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Testbericht · Dan D'Agostino Master Audio Systems · Vollverstärker

Feinkost aus Arizona

Test Vollverstärker Dan D’Agostino Pendulum

Von Roland Pfenninger · · Seite 2 von 2

Präzision ohne Härte

Da das Streaming nicht auf Anhieb funktionierte und kein Phonomodul eingebaut war, griff ich zur guten alten CD. Das fabrikneue Gerät sollte zunächst einige Tage eingespielt werden. Eigentlich wollte ich eine zufällig ausgewählte CD nur in Wiederholung abspielen und den Raum wieder verlassen. Doch bereits die ersten Takte nahmen mich in Beschlag. Ich setzte mich hin und hörte die CD gleich mehrmals durch. Die anfängliche Zurückhaltung wich «zuhörends» einem selbstbewussten Auftritt.

Drei Tage später begann der eigentliche Hörtest im Musikkeller. Gehört habe ich über Lautsprecher aus der Sopra-Serie von Focal. Ein Glas Rotwein war eingeschenkt, die CDs sorgfältig ausgewählt – einem sinnlichen Abend stand nichts im Wege. Ich wollte die Musik zuerst einfach auf mich wirken lassen, ohne gleich Notizen zu machen. Daraus wurde nichts. Zu deutlich zeigte der Pendulum, wie er Stimmen und Instrumente ordnet, wie er einen Raum öffnet und wie kontrolliert er den Bass führt. Mein Gesamteindruck stand schnell fest, und ich musste ihn notieren – der Pendulum spielt präzise und hochauflösend, zugleich aber geschmeidig und sanft. Er stellt die Klangfarben ungemein leuchtend dar.

Einzelne Stimmen und Instrumente werden räumlich klar abgebildet und lassen sich gut verfolgen, ohne dass das musikalische Zusammenspiel zerfällt. Töne scheinen etwas länger auszuklingen, bleiben dabei aber sauber umrissen. Diese Übersichtlichkeit blieb nach meinem Eindruck auch bei hohen Lautstärken erhalten.

Loreena McKennitt: «An Ancient Muse».

Auf der Dali-CD Vol. 2 habe ich eines meiner alten Lieblingsstücke wiederentdeckt – «The Gates of Istanbul» von Loreena McKennitt. Die kanadische Sängerin verbindet darin keltische und orientalische Einflüsse. Das Stück stammt von ihrem Album «An Ancient Muse» aus dem Jahr 2006 und lässt einen lebhaften Basar mit seinem bunten Treiben vor dem inneren Auge entstehen.

Der Pendulum bringt beinahe mit Schweizer Präzision Ordnung in dieses musikalische Marktgeschehen. Die verschiedenen Stimmen und Instrumente bleiben gut voneinander unterscheidbar, während die Aufnahme ihre Lebendigkeit und Dichte behält.

Arne Domnérus: «Jazz at the Pawnshop».

Die Mitten geben Stimmen und Instrumente glaubwürdig wieder. Bei «Limehouse Blues» von Arne Domnérus auf «Jazz at the Pawnshop» bleibt die vertraute Atmosphäre des Stockholmer Jazzclubs Stampen erhalten. Gleichzeitig wirkt die Aufnahme luftig und gut durchhörbar – als hätte jemand im Raum kurz ein Fenster geöffnet.

Wenn ich den Klang mit Wein vergleichen müsste, würde ich eher an einen ausgewogenen Chardonnay oder einen Jahrgangs-Champagner denken – frisch, vielschichtig und mit feinen Nuancen. Die Stärke des Pendulums liegt für mich in der Balance von Auflösung, Klangfarben und Kontrolle.

Ennio Morricone: «Western Music Collection Vol. 1».

Die Höhen wirken klar und fein aufgelöst, ohne unangenehm scharf zu werden. Bei «The Good, the Bad and the Ugly» von Ennio Morricone auf «Western Music Collection Vol. 1» bleiben die rauen Klanganteile der Streicher und Gitarren hörbar.

Der Pendulum glättet sie nach meinem Eindruck kaum, stellt sie aber so dar, dass auch längeres Hören angenehm bleibt.

Salvatore Accardo: Paganini, Violinkonzerte Nr. 1 und 2.

