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Testbericht · Piega · Passiv-Lautsprecher

Swiss Skyscraper

Test Piega Premium 3.2

Von Hans Jürg Baum · · Seite 2 von 6

Swiss Made

Zu den extremen, hervorragend gestylten Säulen gehören auch die keineswegs billigen Swiss Made Piega Premium 3.2.

Doch wer sich überlegt, wie es möglich ist, im teuren Schweizerland ein Paar solch aufwendiger und hochpräziser Boxen zu produzieren und sie zu einem Paarpreis von rund 3000 Franken anzubieten, ohne dabei pleite zu gehen, kann nicht anders als achtungsvoll vor diesen Leuten den Hut ziehen. Zieht man von diesem Preis die Händlermarge ab, so muss man sich fragen, wie Piega mit dem Rest ihre Material- und Entwicklungskosten, sowie Fabrik-Mieten, Löhne, etc. etc. bezahlen und sogar noch etwas verdienen kann.

Nicht umsonst haben die beiden Piega Gründer Leo Greiner und Kurt Scheuch für die Führung ihrer im Jahre 1986 gegründeten Firma dieses Jahr den Unternehmer Award bekommen.

Für mittelgrosse Räume

Innwendig mit Idikel bedämpftes Strangpressgehäuse aus Aluminium mit rückwärtiger C-FormInnwendig mit Idikel bedämpftes Strangpressgehäuse aus Aluminium mit rückwärtiger C-Form

Die Premium Serie umfasst insgesamt vier Typen. Die 3.2 ist dabei die zweitkleinste Box dieser Serie und damit eher für mittelgrosse und kleinere Räume gedacht. Das Coax-Bändchen gibt es hier leider noch nicht – das gibt es erst in der Coax-Serie und bei der Master One.

Der Premium Serie hat man dafür – wie auch bei weitaus teureren Serien - das neue Piega LDR 2642 MKII–Bändchen spendiert, über welches avguide.ch bereits im Test „Feinstzeichner“ berichtet hat, und integriert dieses in ein audiophiles Zweiweg-System. Zwei 10 cm-Bässe in Bass-Chassis mit MDS-Technologie sorgen für einen mindestens in kleineren Räumen kräftigen und tiefen Bass.

Mit einer Standfläche, die kaum grösser ist als die Säule selbst, ist es ratsam, kleine Raufbolde sich nicht in der Nähe austoben zu lassen. Für das erdbebengeschüttelte Japan wird es einen grösseren Standfuss geben, der die Säule allerdings nicht mehr ganz so elegant aussehen lässt. Zudem weisen die Premium 3.2 auf der Rückseite eine sogenannte C-Form auf. Ähnlich wie bei einem Lauten-Körper wird hier der Radius kontinuierlich verändert, was Vibrationen wirkungsvoll den Garaus macht. Lediglich eine ganz bestimmte Welle im Innern des Gehäuses kann sich noch bemerkbar machen, doch davon später mehr.

Das Strangpressgehäuse aus Aluminium ist im Innern mit Idikel bedämpft und gibt aufgrund seiner dünnen Wände viel Platz für ein durchaus akzeptables Gehäusevolumen, was wiederum einen potenten Bass verspricht.

Die Boxen sind in folgenden Ausführungen erhältlich: Gehäuse Aluminium, Lochgitter Metal schwarz. Optional: Lochgitter in silber, Gehäuse schwarz eloxiert, Gehäuse weiss lackiert.

Quelle und Antrieb

Marantz Super Audio CD-Player 5A15S2 Ltd und Vollverstärker PM15S2 Ltd als Programm- und Leistungsquellen.Marantz Super Audio CD-Player 5A15S2 Ltd und Vollverstärker PM15S2 Ltd als Programm- und Leistungsquellen.

In unserem Hörtest kamen der Marantz Super Audio CD (SACD) - Player 5A15S2 Ltd und der Vollverstärker PM15S2 Ltd zum Einsatz. Sie überzeugten durch hervorragende Klangdefinition verbunden mit einer ganz beachtlichen Feinst- und Grob-Dynamik.

Dies bedeutet: Sie klingen sowohl leise als auch laut sehr differenziert und vital und bringen die Vorzüge von HiRes-Aufnahmen überzeugend zu Gehör. Diese Komponenten harmonierten mit den Premium 3.2 absolut hervorragend.

Als Test-Klangmaterial stand eine alle Musikstile umfassende Sammlung von SACDs und CDs zur Verfügung.

Was zu beweisen war

Rebecca Pidgeons glockenreine Stimme ist ein harter Prüfstein für jedes Lautsprechergehäuse...Rebecca Pidgeons glockenreine Stimme ist ein harter Prüfstein für jedes Lautsprechergehäuse...

Quod erat demo...... und so weiter, hätten die gebildeten Lateiner bei der nun folgenden Tätigkeit gesagt. Doch die nüchternen Elektroakustiker von avguide.ch begnügen sich - bis der Beweis erbracht ist - mit der deutschen Sprache. 

Um was geht's denn hier eigentlich? 

Es gilt zu beweisen, dass folgende, bereits angedeutete Behauptung auch bei der Premium 3.2 stimmt und zutrifft:

Säulenboxen reagieren empfindlich mit Vibrationen und Klangverfärbungen auf eine interne stehende Welle, deren Länge der Höhe der Säule entspricht.

Nun zum Test. Als Testklänge dient Rebecca Pidgeons glockenreine Stimme (Chesky Records Four Marys JD165) und das Stück "fhear a bhata". Für das geschulte und auf diese spezielle Verfärbung sensibilisierte Gehör resoniert denn auch ein ganz bestimmter Ton ihrer Stimme geringfügig und gerade noch hörbar. Und das Handauflegen auf den Deckel der Säule zeigt genau bei diesem Ton leichte Vibrationen. 

Da kein Testhörer über das absolute Gehör verfügt und aus dem Gedächtnis sagen kann, wie dieser Ton heisst, wird am Klavier durch Tonvergleich festgestellt, dass es sich um das eingestrichene f , also das f' (amerikanisch F4) handelt. Nun wird die Frequenz dieses Tones mit Hilfe einer Tabelle ermittelt: Es sind rund 350 Hz (genau 349.25 Hz in gleichstufiger Stimmung).

Als nächster und letzter Schritt wird die Wellenlänge dieses Tones mit der Formel "Wellenlänge = Schallgeschwindigkeit geteilt durch Frequenz" berechnet, und man kommt zu einer Länge dieser Schallwelle von rund 0,95 Metern, die sich im Innern der Premium 3.2 als so genannt "stehende Welle" bemerkbar macht. 

Abschliessende Quiz-Frage: Wir hoch ist die Premium 3.2? Und noch genauer: Wie gross ist die interne Distanz von Grundplatte zum Deckel?

Quod erat demonstrandum!

Der Autor Hans Jürg Baum

Hans Jürg Baum ist Mitgründer von avguide.ch und war zehn Jahre lang Geschäftsführer. Der Musiker schrieb zwei Jahrzehnte lang über Audio-Komponenten, Kopfhörer und Musik — Schwerpunkt Klassik und Barock in HiRes.

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