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MUSIKREZENSION
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Publikationsdatum
4. April 2005
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Die dreikanaligen Aufnahmen dieses SACD-Doppelalbums mit allen Cello Solosuiten und zwei Sonaten für Cello und Klavier von J.S.Bach stammen aus dem Jahre 1963.

Damals war man sowohl bei „RCA Living Stereo“ wie auch bei „Mercury Living Presence“ der Ansicht, dass drei Kanäle, nämlich vorne links - mitte - rechts, für eine gute räumliche Abbildung notwendig seien.

Da die sich immer mehr durchsetzende LP aber nur über zwei Kanäle verfügte, wurden die original dreikanaligen Aufnahmen auf 2 Kanäle heruntergemischt.

Die vorliegende SACD bietet nun drei Formate:
normale CD mit Stereomix
hochauflösende SACD mit Stereomix
hochauflösende SACD mit originalen Dreikanalaufnahmen.

Suites for Cello Solo:
Dass „drei Kanäle für ein einziges Cello“ Sinn machen, ist beim letztgenannten Format gut hörbar. Das Cello wird samt Konzertsaalakustik realistisch in den Abhörraum verfrachtet.

Eine moderne 5.0 – Aufnahme bringt allerdings, dank zwei zusätzlichen Surroundkanälen, noch eine ausgeprägtere räumlich Tiefe.

Der Stereomix klingt ebenfalls ausgezeichnet, aber nur dann, wenn man genau in der Mitte zwischen den Boxen sitzt.

Die Klangqualität ist in Anbetracht des beträchtlichen Alters der analogen Masterbänder verblüffend gut. Ein leises Brummen, oder besser „Brodeln im Bassbereich“ ist lediglich bei Pausen und erhöhter Lautstärke zu hören. Ansonsten ist der Klang erstaunlich rauschfrei.

Janos Starker traktiert sein Cello auch nach heutigen Gesichtspunkten immer noch absolut meisterhaft.

Er spielt Bach, so wie er ihn fühlt und nicht, wie die heutigen Musikwissenschaftler glauben, wie er damals geklungen haben muss.

Sonatas in G&D Major for Cello and Piano:
Hier kommt zum Cello nicht, wie es sich ja eigentlich um der Originalität Willen gehört, ein Cembalo hinzu, sondern ein klassischer Konzertflügel.

Was Janos Starker am Cello und Gyorgy Sebok am Klavier darbieten, liegt ebenfalls nicht auf der heutigen „authentisch klingenden“ Linie. Rein musikalisch gesehen ist es absolut faszinierend, was diese beiden Musiker vor gut 40 Jahren gespielt haben.

Perfekt ist nicht nur das klangliche, sondern auch das räumliche Verhältnis von Cello und Klavier. Dies ist nicht zuletzt den Mercury-Toningenieuren zuzuschreiben, welche die Dreikanaltechnik bis ins Detail beherrschten.

Dank Dreikanaltechnik wirkt das Klangbild auch dann noch ausgewogen, wenn der Hörer nicht genau in der Mitte vor dem Centerlautsprecher sitzt.

Fazit: Ein wertvolles Tondokument mit ausserordentlicher künstlerischer Leistung und bemerkenswert gutem Klang.
STECKBRIEF
Albumtitel:
Bach Suites for Cello Solo
Komponist:
J.S.Bach
Label:
Mercury
Jahr:
1963/2004
Bestellnummer:
470 644-2
Tonformat:
3.0, Stereo
Medium:
Hybrid SACD Doppelalbum
Musikwertung:
10
Klangwertung:
9
Preis:
45.00
Bezugsquellen
Wettbewerb