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Publikationsdatum
18. Mai 2026
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Abhängig vom Hörplatz variiert die Klangwahrnehmung (physikalische Realität) im Konzertsaal stark. Ein Konzert ist ein flüchtiges Kurzzeit-Ereignis. Soll dieses gespeichert und auf der heimischen Anlage gespielt werden, entstehen zahlreiche Fragestellungen, wie man die Klangrealität im Saal in den eigenen vier Wänden reproduzieren kann.

Es geht um Aspekte wie die Aufnahmetechnik, Methodik und Klangästhetik, die unterschiedlichen Dimensionen, die Beschaffenheit von Oberflächen, die Ausstattung und somit um akustikbestimmende Faktoren im Saal und im Wohnraum. Die Vielzahl an Variablen verhindert jedoch eine eindeutige, abschliessende Antwort auf die Fragestellung.

Für eine sinnvolle Eingrenzung müssen die Faktoren für die häusliche Wiedergabe die Basis sein – nicht der Höreindruck an einem beliebigen Platz im Konzertsaal. Die akustischen Bedingungen und technischen Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen Wohnzimmer und Saal fundamental; zudem beeinflusst im Konzertsaal der visuelle Eindruck das Hörerlebnis.

Elbphilharmonie Hamburg: Der grosse Saal hat die sogenannte Weinberg-Bauweise. Konventionelle Säle in Rechteckform werden als Schuhschachtel bezeichnet. Beiden gemeinsam ist, dass die Klangwahrnehmung je nach Hörplatz wenig bis stark variiert.Elbphilharmonie Hamburg: Der grosse Saal hat die sogenannte Weinberg-Bauweise. Konventionelle Säle in Rechteckform werden als Schuhschachtel bezeichnet. Beiden gemeinsam ist, dass die Klangwahrnehmung je nach Hörplatz wenig bis stark variiert.

Vom Mikrofon zum Lautsprecher

Somit muss ein Tonmeister oder Toningenieur ein möglichst plausibles Abbild eines Klangkörpers erstellen, welches bei der Wiedergabe über ein qualitativ gutes und korrekt installiertes Audiosystem die Illusion eines realen Klangkörpers in seiner physischen Ausdehnung und Tonalität erzeugt. Die individuelle, subjektive Wahrnehmung eines Konzertbesuchers irgendwo im Saal ist kein Massstab, kann keine Referenz sein.

Bei dieser Betrachtung geht es primär um Konzerte mit rein akustischen oder mehrheitlich akustischen Instrumenten. Stadionkonzerte mit Pop, Rock, Heavy Metal oder vergleichbaren Genres mit ihren oft absurden Lautstärken sind eine komplett andere Kategorie.

Mikrofone sind keine Ohren …

… denn ein Aufzeichnungssystem speichert nur die Schallinformation, interpretiert sie nicht wie das menschliche Gehirn. Einfach zwei Mikrofone stellvertretend für ein Ohrenpaar vor dem Orchester aufzustellen, ergibt keinen befriedigenden Höreindruck über Lautsprecher.

Weiter von den Mikrofonen entfernte Instrumente und Instrumentengruppen klingen tendenziell zu leise und tonal zu dünn, obertonärmer. Sogar bis zu dem Punkt, wo sie unter die Wahrnehmungsschwelle sinken, respektive von den anderen Instrumenten verdeckt werden. Dies kann auch im Konzertsaal je nach Hörplatz der Fall sein. Hier stützt allerdings der visuelle Eindruck die akustische Wahrnehmung und Interpretation der Musik im Gehirn. Dies besonders, wenn man das Musikstück gut kennt.

Wie speichert und reproduziert man plausibel ein Konzert über Lautsprecher? (A)

Aufnahmeseite: Ein Orchester hat je nach Grösse eine physische Ausdehnung im Raum, die beachtlich sein kann. Die übliche Aufnahmemethode besteht aus zwei Hauptmikrofonen in der Mitte vor dem Orchester und zusätzlichen Mikrofonen nahe bei einzelnen Instrumenten oder Instrumentengruppen – Stützmikrofonen (Spot-Mic). Auf diesem Grundmuster basieren Variationen wie die als AB oder XY bezeichnete Anordnung der zwei Hauptmikrofone.

Aufnahme Haydn 2032 Edition, Volume 12 «Les Jeux et les Plaisirs» mit dem Kammerorchester Basel und Giovanni Antonini im brandneuen Don-Bosco-Saal in Basel (Schuhschachtel-Form mit Akustikpaneelen). Tonmeister: Jean-Daniel Noir.Aufnahme Haydn 2032 Edition, Volume 12 «Les Jeux et les Plaisirs» mit dem Kammerorchester Basel und Giovanni Antonini im brandneuen Don-Bosco-Saal in Basel (Schuhschachtel-Form mit Akustikpaneelen). Tonmeister: Jean-Daniel Noir.

Kleiner Exkurs: Ein stereofones Klangbild mit zwei Lautsprechern kann entweder mit einer Zeitdifferenz (Phase/AB) oder einer Lautstärkedifferenz (Pegel/XY) zwischen dem linken und dem rechten Lautsprecher erzeugt werden. Auch eine Kombination von Pegel- und Zeitdifferenz ist möglich.

Das Zusammenwirken von Haupt- und Stützmikrofonen

Die Hauptmikrofone zeichnen ein Gesamtbild auf. Das Signal der Stützmikrofone wird beim Mischen dem Hauptsignal beigefügt. So können gezielt einzelne Instrumente hervorgehoben, akzentuiert und die Klangbalance der Register abgestimmt werden.

