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3. Oktober 2001
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Die Recording Industry Association of America und die Motion Picture Association of America haben in Los Angeles Klage gegen drei Online-Tauschbörsen eingereicht. Die Klagen betreffen die Dienste MusicCity , Kazaa und Grokster. Im Angebot dieser Portale sind copyright-geschützte Filme sowie Musik zum Download frei erhältlich.

Der Tauschbörsenpionier Napster wurde bereits aus dem Verkehr gezogen. Jetzt widmen sich insgesamt rund 30 Musik- und Filmunternehmen, darunter Disney, Capitol Records und Paramount Pictures, den "Nachfolge-Piraten". Die Aussichten auf Erfolg werden aber geringer eingeschätzt als bei der vergleichbaren Klage gegen Napster. Die drei Tauschportale werden nämlich von einer Software des niederländischen Providers FastTrack betrieben. Der Sitz der Grokster Ltd. ist auf der Karibikinsel Nevis. Lediglich MusicCity, das Unternehmen hinter Morheus, hat seinen Sitz im US-Bundesstaat Tennessee. Die Zugriffsmöglichkeiten der US-Justiz und somit die Erfolgsaussichten einer Klage sind hier am besten. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst bei einer Abschaltung der Dienste der Tausch vermutlich weitergehen wird. Die neue Generation der Tausch-Software kommt anders als etwa bei Napster ohne zentralen Rechner aus, das heißt die bisherigen Nutzer könnten auch ohne die Dienste weiter Dateien untereinander austauschen. Allein im Download-Bereich des Informationsdienstes Cnet wurde die Software, die bei MusicCity Morpheus und bei Kazaa MediaDesktop heißt, 35 Millionen Mal heruntergeladen.

In der Klage heißt es, die Napster-Nachfolger "haben einen Piraten-Basar des 21. Jahrhunderts geschaffen". Dieser Entwicklung könne man angesichts des rasanten Fortschreitens von Datentransfertechniken im Internet nicht tatenlos zusehen, meinten Vertreter der Musikindustrie. Zudem sei der Aufbau legaler, aber kostenpflichtiger Tauschportale behindert. Die neuen Tauschportale bieten im Gegensatz zu Napster nicht nur die Möglichkeit neueste Musikerscheinungen, sondern auch Filme in voller Länge zu laden.

Napster hat seinen kostenlosen Service im Juli nach einer ähnlichen Klage eingestellt. Nachdem der Bertelsmann-Konzern Napster übernommen hat , soll die Mutter aller Tauschbörsen Ende des Jahres mit einem legalen Tauschservice starten.
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