Die Q110 waren nicht die ersten Sonox, die ich gehört habe. Vor ein paar Monaten standen die kleineren Q80 bereits bei mir. Sie spielten sauber, die Höhen störten nie, die Mitten waren kräftig und fein zugleich. Und trotzdem fehlte etwas.
Die Q80 reichen erstaunlich tief. Aber zwischen Mittelton und Tiefbass klaffte eine Lücke. Der Grundton, also der Bereich, der einem Kontrabass Körper und einer Bassdrum Gewicht gibt, kam zu schlank. Die Q110 sollen genau dort ansetzen. Sie sind das neue Spitzenmodell der Q-Serie: 104,5 cm hoch, nur 17,5 cm breit, mit vier Subbässen. Kann das die Lücke schliessen?
Getestet habe ich am NAD C 3030 S, einem kompakten Class-D-Vollverstärker mit 50 Watt pro Kanal und Streaming. Also nicht an einer Endstufe, die alles zurechtbiegt, sondern an einem Verstärker, wie ihn Käufer dieser Preisklasse tatsächlich daheim haben. Als Quelle diente der im NAD integrierte BluOS-Streamer, die Musik kam von Tidal.
Sonox ist Rowen
Sonox ist kein Start-up. Auf der Website steht unscheinbar «sonox by Rowen». Dahinter steckt die Schweizer Lautsprecher- und Verstärkermarke aus Düdingen FR, deren Lautsprecher bei Dynavox gefertigt werden. avguide.ch war dort zu Besuch. Rowen verkauft fast ausschliesslich in der Schweiz und ist deshalb eher Kennern ein Begriff. Mit dem Refyn hat die Marke zuletzt gezeigt, dass sie auch ungewohnt modern gestalten kann.
Sonox ist die einfachere und günstigere Linie von Rowen. Entwickelt wird in der Schweiz, gebaut aber in Fernost, was die Preise erklärt. Den Anfang machte die designorientierte X-Line, danach folgten die Q30 und die Q80. Die Q110 ist das jüngste und grösste Modell der Q-Serie.
Die Technik
Die Q110 sind ein geschlossenes Drei-Wege-System ohne Bassreflexöffnung. Vier Subbässe mit 13 cm Durchmesser sitzen in eigenen Kammern, zwei strahlen nach vorne, zwei nach hinten. Ihre Flachmembranen sind bewusst schwer. Die zusätzliche Masse senkt die Resonanzfrequenz, die kleinen Chassis reichen dadurch tiefer, als ihre Grösse vermuten lässt. Der Preis dafür ist der Wirkungsgrad, denn eine schwere Membran braucht mehr Kraft für denselben Pegel.
Klein aber schwer: eine von vier Flachmembranen aus dem Hause Rowen.Darüber arbeitet ein 13-cm-Tief-/Mitteltöner in einer separaten Kammer, ebenfalls ohne Weiche nach unten. Ihn bremst das Luftpolster in seiner geschlossenen Kammer. Unter rund 100 Hz fällt sein Pegel allmählich ab. Bei 4300 Hz übernimmt eine 18-mm-Gewebekalotte. Subbässe und Mitteltöner haben Kartonmembranen, das Gehäuse besteht aus 18-mm-MDF. Dort sitzt auch die einzige echte Weiche. Sie ist puristisch aufgebaut, mit Filtern erster Ordnung (6 dB pro Oktave), einer Luftspule in Serie zum Mitteltöner und einem Polypropylen-Kondensator vor dem Hochtöner.
Der Filter erster Ordnung hat einen Vorteil und einen Haken. Der Vorteil ist, dass sich beide Wege in der Theorie phasen- und zeitrichtig addieren. Ein Impuls kommt also so am Ohr an, wie er aufgenommen wurde. Der Haken ist der breite Übergang, beide Treiber spielen über einen grossen Bereich gemeinsam. Das klappt nur, wenn sie klanglich zusammenpassen. Deshalb hat Sonox Subbass und Mitteltöner neu entwickelt, passend zum bestehenden Hochtöner.
Warum die Q110 die Lücke schliessen
Die Lücke der Q80 liegt im Übergang zwischen Bass und Mittelton, grob zwischen 100 und 200 Hz. Dort müssen beide Treibergruppen gemeinsam Schalldruck liefern. Ohne Weiche blenden sie hier von selbst ineinander über. Der Mitteltöner wird nach unten leiser, die Subbässe nach oben. Hat die Bassabteilung in diesem Bereich zu wenig Reserve, sackt die Summe ab. Man hört Tiefbass und Mitten, aber dazwischen fehlt der Körper.
Und hier ist der Unterschied drastisch. Die Q80 haben einen einzigen Subbass, der nach vorne strahlt, die Rückseite ist geschlossen. Die Q110 haben vier: zwei vorne und zwei hinten. Das ist die vierfache Membranfläche im Bass, und auch die Waage zeigt den Unterschied mit 20 statt 13 kg pro Box. Für denselben Pegel muss jede Membran damit nur noch einen Viertel des Hubs machen. Die schweren, wenig effizienten Subbässe arbeiten so entspannter und liefern auch oben im Bassbereich noch genug Pegel, um dem Mitteltöner die Hand zu reichen. Je nach Wandabstand profitieren die nach hinten strahlenden Subbässe zudem von der Rückwand, was den Grundton zusätzlich stützen kann.



