17. November 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
14. April 2003
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"KEF Reference" ist ein klingender Name unter audiophilen Zeigenossen. In der letzten Generation eher ein Geheimtip für Klassikliebhaber, avancieren die rundum erneuerten Spitzenboxen zu echten Universalisten mit besonderen Stärken punkto Räumlichkeit und Spielfreude.

Natürlich Klangentstehung

Markenzeichen des britischen Traditionsherstellers ist seit jeher das patentierte, nun grundlegend überarbeitete "Uni-Q"-Konzept.

Den gesamten tonalen Bereich über ein einziges Koaxialchassis zu übertragen bringt Vorteile bezüglich einer räumlich homogenen Abstrahlung, da hier das Ideal einer punktförmigen Schallquelle am weitesten verwirklicht ist.

Da der Hochtöner im Zentrum des Tiefmitteltöners nahtlos integriert ist, resultiert im Unterschied zu diskreten Zwei- oder Mehrweglautsprechern ein gemeinsames akustisches Zentrum, was der natürlichen Klangentstehung bei einem Instrument oder einer menschlichen Stimme entgegenkommt.

Grundlegende Neuentwicklung

Die effektive Innenversteifung verhilft dem Gehäuse zu einem extrem geringen Verlustfaktor.
Die effektive Innenversteifung verhilft dem Gehäuse zu einem extrem geringen Verlustfaktor.
Mit ihren Vorgängern haben die aktuellen Reference-Modelle nur noch wenig gemeinsam. Auffälligste Veränderung bilden – neben dem unübersehbaren "Super-Tweeter" – die sichtbaren Basschassis.

Die letztjährigen Modellen arbeiteten im Tieftonbereich noch nach dem Bandpass-Prinzip: Der Tieftöner arbeitete "versteckt" in einer Kammer auf ein Zwischenvolumen, welches wiederum über eine definierte Öffnung den Schall an den Hörraum abgibt. Dieses Prinzip gewährleistete zwar einen hohen Wirkungsgrad, überzeugte aber punkto Impulswiedergabe nicht hundertprozentig.

Nun hat man sich bei KEF neu orientiert und setzt ganz konventionell auf das Bassreflexprinzip, welches bei sauberer Abstimmung eine konturierte, tiefreichende Basswiedergabe erwarten lässt.

Akustisch optimales Gehäuse

Punkto Design orientieren sich die neuen Reference am aktuellen Trend abgerundeter, nach hinten sich verjüngender Gehäuse.

Diese aufwendige, in der Herstellung teure Bauweise sieht nicht nur toll aus - die Boxen wirken zierlicher, sprich wohnraumfreundlicher - sondern bringt handfeste akustische Vorteile, indem die rückwärtige Schallabstrahlung der Basschassis weniger stehende Wellen produziert als bei einem rechteckigen Querschnitt.

Hinzu kommt eine sehr effektive Innenversteifung, die dem Gehäuse zu einem extrem geringen Verlustfaktor verhilft. Diese besondere Bauweise verhilft den KEF zu einer impulssauberen Bass- und Grundtonwiedergabe bei hohem Wirkungsgrad.

Die Innenbedämpfung der Gehäuse ist sehr wirksam, was man daran merkt, dass man beim Handauflegen während der Wiedergabe kaum etwas von Vibrationen verspürt.

Obertonbrillanz durch Hypertweeter

Ebenfalls um eine grundlegende Innovation bei KEF handelt es sich beim aufgesetzten "Hypertweeter": Er erweitert oberhalb von 15 kHz (!) den Übertragungsbereich bis über 50 kHz hinaus (Herstellerangabe).

Damit soll er nicht nur für eine "luftigere" Wiedergabe mit feiner Obertonbrillanz sorgen, sondern die Boxen gleichzeitig fit für die hochauflösenden Tonträger SACD und DVD-Audio machen.

Neuer "Uni-Q"-Koaxialtreiber

Überarbeitet wurde auch das eigentliche Kernstück der Reference Serie: Der koaxiale "Uni-Q"-Treiber kommt erst ab 400 Hz zum Einsatz, weshalb man ihm eine vollständig flache Sicke (Membranaufhängung) spendieren konnte.

Dies ist insofern ein Vorteil, als die hohen Töne, die ja der Schallführung der Mitteltonmembran nach aussen folgen müssen, keinen überstehenden Wulst mehr vorfinden und sich idealer, ohne die sonst unvermeidbaren Intermodulationseffekte, nach allen Seiten hin ausbreiten können.

