10. Dezember 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
14. Dezember 2005
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In der 15er-Linie bringt Marantz zwei neue HiFi-Komponenten, die direkt vom PM-11 und SA-11 aus der renommierten „Premium Series“ abstammen, aber weniger als die Hälfte kosten.

Die Frage lautet also: Sparpackung oder Preis-Leistungs-Highlights?

Imposant und schwergewichtig

Punkto Styling lehnt sich die 15er-Linie ganz an ihr Vorbild an und erscheint der 11er-Linie auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Insbesondere der SA-15S1 ist auf Anhieb kaum vom SA-11 zu unterscheiden.

Etwas leichter fällt dies beim PM-15S1, der geringfügig weniger hoch baut und auch weniger wiegt. Wobei er mit 18 kg immer noch tüchtig etwas auf die Waage stemmt. Dies hat er einerseits dem stabilen Gehäuseaufbau mit massiver Frontplatte und Seitenprofilen aus Aluminium zu verdanken.

Aber auch die grosszügig bemessenen, kanalgetrennten Kühlkörper und der üppig dimensionierte Ringkerntrafo tragen das ihre zum gewichtigen Auftritt bei.

Die schon bei den 11ern eingeführte neue Design-Leitlinie soll etwas mehr Schwung ins rechteckige Einerlei bringen.

Nicht nur verjüngt sich die Front seitlich in einem leichten Schwung nach hinten, sie wird auch durch zwei vertikale Vertiefungen unterbrochen, in denen man die wichtigsten Bedienelemente untergebracht hat.

Lightshow

Der Clou: diese werden von der Seite dezent blau beleuchtet, was den Geräten vor allem nachts einen aparten Touch verleiht.

Wem das zu bunt ist, der kann die Lightshow via Fernbedienung ausschalten.

Auch so wirkt das Erscheinungsbild elegant und ansprechend, wozu beiträgt, dass die wenigen Tasten und Knöpfe harmonisch und symmetrisch angeordnet sind.

Dies vielleicht schon ein dezenter Hinweise auf den ebenfalls symmetrischen, kanalgetrennten Schaltungsaufbau im Inneren der Geräte.

Erfahrung am Werke

Die Konstruktion sowohl von CD-Spieler wie auch Verstärker verrät jahrelange Erfahrung bei der Konzeption von HiFi-/High-End-Geräten.

Das Ingenieursteam um Marantz-Urgestein Ken Ishiwata hat traditionelle Marantz-Errungeschaften mit neuen „Schachzügen“ kombiniert und will so das eh schon sehr hohe Wiedergabeniveau klassischer Vorgänger wie dem PM-17 oder CD-17 in der jüngsten Evolutionsstufe nochmal toppen.

Dies etwa durch Verwendung optimierter HDAMs (Hyper Dynamic Amplifier Modules). Marantz setzt diese gekapselten, diskret bestückten Schaltungsmodule anstelle herkömmlicher ICs bei klanglich kritischen Punkten im Signalweg ein und verspricht sich eine bessere Impulsverarbeitung bei erweiterter Bandbreite (bis 100 kHz).

Der PM-15 verwendet diese naturgemäss teuren Bauteile sowohl in der Eingangs-Pufferstufe, wie auch in der Vorstufen- und Endstufensektion. Wert gelegt wurde auf ein besonders niederimpedantes Netzteil, um auch niederohmige, stromfressende Lautsprecher anstandslos bedienen zu können.

Neue Wege

Marantz PM-15S1, ein Vollverstärker mit Klasse
Neue Wege hat man bei der Lautstärkeregelung eingeschlagen.

Anstelle der herkömmlichen Lösung mit einem motorgetriebenen Potentiometer kommt ein digital gesteuerter Chip zum Einsatz, der die Lautstärke über ein Wiederstandsnetzwerk (auch im untersten Regelbereich) hochpräzise in ½-dB-Schritten steuert.

Dies macht es theoretisch möglich, zwei weitere PM-15S1 für den Mehrkanalausbau einzusetzen, indem die Lautstärkesteuerung via System-Bus synchron übernommen wird. Mit dem SA-15 als Zuspieler macht das allerdings keinen Sinn, da dieser SACDs ausschliesslich in 2-Kanal-Stereo wiedergibt.

