Der elegante Pendulum, in Schwarz oder Silber.Geliefert wird der Verstärker in einem stabilen Transportkoffer. Das erinnert ein wenig an jene Koffer, in denen in James-Bond-Filmen besonders brisante Fracht befördert wird. Ganz so explosiv ist der Inhalt natürlich nicht, kostbar aber durchaus: Der Schweizer Grundpreis liegt bei rund 19’000 Franken. Für das optionale Streamingmodul rechnet man mit weiteren 3’300 Franken, für das Phonomodul mit 1’700 Franken. Voll ausgestattet kostet der Pendulum damit rund 24’000 Franken.
Der Einstieg in die D’Agostino-Welt
Über den findigen Kopf Dan D’Agostino braucht man eigentlich kaum mehr etwas zu schreiben. Er hat 1980 Krell gegründet und war dort bis 2009 Chefentwickler. Heute führt er in Arizona seine eigene Verstärkermarke Dan D’Agostino Master Audio Systems. Seine Verstärker sind für hohe Fertigungsqualität, viel Leistung und ein aussergewöhnliches Design bekannt. Besonders die markanten Anzeigen, die an ein Bullauge oder das Zifferblatt einer Schweizer Uhr erinnern, sind längst zu einem Erkennungszeichen geworden.
Sein neuer, kompakter Vollverstärker heisst Pendulum. Der Name – auf Deutsch «Pendel» – erinnert an das gleichmässige Schwingen eines Metronoms und an die Präzision eines Uhrwerks.
Dan D'Agostino Pendulum im Hartschalen-Case.Ein Vollverstärker vereint Vor- und Endstufe in einem Gehäuse. Mit Streamer und Phonovorstufe wird er zur kompletten Musikanlage im Kleinformat. Das spart Platz, Verbindungs- und Stromkabel und vereinfacht die Bedienung. Auch der Pendulum folgt diesem Gedanken – wobei Phono und Streaming nur mit den optionalen Modulen an Bord sind. Einige Nutzer setzen dennoch lieber auf externe Geräte, die sie in der Funktion und im Klang ihrem Gusto anpassen können. Und es ist wie bei jedem anderen «Multifunktionsgerät» – fällt ein Teil aus, muss meist das ganze Gerät in die Reparatur.
Ausstattung und Technik
Im Innern setzt Dan D’Agostino auf eine JFET-Eingangsschaltung. Vier Feldeffekttransistoren arbeiten dabei in einer dual-komplementären Differenzschaltung. Die JFETs belasten die Signalquelle kaum, die Eingangsimpedanz liegt laut Hersteller bei 1 Megaohm. Die Differenzschaltung soll zudem Rauschen, Verzerrungen und Gleichtaktstörungen wirkungsvoll unterdrücken. Eine Differenzschaltung verstärkt nur den Unterschied zwischen den beiden Hälften eines symmetrischen Signals. Störungen, die auf beiden Leitungen gleich ankommen, heben sich auf. Der Pendulum übernimmt dieses Prinzip in angepasster Form aus der grösseren Momentum-Serie.
Rückseite mit XLR- und Cinch-Eingängen, HDMI eARC, optischem Digitaleingang und Phonoeingang (Module optional).Ein Ringkerntransformator mit 750 VA und Kondensatoren mit zusammen knapp 25’000 µF bilden die Stromversorgung. Die angegebene Ausgangsleistung beträgt 120 Watt pro Kanal an 8 Ohm und 240 Watt an 4 Ohm. Damit steckt beachtliche Technik in einem vergleichsweise kompakten Gehäuse. Ein Leichtgewicht ist der Pendulum mit 15,9 Kilogramm dennoch nicht.
Für analoge Quellen gibt es drei symmetrische XLR-Eingänge und einen Cinch-Eingang. Das optionale Phonomodul für MM- und MC-Tonabnehmer ersetzt dabei den Cinch-Eingang. Es bietet wählbare Abschlusswiderstände von 50 Ohm bis 47 Kiloohm, die Verstärkung beträgt fest 60 dB.
