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Testbericht · Elac · Passiv-Lautsprecher

Diamant oder Perle?

Test: ELAC Vela BS 403 Regallautsprecher

Von Thomas Flammer · · Seite 70 von 2
Elac Vela BS-403.Elac Vela BS-403.

Diamonds are ...

JET-Hochtöner, handmade in Germany (arbeitet nach dem AMT-Prinzip von Oskar Heil).JET-Hochtöner, handmade in Germany (arbeitet nach dem AMT-Prinzip von Oskar Heil).

Wiedergabequalitäten

Auf der Oberseite des rechten Hörers gibt es diese Drehkrone mit Tastfunktion und eine zusätzliche Taste. Hält man die Kopfhörer nahe ans iPhone, öffnet sich die Konfigurationsanleitung automatisch. Betätigt man die Taste bis das Licht weiss blinkt, kann man in den Bluetooth-Einstellungen den AirPods Max wählen. Bei Geräten, die mit iCloud verbunden sind, erfolgt dann die Verbindung immer gleich automatisch.

Mit der Drehkrone regelt man die Lautstärke. Einmaliges Drücken bewirkt das Abspielen oder das Pausieren. Zweimaliges Drücken einen Titelsprung nach vorn und dreimaliges Drücken einen Titelsprung zurück. Drückt man etwas länger, dann meldet sich Siri für Sprachbefehle. Man kann auch «Hey Siri» sagen.

Die vordere Taste dient der Kontrolle der aktiven Geräuschunterdrückung. Es gibt drei Möglichkeiten: die aktive Geräuschunterdrückung ein oder aus und den Transparenzmodus. Ohne Geräuschunterdrückung ist man gegen Aussengeräusche schon sehr gut abgeschirmt. Mit Geräuschunterdrückung und OHNE Musik glaubt man, sich in einer anechoischen (schalltoten) Kammer aufzuhalten. Aktiviert man den Transparenzmodus, hört man seine Umgebung, als wären die Kopfhörer nicht da. Mit Musik und ANR aktiv hört man wirklich nur noch die Musik – und das macht den Unterschied auch bei geringfügigen Aussengeräuschen. Die Konfiguration der Bedienelemente und auch die Bedienung selbst lassen sich auch auf der Bedienoberfläche auf dem iPhone vornehmen.

Wenn man die Kopfhörer in das Smart Case versorgt, wird der Ruhezustand aktiviert und die Akkuladung geschont. Mit einem konventionellen Ladekabel mit Lightning Connector kann man die AirPods Max laden. In meinem Fall ging das recht schnell.

3D-Audio mit Apple Music und den AirPods Max.3D-Audio mit Apple Music und den AirPods Max.

Wiedergabequalitäten

Kleiner Lautsprecher, kleiner Sound? Nicht bei der Vela BS-403. Der 15-cm-Tieftöner ist als Langhubtreiber ausgelegt, was man unschwer an der breiten Sicke erkennen kann. Im Grenzbetrieb vollführt dieser Treiber beängstigende Hübe, aber ohne jegliche Störgeräusche. Die Präzision ist dann nicht mehr so hoch wie bei moderaten Lautstärken, was wohl mit der nicht ganz so lang gewickelten Schwingspule zusammenhängt.

Doch aus meiner Sicht ist der Kompromiss zwischen Maximalpegel und Wirkungsgrad gut gelungen. Im Hörtest standen immerhin zweimal 150 W RMS zur Verfügung. Nebst einer guten Grobdynamik brilliert die kleine Vela mit einem kultiviertem Sound bei moderaten Lautstärken – dies ist schliesslich ihr Hauptaufgabengebiet. Egal, ob Jazz-Klassiker, moderne Elektrosounds oder klassische Musik: Die Elac konnte mit einer guten Bühne auftrumpfen und spielte ausgewogen, mit einer leichten Betonung zu den obersten Höhen hin. Dies ist je nach Bedämpfung des Raumes gar nicht oder nur wenig feststellbar. Was weiter positiv ist: Der Lautsprecher klingt recht resonanzarm und musiziert dadurch weitestgehend verfärbungsfrei. Das liegt unter anderem daran, dass das Gehäuse praktisch keine parallelen Wände aufweist und somit im Innern keine stehenden Wellen entstehen können. Wie viele andere Zweiwegsysteme zeigt auch die Elac eine schöne Homogenität; der Klang wirkt aus einem Guss.

15-cm-Tiefmitteltöner mit starkem Antrieb und geschätzten +/-4 mm linearem Hub.15-cm-Tiefmitteltöner mit starkem Antrieb und geschätzten +/-4 mm linearem Hub.

Es stellt sich auch ab und zu die Frage, wie ein solch klassisches Lautsprecherkonzept gegenüber einem «All-in-One-Multiroom»-Lautsprecher abschneidet. Eine Vela BS-403 bietet zwar keine dynamischen Spielereien wie dies die DSP-gesteuerten Kollegen tun. Doch das massive Gehäuse der Elac macht sich deutlich bezahlt, die Verfärbungen sind dadurch sehr gering. Da können die «smarten» Kollegen aus Plastik nicht mithalten.

