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Publikationsdatum
25. Februar 2002
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Wer einmal Surround-Sound gehört hat, kommt nicht mehr davon los. Ob Filmton oder Mehrkanalmusik: die räumliche Wiedergabe wirkt lebendiger, lässt intensiver miterleben, versetzt einen ins Geschehen. Die Wirkung ist packend und lässt die Stereowiedergabe im Vergleich dazu fad erscheinen. Doch es gibt nicht nur Filme auf DVD mit Dolby Digital- oder DTS-Ton im 5.1-Format und Mehrkanalmusik ab DVD-Audio oder SACD, sondern noch viel mehr VHS-Videokassetten mit Dolby Surround und CDs oder Schallplatten mit Stereoaufnahmen. Diese mit Raumklang wiederzugeben unternehmen die Dolby Laboratories mit dem Format Dolby Pro Logic II.

Die guten alten Zeiten

Die Stereofonie war eine markante Entwicklung gegenüber der Monofonie. Die Tonquelle (Instrument, Orchester) konnte in seiner Breite und seiner Tiefenstaffelung abgebildet werden. Die Musik kam bei der Wiedergabe nicht mehr aus einem „Loch“, sondern stellte sich vorne auf einer Bühne dar. Hinten hingegen war nichts zu hören oder genauer gesagt, die Akustik des Wiedergaberaumes, also der Stube und nicht des Konzertsaales. Der nächste Schritt sollte auch hier Abhilfe schaffen. Doch die Quadrofonie mit ihren vier Lautsprechern scheiterte wegen technischer Mängel und Formatstreitigkeiten.

Dem Filmton erging es – Dolby sei dank - besser. Nach der zweikanaligen Stereofonie entwickelte Dolby das Dolby Stereo-Verfahren, das heutige Dolby Surround. Es verwendet die für die Quadrofonie entwickelte Matrix-Technik, nur dass hier lediglich einer der beiden zusätzlichen Kanäle hinten zum Einsatz kommt; der andere wurde zum Centerkanal umfunktioniert. Dolby Surround hat den in der Analogtechnik wichtigen Vorteil, dass es mit zwei Kanälen auskommt, also stereokompatibel ist. In die zwei übertragenen Kanäle sind die zusätzlichen zwei Kanäle (Center und Surround) matriziert.

Dolby Pro Logic

Eingschränkte Räumlichkeit bei Dolby Pro Logic mit nur einem frequenzbeschnittenen Surround-Kanal.
Eingschränkte Räumlichkeit bei Dolby Pro Logic mit nur einem frequenzbeschnittenen Surround-Kanal.
Die vier Kanäle von Dolby Surround – vorne links, mitte und rechts sowie ein Surround-Kanal hinten, der in der Heimanwendung über zwei Lautsprecher wiedergegeben wird – werden mit einem Decoder aus den zwei übertragenen Stereospuren gewonnen. Zunächst wurde hierzu ein passiver Decoder verwendet mit demselben Mangel wie bei der Quadrofonie: Die geringe Kanaltrennung minderte die räumliche Wirkung.

Abhilfe brachte der 1987 eingeführte aktive Dolby Pro Logic-Decoder. Er erkennt das momentan dominante Signal und seine räumliche Position und kann diese präzis wiedergeben. Damit ist eine gute Ortbarkeit des Tones im Raum möglich. Mit einer zusätzlich einstellbaren Verzögerungszeit zwischen vorne und hinten können zudem Raumwirkung und akustischer Bezug zum Bild den Gegebenheiten des Wiedergaberaumes angepasst werden. Aber auch mit Pro Logic gibt Dolby Surround in den hinteren Lautsprechern ein Monosignal wider. Dieses ist zudem im Frequenzumfang gegen oben bei 7 kHz begrenzt.

Neue Hörgewohnheiten

Stereosignale hinten und ein Bassmanagment bringen die Wiedergabe von Dolby Surround mit Pro Logic II näher zu Dolby Digital.
Stereosignale hinten und ein Bassmanagment bringen die Wiedergabe von Dolby Surround mit Pro Logic II näher zu Dolby Digital.
Die 5.1-Systeme Dolby Digital und DTS haben die Produktion und die Wahrnehmung des Filmtones verändert. Sie verfügen über Stereo-Surroundkanäle mit vollem Frequenzumfang, die ein lebendiges Klangbild rundum ermöglichen. Klangbewegungen sind nicht nur von vorn nach hinten, sondern auch diagonal möglich. Diese Möglichkeiten werden beim Filmton ausgiebig angewendet. Durch die Verbreitung der DVD haben sie die Erwartungen an die Tonwiedergabe zu Hause verändert.

