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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
26. Februar 2017
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MEDIEN

Videokameras für engagierte Amateurfilmer, oft als Prosumer bezeichnet, sind rar geworden. Die Hersteller verweisen auf ihre filmenden Fotokameras und bieten höchstens noch Actioncams oder einfache Familien- und Feriencamcorder mit "Babyfunktion" an.

Diese Lücke versuchte Panasonic schon vor drei Jahren mit dem Prosumer-Modell HC-X1000 zu schliessen. Dieser Camcorder nimmt die Bilder über einen 1/2,3-Zoll-BSI-Sensor auf. Damit erzielt er eine fantastische Detailschärfe und Tiefenwirkung, hat jedoch Probleme bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Dann erscheinen vor allem im Automatikmodus schnell Rauschen und Bildgrieseln auf den Aufnahmen.

Das neue Modell HC-X1 löst dieses Problem mit einem für Videoverhältnisse grossen Ein-Zoll-MOS-Sensor. Dadurch ist es lichtstärker, erzielt schöne Hintergrundunschärfen ("Bokehs") und lässt sich dennoch schnell und präzise scharfstellen.

Damit reiht sich die HC-X1 in die Riege der "Einzöller" ein, die diese Chipgrösse als besten Kompromiss zwischen Bauform, Schärfe und szenischem Filmen mit unscharfem Hintergrund ansehen. Und muss sich gleichzeitig den Mitbewerber wie etwa Sonys FDR-AX100, PXW-X70, der neuen PXW-Z150 oder der Bridgekamera F2000 und der bald erscheinenden Systemkamera Lumix GH5 mit noch grösserem Sensor aus dem eigenen Haus stellen.

Bewährtes übernehmen

Die Herkunft vom HC-X1000 ist unverkennbar. So wurde die Handgriff-Bauform mit den Einstell-Ringen am Objektiv und den versetzt angeordneten XLR-Anschlüssen ebenso übernommen wie die eingebauten ND-Filter und die doppelten Speicherkarten-Einschübe.

Die neue Kamera ist länger geworden und kommt wuchtiger daher. Sie hat meiner Meinung nach durch etwas zu viel Kunststoff ein "plastikhaftes" Aussehen und verliert durch den auffälligen, hinteren "Gummi-Schutz" an Profi-Feeling. Mit einem Gewicht von 2460 Gramm ist sie rund 800 Gramm schwerer als die HC-X1000 und gehört definitiv nicht mehr in den Amateur-Bereich.

Dies zeigen auch die unabhängig voneinander arbeitenden Zoom-, Fokus- und Blendenringe am Objektiv und weitere Schalter und Regler am Gehäuse. Dann gibt es insgesamt 13 Favoriten-Tasten, die der Nutzer mit seinen bevorzugten Einstellungen schnell belegen und auswählen kann. Ausserdem verfügt der neue Camcorder über Hilfsfunktionen, um schnell und präzise manuell scharfstellen zu können.

Ein 8,9 cm (3,5 Zoll) grosses, um 270 Grad drehbares LCD-Display dient als hochauflösender Monitor mit 1,2 Millionen Bildpunkten und als Touchpanel für Kamerabedienung und Menünavigation. Wird es nicht benötigt, lässt es sich komplett in den Haltegriff einschieben. Dann kann die HC-X1 komplett über den mit 1,8 Megapixel hochauflösenden OLED-Sucher und den Kameratasten bedient werden. Der Sucher erleichtert die Bildkontrolle auch draussen im Sonnenlicht und liefert eine ausgezeichnete Farbwiedergabe.

Im Objektiv des HC-X1 sind drei optische ND-Filter eingebaut, um die einfallende Lichtmenge zu reduzieren. So sind auch bei hellstem Sonnenschein lange Belichtungszeiten oder grössere Blendenöffnungen möglich.

Gegen Überhitzung besitzt die Kamera einen Ventilator, dessen leichtes Rauschen in ruhiger Umgebung deutlich zu hören ist. Dies sollte man bei leisen Tonaufnahmen berücksichtigen.

Nicht zu übersehen: Die etwas aufgesetzt wirkende "Gummi-Schutz"-Verlängerung hinten links am HC-X1.
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