17. August 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
ARTIKEL
Publikationsdatum
3. November 2008
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In einer Zeit, wo sich Musik auf verschiedensten Tonträgern findet, wäre es eigentlich naheliegend, Geräte auf den Markt zu bringen, die sich Medien übergreifend mit traditionellem HiFi genau so auskennen wie mit den Musiksammlungen auf Mediaplayer oder Netzwerkspeicher.

Denn selbst wer aus Liebe zum guten Klang weiterhin seine analoge LPs pflegt und keinen Sinn drin erkennt, alles zu digitalisieren, besitzt heute einen iPod für unterwegs und hört auch gerne mal - vorzugsweise werbefrei - Internetradio.

Multitalent gesucht

Doch alles aus einem Gerät zu bekommen, ist schwieriger als man denkt. Insbesondere wenn man gewisse Ansprüche an den guten Klang stellt. Die meisten Netzwerk-Player stammen von Firmen aus der IT-Industrie. Die spielen zwar meist vorbildlich alle, und damit auch unkomprimierte Formate ab, fügen sich aber schlecht in bestehende Heimsysteme ein.

Genau umgekehrt verhält es sich bei den Geräten der klassischen UE-Hersteller. Sie passen optisch und vom Bedienkomfort ins Wohnzimmer, gebärden sich aber bieder in der Unterstützung von unkomprimierten Musikformaten wie FLAC oder WAV und werden damit unattraktiv für anspruchsvolle Musikhörer.

Wie wenn es einen Gral zu hüten gäbe, gebärden sich die HighEnd- oder Semi-HighEnd Hersteller, die mit wenigen, teuren Ausnahmen sich    viel zu oft auf konventionelles HiFi ab CD oder Vinyl beschränken. Komponenten, die auch Netzwerkmedien umfassend nutzen und höheren klanglichen Ansprüchen genügen, sind rar oder überteuert.

Die Lücke hat Pioneer erkannt und zeigt sich - wie schon oft in der Vergangenheit - der Konkurrenz einen Schritt voraus. Der anlässlich der HighEnd 2008 in München vorgestellte PDX-Z9 schlägt eine Brücke zwischen traditionellem HiFi und modernen Medien. Und dies in einer schönen Verpackung und hifidelem Innenleben, sprich einer sorgsam auf guten Klang getrimmten Audiosektion.   

Vielseitigkeit als Programm

Der PDX-Z9 akzeptiert von Phono bis Netzspeicher alle aktuellen Audioquellen

Über mangelnde Flexibilität muss man sich beim PDZ-9 wirklich nicht beklagen. Wie kein anderes Gerät spielt er sämtliche heute verfügbaren Musikmedien ab. Das fängt an beim MovingMagnet Phonoeingang für Vinyl-Liebhaber, geht über zur leider viel zu wenig beachteten SACD in Form eines SACD/CD-Kombilaufwerkes und setzt sich fort im RDS UKW-Tuner bis hin zu aktuellen Medien wie Ipod, USB-Festplatten und Netzwerkquellen.

Internetradio spielt er natürlich auch und wenn es sein muss, akzeptiert er über einen analogen Mini-Klinkeneingang auch portable Audiogeräte älteren Ursprungs wie etwa eine Mini-Disk.

Dass der PDX-Z9 keine interne Festplatte besitzt, ist eher ein Vorteil. Denn jede fest eingebaute interne Festplatte ist einmal voll oder nimmt gar Schaden und ist dann nur schwer ersetzbar. Externe Festplatten hingegen sind als RAID 1 geschaltet erstens ausfallsicherer und können bei Bedarf mit relativ geringem Aufwand durch ein aktuelles Modell mit grösserer Kapazität und meistens auch höherem Datendurchsatz ersetzt werden.

Hinzu kommt, dass das Rippen von CDs auf einem modernem PC ungleich schneller ist als auf UE-Geräten.

Schickes Kleid

Trotz Kunsstoffgehäuse wirkt der PDX-Z9 edel und elegant

In seinem tiefschwarzen, Pioneer typischen "Kuro"-Kleid mit runden Ecken präsentiert sich der PDX-Z9 edel elegant und doch unaufdringlich. Die Gehäusewände sind aus Kunststoff, wirken aber trotzdem sehr solide.

