Michi X5.Leistungsstarke Vollverstärker der Spitzenklasse gibt es nicht wie Sand am Meer. Der Michi X5 von Rotel gehört mit 2 x 600 Watt zweifelsfrei zu den kräftigsten Exemplaren dieser seltenen Gattung. Das stellt sich gleich zu Anfang die Frage: Braucht man diese Ausgangsleistung wirklich? Die differenzierte Antwort: Nicht unbedingt, aber schaden kann es im Zweifelsfall nicht, wenn man quasi unbegrenzt Leistungsreserven in Petto hat.
Übliche Vollverstärker leisten gemeinhin rund 2 x 100 (an 8 Ohm) Watt bis etwa 2 x 200 Watt (an 4 Ohm). Möchte man mehr, muss man auf separate Vor- und Endverstärker (mit entsprechendem Aufpreis) ausweichen. Nun gilt freilich, dass jede Steigerung der Lautstärke um 3 dB eine Verdoppelung der Verstärkerleistung erfordert. Somit erzielt man mit 2 x 600 Watt theoretisch nur 4,5 dB mehr Maximalschalldruck als mit 2 x 200 Watt.
Dieses Rechenexempel zeigt, dass es weniger um reine Lautstärke geht als vielmehr um die Frage, wie sauber eine Verstärker-Lautsprecher-Kombination im dynamischen Grenzbereich agiert. Hinzu kommt, dass Lautsprecher-Schwingspulen im stark beanspruchtem Zustand ganz andere Eigenschaften an den Tag legen als bei moderatem Pegel. Je lauter man hört, umso grösser sind die Ansprüche an die Stromlieferfähigkeit eines Verstärkers. Die dynamische Impedanz eines Lautsprechers kann dann nämlich grosse Schwankungen aufweisen. Und genau hier ist ein so üppig ausgelegter Verstärker wie der Michi X5 im Vorteil.
Die Endstufen-Abteilung des Michi-Vollverstärkers kann punkto Schaltungsaufwand nämlich problemlos mit separaten Endverstärkern mithalten. Fast schon Tradition bei Rotel sind die im eigenen Haus gefertigten Ringkern-Transformatoren, die beim X5 kanalgetrennt zum Einsatz kommen und im Hinblick auf die nicht unerheblichen elektromagnetischen Störfelder hochkant, gekapselt eingebaut sind.
Zusammen mit der hohen Siebkapazität von 88‘000 Mikrofarad ist die Endstufe für satte 2 x 600 Watt Ausgangsleistung (an 4 Ohm) bzw. 2 x 350 Watt (an 8 Ohm) gut. Damit (und auch dank des hohen Dämpfungsfaktors von 350) dürften auch noch so leistungshungrige Lautsprecher ohne Lieferengpass auf Trab gebracht werden.
Aufbau wie im High-End-Bilderbuch: Das Innenleben des Michi X5 erfreut das Auge (nicht nur des Technikers).Erfahrungsgemäss wirkt sich so viel Power jedoch nicht nur im dynamischen Grenzbereich vorteilhaft aus. Auch bei geringen und mittleren Leistungsanforderungen (wie sie im Musikalltag vorwiegen) kann sich ein satt dimensioniertes Netzteil positiv in Szene setzen. Es steht einfach mehr Energie zur Verfügung, um elektrische Impulse ansatzlos in Musik umzusetzen. Voraussetzung ist natürlich eine ausgereifte Verstärkerschaltung. Rotel kann tatsächlich auf sehr viel Know-how in der Konstruktion von Verstärkern mit Class-AB zurückgreifen. Man kann sogar behaupten, dass die Firma dieses vergleichsweise stromsparende Verstärkerprinzip über die Jahre stetig optimiert hat. Der Michi X5 ist so gesehen ein Kulminationspunkt in der jahrzehntelangen Vollverstärker-Historie dieses Unternehmens.