Diese Erwartungen soll Pro Logic II auch bei der Wiedergabe von Dolby Surround-codiertem Material und von Stereoquellen erfüllen. Erreicht wird dies mit einer zweikanaligen Wiedergabe auch in den Surround-Kanälen und einer gegenüber Pro Logic verbesserten Steuerung der Richtungswiedergabe, die eine schärfere Kanaltrennung und ein stabiles Klangbild ergeben.

Dolby Pro Logic II

Eine aufwendige Steuerung im Decoder sorgt für ein stabiles räumliches Klangbild.Eine aufwendige Steuerung im Decoder sorgt für ein stabiles räumliches Klangbild.
Pro Logic II kennt zwei Betriebsmodi: Movie und Music. Der Modus „Movie“ dient der Wiedergabe von Surround-codierten Filmen. Hier arbeitet der Decoder ähnlich wie Pro Logic, nur dass auf die Bandbegrenzung der hinteren Kanäle verzichtet wird. Diese werden zudem mit zwei verschiedenen Signalen versorgt, so dass ein räumlicherer Eindruck entsteht. Ausgenutzt wird dabei die auch in einer Stereoaufnahme vorhandene Rauminformation. Diese steckt in den gegenphasigen Signalanteilen und wird ebenfalls zur Decodierung von Stereoquellen im „Music“-Modus verwendet.

Im Pro Logic II-Decoder ist eine flexiblere Steuerung integriert. Die Darstellung der dominanten Schallereignisse auf der Vorne-Hinten-Aches und auf der Links-Rechts-Achse erfolgt neu in zwei unabhängigen Steuerkreisen. Damit wird eine Optimierung der Raumdarstellung hinsichtlich Ortbarkeit und Stabilität des Klangbildes erreicht. Zudem verfügt Pro Logic II über ein Bassmanagment zur Ansteuerung eines Subwoofers oder Umleitung der tiefen Frequenzen zu den Lautsprechern, abhängig von der Installation.

Wiedergabe von Stereoquellen

Mit Pro Logic II ist auch ein Musik-Modus zur räumlichen Wiedergabe von CD, MD oder MP3 möglich.
Mit Pro Logic II ist auch ein Musik-Modus zur räumlichen Wiedergabe von CD, MD oder MP3 möglich.
Der mit dem Pro Logic II-Decoder optional realisierbare „Music“-Modus, kennt weitere Einstellmöglichkeiten, da im Gegensatz zur Wiedergabe von Dolby Surround-codiertem Material bei Stereoquellen die räumliche Anordnung nicht bekannt ist. Mit „Dimension“ wird das Klangbild nach vorn oder nach hinten angepasst, um eine optimale Balance zwischen allen Lautsprechern zu erreichen. „Center Width“ erlaubt, die Wiedergabe des Mittenkanals zwischen dem Center-Lautsprecher und den Hauptlautsprechern zu verschieben. „Panorama“ weitet das vordere Klanggeschehen auf die Surround-Lautsprecher aus, womit ein stärkeres Eingehülltsein erreicht wird.

Praktischer Einsatz

Mit dem
Mit dem "Music"-Modus möchte Dolby auch die räumliche Wiedergabe von Stereoquellen im Auto verbessern.
Die Installation erfolgt ähnlich wie bei einem Dolby Digital-System. Nach dem Aufstellen wird die Grösse der Lautsprecher angewählt und anschliessend der Pegel der fünf Kanäle mit Hilfe des im Decoder integrierten Testsignals eingestellt. Daraufhin kann im Heimkino mit Dolby Surround-Material ein Filmton genossen werden, der räumlicher und auch hinten weiter ist als mit Dolby Pro Logic. Der Bezug zum Bild bleibt dabei bestehen.

Mittlerweile sind viele der neuen AV-Receiver und AV-Verstärker mit Dolby Pro Logic II ausgestattet. Einige ältere Modelle mit Dolby Digital und Dolby Pro Logic können per Software aufgerüstet werden. Hingegen ist bei Geräten, die nur einen Dolby Pro Logic-Decoder enthalten eine solche Aufrüstung nicht möglich.
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