. Entsprechend wurde dies auch von den Kunden gewürdigt, die Verkaufszahlen sind sehr erfreulich.
Abschliessende Gedanken
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Cyrus One ist einer dieser wenigen «Vorhang-Kandidaten». Will heissen: Man deckt ihn am besten mit einem Vorhang ab, damit er aus dem Gesichtsfeld des kritischen Hörers verschwindet, um den altbekannten Vorurteilen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er konnte sich an den Genuin FS3 MKII von Blumenhofer so etwas von behaupten, dass mir die Luft wegblieb.
Die Basskontrolle ist sehr überzeugend, auch bei hohen Pegeln und synthetischen Bässen aus Drum-Computern und Synthies. Zudem spielt er agil, dynamisch, feinzeichnend und überaus räumlich präzise abbildend. In erster Line aber ist er einfach schön klingend. Bei Wagners «Sigfried Idyll» schloss ich die Augen in epischer Verzückung, und Lang Lang perlte eine Beethoven-Romanze von den Tasten, dass es nur noch glänzte.
Die Stimmen waren ebenso überzeugend. Zum Beispiel bei Joe Stafford's «Tennessee Waltz» (Mono aus den 1950er-Jahren) ebenso wie bei Louis Armstrong auf Vinyl («Satchmo Plays King Oliver»).
Dann ausschalten und umstecken an die Spendor A2. Wieder einschalten und schon spielten sie, so gut wie sie das können. Der One hatte sie perfekt im Griff.
avguide.ch meint
Vom Bastelkeller zur Weltspitzenklasse: avguide.ch gratuliert Leo Greiner und Kurt Scheuch zu ihren grossartig klingenden Leistungen, die sie in den letzten 30 Jahren vollbracht haben – und dass sie ihren jungen Nachfolgern einen kerngesunden Betrieb überlassen, von dem wir in Zukunft sicherlich noch einiges hören werden.
«No Fuss», würden die Briten sagen. Das Plattenspieler-Symbol ist richtig süss.Schon länger fällt mir auf, dass alles näher zusammenrückt. Wenn die richtigen Entwickler am Werk sind und den Auftrag bekommen, etwas Kostengünstiges zu machen und dabei dasselbe Genom verwenden wie beim teuren Modell, dann entstehen Verstärker wie der Cyrus One.
Sehr guter Klang, audiophil im besten Sinn, ist auch für wenig Geld zu haben. Das Potenzial eines Cyrus One erkennt man erst mit Lautsprechern, die man ausser in einer Testsituation wohl nie mit ihnen kombinieren würde.
Daraus ergibt sich eine Konsequenz, die nicht jeder gerne hört: Die wirklich teuren Geräte müssen besser werden.
Chromecast-Aktion
Der Cyrus One ist in der Schweiz über kurze Zeit mit einem kostenlosen Chromecast-Package zu haben: Es beinhaltet einen Chromecast Media Player, Anschlusskabel für den Cyrus One und ein 3-Monate-Abo für Tidal HiFi. - So lange Vorrat.

Alle Themen