Das optionale Streamingmodul bringt einen D/A-Wandler auf Basis des ESS ES9039 sowie je einen Eingang für HDMI eARC und Toslink, dazu LAN und WLAN. Über HDMI eARC lässt sich der Fernseher direkt anschliessen, eine Premiere bei D’Agostino.
Einer der XLR-Eingänge lässt sich als Heimkino-Durchschleifung nutzen. Die Lautstärke regelt dann der AV-Receiver. Über den symmetrischen Vorverstärkerausgang lassen sich aktive Subwoofer oder eine weitere Endstufe anschliessen. Ein 6,35-mm-Kopfhörerausgang ist ebenfalls vorhanden, sitzt allerdings auf der Rückseite.
Ästhetik und Haptik
Ich durfte die schwarze Version testen. Ihr Erscheinungsbild hat mich, ehrlich gesagt, zunächst etwas enttäuscht. Der aufgeschraubte Deckel und die Rückwand wirken auf mich rustikaler, als ich es in dieser Preisklasse erwartet hätte. Die Schraubenköpfe sitzen leicht vertieft – ich hätte sie mir bündig gewünscht. Auf der schwarzen Rückseite fallen zudem silberfarbene Schrauben unnötig stark auf. Gewiss, die Rückseite ist eben auch nur die Rückseite, und man könnte darüber hinwegsehen.
Kupferfarbene Ringe aus Kunststoff – schön anzusehen, aber haptisch nicht wie echtes Kupfer.
Eingeschaltete Fernbedienung.Ein starker optischer Akzent bleibt die runde Anzeige. Anders als die mechanischen Zeiger anderer D’Agostino-Geräte ist der Zeiger beim Pendulum digital dargestellt. Er folgt der eingestellten Lautstärke und bewahrt so die vertraute Optik der Marke.
Auch bei einzelnen Materialien zeigt sich für mich der Abstand zu den teureren Baureihen. Die Lautsprecherklemmen und die kupferfarben wirkenden Ringe an der Front bestehen aus Kunststoff. Das ist ordentlich gemacht, erreicht aber nicht ganz jene Wertigkeit, die ich bei einem vollständig ausgestatteten Gerät für rund 24’000 Franken erwarte.
Ungedämpfte Gerätefüsse aus Metall.Vorsicht beim Aufstellen. Die metallenen Gerätefüsse sind weder gedämpft noch mit Filz versehen – auf Glas kann es leicht zu Kratzern kommen.
Bedienung und Fernbedienung
Auch ohne Fernbedienung ist die Bedienung einfach. Mit den beiden Drehknöpfen an der Front scrollt man mühelos durchs Menü. Der rechte Drehknopf regelt zugleich die Lautstärke und rastet dabei mit sanftem Klicken ein – wie die Zifferräder eines Safes.
Fernbedienung bei eingeschaltetem Gerät.Die Fernbedienung ist ein Hingucker. Ihre Form ist nicht ganz kreisrund, sondern seitlich angeschnitten – wie ein Apfel, in den jemand von zwei Seiten hineingebissen hat. Das hebt sie von gewöhnlichen Fernbedienungen ab. Sie liegt gut in der Hand und noch besser auf einem Beistelltisch und wirkt hochwertig, auch wenn ihr Gehäuse laut Hersteller aus dem Kunststoff Delrin besteht.
Fernbedienung und Bullauge zeigen synchron Eingang und Lautstärke an.Nach dem Einschalten verbindet sie sich mit dem Verstärker automatisch über Bluetooth und zeigt dessen Eingang und Lautstärkeeinstellung an. Von den zwei Antennen, die man selbst anschraubt, sorgt eine für die tadellose Verbindung zur Fernbedienung, die zweite ist für das WLAN zuständig. Der Akku lässt sich über USB-C laden. Das Kabel ist im Lieferumfang mit dabei, das Ladegerät nicht. Nach einer Weile ohne Bedienung erlischt das Display, um Strom zu sparen.