Alles bestens, wäre da nicht die Laufzeitdifferenz des Schalls in der Luft zu der des elektrischen Signals im Kabel: Der Schall einer Trompete kommt zuerst beim Stützmikro (Mono) an und zeitversetzt bei den weiter entfernten Hauptmikros (Stereo). Dies erzeugt eine zeitliche Verschiebung zwischen den beiden Signalen, was zu einem diffuseren, defokussierten Klangbild führt. Dies weiss man seit langem und war daher immer bemüht, dieses Problem mit Zeitverzögerungsgliedern (Delay Line) irgendwie zu lösen.

Das panNoir-Konzept von Jean-Daniel Noir hat die oben beschriebene Methode zur Perfektion verfeinert. Jedes Stützmikro generiert ein Monosignal. Bei der Aufnahmesitzung wird die Position jedes Stützmikros mit Distanz und Winkel in Relation zu den beiden Hauptmikros mittels Lasermessgerät ermittelt. Referenzpunkt ist aber nicht die Mitte zwischen den beiden Hauptmikros, sondern es wird je ein Messwert für das linke und rechte Mikro erfasst.

Diese panNoir-Werte werden beim Mischprozess in der Pyramix-Digital-Audio-Workstation eingegeben. Die panNoir-Software korrigiert dann den Zeitversatz mit Einbezug des Winkels. So wird ein Instrument präzis entsprechend der tatsächlichen räumlichen Position und Anordnung im Orchester wahrnehmbar.

Detailinfos im Hauptartikel unten:

Die Schallgeschwindigkeit in der Luft bei 22° C beträgt ca. 345 m pro Sekunde oder 34’500 cm/s. In einer Millisekunde (1/1000) sind es 34,5 cm/ms. Im Beispiel oben ist das elektrische Tonsignal des Stützmikros 13,63 ms früher beim Aufzeichnungsgerät.Die Schallgeschwindigkeit in der Luft bei 22° C beträgt ca. 345 m pro Sekunde oder 34’500 cm/s. In einer Millisekunde (1/1000) sind es 34,5 cm/ms. Im Beispiel oben ist das elektrische Tonsignal des Stützmikros 13,63 ms früher beim Aufzeichnungsgerät.

Wie speichert und reproduziert man plausibel ein Konzert über Lautsprecher? (B)

Wiedergabeseite: Die Aufnahme- und Wiedergabetechnik muss die technischen Gesetzmässigkeiten der Musikproduktion und ‑reproduktion über primär zwei Stereokanäle, aber auch Mehrkanal-Varianten im Wohnraum berücksichtigen. Das ist keine Frage des Geschmacks. Es geht um möglichst fehlerfreie, korrekte Wiedergabe von Musik – ohne Artefakte.

Damit über zwei Lautsprecher eine stereofone, tonal stimmige, räumliche Abbildung des Orchesters, der Instrumente in der Tiefe und Breite zwischen den Lautsprechern gelingt, müssen Pegel-, Zeit- und Phasenbezüge auf der Aufnahme- und Wiedergabeseite passend und weitgehend deckungsgleich sein. Besonders der Zeitaspekt wird oft zu wenig genau beachtet. Unsere Hörwahrnehmung reagiert sensibel auf Zeitfehler (Einschwing-, Impulsverhalten, Phase). Demgegenüber ist die Empfindlichkeit für Frequenzgangfehler (Tonalität) geringer.

Die zentimetergenaue Positionierung der Lautsprecher im Hörraum, unter Berücksichtigung der Raumakustik, entscheidet darüber, ob das klangliche Maximum eines Audio-Systems und somit das Klangpotenzial einer Aufnahme ausgeschöpft wird. Der Autor weiss aus Erfahrung, dass selbst bei Top-High-End-Systemen nicht selten die nötige Präzision bei der Installation gefehlt hat. Wird die Regel des gleichseitigen Dreiecks bei der Ausrichtung der Lautsprecher auf den Hörplatz nicht beachtet und werden die Boxen einfach dort hingestellt, wo es gerade passt oder wo sie am wenigsten stören, dann ist es unmöglich, den Aufnahmeraum zu reproduzieren. Hier wird potenziell Klangqualität verschenkt!

Die auf der Aufnahmeseite erzielte panNoir-Präzision erfordert auf der Wiedergabeseite eine entsprechend präzise Lautsprecheraufstellung.

Tonmeister Jean-Daniel Noir (Studio Noir in Grandevent VD) setzt auf zwei Hauptmikrofone, die auf getrennten Stereospuren aufgenommen werden (4 Kanäle). Details dazu finden Sie in der Reportage über das Studio Noir.Tonmeister Jean-Daniel Noir (Studio Noir in Grandevent VD) setzt auf zwei Hauptmikrofone, die auf getrennten Stereospuren aufgenommen werden (4 Kanäle). Details dazu finden Sie in der Reportage über das Studio Noir.
panNoir in der neuen Version ermöglicht es, Haupt- und Stützmikrofone optimal einzubinden, ohne die Tonalität oder die Raumabbildung (Position der Instrumente im Orchester) zu beeinträchtigen.panNoir in der neuen Version ermöglicht es, Haupt- und Stützmikrofone optimal einzubinden, ohne die Tonalität oder die Raumabbildung (Position der Instrumente im Orchester) zu beeinträchtigen.
panNoir Detail: Klangbühne.panNoir Detail: Klangbühne.
panNoir Detail: Für jedes Mikrofon kann die genaue Relation zu den Hauptmikros eingestellt werden.panNoir Detail: Für jedes Mikrofon kann die genaue Relation zu den Hauptmikros eingestellt werden.
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