Dies untermauert er natürlich auch mit seinen Abmessungen (die reichlich Abstellfläche im Hörraum voraussetzen) und dem satten Gewicht von über 42 kg, welches eine stabile Unterlage erfordert. Der üppige Materialeinsatz beim Michi ist jedoch kein Selbstzweck: Das geöffnete Gerät offenbart einen sehr sauberen, durchdachten Aufbau, bei dem der zur Verfügung stehende Raum gut genutzt wurde. Säuberlich getrennte Endstufenplatinen, DAC- und Vorstufen-Boards hinterlassen optisch einen äusserst servicefreundlichen Aufbau – nicht ganz unerheblich bei einem Gerät, das man gegebenenfalls für Dekaden sein Eigen nennen möchte. Auch punkto thermischer Stabilität ist man auf der sicheren Seite. Genügend Luft zwischen den einzelnen Baugruppen und satt dimensionierte Kühlkörper versprechen reichlich «Coolness», auch bei anhaltendem Lauthören.
Lässt keine Wünsche offen: Die Anschlussperipherie des Michi X5.All inclusive
Der Rotel verdient ohne Wenn und Aber das Attribut «Ausstattungswunder». Wo andere renommierte High-End-Hersteller DAC- und Phonokarten als teure optionale Upgrades anbieten, gilt beim Michi X5 «All inclusive»: So betreibt Rotel beispielsweise bei der Digitalabteilung einen richtig grossen Aufwand und entwickelte für den X5 eigens eine DAC-Platine, die keine Wünsche offen lässt. Ein 32-Bit-Chip vom führenden Hersteller AKM dekodiert Samplingfrequenzen bis zu 384 kHz und entschlüsselt auch DSD-Formate mit bis zu 5,6 MHz.
AKM-Wandlerbausteine sind ja anderenorts Mangelware (avguide.ch berichtete darüber). Rotel hat jedoch als ursprünglich in Japan gegründetes Unternehmen beste Beziehungen zur Industrie und kann – was die Qualität der Bauteile betrifft – generell aus dem Vollen schöpfen. Das ist eben auch ein Vorteil eines waschechten, entsprechend teuren High-End-Geräts gegenüber gutem, aber noch bezahlbarem HiFi. Bei ersterem müssen die Entwickler nicht jeden Franken umdrehen und können sich im Edelbauteile-Regal bedienen.
Die Anschlussperipherie des X5 lässt mit sechs Analog- und sogar sieben Digitaleingängen keine Wünsche offen. Ein Pre-Out und zwei Mono-Subwoofer-Ausgänge bilden sinnvolle Extras. Auch an die Freunde des Vinyls wurde gedacht. Der angebotene rauscharme Phono-Eingang eignet sich sowohl für MM- wie für MC-Tonzellen. Für letztere wird zwar ebenfalls eine Abschlussimpedanz von 47 kOhm angeboten. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele Moving-Coil-Abtaster damit gut zurechtkommen. Auch die Eingangsempfindlichkeit von 0,33 mV passt für viele Medium-Output-Zellen. Auf die Integration eines Streamings-Clients wurde beim Michi X5 wohlweislich verzichtet. Die Entwicklung in diesem Bereich ist ja so rasant, dass eine integrierte Lösung bald schon veraltet sein könnte. Kabelloses Musikhören ist dennoch über den eingebauten Bluetooth-Empfänger möglich. Dies dank aptX-Kompatibilität in brauchbarer Klangqualität.
Macht überall eine gute Figur: Das Design des Michi X5 wirkt zeitlos ästhetisch.Gelungenes Styling
Design ist natürlich Geschmacksache. Dennoch gilt für ein Gerät mit so üppigen Abmessungen wie den Michi X5, dass er in vielen Wohnumgebungen eine gute Figur machen sollte. So darf man ihm ein rundum geschmackvoll gestyltes Äusseres bescheinigen, das zwar nicht besonders aufregend, dafür ausnehmen edel und vornehm daherkommt. Das schwarze Hochglanz-Design ist wohltuend diskret – dieser Vollverstärker möchte nicht protzen, sondern sich einschmeicheln.
