TESTBERICHT
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Publikationsdatum
18. Juni 2020
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Musik hören auf Zuruf? Dafür gibt es Google Home: «Hey Google!» Oder Amazon Alexa: «Alexa!» usw. Und natürlich Spotify, von wo die gewünschte Musik gespielt wird. Woran man sich bei Lifestyle-Audio-Komponenten längst gewöhnt hat, das gibt es am Beispiel des Cyrus One Cast auch für HiFi mit High-End-Ambitionen. Cyrus bringt mit der dritten Ausführung des Universal-Verstärkers One, dem One Cast, genau die Lösung, auf die HiFi-Traditionalisten überhaupt nicht gewartet haben.

Das überrascht nicht: Traditionalisten warten nie auf etwas. Und für die Zielgruppe, die sich bei Neuerungen dieser Dimension bestenfalls neugierig auf den Hochsitz des Beobachters begibt, ist der One Cast auch nicht gedacht. Jedenfalls nicht mit aktivierter Sprachsteuerung. Cyrus will mit dem One Cast einer neuen Kunden-Zielgruppe das Tor zu wirklich schönem Musikgenuss öffnen – und diese neuen Kunden legen Wert auf Dinge wie Sprachsteuerung. Das machen Sie auch, um das Licht zuhause einzuschalten und dann zu dimmen, nachdem sie am Ende des Arbeitstags wirklich zuhause angekommen sind.

«Cast» deutet allerdings nicht auf die Sprachsteuerung hin, sondern auf Chromecast. Der irrwitzig kleine und günstige Mediaplayer-HDMI-Dongle von Google hängt auch schon an meinem TV und stellt dort sicher, dass ich mit Smart-Geräten jeden Bild/Ton-Inhalt von Chromecast-fähigen Apps abspielen kann: Youtube, Disney Channel, TED, Qobuz, Netflix, Roon Display undsoweiterundsofort.

Wenn man nun Chromecast nur für Audio verwendet und wissen will, wie gut die Dinger «klingen», dann findet man eine seltene Einigkeit in einschlägigen Internet-Foren. Eine verblüffend harmonische Gemeinschaft anerkennender Stimmen, gerade wie ein Chor auf der Bühne. Man mag nicht in Superlativen schwelgen, was angesichts der 50 CHF für ein Chromecast-Gerät auch überraschen würde, doch stimmen selbst die Kritischsten zu, dass es wirklich hinhaut und Bluetooth in jeder Codec-Variante locker auf die Plätze verweist.

Je nach digitaler Auflösung des Streams «kann» Chromecast 24 Bit/96 kHz. Zudem wird nebst mehreren Formaten mit digitaler Kompression auch WAV und eben FLAC unterstützt. CD-Qualität ist also immer drin und in gewissen Fällen sogar Hi-Res. Davon kann Bluetooth nur träumen.

Im Cyrus One Cast ist Chromecast integriert. Das erfordert im Heimnetzwerk eine kurze Installation. Im Video «Voice Controlling (an overview)» nimmt sich der Presenter auch Zeit zu argumentieren, dass man Musik auf diese Weise halt viel schneller findet, als wenn man auf einer App danach sucht. Das trifft aber nur bedingt zu. Mit der Sprachsteuerung ist es schwieriger und mitunter unmöglich, mittels Sprachbefehlen Musik sehr spezifisch zu suchen. Die Anwendung von Sprachsteuerung konzentriert sich auf «Easy Listening». Wer keine Lebenssituation im Heim findet, in der das etwas bringt, der nutze eine Cast-fähige App und wähle als Ausgang den Cyrus One Cast. Mit Qobuz lief das wie geschmiert.

Eingangswahl von oben nach unten: Chromecast; Bluetooth; HDMI; USB; Coax; TosLink; Phono; AV (analog).Eingangswahl von oben nach unten: Chromecast; Bluetooth; HDMI; USB; Coax; TosLink; Phono; AV (analog).

Der Cyrus One Cast verbindet sich nach dem Einschalten automatisch mit einem bestehenden WLAN. Es sollte natürlich dasselbe WLAN sein, mit dem die Smart-Geräte mit den Cast-fähigen Apps verbunden sind. Nach dem Einschalten blinkt die Chromecast-LED ganz oben und wechselt dann auf permanent Grün.