Mehrmals wollte ich intuitiv direkt auf die Anzeige tippen – doch einen Touchscreen hat sie nicht. Für zusätzliche Einstellungen und vor allem für den Streamer gibt es eine kostenlose App. Deren Installation gelang problemlos. Die Inbetriebnahme des Streamingmoduls bereitete mir dagegen Mühe.
Die englischsprachige Anleitung ist ansprechend gestaltet und dank ihrer widerstandsfähigen, leicht gummierten Seiten auch neben einem Glas Wein gut aufgehoben. Für die Fehlersuche beim Netzwerkanschluss hätte ich mir jedoch ausführlichere Hinweise gewünscht.
Erst ein Neustart mit frisch eingestecktem Strom- und Netzwerkkabel brachte Abhilfe – zumindest im Geschäft von Roland Spalinger in Dietlikon. Zu Hause konnte ich das Modul nicht mehr ausreichend prüfen. Eine Aussage über seine Klangqualität kann ich deshalb nicht machen.
Beim Ausschalten gilt es zu unterscheiden. Der Pendulum besitzt einen leicht versteckten Standby-Modus. Über den linken Regler an der Front lässt er sich ein- und wieder in Bereitschaft schalten. Im Standby verbraucht er laut Hersteller 35 Watt. Bleibt er das ganze Jahr in Bereitschaft, sind das 306,6 kWh. Zum Schweizer Medianpreis 2026 von 27,7 Rappen pro kWh kostet das rund 85 Franken jährlich. Einen separaten Netzschalter gibt es nicht. Ob das klangliche oder andere Gründe hat, bleibt ein Rätsel. Wer das Gerät vollständig vom Strom trennen möchte, braucht eine schaltbare Steckdosenleiste oder muss den Stecker ziehen. Im Betrieb wird er auch bei hoher Leistung lediglich handwarm.
Präzision ohne Härte
Da das Streaming nicht auf Anhieb funktionierte und kein Phonomodul eingebaut war, griff ich zur guten alten CD. Das fabrikneue Gerät sollte zunächst einige Tage eingespielt werden. Eigentlich wollte ich eine zufällig ausgewählte CD nur in Wiederholung abspielen und den Raum wieder verlassen. Doch bereits die ersten Takte nahmen mich in Beschlag. Ich setzte mich hin und hörte die CD gleich mehrmals durch. Die anfängliche Zurückhaltung wich «zuhörends» einem selbstbewussten Auftritt.
Drei Tage später begann der eigentliche Hörtest im Musikkeller. Gehört habe ich über Lautsprecher aus der Sopra-Serie von Focal. Ein Glas Rotwein war eingeschenkt, die CDs sorgfältig ausgewählt – einem sinnlichen Abend stand nichts im Wege. Ich wollte die Musik zuerst einfach auf mich wirken lassen, ohne gleich Notizen zu machen. Daraus wurde nichts. Zu deutlich zeigte der Pendulum, wie er Stimmen und Instrumente ordnet, wie er einen Raum öffnet und wie kontrolliert er den Bass führt. Mein Gesamteindruck stand schnell fest, und ich musste ihn notieren – der Pendulum spielt präzise und hochauflösend, zugleich aber geschmeidig und sanft. Er stellt die Klangfarben ungemein leuchtend dar.
Einzelne Stimmen und Instrumente werden räumlich klar abgebildet und lassen sich gut verfolgen, ohne dass das musikalische Zusammenspiel zerfällt. Töne scheinen etwas länger auszuklingen, bleiben dabei aber sauber umrissen. Diese Übersichtlichkeit blieb nach meinem Eindruck auch bei hohen Lautstärken erhalten.

Auf der Dali-CD Vol. 2 habe ich eines meiner alten Lieblingsstücke wiederentdeckt – «The Gates of Istanbul» von Loreena McKennitt. Die kanadische Sängerin verbindet darin keltische und orientalische Einflüsse. Das Stück stammt von ihrem Album «An Ancient Muse» aus dem Jahr 2006 und lässt einen lebhaften Basar mit seinem bunten Treiben vor dem inneren Auge entstehen.
