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9. September 2002
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Musiker beklagen die Praktiken der grossen Labels bei der Bezahlung ihrer Tantiemen sowie der Beteiligung an den Gewinnen ihrer Musik im Allgemeinen. Demnach seien die Vertragsklauseln in den Standardverträgen der Musiklabels teilweise aus den Anfangszeiten des Business. Die Künstler werden dadurch oft für Kosten zur Kasse gebeten, die längst obsolet sind. Das Committee of Rules and Administration des US-Senats will die Praktiken der Labels genauer unter die Lupe nehmen.

"Wir wollen herausfinden, wie diese Geschäfte strukturiert sind und ob die Künstler übers Ohr gehauen werden", erläutert US-Senator Kevin Murray das Interesse des Komitees. Besonderes Interesse werde der Abrechnung der Tantiemen und Gebühren im Ausland gewidmet. Die Musiker haben über ihre Anwälte reklamiert, dass die Labels unfaire Praktiken bei der Verrechnung der Tantiemen und Gewinne anwenden, besonders ausserhalb der USA. Don Engel, Rechtsvertreter mehrerer Künstler, teilte den Komitee-Mitgliedern mit, die Labels würden die Künstler "routinemäßig ausnützen".

Engel nannte in diesem Zusammenhang mehrere Bereiche, die zum Nachteil der Musiker abgerechnet werden. Die Kosten für die Produktion von Musikvideos müssen laut Standardvertrag zur Hälfte von den Künstlern getragen werden. Die Einnahmen aus millionenschweren Lizenzverträgen oder anderen gewinnbringenden Vereinbarungen mit TV-Sendern wie MTV werden aber nicht mit den Musikern geteilt. Engel fordert entweder einen Anteil aus diesen Einnahmen für die Künstler oder einen Verzicht auf eine Kostenbeteiligung bei der Videoproduktion. Die Labels sehen diese Einnahmen als Investition in die Videoproduktion, die für sie oft nicht profitabel sei.

Bei der Verrechnung von Lizenzgebühren ausserhalb der USA haben die Labels in der Vergangenheit Verträge mit Vertriebspartnern in den jeweiligen Ländern geschlossen. Inzwischen sind die grossen Labels aber bereits internationale Konzerne. Die ehemaligen Vertriebspartner wurden aufgekauft oder das Geschäft durch eigene Niederlassungen übernommen. Die Kosten und Preise, die so zustande kommen, seien fiktiv. Bei der Überprüfung der Bücher haben manche Künstler laut LA Times festgestellt, dass sie nur die Hälfte von dem bekommen haben, was ihnen eigentlich zusteht. Ähnlich diffus und fiktiv sei demzufolge die Preisbildung bei den so genannten "Record Clubs“, die heute meist im Besitz der Labels sind. Es sei nicht klar nachvollziehbar, wie die Preise zustande kommen, wie viel verkauft werde oder wie hoch die Gewinne seien. Mehr Transparenz bei der Abrechnung und eine Anpassung der Standardverträge ist aus Sicht der Musiker daher längst überfällig.
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