Will man eine Sprachsteuerung nutzen, nimmt man, wie in unserem Testfall, ein Google-Home-Mini-Gerät oder andere Google-Home-Geräte. Wenn man diese ans Stromnetz anschliesst, sind sie nach 2 bis 3 Minuten mit dem Netzwerk verbunden. Dann braucht man nur noch (leider) wörtlich zu sagen: «Hey Google, spiele Beethoven, die fünfte Sinfonie auf Cyrus One Cast!». Google wird das dann bestätigen und spielt dann irgend eine Aufnahme selbiger Sinfonie von Spotify ab, auf Befehl auch leiser oder eben lauter.

Die drei Videos in diesem Testbericht gehen schon fast akribisch auf die Sprachsteuerung mit Google oder Alexa ein. Vorteil: Es geht schnell und man braucht die Hände nicht dazu. Nachteil ist die eingeschränkte Wahl: Mit Cast-fähigen Apps wie Qobuz kann man viel spezifischer suchen. Will man Musik nicht nur nebenbei hören und nicht von Spotify, dann wird man auf Voice Control verzichten.

Warum legt Cyrus so viel Gewicht auf die Sprachsteuerung? Der One Cast klingt ja mit Chrome Cast integriert sehr gut – und dies natürlich nicht wegen der Sprachsteuerung. Cyrus geht es nach wie vor um guten Klang, doch mit Voice Control transportiert man das Gerät wirkungsvoll an neue Kunden, die das Thema Klangkultur vielleicht im ersten Moment noch etwas hinten anstellen.

Google Home Mini für die Sprachsteuerung des Cyrus One Cast.Google Home Mini für die Sprachsteuerung des Cyrus One Cast.
Für das Setup wurde nebst dem Heimnetzwerk testweise auch eine Fritzbox eingesetzt.Für das Setup wurde nebst dem Heimnetzwerk testweise auch eine Fritzbox eingesetzt.
Anschlussfeld. Oben von links: HDMI; USB; Coax; TosLink. Im Zentrum der Vorverstärkerausgang z. B. für Aktivlautsprecher. Daneben AV-Analogeingänge. Rechts davon die Phono-Eingänge.Anschlussfeld. Oben von links: HDMI; USB; Coax; TosLink. Im Zentrum der Vorverstärkerausgang z. B. für Aktivlautsprecher. Daneben AV-Analogeingänge. Rechts davon die Phono-Eingänge.

Der Cyrus One Cast ist ganz generell vermutlich das zurzeit funktional umfassendste HiFi-Gerät auf dem Markt. Nebst Voice Control und Chromecast gibt es natürlich auch Airplay und Bluetooth. Für die Integration in ein TV/AV-System gibt es einen HDMI(ARC)-Eingang. Dank ARC kann man die Lautstärke mit der TV-Fernbedienung regeln. Für die Fernbedienung gibt es die bereits bewährte One Remote von Cyrus für Smart-Geräte. Digitale Eingänge reichen von USB über SPDIF coaxial bis TosLink. USB 2.0 unterstützt eingangs bis 32 Bit und 192 kHz sowie DSD128(DOP). Software-Updates erfolgen automatisch.

Analoge Eingänge gibt es auch. Die Phono-Stufe für MM ist ausgezeichnet. Und ein Hochpegeleingang, mit AV bezeichnet, ist auch vorhanden. Nebst den Anschlüssen für passive Lautsprecher gibt es einen Vorverstärkerausgang für analoge Aktivlautsprecher oder externe Endstufen und einen schönen, fetten Kopfhörerausgang mit dahinter befindlichem Vorverstärker. Alles vom Feinsten.

Will man den Cyrus One Cast mit Roon steuern? Nichts einfacher als das. Das funktioniert über Chromecast und macht den One «Roon Ready», ehe man es sich versieht.

Alles, was der Cyrus One Cast nicht kann, wäre zu viel verlangt: Konzept-bedingt hat er keinen eigenen Mediaplayer. Wer die Möglichkeit bekommt, Chromecast-fähige Apps zu nutzen, dem steht quasi die Welt offen. Erforschen muss man sie selber. Er hat auch keinen Digitalausgang für digitale Aktivlautsprecher oder externe DACs. Cyrus grenzt sich nicht mit einem eigenen Universum von Drittanbietern ab, aber man bleibt beim Grundnutzen des Vollverstärkers für passive Lautsprecher mit extremer Konnektivität am Eingang und maximaler Bedienbarkeit inklusive Sprachsteuerung.

