15. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
3. April 2002
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Sie sehen aus wie kleine Männlein (oder Weiblein?!), die neben einer Urwaldtrommel stehen. Die Rede ist hier weder von musikalischen Kobolden noch von Schlaginstrumenten, sondern von Design-Lautsprechern mit echt ausgefallenen Formen.

Vom Spezialisten entwickelt

Auch ein schöner Rücken kann entzücken...
Auch ein schöner Rücken kann entzücken...
Die graue Eminenz, die hinter diesen kleinen Kunstwerken steht, ist ein Musikfreak, unter dessen Regie State of the Art Produkte wie B&W Nautilus-Schnecke oder der Emphasis-Schallwandler, der einem Saxophon zum Verwechseln gleicht, entstanden. Robert Trunz, einstiger Leiter und Besitzer von B&W produziert nach seinem Rückzug von B&W unter eigener Regie seit rund 10 Jahren die Minipod-Lautsprecher, die demnächst um einen Centerspeaker fürs Homecinema bereichert werden.

Design- oder klangoptimiert?

Die Formen der Minipod -Speaker erscheinen so, als wären sie bewusst auf Klang optimiert. Die sich den Chassis anpassende Front ist dem Aufbau einer Nautilus 801 nicht ganz unähnlich. Sie reduziert die schädlichen Reflexionen an der Front auf ein Minimum. Das Gehäuse könnte man auch mit der Form einer Violine vergleichen, die aufgrund ihrer stetig verändernden Formradien keine ausgeprägten Resonanzen zulässt. Dies ganz im Gegensatz zu konventionellen Boxen mit parallelen Wänden und relativ grossen Flächen, wo sich stehende Wellen im Gehäuse tummeln und Gehäusevibrationen zu Klangverfärbungen führen können.

Klingender Kunststoff

Auf den eleganten Beinchen oder auf dem Ständer, immer machen die Minipods eine gute Figur.
Auf den eleganten Beinchen oder auf dem Ständer, immer machen die Minipods eine gute Figur.
Die Minipod-Satelliten sind verblüffend leicht, die Wandstärke somit nicht sehr hoch. Wer an das Gehäuse klopft, erzeugt einen hohlen Klang. Spielt die Musik, sind mit den Händen deutliche Vibrationen am Gehäuse zu verspüren. Ob sich dies als üble Verfärbungen auswirkt, zeigt der Hörtest.
Schwer und sehr stabil ist der Subwoofer. Auch das Schutzgitter ist sehr stark, so dass leichtgewichtige Personen fast draufsitzen könnten. Dieser Test-Fall wurde allerdings nicht ausprobiert und erfolgt auf eigenes Risiko!

Hifidele Technik

Die Minipod Satelliten sind mit hochwertigen Chassis bestückt. Den Bassbereich übernimmt ein 13 cm-Chassis mit Kevlar-Membran. Das hohe C wird von einer mittels magnetischer Flüssigkeit gekühlten und bedämpften 2,6 cm-Kalotte mit kräftigen Neodimium Magneten erzeugt. Eine auf minimale Blasgeräusche optimierte Bassreflexöffnung mit stromlinienförmig günstigem Verlauf verstärkt den Tiefbass. Mit einer Empfindlichkeit von 90 dB benötigen diese Speaker nicht viel Leistung, um satte Schallpegel zu erzeugen.
Die Minipod Bass-Station ist ein aktiver Subwoofer mit integriertem 75 Watt-Verstärker. Ein Langhubchassis mit 21 cm-Membran setzt die Luft, unterstützt von einer nach unten gerichteten Bassreflexöffnung, in Bewegung. Wie es bei hochwertigen Subwoofern der Fall ist, lassen sich hier Pegel, obere Grenzfrequenz und Phase regeln.

Center-Speaker in Sicht.