Neu sind auch der Einsatz von extrem starken Neodymium-Magneten sowie das Membranmaterial des im Zentrum des Treibers angeordneten Hochtöners – Titanium. Die Metallkalotte arbeitet zunächst auf eine Schallführung, die nahtlos in die Mitteltonmembrane übergeht.

Durchdachte Konstruktion

Das Ganze wirkt beim Hochtöner fast wie ein vorgesetztes Kugelwellenhorn, was ein hervorragendes Impulsverhalten erwarten lässt.

Der obere Teil des Uni-Q-Gehäuses besteht aus einer aufgesetzten, runden Halbschale aus massivem Guss, die dem Erscheinungsbild der beiden Boxen einen fröhlichen Touch verleiht.

Sie verbessert wiederum das Abstrahlverhalten des Koaxialtreibers nach oben und dient als Montagebasis für den Superhochtöner.

Extravaganz auch auf der Rückseite: Ein massives Triwire-Terminal nimmt wahlweise Kabelschuhe, Litzen oder – nach Entfernen von Gumminoppen – auch Bananenstecker auf.

Als Besonderheit lässt sich der Basspegel absenken oder anheben, je nach dem, ob man die Boxen wandnah oder frei im Raum plazieren will.

Kompakter 4-Weg-Monitor

Man würde es ja nicht vermuten, aber auch bei der kleinsten Box in der Reference-Reihe handelt es sich um einen waschechten 4-Weg-Lautsprecher.

Die Reference 201 verfügt über einen 16,5-cm-Tieftöner, der bis zu beachtlichen 46 Hz hinunter überträgt. Ab 400 Hz kommt das gleiche Uni-Q-2-Weg-Chassi zum Einsatz wie in der Reference 205, und das Treiber-Quartett wird durch den Hypertweeter komplettiert.

Der hohe Materialaufwand und die superbe Gehäusefertigung erklären denn auch den deutlich höheren Preis der neuen Reference-Modelle gegenüber ihren Vorgängern.

Plaziert wird die 201 am besten auf einem hochwertigen Ständer, wie er auch von KEF passend im Design erhältlich ist (Preis Fr. 790.-/Paar).

Notfalls kann man sie aber auch wandnah auf einem Möbel oder in der Wohnwand plazieren. Ihre hervorragende Räumlichkeit entfaltet sie allerdings am Besten frei im Raum aufgestellt.

Dabei kommt ihr zugute, dass sie über einen - bezogen auf die Grösse - verblüffend tiefreichenden und druckvollen Bass verfügt, dem man zudem hervorragende Konturiertheit attestieren darf.

Temperament und Klangkultur

Die Reference 201 verfügt über diverse Körperrundungen, die sich auch im passenden Designständer wiederspiegeln.
Die Reference 201 verfügt über diverse Körperrundungen, die sich auch im passenden Designständer wiederspiegeln.
Hier haben die KEF-Ingenieure ganze Arbeit geleistet und einen Kompaktlautsprecher kreiert, der selbst bei sehr hohen Ansprüchen an die Tieftonwiedergabe gut ohne Subwoofer auskommt.

Es sei denn, man verfügt über einen grossen Hörraum und hört gerne sehr laute und tieftonreiche Musik. Denn die Physik kann auch die 201 nicht überlisten und kommt etwa bei Technomusik an den Anschlag.

Jazzbass oder Orgelmusik hingegen sind über die kleine KEF ein Genuss. Natürlich auch, weil sie sich im übrigen Frequenzbereich keineswegs lumpen lässt und Temparament und durchweg sehr hohe Klangkultur beweist.

Prächtige Klangfarben und hervorragende Räumlichkeit

Eine ihrer grossen Stärken sind sicher die prächtigen Klangfarben, welche sie in den Hörraum zaubert.

Die Verfärbungsfreiheit ist auf hohem Niveau, wobei sie weniger als analytisch neutraler Studiomonitor zu betrachten ist, sondern durchaus eigenständigen Charakter zeigt.

So ist sie ein regelrechtes Stimmenwunder; Vokalmusik erklingt so inbrünstig und emotional, wie man es sonst selten zu hören bekommt, Kammermusik anmutig und mit dem richtigen Gespür für feine Zwischentöne.