Ausser dem angenehm grossen Lautstärkeregler und dem etwas zu kleinem Display sind keine Bedienelemente sichbar. Die grundlegenden Funktionen des CD/SACD-Players sowie die Quellenwahl sind über eine Folientastatur auf der Oberseite anwählbar.  Alle weiteren Bedienelemente lagerte Pioneer auf die Fernbedienung aus.

Unter der Haube ist der PDX-Z9 alles andere als eine Mogelpackung. Kritische Komponenten sind mit einem Gehäuse-im-Gehäuse gegenüber den Störfeldern der Digitalsektion und des geschaltetes Netzteils abgeschirmt. Die beiden digitalen Endstufen wurden direkt vor den Ausgangsbuchsen platziert. Das gibt kurze Signalwege.

Gelungenes Soundtuning

Seit geraumer Zeit zieht Pioneer bei der Entwicklung der Audioprodukte die renommierten Spezialisten der Londoner Air Studios bei. In allen Entwicklungsphasen beurteilen die Sound Engineers der Air Studios die Klangeigenschaften, stehen beratend zur Zeit und erarbeiten im Zusammenarbeit mit den Pioneer Ingenieuren Detaillösungen zur Klangverbesserung.

Der Aufwand macht sich durchaus bezahlt. Der PDX-Z9 besitzt eine hohe Klangkultur, wie man es in dieser Preisklasse kaum erwarten würde. Ob es der britische Einfluss ist, wenn er bei Choraufnahmen sogar mit einer lieblichen, feinsinnigem Note aufwarten kann?

Jedenfalls hat sein warmes Klangtimbre Stil und kommt ihm bei jeder Art von Musik zugute. Nie wirkt die Klangentfaltung ordinär oder aggressiv. Sauber baut der PDX-Z9 bei symphonischer Musik eine breite und tief gestaffelte Klangbühne auf und behält auch im Fortissimo die Übersicht.

Superbass II auf SACD ein wahrer Ohrenschmaus

Im Tieftonbereich kommen die Vorteile der Digitalendstufen zum Tragen. Stabil und konturiert geht der PDX-Z9 bei der SACD Superbass 2 mit Ray Brown und John Clayton zu Werke. Der knorrige und straffe Grundtonbereich und der feingeistige Mittel-/Hochtonbereich ergeben ein sehr gepflegtes, musikalisches Ambiente, dass auch nach der mehrwöchigen Testphase noch Spass machte.

Der PDX-Z9 empfiehlt sich für hochwertige Kleinlautspecher und unkomplizierte Standlautsprecher mittlerer Grösse mit gutem Wirkungsgrad. Da reichen seine zwei mal fünfzig Watt vollends aus und man erhält ein kultiviert klingendes, hochwertiges Audiosystem.

Wer dann noch ein paar SACD sein eigen nennt, weiss mit dem PDX-Z9, auf welch hohem Niveau man eigentlich heute Musik hören kann. Wenn schon viel Geld ausgeben wird für eine Disk im MP3-Download Zeitalter, sollte es schon die Qualität einer SACD sein. Dafür gibt man dann auch gerne die dreissig Franken aus. Schön, dass Pioneer gleich mehrere SACD-Spieler im Sortiment anbietet.

Moderne Medien

Hinter der "Home Media Gallery" verstecken sich die Anwahl für Ipod, USB-Speicher und Netzwerkserver

Unter "Home Media Gallery" fasst Pioneer das Streaming von Musikfiles ab PC oder NAS-Speicher, den Zugriff auf USB-Festplatten oder Musikplayer, Internetradio sowie den iPod zusammen.

Der iPod wird mit einem Spezialkabel verbunden, was die Steuerung des Ipods über die Fernbedienung erlaubt. Das Audiosignal wird vom iPod allerdings nur analog übertragen. Apple macht es den Herstellern immer noch extrem schwer, die Daten bitweise vom millionenfach verkauften Player auszulesen. Dahinter steht die Angst, kopiergeschützte Titel aus dem Apple iTunes Store könnten unrechtmässig kopiert werden.