Dazu passt, dass man das nahtlos in die Front integrierte Display dimmen oder ganz abschalten kann. Es zeigt auf Wunsch die Ausgangsleistung (Peak) an oder informiert über den gewählten Eingang und die Lautstärke. Auch die Samplingrate wird bei digitalen Quellen angezeigt. Ansonsten findet man auf der Gerätefront nebst Eingangswahlschalter und Lautstärkesteller nur noch die Ein/Aus-Taste sowie den Kopfhörerausgang. Somit ist der Michi X5 im Grunde genommen kinderleicht zu bedienen.
Ausnehmend gelungen: Handliche und übersichtliche Fernbedienung des Michi X5.Wie robust muss eine Reisekamera sein? Ich spreche hier nicht von den Anforderungen eines Kamikaze-Mountainbikers mit einer GoPro am Helm. Es genügt schon, wenn die Kamera am Strand im Sand nicht gleich den Geist aufgibt.
Hier kann die Olympus Tough TG-4 – nomen est omen – punkten. Sie ist so ziemlich gegen alle Umwelteinflüsse gewappnet. Dafür hat sie nur einen vierfachen optischen Brennweitenbereich.
Damit sind wir gleich beim nächsten Punkt: Eine Reisekamera soll kompakt sein und einen möglichst grossen Zoombereich haben. Okay, aber was heisst das?
Der Weitwinkel soll möglichst «tief» hinuntergehen für Landschaften, Bergwelten, weite Prärien, aber auch Gruppenaufnahmen, ohne dass der Fotograf einen Kilometer weit nach hinten rennen muss, bis alle im Bild sind.
Die Modelle in diesem Vergleich beginnen alle bei 24 mm Brennweite im Weitwinkelbereich. Das ist ein akzeptabler Wert und für die meisten Situationen ausreichend.
Den Telebereich von 2000 mm dominiert mit einer wahnsinnigen 83-fachen optischen Vergrösserung eindeutig die Nikon P900.
Der Rest des Feldes liegt bei 720 und 960 mm. Davon weit entfernt ist die Olympus mit 100 mm. Doch diese Zahlen sagen noch nichts über die Lichtstärke aus, also die maximale Blendenöffnung des Objektivs.
Kurz und knapp: Die Lichtstärke bestimmt erstens, wie stark verrauscht die Fotos bei schwachem Licht werden, zweitens verändert sie sich je nach Zoomfaktor und drittens hängt sie von der Objektivkonstruktion ab.
Dabei gilt: Je kleiner der f-Wert ist, desto besser. Die erste Zahl steht für den Weitwinkel-, die zweite für den Tele-Bereich.
Die Olympus Tough führt das Test-Quintett mit einer Lichtstärke von f2,0 bis 4,9 an. Die kompakte Kamera ist völlig eingekapselt. Das Zoomobjektiv hat nur wenig Freiraum, es ragt auch nicht hervor. Eine Brennweite von 25–100 mm ist deshalb ein guter Kompromiss.
Die Nikon P900 ist das andere Extrem. Bei einem Brennweitenbereich von 24 bis 2000 mm bringt sie immer noch eine sehr gute Lichtstärke von f/2,8 bis 6,5.
Wie ist das möglich? Die Nikon ist eine klobige Bridgekamera mit genügend Platz für ein dickes, langes und lichtstarkes Objektiv.
Bei den übrigen drei Kompaktkameras mit 30- und 40-fachem Zoom beginnt die Lichtstärke bei f3,3 und f3,5. Unsere Schlussfolgerung daraus: Eine grosse Brennweite und sehr gute Lichtstärke in kompaktem Gehäuse schliessen sich gegenseitig aus.
