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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
14. November 2017
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MEDIEN

Was haben Hunde mit digitalen Mittelformatkameras zu tun? Sie sind immer zufällig dabei, wenn ich eine neue Kamera ausprobiere. Dies war so beim Test der Hasselblad X1D und jetzt wieder beim Test der Fujifilm GFX 50S.

Diesmal holte ich die Kamera bei Fujifilm in Dielsdorf ab und machte kurz Halt am Pistenende in Oberglatt. Prompt traf ich eine ehemalige Mitschülerin mit ihrem Hund. Der musste natürlich gleich als Fotomodell herhalten. Die Schulkollegin zierte sich, selbst mit aufs Foto zu kommen. Dass ich die Bilder mit einer spiegellosen Mittelformatkamera mit wahnsinnigen 50 Megapixel Auflösung aufnahm, war ihr auch ziemlich egal. Von aussen betrachtet sieht die Kamera eben gar nicht speziell aus.

Hält man die neue Fujifilm GFX 50S zum ersten Mal in den Händen, fällt auf, dass einem nichts auffällt. Ohne direkten Grössenvergleich erinnert ihr Aussehen und Gewicht an eine normale digitale Spiegelreflexkamera aus der Profi-Liga. Höchstens das Objektiv scheint etwas üppiger ausgefallen zu sein.

Das liegt an dem neu entwickelten, grossen G-Mount-Bajonett von Fujifilm, das einen Durchmesser von stolzen 65 Millimetern aufweist. Die Auswahl an dazu passenden Fujinon-GF-Objektiven ist zurzeit noch überschaubar, deckt jedoch die meisten Einsatzgebiete ab. Zudem lassen sich mit dem H-Mount-Adapter GFX auch Hasselblad-Objektive anflanschen.

Damit sind wir gleich beim engsten Mitbewerber der GFX 50S, der Hasselblad X1D. Im Unterschied zur Fujifilm präsentiert sich diese vor allem als Minimalistin und Beauty-Queen. Ihr Funktionsumfang beschränkt sich auf das Nötigste und das Design kommt schlicht und unauffällig daher.

Kleinere Fujifilm-Kameras kommen im stylischen Retro-Look daher. Dies trifft definitiv nicht auf die GFX 50S zu. Das kantige Gehäuse mit den vielen Tasten und überstehenden Drehrädchen wird kaum einen Schönheitspreis gewinnen. Vor allem der Monitor an der Rückseite tritt etwas bullig hervor. Wenn er dann noch aufgeklappt und der Sucher hochgestellt wird, sieht die GFX 50S gar schon etwas einschüchternd aus.

Die Zielgruppe dieser Kamera sind Profis und Foto-Enthusiasten. «Funktion kommt deshalb vor Design», war wohl das Motto der GFX-50S-Entwickler. Salopp ausgedrückt könnte man sagen, die Hasselblad nimmt man zum Vorzeigen und die Fujifilm zum Arbeiten.

Ein Schnäppchen für Profis

Die GFX 50S entstammt der X-Serie von Fujifilm, die 2011 mit einem APS-C-Sensor auf den Markt kam und bei vielen Profi- und Amateur-Fotografen grossen Anklang fand. Die hervorragende Bildqualität bei vergleichsweise geringen Abmessungen überzeugte Bildermacher in den unterschiedlichsten Bereichen.

Bald kam der Wunsch auf, diese hohe Bildqualität kombiniert mit einem grossformatigen Sensor auch in der kommerziellen und professionellen Studiofotografie einsetzen zu können. Anfang Jahr wurde schliesslich die GFX 50S vorgestellt. Eine Kamera, die laut Fujifilm auf Erfahrungen aus über 80 Jahren Image-Technologie und langer analoger Mittelformat-Tradition zählen kann. Das Resultat sei schlichtweg die beste Bildqualität überhaupt, die je aus einer Fujifilm-Kamera kam.

Das sind grosse Worte, doch der riesige Aufnahmesensor der Fujifilm GFX 50S bringt tatsächlich dermassen scharfe, plastische, detailreiche und durchzeichnete Aufnahmen mit aussergewöhnlich wenig Bildrauschen, wie ich es vorher noch nicht gesehen habe. Das alles hat natürlich seinen Preis. Allein das Kameragehäuse kostet 7520 Franken. Das günstigste Objektiv kommt auf knapp 2000 Franken. Dann noch ein Ersatzakku und der Batteriegriff dazu, und schon ist man bei 10'380 Franken angelangt.

Damit liesse sich schon ein Kleinwagen kaufen, ist aber letztendlich für Profis, die damit Poster in XXL-Format erstellen, eher ein Schnäppchen. Denn noch vor wenigen Jahren hätte eine solche Kamera gut und gern das Fünffache gekostet. Die im Juli 2014 erschienene digitale Mittelformatkamera Pentax 645Z mit derselben Auflösung wie die GFX 50S war mit knapp 10'000 Franken, nur für das Gehäuse, damals schon eine Preissensation. Das Gehäuse der Hasselblad X1D-50c ist aktuell für 9595 Franken zu haben.

Die deutlich niedrigeren Anschaffungskosten einer Fujifilm GFX 50S im Vergleich zu bisherigen digitalen Mittelformatkameras wird auch jüngeren oder nicht so gut betuchten Fotografen die Welt der Mittelformatfotografie öffnen.

Arbeitsgerät zum Zupacken: Voll ausgerüstet sieht die GFX 50S fast schon etwas bedrohlich aus.
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