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Publikationsdatum
10. November 2025
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Regen, Wind, zwölf Grad – ideales Wetter für einen Messe-Besuch. Nach der letztjährigen Finest Audio Show Zurich nahm ich mir vor, diesmal pünktlich zur Eröffnung zu erscheinen. Das graue Novemberwetter hielt mich jedoch länger in der Stube als geplant. Mit einer Stunde Verspätung kam ich im Mövenpick Hotel Regensdorf an – und hatte Glück: Nichts wirklich Wichtiges verpasst.

Dabei gab es einiges zu verpassen: Workshops zu den «Geheimnissen der Audiotechnologie» mit Lothar Brandt und Matthias Böde, thematische Vorführungen in den Ausstellerräumen. Besonders eindrücklich war Dani Weiss' Soundboard «Livebox», das im Stereodreieck demonstrierte, welche Räumlichkeit und livehaftes Musikerlebnis hochauflösende digitale Audioformate mit Crosstalk-Cancellation bieten können.

Matthias Böde präsentiert mit der Weiss Livebox, welch livehaftiges Musikerlebnis mit hochauflösenden digitalen Audioformaten und Crosstalk-Cancellation möglich ist.Matthias Böde präsentiert mit der Weiss Livebox, welch livehaftiges Musikerlebnis mit hochauflösenden digitalen Audioformaten und Crosstalk-Cancellation möglich ist.

Entspannter Einstieg in die Klangwelten

Der Besucherandrang war moderat – andere HiFi-Fans kamen wohl noch später oder waren bereits am Vortag vor Ort. So konnte man entspannt durch die Räume schlendern und Lautsprecher, Verstärker und andere Komponenten in Ruhe anhören.

Ich startete in den Hotelkatakomben, wo mich der Groove von Vinyl und Röhrentechnik empfing. Wie im Vorjahr herrschte reger Betrieb – viele Besucher durchstöberten seltene Schallplatten. Der digital gesteuerte «Ultrasonic Record Cleaner V4.0» passte eigentlich nicht in die Szenerie, fand aber grosses Interesse.

Ultrasonic Record Cleaner V4.0.Ultrasonic Record Cleaner V4.0.

Eine charmante Vorführung der Elektrostaten ESL 57 von Quad versetzte mich akustisch in die 80er-Jahre – auch wenn die Geräte brandneu und hochmodern sind.

Die Elektrostaten Quad ESL 57, auch «Heizstrahler» genannt. Der erste in Serie gebaute Elektrostat der Welt. Zwischen 1957 und 1985 wurden etwa 54'000 Stück gebaut.Die Elektrostaten Quad ESL 57, auch «Heizstrahler» genannt. Der erste in Serie gebaute Elektrostat der Welt. Zwischen 1957 und 1985 wurden etwa 54'000 Stück gebaut.

Analoge Wärme und audiophile Highlights

Bei Audiosphere katapultierte mich der Sound von Trenner & Friedel regelrecht in andere Sphären. Es wurden zwei Anlagen abwechselnd vorgeführt, wobei ich nur das grosse Set gehört habe. Im kleineren Set wurde die Pharoah vom brandneuen Moon 371 Streaming-Vollverstärker angesteuert, der viele Gene mit den grossen Geschwistern aus der North Collection teilt. So war es denn auch die grosse 891/861-Kombi, welche die Isis von Trenner & Friedel äusserst zielsicher pilotierte; als digitale Quelle diente der Aurender N50, als analoge Quelle der Brinkmann Bardo. Der mächtige Lautsprecher überzeugte nicht nur in allen Einzeldisziplinen, sondern auch durch eine feinfühlige, klangfarbenreiche Wiedergabe, die mühelos und unvermittelt ins Brachiale umschlagen konnte. Der Dynamik schienen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Die Tenner & Friedel Isis, links und rechts aussen, sind klanglich und optisch ein StatementDie Tenner & Friedel Isis, links und rechts aussen, sind klanglich und optisch ein Statement

Die Trioden waren in der Lage, die musikalische Botschaft sehr gut zu transportieren. Und zwar betrifft das vor allen Dingen den Mitteltonbereich, das wichtigste Frequenz-Spektrum um Emotionen zu transportieren, und natürlich den Stimmbereich.

Bei den ersten Schaltverstärkern (Tripath) hatte ich ein ähnliches Gefühl wie bei den Trioden, ich hörte eine ähnliche «Qualität». Das war vielleicht auch der Einfachheit der Schaltungen geschuldet – die Ausgangsstufe besteht aus nur wenigen Komponenten, optimal eingesetzt. Trotz der offensichtlichen kleinen Schwächen wie den Höhen, welche manchmal etwas abschreckend waren, hörte ich eine Qualität, die mit den mir bekannten, typischen Transistorverstärkern selten zu hören war. Ich dachte mir, da scheint etwas sehr richtig daran zu sein.

Heute benutzen wir übrigens den Hypex NCore. Der NC500 Power Modulator erscheint mir, vielleicht etwas pervers gesprochen, wie die moderne 845 Triode (lacht!). Das ist ein unwiderstehlicher Audioverstärker und eine offene Plattform für den Entwickler, der damit arbeitet. Wir arbeiten mit Class D seit etwa 20 Jahren und so lange – etwas länger als erwartet – hat es auch gedauert, bis wir heute mit Class D angekommen sind.

Haben Sie bei den NCore Modifikationen vorgenommen?

»Der NC500 Power Modulator von Hypex erscheint mir – vielleicht etwas pervers gesprochen – wie die moderne 845-Triode« (John Stronczer)

Im Nebenraum präsentierte PSI Audio ihre grosse Héritage 3 – solid, aber im Vergleich etwas weniger emotional, mehr Monitor-artig. Man hört die Studiotechnologie heraus. Vielleicht lag es an der Aufstellung, der Elektronik oder der Aufnahme? Diese Gedanken begleiteten mich durch viele Räume. Ein direkter Vergleich wird schwierig, wenn in jedem Zimmer andere Musik in unterschiedlicher Qualität über andere Elektronik läuft. Besucherfreundlicher wäre dasselbe Stück in gleicher Auflösung – wie am Klangschloss mit den Live-Aufnahmen –, sonst vergleicht man schnell mal Äpfel mit Birnen. 

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