Einen Versuch in genau diese Richtung unternimmt dennoch der grosse Bruder der Panasonic Lumix TZ81, die TZ101. Mit 849 Franken jedoch zu einem rund 300 Franken höheren Preis. Den Einzeltest findet man im Testbericht.
Souveräne, emotional packende Klangvorstellung
Nikon, Olympus und Sony haben eingebaute GPS-Empfänger. Bei Canon und Panasonic gehts umständlicher über eine Smartphone-Verbindung.
Tolle Neuaufnahme der 6.Sinfonie von Beethoven mit Jordi Savall.Zum Schlüsselerlebnis wurde Beethovens sechste Symphonie in einer Neueinspielung von Jordi Savall (downloadbar hier). Diese HiRes-Aufnahme verlangt – auch schon nur annähernd in Originallautstärke gehört – einem Lautsprecher alles ab. Unglaublich, zu welcher dynamischen Höchstleistung der Michi X5 die zierliche 702 Signature im vierten Satz («Donner, Sturm») treibt. Der Michi X5 bringt die 702 Signature dynamisch ans Limit, ohne dass die Klangqualität darunter leiden würde. Chapeau! Aber auch die feine Gangart beherrscht die Kombi perfekt. So tönt der fünfte Satz («Hirtengesang») ausgesprochen lieblich mit viel Gefühl, dabei nie billig oder gar angestrengt.
Akustischer Jazz gehört zum Lieblingsrepertoire der 702 Signature – über den Michi X5 gehört mit extra-tiefen, wunderbar druckvollen und konturierten Bässen sowie perlendem Diskant des Flügels. Zweifellos ein Hochgenuss. Dies gilt auch für die Wiedergabe guter Blues- und Folkaufnahmen wie Keb’Mos «Good to be …»
Keb'Mos charakteristische Stimme und sein typisches Gitarrenspiel tönen über die Kombi aus Rotel Michi und 702 Signature sehr authentisch.Äusserst geschmackvoll mit wunderbarer Stimmenwiedergabe und charakteristischem Gitarrenklang sowohl bei gezupfter Akustik- wie bei Slidegitarre. Ein Klangfest für die Ohren feiert auch Jethro Tulls neues Album «The Zealot Gene» (Anspieltipp: «Jabob’s Tales»). Über den Michi X5 gehört, mit enormer Klangfülle und hohem Detailreichtum – ohne billige Strohfeuer-Effekte.
Wenn man der Kombination von Michi X5 und 702 Signature etwas vorwerfen wollte, dann höchstens, dass sie nie zu richtig aggressiver Spielweise zu verleiten war. Hardcore-Rockliebhaber könnten etwa auf Steve Vais neuem Album «Inviolate» bei harten Gitarrenklängen etwas Biss vermissen. Die andere Seite der Medaille: Man kann mit der Kombi sehr laut hören, ohne zu ermüden.
Richtig harte Gitarrenklänge sind nicht das Metier der Bowers & Wilkins 702 Signature. Dafür agiert sie einfach zu kultiviert.Fazit
Klare Sache: Der Michi X5 von Rotel kann mit separaten Vor-Endverstärkern der Topklasse mühelos mithalten. Dies sowohl in Bezug auf Grob- und Feindynamik wie auch allgemein punkto Klangkultur. Von der tonalen Charakteristik her agiert er eher auf der wohltemperierten Seite mit ausnehmend schönen Klangfarben und feinem Timbre. Damit passt er perfekt zu modernen, eher brillant abgestimmten Lautsprechern. Zwar gibt es Verstärker, die noch mehr räumliche Transparenz herausschälen – punkto Emotionalität der Musikwiedergabe dürfte der Michi X5 in seiner Preisklasse nur schwer zu toppen sein.
Schönes Gespann: Die Signature 702 von Bowers & Wilkins passt im Farbton Midnight Blue Metallic perfekt zum Michi X5 von Rotel.
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