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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
14. Dezember 2015
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MEDIEN

Panasonic bläst zum Angriff bei den Mittelklassekameras. Nachdem den Japanern mit der Lumix GH-4 (siehe Test) bereits ein grosser Wurf bei den Oberklassekameras geglückt ist, soll nun ein anderer Bereich aufgewirbelt werden.

Die Pansonic DMC-G70 hat alles, was es dazu braucht, und das zu einem fast unschlagbaren Preis. Aber der Reihe nach.

Erster Eindruck

Das erste Mal hatte avguide.ch bereits im Frühling die Möglichkeit, ein Vorseriengerät der Panasonic DMC-G70 zu testen (siehe Bericht). Da es bei Vorseriengeräten immer schwierig ist, sich ein abschliessendes Bild zu machen, nehmen wir die Lumix DMC-G70 im vorliegenden Test nochmals genauer unter die Lupe.

Was uns schon damals aufgefallen ist: Die Kamera, welche mit dem Kitobjektiv mit einer Brennweite von 28 bis 84 mm (Kleinbildformat) und einer Lichtstärke von F3.5 bis F5.6 daher kommt, wirkt nicht sehr ansprechend. Auch die Ausführung in Anthrazit (alternativ in Schwarz erhältlich), macht die Kamera nur bedingt edler. Etwas mehr als 500 Gramm bringt das Kit auf die Waage; das Gehäuse ist komplett aus Kunststoff und wirkt eher etwas billig.

Würde man bloss auf die äusseren Werte und den ersten Eindruck gehen, wäre jetzt bereits die Zeit, um die Kamera zur Seite zu legen. Doch in diesem Schafspelz schlummert ein Wolf.

Die G70 ist von der Bauform her wie eine Spiegelreflexkamera gehalten, nur mit viel kleineren Abmessungen. Das 3-Zoll Touch-Display lässt sich in alle Richtungen kippen und schwenken, die Anzeigen wirken knackig und scharf. Neben Einstellungen kann über den Touch-Screen auch der Fokus gesetzt werden. Gerade für weniger geübte Fotografen dürfte dies eine dankbare Funktion sein. Der sogenannte Touch-Fokus funktioniert sogar bei Videoaufnahmen. So können einfach per Fingertip Schärfeverlagerungen gemacht werden. Was sich in der Theorie super anhört, ist in der Praxis allerdings etwas schwierig, da mit dem Berühren des Displays normalerweise auch die Kamera leicht bewegt wird. Gerade im Zoom-Bereich macht sich das durch Wackler im Bild recht schnell bemerkbar. 

Wer lieber durch den Sucher schaut, der kann auf einen gestochen scharfen OLED-Sucher mit 2,36 Millionen Pixel vertrauen, welcher sich bis zu ±4.0 Dioptrien dem Auge anpassen lässt. Durch die ergonomische Bauform liegt die Kamera sehr gut in der Hand; Bedienelemente und Wahlräder sind perfekt zu erreichen. So sind auf der Kamera je ein Rad zur Wahl der Auslöseart und der Belichtungsprogramme zu finden. Zwei weitere Einstellräder neben der Daumenauflage und unter dem Auslöser regeln Verschlusszeit und Blende.

Für grosse Flexibilität und Individualität sorgen die fünf freibelegbaren Tasten. Je nach Bedarf können diese Tasten mit einer beliebigen Funktion versehen werden, welche dann ganz simpel und schnell abrufbar ist. Ebenfalls individuell lässt sich eine Seite des On-Screen-Menüs, das «Quick-Menü», belegen. Dies hilft, die Kamera und die benötigten Funktionen sehr individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Nur mässiges Kit-Objektiv

Das mitgelieferte Objektiv hält nicht ganz, was es verspricht. Der angeschriebene Zoom-Faktor von 14 - 42 mm wäre im Weitwinkelbereich ja sehr schön, allerdings darf nicht vergessen werden, dass wir es hier mit einem Micro-Four-Thirds Sensor mit einem Cropfaktor von 2 zu tun haben. Das heisst umgerechnet auf das Kleinbildformat bewegt sich das Objektiv zwischen 28 und 84 mm - und das ist irgendwie weder Fisch noch Vogel. Kein rechter Weitwinkel, kein richtiges Zoom, eher ein variables Normalobjektiv (50 mm). Auch die Lichtstärke mit F3.5-5.6 ist nicht gerade berauschend.

Dafür lässt sich aber hervorheben, dass das Objektiv extrem kompakt ist und so zu einem guten Begleiter für eine kleine Kamera wird. Ausserdem können ambitionierte Fotografen natürlich auch auf die grosse Auswahl von sehr guten Panasonic Optiken zugreifen und dank Adapter können gar Drittprodukte wie zum Beispiel Canon-Optiken verwendet werden.

Die Panasonic DMC-G70 fotografiert mit einer Auflösung von 16 Megapixeln. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Da Panasonic mit ihren Kameras nach wie vor mit einem 4:3 Seitenverhältnis als Standardeinstellung daher kommt, reduziert sich die Auflösung beim schlankeren (und weit verbreiteten) Seitenverhältnis von 3:2 auf 14 Megapixel.

Die Kamera kann auf einen mechanischen oder digitalen Verschluss zugreifen. Mit digitalem Verschluss kann die Belichtungszeit auf sensationelle 1/16'000 Sekunde reduziert werden. So ermöglicht die Kamera also auch bei grellem Licht und schnellen Objekten eine korrekte Darstellung. Allerdings können bei zu schnellen Bewegungen sogenannte Rolling-Shutter Effekte auftreten, bei welchen sich bewegende Objekte diagonal verzerrt dargestellt werden können. Die kürzeste Belichtungszeit im mechanischen Modus liegt bei 1/4'000 Sekunde. Reihenaufnahmen bringt die G70 mit bis zu acht Bilder pro Sekunde zu Stande.

Der erste optische Eindruck täuscht: Im Innern der Lumix G70 schlummert viel Technik zu einem fast unschlagbaren Preis.
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