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Musikrezension · Beatles

Back to the Beatles!

Das magische Mono Vinyl Box Set der "Fab Four".

Von Christian Wenger · · Seite 5 von 2
Eine Menge VinylEine Menge Vinyl

Über die Beatles gäbe es nichts mehr zu berichten, wenn ihre Musik nicht immerzu neu herausgebracht würde. Das komplette Re-Mastering des Beatles-Katalogs erschien vor wenigen Jahren (auch auf Vinyl) und ersetzte die hastigen Digitaltransfers der 1980er Jahre. Das wurde von der Musikpresse gepriesen.

2015 folgte der vorerst letzte Streich in Form der Neuausgabe aller Mono-Aufnahmen auf Vinyl, originalgetreu in jedem Detail. Die Masterbänder sollen, so wird beschworen, keinerlei digitale Prozesse durchlaufen haben. Die 14 Mono-Scheiben wurden so originalgetreu wie immer möglich produziert, Plattenhüllen, Beilagen und Label inklusive. Nur die 180 Gramm Gewicht unterscheiden die Platten von den seltenen Originalen.

Ich bezahlte beim Vetrauenshändler meiner Wahl in Bern 415 CHF für das Set und es ist mir egal, wenn es anderswo günstiger sein sollte. Die Musik der Beatles hellte schon immer meine Stimmung auf, machte mich quasi glücklich. Soll doch der Plattenladen auch etwas davon haben.

Die Mono-Story

Mono war in den 1960er Jahren top. Stereo gab es zwar, doch spielte man das überwiegend in Mono ab. - Abgesehen von Früh-Audiophilen HiFi Klassik- und Jazz-Liebhabern. Die Beatles produzierten alle LPs mit Ausnahme der letzten drei in Mono. Eine Stereo-Version wurde dann zeitnah nachträglich aufgelegt. Die Beatles sollen daran kein grosses Interesse gehabt haben. Sie waren, dem Vernehmen nach, nur beim Mastering der Mono-Version zugegen. Das 108 Seiten starke Begleitbuch gibt darüber und über fast alles andere Auskunft.

Die Mono-Masters sind daher als sehr authentisch zu bewerten und erzeugen, gewiss mit Absicht, eine willkommene Mono-Romantik. Schliesslich will man erneut den Sound der Beatles verkaufen und da muss man sich etwas einfallen lassen.

Tatsächlich gibt es nicht nur klangliche Unterschiede zu den Stereo-Masters: Einige Songs sind tatsächlich anders, etwas länger oder kürzer oder sogar in einem Fall einen Halbton höher. Das berühmte Ausblenden wurde unterschiedlich vorgenommen. Der Katalog der kleinen Unterschiede ist lang, detailliert und für den Beatles-Fan eine wahre Fundgrube.

Musikerlebnis

Die Mono-Masters klingen exzellent, direkt, kraftvoll und ausgewogen. Die Band kommt vor allem bei den ersten 3 Alben völlig live herüber, was dem ursprünglichen R&B-Material der Beatles sehr entgegen kommt. Das rockt deutlich mehr als bei den Stereo-Versionen. Man wird auch nicht durch die recht auffälligen Pingpong-Stereo-Effekte abgelenkt, die mich manchmal etwas nerven. Die Leer-Rillen sind still wie ein Grab, so dass ich manchmal glaubte, ich hätte den Tonarm noch nicht abgesenkt.

Die späteren Alben profitieren etwas weniger, weil die zunehmend experimentellen Klangeffekte dieser Alben mit Stereo gut zur Geltung kommen. Vermutlich haben die Tonleute der Abbey Road Studios mit der Zeit sorgfältiger an der Stereo-Version gearbeitet, aber das ist wirklich nur eine Vermutung. Die Ausnahme bestätigt die Regel: Vergleichen Sie "Revolver"!

Die Räumlichkeit leidet nicht. Die Tiefendimension ist sehr beeindruckend und ich hatte oft das Gefühl, Stereo mit nahe zusammestehenden Musikern zu hören. Gewiss sind das keine, nach modernem Verständnis, audiophilen Aufnahmen. Verzerrungen sind immer wieder zu hören und in Mono sogar noch ausgeprägter. Das tut aber dem Live-Erlebnis keinen Abbruch. - Im Gegenteil.

Fazit

Wenn ich nicht mehr aus dem Sessel hochkomme, dann ist es für mich meistens gut und das war der Fall. So habe ich die Beatles noch nie gehört und ich bedaure es richtig, dass sie die letzten 3 Alben nicht auch zuerst in Mono gemastert haben. Dort muss ich mit Stereo "vorlieb" nehmen und es ist konsequent, dass man beim Mono Box Set auf diese Alben verzichtete.

Der Autor Christian Wenger

Christian Wenger war Elektrotechniker und Marketingfachmann in der Industrielektronik und Inhaber von InConcert Audio in Olten. Von 2013 bis 2024 schrieb er als Redaktor für avguide.ch. Heute lebt der Connaisseur und Weinliebhaber pensioniert in Südfrankreich und bleibt Mitinhaber der avguide.ch GmbH.

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