Ist das alles zu Hause auch hörbar?
Eine präzise Staffelung der Instrumente auf der Hörbühne bedingt neben einer Aufnahmemethode, wie sie von Jean-Daniel Noir praktiziert wird, auch auf der Wiedergabeseite präzise, verfärbungsarme und vor allem auch korrekt auf den Hörplatz positionierte Lautsprecher unter Berücksichtigung der Raumakustik. Ob das heimische Audiosystem diese Forderung erfüllt, kann mit Aufnahmen, deren Aufzeichnungs- und Entstehungsmethode bekannt ist, überprüft werden.
Das Album «La Morte della Ragione”, eine Antonini-Noir-Einspielung, eignet sich gut für einen Anlagencheck. Das Renaissance- und Barock-Instrumentarium mag klanglich für viele Hörer ungewohnt sein. Trotzdem eignet sich die Aufnahme gerade deswegen ideal für unsere Aufgabe, da sie mit eingeübten Hörerfahrungen bricht und Ohren und Geist zum genauen Hinhören öffnet.
Eine Auswahl von Alben mit Aufnahmen von Jean-Daniel Noir ist auf studionoir.ch verfügbar. Seine Facebook-Seite (Jean-Daniel Noir) ist allerdings aktueller. Zahlreiche Aufnahmen von verschiedenen Orten sind zu sehen und zu hören.Die folgenden zwei Titel des Albums sind ideal für einen Anlagencheck, da sie die Staffelung der Instrumente auf der Klangbühne, die Auflösung und den Klangfarbreichtum exemplarisch darstellen.
Titel 3: Gagliarde (Giorgio Mainerio): Das kurze Stück beginnt mit einem Duett von Blockflöte und Harfe. Die beiden Instrumente sollten, wie in der Grafik unten abgebildet, im Zentrum zwischen den Lautsprechern links und rechts der Mittelachse wahrgenommen werden. Obwohl dies quasi eine Mono-Wiedergabe darstellt, ist der Raum, in dem die beiden Musiker spielen, wahrnehmbar. In der zweiten Hälfte beginnt das ganze Ensemble zu spielen. Die zuvor nur durch die Raumakustik repräsentierte Bühne wird nun auf der ganzen Lautsprecherbreite bespielt.
Auf einem guten Audiosystem mit hochwertigen, korrekt zum Hörplatz installierten Lautsprechern ist bei einer guten Aufnahme die präzise Ortbarkeit der Instrumente und Stimmen möglich.Titel 27: Gaillard «La Battaglia» Samuel Scheidt. Volles Orchester, unter anderem mit Instrumenten wie Dulzian, Cornett oder Trombone. Scheidts Imitation einer Schlacht im 16. Jahrhundert zeigt sich in einer wilden Abfolge von wechselnden Instrumenten und Stimmlagen. Das Hin und Her des Kampfes wird auf der Bühne durch Dialoge der Instrumente dargestellt, die jeweils auf der linken und der rechten Seite der Szene aufblitzen.
Trotz der hohen Klangdichte ist die Durchhörbarkeit von Noirs Aufnahme gegeben. Wird bei diesem Stück eher ein Klangbrei herausgehört, wäre es gut, sich Gedanken über die Qualität des Audiosystems zu machen – und auf jeden Fall zu prüfen, ob die Lautsprecher korrekt platziert sind.
Das Video von der Aufnahmesitzung des Albums «La Morte della Ragione» gibt Einblick ins Instrumentarium. Track 27 «Battaglia» ist ab Minute 2:24 zu sehen und zu hören.
Fazit
Der Besuch im Studio Noir in der Romandie ermöglichte einen tiefen Einblick, wie viel Können, Wissen, Zeit und Anstrengungen nötig sind, damit dem klangaffinen Musikfreund ein herausragendes Musikerlebnis geboten werden kann. Dies beginnt mit dem Dirigenten und seinem Ensemble mit ihrem Drang nach einer packenden Werk-Interpretation, ergänzt von den technischen Akteuren auf der Aufnahmeseite.
Die beiden Ensembles um Giovanni Antonini finden mit Jean-Daniel Noir vom Studio Noir einen engagierten, innovativen Toningenieur und künstlerischen Leiter mit audiophilem Anspruch bei der Musikproduktion. Das Resultat sind Alben auf hohem künstlerischen und klanglichen Niveau. Abgespielt auf einer hochwertigen Anlage ergibt das Musikgenuss vom Feinsten.

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