Betreffend Verstärker-Technologie ist ein Cyrus-Hybrid-Class-D-Verstärker der 4. Generation mit einer Ausgangsleistung von 2 x 100 W (in 6 Ω bei 0,1 % THD + N) im Einsatz. Dazu gibt es die automatische Kalibrierfunktion SID = Speaker Impedance Detection (kalibriert den Verstärker automatisch auf die Lautsprecher). Das ist bei Lautsprechern mit kritischem Impedanzverhalten ein Segen.

3 Videos zur Sprachsteuerung

Klangzauber mit Kalibrierung

Wir haben alle One-Geräte getestet. Der Cyrus One, der Cyrus One HD mit den One-Linear-Lautsprechern und nun eben den Cyrus One Cast. Bei diesem Test kamen zwei unterschiedliche Regallautsprecher zum Einsatz: Die Dali Opticon 1 mit einer Nominalimpedanz von 4 Ohm und die LS 3/5a mit 15 Ohm(!) Nominalimpedanz.

In beiden Fällen erfolgte eine Kalibrierung mit SID. Bei den Dali Opticon 1 war die klangliche Verbesserung vor allem im Bassbereich gut hörbar. Bei den LS 3/5a war keine vergleichbare Wirkung zu erzielen. Das überrascht nicht: 15 Ohm mit hoher Konstanz sind für alle Verstärker ein Zuckerschlecken, sogar für schmalbrüstige single-ended Röhren-Preziosen mit lausigem Dämpfungsfaktor. Der Soundcheck erfolgte in einer Nahfeld-Aufstellung mit einem Meter Hörabstand.

Cyrus One Cast. Cyrus One Cast.

Der One Cast unterscheidet sich klanglich nicht vom One HD. Über den USB-Eingang zeigte sich das maximale Potenzial. Mit Qobuz über Chromecast klang es aber immer noch sehr gut, und das kann der One HD ja nicht. Ich habe immer wieder verglichen zwischen USB vom Roon Core in meinem PC und Qobuz via Chromecast. Wow!

Es macht einen Höllenspass mit beiden Lautsprechern, und Chromecast hat mich wirklich nicht einmal annähernd enttäuscht. Der Klang ist natürlich von der Qualität des Streams abhängig. Spotify kann mit dem Luxus der Sprachsteuerung aufwarten, aber der Stream ist halt nicht das achte Weltwunder.

Fazit

Der Cyrus One Cast ist zweifellos der zurzeit fortschrittlichste unter den bezahlbaren Vollverstärkern für passive Lautsprecher mit extremer Konnektivität am Eingang und maximaler Bedienbarkeit inklusive Sprachsteuerung. Die Impedanzkalibrierung maximiert die Klangqualität an verschiedenen Lautsprechern eindrücklich. Er kostet 1690 CHF und ist auf jeden Fall den Gang zum Fachhändler wert.

STECKBRIEF
Modell:
ONE Cast
Profil:
Kostengünstiger Vollverstärker mit maximalem Bedienkomfort inkl. Sprachsteuerungen, Chromecast-Anbindung, HDMI (ARC), Audio-Digitaleingängen und Analogeingängen inkl. Phono MM.
Pro:
Funktionsumfang
Sprachsteuerung
Evolution der Anwendungen dank Chromecast
Cyrus Hybrid Class D-Verstärker, 4. Generation
SID: Impedanz-Kalibrierung für alle Lautsprecher
Sehr guter Klang
Contra:
nix
Preis:
1,690.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2020
Vertrieb:
Masse:
85 x 220 x 390 mm
Gewicht:
5.6 kg
Farbe:
schwarz
Airplay:
Ja
Bluetooth:
Ja
Chromcast:
Ja
Roon Ready:
Nein
Spotify Connect:
Nein
Symmetrischer Eingang:
Nein
WiFi:
Ja
Analog Input:
AV, Phono MM
Analog Output:
Vorverstärker-Ausgang
Bluetooth Codecs:
aptX.HD
Digital Input:
USB, HDMI(ARC), SPDIF, Toslink
Maximale Leistung:
2 x 100 (6 Ohm) Watt
Remote App:
ja
Verstärkerleistung 8 Ohm:
ca. 2 x 100 Watt