Die Textanzeige der Internetstationen während dem Scrollen ist nicht sehr gross, aber dank der schwarzen Frontblende selbst aus einiger Entfernung noch gut lesbar. Als Senderarchiv dient der bewährte vTuner. Die Senderwechsel gehen sehr schnell von statten. Um sich nicht jedes mal durch die langen Listen von Radiostation zu angeln, lässt sich eine handliche Favoritenliste erstellen.

Über USB werden alle 'Nicht-iPod-Musikplayer' sowie USB-Sticks und externe, mit FAT32 formatierte Festplatten verbunden. Bereits integriert ist die Digitale Rechte Verwaltung für Windows Media Audio Files wie sie zum Beispiel von Ex Libris und anderen Donwload Portalen angeboten werden.

Mittels einer Klangaufbereitung lässt sich datenreduziertes Material etwas aufpeppen. Der PDX-Z9 bietet zudem verschiedene Soundmodi zur Klangbeeinflussung an, von lebhaft vital bis relaxed entspannend.

Für verrauschte Klangquellen steht zusätzlich eine Rauschminderungsfunktion bereit. Ob man diese Klangbearbeitungen braucht, kommt auf die Quelle an. Während des Testes konnte nwir gut darauf verzichten.

Genialer Netzwerkplayer

Das Browsen durch die Internetradiostation und Musikfiles geht nur über die Fernbediung

Ins Netzwerk klinkt man sich mittels Ethernet-Kabel ein. Eine drahtlose WLAN-Verbindung fehlt leider. Der integrierte Netzwerk-Player ist neben dem SACD-Laufwerk und dem guten Allgemeinklang ein weiteres Highlight des PDX-Z9.

Mit dem im avguide.ch Labor-PC installierten TVersity Server - es könnte aber auch ein NAS-Speicher mit einem DLNA kompatiblen Server sein -, verband er sich sekundenschnell und ohne jegliche Konfiguration. Erstaulich flott liess sich mit der Ferndienung durch die Alben und Genres browsen. Unterstüzt werden auch die auf dem Server hinterlegten Playlists.

Wie auch über den USB-Anschluss spielt er im Netzwerk nicht nur die gängigen MP3, WMA und AAC Dateien, sondern auch unkomprimierte FLAC-Files und lineares PCM. Damit erhebt sich der PDX-Z9 endgültig aus der Lifestyle-Ecke und wird zu einem richtig seriösem Audioreceiver für guten Klang.

Denn in Zeiten, wo Speicherplatz billig zu haben ist, macht es wirklich keinen Sinn, sich ein Musikikarchiv mit einem datenreduzierten Format aufzubauen. Dass erst wenige Download-Portale unkomprimierte Formate anbieten, ist dann allerdings wieder ein anderes - leidiges - Thema.

Fazit

Der PDX-Z9 ist eine rundum durchdachte, schicke Audiozentrale mit einem erfrischend einfachen Konzept. Der Musikspezialist kennt keine Berührungsängste und fühlt sich mit Vinyl als auch im Netzwerk wohl.

Zur Zeit gibts auch für mehr Geld kein anderes Gerät, das eine so breite Palette an Audioquellen in so einem kompakten Gerät verarbeiten kann. Dass dabei erst noch mit einer hohen Klangkultur und der Unterstützung von unkomprimierten Formate aufwarten kann, setzt ihm auch angesichts des moderaten Preise die Krone auf.

STECKBRIEF
Modell:
PDX-Z9
Profil:
Der schicke Pioneer PDX-Z9 Audioreceiver kennt keine Berührungsängste und fühlt sich mit Vinyl, der SACD als auch im Netzwerk wohl.
Pro:
Phonoeingang;SACD-Laufwerk;Netzwerkplayer;unterstützt FLAC
Contra:
kein WLAN
Preis:
1,499.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2008
Vertrieb:
Masse:
386 x 88 x 347 mm
Gewicht:
5 kg
Farbe:
schwarz
Analog Input:
Cinch Stereo
Audioformate:
CD, SACD, MP3, WMA, MPEG-4 AAC
Komponenten:
Phone, CD, SACD, Netzwerkplayer, Verstärker
Leistungsaufnahme:
47 W
Leistungsaufnahme Standby:
0,4 W
Maximale Leistung:
2 x 40 Watt
Schnittstelle:
1 x Phono, 1 x iPod, 1 x LAN, 1 x USB, 1 x Kopfhörer
Wettbewerb