Mag man diese Tugenden einem Kompaktlautsprecher durchaus noch zutrauen, so staunt man spätestens bei symphonischen Werken, wie gelassen die 201 im Orchestergetümmel agiert und ein räumlich sowie dynamisch differenziertes Klangspektakel in den Hörraum zaubert.

Kleines Universalgenie

Ihre absolute Stärke liegt in der räumlichen Abbildung: Die Musik löst sich mühelos von den Lautsprechern – egal wo man sich im Hörraum bewegt, der tonale Eindruck und die Stereowirkung bleiben weitestgehend erhalten.

Hinzu kommen die "holografischen" Fähigkeiten des koaxialen Mittelhochtöners: Einzelinstrumente werden überaus plastisch und in präziser Tiefenstaffelung abgebildet.

Das Schöne dabei: Diese Fokussierung geht nicht auf Kosten des Gesamteindrucks; das Zusammenspiel eines Ensembles bleibt erhalten.

Bei Pop und Rock ist die kleine Reference ebenfalls voll in ihrem Element. Tatkräftig und rhythmisch legt sie sich ins Zeug und bringt härteste Schlagzeugattacken ohne jegliche Nachgiebigkeit, Becken mit einem feinen Glanz. Der Flügel kommt imposant und in voller Grösse, Blasinstrumente wirken atemberaubend lifehaftig.

Alles in allem ein kleines Universalgenie für sämtliche Musikarten, Wohnraumgrössen und Aufstellungsarten, welches sich auch bei der Elektronik nicht wählerisch zeigt. Selbst Röhrenverstärker ab etwa 25 Watt reichen bei der Reference 201 zu einer vitalen Vorstellung.

Wahre Grösse

Grossartiger Schallwandler: Reference 205
Grossartiger Schallwandler: Reference 205
Erweist sich schon die 201 als "erwachsene" Fullrange-Box, so bietet die im Mittelhochtonbereich praktisch gleich aufgebaute Schwester 205 im Vergleich nicht nur mehr Volumen und Stehvermögen im Tiefsttonbereich, sondern auch mehr Autorität und Nachdruck im Midbass- sowie Grundtonbereich.

Davon profitieren sämtliche Musikarten. Die 205 mit ihren zwei 20-cm-Basstreibern agiert einfach souveräner und bombastischer als die kleine Schwester. Und dies, ohne jemals die Kontrolle über das Klanggeschehen abzugeben.

So ist es auch bei ihr beeindruckend, wie straff und präzise sie aufspielt und dabei dennoch Charme und Flair zeigt, wenn es das Programmmaterial erfordert.

Hier hat man einen absoluten Toplautsprecher vor sich, der über den gleichen universellen Charakter und die hervorragende räumliche Abbildung verfügt wie die kleine Schwester, aber insgesamt einfach noch vitaler, grossartiger aufspielt.

Fazit

Mit ihren Vorgängern haben die neuen Reference-Modelle von KEF nur noch wenig gemein. Ihr Charakter ist universeller und vitaler geworden, ohne dass dabei die bewährten Tugenden – Räumlichkeit des Klangs und Wohnraumfreundlichkeit – verloren gegangen wären.

Zwar werden viele Interessenten angesichts der Preisgestaltung der neuen Reference-Generation mit ihrem Kontostand hardern, aber hier hat man es immerhin mit Lautsprechern zu tun, die Zufriedenheit und hohen Werterhalt über lange Jahre versprechen.
STECKBRIEF
Preis:
Reference 201: 5590 Franken, Reference 205: 11 990 Franken
Profil:
Kostspielige, englische Top-Lautsprecher, die Zufriedenheit und hohen Werterhalt über lange Jahre versprechen.
Pro:
Reference 201:,
vitale Spielweise,
räumliche Abbildung,
tiefreichender konturierter Bass,
Top-Verarbeitung,
wohnraumfreundlich,,
Reference 205:,
Hervorragende Fein- und Maximaldynamik,
weiträumige, präzise Abbildung,
fundamentaler Bass
Contra:
Reference 201:begrenzter Pegel im Tiefbass,
Reference 205:hoher Preis
Ausstattung:
Reference 201 und 205:Anzahl Wege 4, Ausführungen Kirsche rot, Esche schwarz, Ahorn hell
Technische Daten:
Abmessungen:
Reference 201:Masse (BxHxT) 24,8 x 55,7 x 40,2 cm,
Reference 205:Masse (BxHxT) 28,5 x 106,8 x 40,5 cm
Wettbewerb