Präzision ohne Härte
Da das Streaming nicht auf Anhieb funktionierte und kein Phonomodul eingebaut war, griff ich zur guten alten CD. Das fabrikneue Gerät sollte zunächst einige Tage eingespielt werden. Eigentlich wollte ich eine zufällig ausgewählte CD nur in Wiederholung abspielen und den Raum wieder verlassen. Doch bereits die ersten Takte nahmen mich in Beschlag. Ich setzte mich hin und hörte die CD gleich mehrmals durch. Die anfängliche Zurückhaltung wich «zuhörends» einem selbstbewussten Auftritt.
Drei Tage später begann der eigentliche Hörtest im Musikkeller. Gehört habe ich über Lautsprecher aus der Sopra-Serie von Focal. Ein Glas Rotwein war eingeschenkt, die CDs sorgfältig ausgewählt – einem sinnlichen Abend stand nichts im Wege. Ich wollte die Musik zuerst einfach auf mich wirken lassen, ohne gleich Notizen zu machen. Daraus wurde nichts. Zu deutlich zeigte der Pendulum, wie er Stimmen und Instrumente ordnet, wie er einen Raum öffnet und wie kontrolliert er den Bass führt. Mein Gesamteindruck stand schnell fest, und ich musste ihn notieren – der Pendulum spielt präzise und hochauflösend, zugleich aber geschmeidig und sanft. Er stellt die Klangfarben ungemein leuchtend dar.
Einzelne Stimmen und Instrumente werden räumlich klar abgebildet und lassen sich gut verfolgen, ohne dass das musikalische Zusammenspiel zerfällt. Töne scheinen etwas länger auszuklingen, bleiben dabei aber sauber umrissen. Diese Übersichtlichkeit blieb nach meinem Eindruck auch bei hohen Lautstärken erhalten.

Auf der Dali-CD Vol. 2 habe ich eines meiner alten Lieblingsstücke wiederentdeckt – «The Gates of Istanbul» von Loreena McKennitt. Die kanadische Sängerin verbindet darin keltische und orientalische Einflüsse. Das Stück stammt von ihrem Album «An Ancient Muse» aus dem Jahr 2006 und lässt einen lebhaften Basar mit seinem bunten Treiben vor dem inneren Auge entstehen.
Der Pendulum bringt beinahe mit Schweizer Präzision Ordnung in dieses musikalische Marktgeschehen. Die verschiedenen Stimmen und Instrumente bleiben gut voneinander unterscheidbar, während die Aufnahme ihre Lebendigkeit und Dichte behält.

Die Mitten geben Stimmen und Instrumente glaubwürdig wieder. Bei «Limehouse Blues» von Arne Domnérus auf «Jazz at the Pawnshop» bleibt die vertraute Atmosphäre des Stockholmer Jazzclubs Stampen erhalten. Gleichzeitig wirkt die Aufnahme luftig und gut durchhörbar – als hätte jemand im Raum kurz ein Fenster geöffnet.
Wenn ich den Klang mit Wein vergleichen müsste, würde ich eher an einen ausgewogenen Chardonnay oder einen Jahrgangs-Champagner denken – frisch, vielschichtig und mit feinen Nuancen. Die Stärke des Pendulums liegt für mich in der Balance von Auflösung, Klangfarben und Kontrolle.
Die Höhen wirken klar und fein aufgelöst, ohne unangenehm scharf zu werden. Bei «The Good, the Bad and the Ugly» von Ennio Morricone auf «Western Music Collection Vol. 1» bleiben die rauen Klanganteile der Streicher und Gitarren hörbar.
Der Pendulum glättet sie nach meinem Eindruck kaum, stellt sie aber so dar, dass auch längeres Hören angenehm bleibt.

Auch die räumliche Darstellung erscheint ausgewogen. Die Bühne lässt sich in Breite und Tiefe gut nachvollziehen, die Instrumente behalten plausible Grössenverhältnisse. Das zeigt sich bei «La campanella», dem dritten Satz von Paganinis Violinkonzert Nr. 2 in h-Moll, op. 7, mit Salvatore Accardo und dem London Philharmonic Orchestra unter Charles Dutoit.
Die Solovioline hebt sich klar vom Orchester ab und bleibt zugleich in das musikalische Geschehen eingebunden. Selbst in den lebhaften Passagen bleibt die räumliche Staffelung erhalten, ohne dass einzelne Instrumentengruppen ineinander verschwimmen. Besonders überzeugend gelingt die Verbindung von präziser Ortbarkeit und einer natürlichen, grosszügigen Raumabbildung, die das Konzert glaubhaft vermittelt.
Im Bass setzt sich dieser Eindruck fort. Er wirkt straff, differenziert und kontrolliert. In meinem Raum schienen störende Bassüberhöhungen weniger deutlich hervorzutreten. Dadurch erschien der Tiefton etwas dezenter, seine Konturen und rhythmischen Feinheiten waren aber leichter zu verfolgen.

Ein passendes Beispiel ist «I Can’t Stand the Rain» auf dem Original-Filmsoundtrack von «The Commitments». Das Stück beginnt zurückhaltend mit Gesang, bevor nach rund 24 Sekunden das voluminös aufgenommene Schlagzeug einsetzt.
Der Pendulum vermittelt diesen Wechsel mit gutem Nachdruck und hält die einzelnen Schläge klar auseinander.
Fazit
Rund 19'000 Franken für einen Vollverstärker sind viel Geld. Mit Streaming- und Phonomodul steigt der Betrag auf rund 24'000 Franken. Bei einigen Gehäusedetails hätte ich für diesen Preis mehr Sorgfalt erwartet. Klanglich hat mich der Pendulum jedoch überzeugt. Er verbindet hohe Auflösung und Kontrolle mit Geschmeidigkeit und wunderschönen Klangfarben, die auch langes Hören zum Vergnügen machen. Der Pendulum wird das Beste aus Ihren Lautsprechern herausholen, dessen bin ich gewiss.