Auch die räumliche Darstellung erscheint ausgewogen. Die Bühne lässt sich in Breite und Tiefe gut nachvollziehen, die Instrumente behalten plausible Grössenverhältnisse. Das zeigt sich bei «La campanella», dem dritten Satz von Paganinis Violinkonzert Nr. 2 in h-Moll, op. 7, mit Salvatore Accardo und dem London Philharmonic Orchestra unter Charles Dutoit.

Die Solovioline hebt sich klar vom Orchester ab und bleibt zugleich in das musikalische Geschehen eingebunden. Selbst in den lebhaften Passagen bleibt die räumliche Staffelung erhalten, ohne dass einzelne Instrumentengruppen ineinander verschwimmen. Besonders überzeugend gelingt die Verbindung von präziser Ortbarkeit und einer natürlichen, grosszügigen Raumabbildung, die das Konzert glaubhaft vermittelt.

Im Bass setzt sich dieser Eindruck fort. Er wirkt straff, differenziert und kontrolliert. In meinem Raum schienen störende Bassüberhöhungen weniger deutlich hervorzutreten. Dadurch erschien der Tiefton etwas dezenter, seine Konturen und rhythmischen Feinheiten waren aber leichter zu verfolgen.

The Commitments: Original-Filmsoundtrack.

Ein passendes Beispiel ist «I Can’t Stand the Rain» auf dem Original-Filmsoundtrack von «The Commitments». Das Stück beginnt zurückhaltend mit Gesang, bevor nach rund 24 Sekunden das voluminös aufgenommene Schlagzeug einsetzt.

Der Pendulum vermittelt diesen Wechsel mit gutem Nachdruck und hält die einzelnen Schläge klar auseinander.

Fazit

Rund 19'000 Franken für einen Vollverstärker sind viel Geld. Mit Streaming- und Phonomodul steigt der Betrag auf rund 24'000 Franken. Bei einigen Gehäusedetails hätte ich für diesen Preis mehr Sorgfalt erwartet. Klanglich hat mich der Pendulum jedoch überzeugt. Er verbindet hohe Auflösung und Kontrolle mit Geschmeidigkeit und wunderschönen Klangfarben, die auch langes Hören zum Vergnügen machen. Der Pendulum wird das Beste aus Ihren Lautsprechern herausholen, dessen bin ich gewiss.

Steckbrief
ModellPendulum
Preis19,000.00 CHF
HerstellerDan D'Agostino Master Audio Systems
VertriebAudio Video Spalinger AG
Jahrgang2024
Masse432 × 118 × 356 mm
Gewicht15,9 kg
FarbeSilber, Schwarz
AirplayNein
BluetoothNein
ChromcastNein
Roon ReadyJa
Spotify ConnectJa
Symmetrischer EingangJa
WiFiJa
Analog Input3 × XLR, 1 × Cinch (mit Phonomodul als Phonoeingang)
Analog OutputVorverstärkerausgang XLR, 6,35-mm-Kopfhörerausgang
DA-WandlerESS ES9039Q2M (nur mit Streamingmodul)
Digital Input1 × Toslink optisch, 1 × HDMI eARC (nur mit Streamingmodul)
InterfaceRS-232, Bluetooth-Fernbedienung, mit Streamingmodul LAN, WLAN und HDMI eARC
Maximale Leistung240 Watt pro Kanal an 4 Ohm Watt
Verstärkerleistung 8 Ohm120 Watt

Testurteil

9 / 10

Plus

  • Ausgeprägte Klangfarben
  • Präzise Abbildung
  • Kontrolliert auch bei hoher Lautstärke
  • Hat auch kritische Lautsprecher im Griff
  • Erweiterung mit optionalen Modulen
  • Kompakte Gehäusemasse
  • Exklusive Fernbedienung

Minus

  • Standby-Modus umständlich
  • Kein Netzschalter
  • Kopfhörerausgang auf der Geräterückseite
  • Haptik einfacher als bei den teureren D’Agostino-Serien

Profil: Für anspruchsvolle Musikliebhaber mit hochwertigen Lautsprechern, die höchste Klangqualität mit möglichst wenigen Geräten verbinden möchten. Besonders interessant ist der Pendulum für Hörer, die einen kontrollierten, fein auflösenden und zugleich geschmeidigen Klang schätzen.

Der Autor Roland Pfenninger

Testet für avguide.ch Lautsprecher und High-End-Komponenten — von der bezahlbaren Standbox bis zum Flaggschiff. In seinen Reportagen porträtiert er Schweizer Audio-Manufakturen und berichtet von den Messen.

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