Der Pendulum bringt beinahe mit Schweizer Präzision Ordnung in dieses musikalische Marktgeschehen. Die verschiedenen Stimmen und Instrumente bleiben gut voneinander unterscheidbar, während die Aufnahme ihre Lebendigkeit und Dichte behält.

Die Mitten geben Stimmen und Instrumente glaubwürdig wieder. Bei «Limehouse Blues» von Arne Domnérus auf «Jazz at the Pawnshop» bleibt die vertraute Atmosphäre des Stockholmer Jazzclubs Stampen erhalten. Gleichzeitig wirkt die Aufnahme luftig und gut durchhörbar – als hätte jemand im Raum kurz ein Fenster geöffnet.
Wenn ich den Klang mit Wein vergleichen müsste, würde ich eher an einen ausgewogenen Chardonnay oder einen Jahrgangs-Champagner denken – frisch, vielschichtig und mit feinen Nuancen. Die Stärke des Pendulums liegt für mich in der Balance von Auflösung, Klangfarben und Kontrolle.
Die Höhen wirken klar und fein aufgelöst, ohne unangenehm scharf zu werden. Bei «The Good, the Bad and the Ugly» von Ennio Morricone auf «Western Music Collection Vol. 1» bleiben die rauen Klanganteile der Streicher und Gitarren hörbar.
Der Pendulum glättet sie nach meinem Eindruck kaum, stellt sie aber so dar, dass auch längeres Hören angenehm bleibt.

Auch die räumliche Darstellung erscheint ausgewogen. Die Bühne lässt sich in Breite und Tiefe gut nachvollziehen, die Instrumente behalten plausible Grössenverhältnisse. Das zeigt sich bei «La campanella», dem dritten Satz von Paganinis Violinkonzert Nr. 2 in h-Moll, op. 7, mit Salvatore Accardo und dem London Philharmonic Orchestra unter Charles Dutoit.
Die Solovioline hebt sich klar vom Orchester ab und bleibt zugleich in das musikalische Geschehen eingebunden. Selbst in den lebhaften Passagen bleibt die räumliche Staffelung erhalten, ohne dass einzelne Instrumentengruppen ineinander verschwimmen. Besonders überzeugend gelingt die Verbindung von präziser Ortbarkeit und einer natürlichen, grosszügigen Raumabbildung, die das Konzert glaubhaft vermittelt.
Im Bass setzt sich dieser Eindruck fort. Er wirkt straff, differenziert und kontrolliert. In meinem Raum schienen störende Bassüberhöhungen weniger deutlich hervorzutreten. Dadurch erschien der Tiefton etwas dezenter, seine Konturen und rhythmischen Feinheiten waren aber leichter zu verfolgen.

Ein passendes Beispiel ist «I Can’t Stand the Rain» auf dem Original-Filmsoundtrack von «The Commitments». Das Stück beginnt zurückhaltend mit Gesang, bevor nach rund 24 Sekunden das voluminös aufgenommene Schlagzeug einsetzt.
Der Pendulum vermittelt diesen Wechsel mit gutem Nachdruck und hält die einzelnen Schläge klar auseinander.
Fazit
Rund 19'000 Franken für einen Vollverstärker sind viel Geld. Mit Streaming- und Phonomodul steigt der Betrag auf rund 24'000 Franken. Bei einigen Gehäusedetails hätte ich für diesen Preis mehr Sorgfalt erwartet. Klanglich hat mich der Pendulum jedoch überzeugt. Er verbindet hohe Auflösung und Kontrolle mit Geschmeidigkeit und wunderschönen Klangfarben, die auch langes Hören zum Vergnügen machen. Der Pendulum wird das Beste aus Ihren Lautsprechern herausholen, dessen bin ich gewiss.