Mittels einem cleveren Streamingverstärker muss heute nicht auf eine dynamische Loudness verzichtet werden, da diese und ähnliche Funktionen solche Geräte teilweise auch beinhalten. Auch die Multiroom-Tauglichkeit ist gegeben, bieten doch die meisten Multiroom-Anbieter auch MR-Verstärker an, mit denen jedes konventionelle Lautsprecherpaar betrieben werden kann. Dann hat man das Beste aus beiden Welten.

Bedienoberflächen auf dem iPhone: Links Einstellungen für Tastenfunktion und Kronenfunktion etc. Mitte: Ausschnitt einer Auswahl für Musik in 3D-Audio auf Apple Music: Rechts: Ein Klassik-Sampler in Lossles Audio auf Apple Music.Bedienoberflächen auf dem iPhone: Links Einstellungen für Tastenfunktion und Kronenfunktion etc. Mitte: Ausschnitt einer Auswahl für Musik in 3D-Audio auf Apple Music: Rechts: Ein Klassik-Sampler in Lossles Audio auf Apple Music.

Klangeindrücke

Wer Wert auf kunstvolle Handfertigung legt, sollte sich die Vela BS-403 bei einem Fachhändler vorführen lassen und bei Gefallen auch dort kaufen. Es ergibt durchaus Sinn, auch die grösseren Modelle der Vela-Serie anzuhören: Es sind drei Standmodelle verfügbar sowie für Heimkino-Fans auch ein Centerspeaker. Elac hat mit dem BS-403 einen angenehmen, eher hell abgestimmten Regallautsprecher entwickelt, der den Hörer ein gutes Stück in die virtuelle Klangwelt hineinversetzt. Die kleine Vela ist zudem in ein elegantes Gewand verpackt. In diesem Sinn ist die hübsche Kielerin eine echte Perle.

Aufgrund einer deutlichen Präsenz oder Deutlichkeit im Tieftonbereich, allgemein als «Bass» verstanden sowie einer vermuteten Absenkung des Pegels im Hochtonbereich ergibt sich über alles ein sehr gefälliges, sanftes und angenehmes Klangbild. Es hat etwas «cremiges» und ist nicht eben spritzig und dafür sehr voluminös. Das kann kein Zufall sein, es ist eine Abstimmung, ein «Sound-Design». Bei Aufnahmen mit viel Power im Bass wünscht man sich weniger Sahne im Kaffee, aber eine Klangregelung sucht man vergebens ... leider, denn es gäbe viele Möglichkeiten sie nutzergerecht zu realisieren und in die Bedienoberfläche zu implementieren. Einmal mehr wird dem «User» vorgeschrieben, wie es in seinem Kopf zu klingen hat.

Ich kann mich nicht so recht entscheiden, ob mir das Klangbild nun zusagt oder eher weniger. Gerade bei Musikbeispielen aus dem Genre der Klassik war ich doch sehr angetan und auch die Jazz-Geschichten kamen bei Live-Aufnahmen teils verblüffend livehaft rüber. Die überzogenen Pop-Produktionen der aktuellen Neuzeit sind nicht so mein Ding, aber manchmal schon, und auch da gab es ganz ordentliche Eindrücke mit dem AirPods Max. Vielleicht braucht es ein Warmwerden mit der Klangphilosophie der AirPods Max.

Was mich hingegen sehr überraschte, war diese 3D-Audio «Experience», zumal ich als Stereo-Hardliner keine grossen Erwartungen hegte. Apple Music bietet bereits eine stattliche Auswahl dieser «Dolby Atmos»-basierenden Spatial-Audio-Reproduktionen an. Verglichen mit der Stereo-Versionen (oder sogar Mono) vergrösserten sich Raum und Bühne ganz erheblich und die Nähe zu den  Musizierenden und auch deren Greifbarkeit nahm deutlich zu. Besonders auffällig gelingt das bei «Moaning'», einem grossen Jazzklassiker von Art Blakey. Purismus hin oder her, das gefiel mir in der 3D-Audio-Version wirklich klar besser, weil die Studio-Atmosphäre sehr überzeugend wurde.

Auch hatte ich den Eindruck, dass die für Kopfhörer typische «Im Kopf Lokalisation» durch Spatial Audio teilweise entfernt wird. Ich konnte den Boden unter den Füssen der Musiker besser erkennen, es entstand eine Bezugsebene. Wenn mir der Klang allgemein nicht so zusagte, dann wurde es mit 3D-Audio-Material besser – und zwar ... eindeutig. Die AirPods Max sind meiner Meinung nach auf eine neue Aufgabe zugeschnitten. Das können andere Kopfhörer wohl nicht.

Der Autor Thomas Flammer

Thomas Flammer schreibt für avguide.ch über Heimkino und Bildtechnik — Projektoren und Displays — und geht in Magazinbeiträgen Fragen zu Dynamik, Bandbreite und Raumakustik nach.

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