Demnächst erhältlich: Minipod-CenterspeakerDemnächst erhältlich: Minipod-Centerspeaker
Wer sich ein Minipod-Heimkinosystem bauen will , kann noch etwas warten, bis der Centerspeaker Mitte 2002 auf den Markt kommt. Aber auch mit den jetzt erhältlichen Minipods lässt sich ein Surround Set zusammenstellen. Den Centerspeaker hängt man am besten mit einem dazu passenden Wandständer über den TV.

Meist zu laut

Anschlusspanel des aktiven Subwoofers
Anschlusspanel des aktiven Subwoofers
Eine nicht ganz leichte Sache ist es, den Subwoofer schallpegelmässig und in Bezug auf obere Grenzfrequenz an die Satelliten anzupassen. Meist wird der Subwoofer, für den man ja teuer bezahlt hat, zu laut eingestellt. Eine bewährte Methode ist es, sich die ersten 60 Sekunden eines Stückes erst mal ohne Subwoofer anzuhören. Mit Subwoofer darf der Bass nicht stärker, sondern lediglich tiefer wirken. Da es Verstärker gibt, welche die Phase drehen aber auch je nach Aufstellung der Boxen, muss am Phasenregler die 0 - oder 180 Grad Position gewählt werden. Diejenige Stellung, bei welcher der Bass am kräftigsten kommt, ist die richtige.

Viel besser als erwartet...

Wer aufgrund der doch recht dünnen Gehäusewände einen resonierenden Sound erwartet hätte, sieht sich getäuscht. Gleich von den ersten Paar Takten mit anspruchsvoller Musik kam bei den Testhörern Freude auf. Sehr schön wirken die transparenten Mitten und brillant zeichnet die Soft-Kalotte auch hohe Streicher ohne unnatürliche Schärfe in den Abhörraum. Die Satelliten erzeugen auch solo ein ansprechendes Klangbild, natürlich mit einem eher unterbelichteten Tiefstbass.

Erst mit dem Subwoofer geht die Post so richtig ab. Markante Paukenschläge und sehr tiefe, präzise Orgelbässe erfüllten den Abhörrraum. Bei jazzigen Klängen waren die Basslinien sehr schön mitzuverfolgen. Da gabs kein Dröhnen und Verschmieren. Zu loben ist auch das Rundstrahlverhalten, verbunden mit einer breiten Stereohörzone und schönen Räumlichkeit. Dass die unkonventionellen Formen keineswegs nur ein Design-Gag sind, hört man auch bei der Stimmwiedergabe. Überraschend sauber und glockenrein kommen Chor- und Solo-Stimmen. Auch hier sucht man vergeblich das Haar in der Suppe, denn von störenden Resonanzen ist echt nichts zu hören. Ganz gewiss gibt es audiophile Kleinboxen mit neutralerem Klang: Diese sind aber deutlich teurer und lassen den optischen Reiz vermissen.
Höhere Pegel verkraftet das System ohne mit der Wimper zu zucken. Auch massive Auslenkungen des Basschassis der Satelliten führen zu keinerlei Verzerrungen, und auch das berüchtigte Anschlagen der Schwingspulen tritt erst bei sehr knallfreudigem Klangmatertial vereinzelt auf.

Fazit

Die Minipods, neu durch einen urwaldtrommel-ähnlichen Subwoofer ergänzt, bieten eine durchaus ernst zu nehmende Klangqualität. Den optischen Reiz, gib'ts noch gratis als Supplement hinzu.
STECKBRIEF
Preis:
Minipod 890.- Paar, Bass-Station 1290.-
Profil:
Extravagante Design-Lautsprecher made in UK, mit durchaus ernst zu nehmender Klangqualität
Pro:
Gelungenes Design,
Bemerkenswert guter Klang
Contra:
-
Ausstattung:
Minipod Lautsprecher
2-Weg, bassreflex
Subwoofer mit eingebauter Endstufe
Technische Daten:
Minipod Lautsprecher
BxHxT: 21 x 34 x22 cm
Subwoofer
H=52.9cm, Durchmesser=34,8 cm
Leistung : 75 Watt
Wettbewerb