Etwas Technik

Das Innenleben des Verstärkers zeigt den kanalgetrennten Aufbau mit massiven Alu-Kühlkörpern. Das Netzteil ist mit einer Siebkapazität von 2 x 15000 yF und grossem Ringkerntrafo üppig ausgelegt.
Bei der Verstärkerschaltung setzt Marantz auf Stromgegenkopplung anstelle üblicher Spannungsgegenkopplung. Auch bei diesem Regelkreis wurde speziell auf Niederohmigkeit geachtet, was die Impulstreue bei komplexer Lautsprecherlast verbessern soll.

Nicht selbstverständlich, aber durchaus sinnvoll für einen audiophilen Vollverstärker: Es finden sich Tiefen- und Höhenregler, die allerdings per Tastendruck überbrückbar sind. Ebenfalls nicht verbreitet in dieser Preisklasse: Ein hochwertiger Phonoeingang sowohl für MM- wie für MC-Tonzellen, bei dem ebenfalls die „Current-Feedback“-Schaltungstechnik zum Einsatz kommt.

Gefälliges Detail an der Rückseite des Verstärkers bilden die stabilen Lautsprecheranschlüsse von WBT, die sowohl Bananstecker, Kabelschuhe und Litzen aufnehmen.

Topqualität in Stereo

Der SA-15S1 gilt als offizieller Nachfolger des CD-17mkIII. Grundlegender Unterschied zum bewährten Vorgänger ist, dass er nicht nur CDs sondern eben auch SACDs abspielt. Dennoch handelt es sich nicht um einen echten Kombiplayer, denn bei Marantz hat man sich bewusst an die Stereofonie gehalten; der SA-15 kann und möchte mehrkanalige Aufnahmen nicht wiedergeben.

Dieser Gedanke trägt dem Umstand Rechnung, dass praktisch alle Hybrid-CD/SACD-Aufnahmen auch mit hoch aufgelöstem Stereoklang aufwarten können.

Der Hintergedanke bei Marantz ist wohl auch der: Was für die bestmögliche SACD-Stereowiedergabe an Entwicklungsaufwand getrieben wird, kann der CD auch nicht schaden. So findet sich wiederum eine stromgegengekoppelte Ausgangsstufe mit HDAMs neuster Machart.

Kampf dem Jitter

Erfreut nicht nur den Service-Techniker: Blitzsauberer Aufbau des SA-15S1. Auffällig ist der enorme Aufwand bei der Stabilisierung der Stromversorgung der verschiedenen Stufen.
Besonderes Augenmerk richtete man auf die Reduzierung von Jitter (digitalen Taktschwankungen), indem der Wandler durch einen Hochpräzisionsquarz synchronisiert wird. Aus Kostengründen kommt nicht die gleiche, aufwändige Wandler-Topologie zum Einsatz wie beim SA-11S1. Bei letzterem kann nämlich über einen separaten DSP-Chip von Motorola auf die Charakteristik des Digitalfilters gezielt Einfluss genommen werden. So lässt sich auch eine zeitkorrigierte Variante wählen, welche einen phasengerechten Verlauf mit einem sanften Höhen-Rolloff kombiniert und erfahrungsgemäss zwar etwas weniger brillant, aber letztlich „richtiger“ klingt.

Beim SA-15 setzt Marantz hingegen auf einen Wandler-Chip mit integriertem Digitalfilter. Der verwendete Baustein CS4397 von Crystal kann sich allerdings ebenfalls sehen lassen. Er kam beispielsweise auch im exklusiven Omega-SACD-Player von Classé Audio zum Einsatz, und verspricht einen guten Kompromiss zwischen Phasentreue und Frequenzverlauf.

Bleibt noch zu erwähnen, dass beim SA-15 ausgesuchte, hochwertige Bauteile zum Einsatz kommen, und dass auch hier die ultrastabile Bauweise unter anderem mit schwerem, doppellagigem Chassis zu finden ist.

Freundliche Bedienung

... einfacher zu bedienen als ein Cembalo ....
Beide Geräte kommen mit Fernbedienungen im edlen Alu-Look, die zwar etwas schwer geraten sind, aber sehr gut in der Hand liegen und mit übersichtlichem Handling gefallen. Lobenswerterweise finden sich auf der Player-Fernsteuerung ebenfalls alle wichtigen Verstärkerfunktionen inkl. Eingangswahl und Lautstärke, so dass man de facto zwei Systemfernbedienungen zur Verfügung hat. Aber auch die Bedienung an der Gerätefront macht Spass; alles vermittelt einen wertigen „Touch of Class“.

Frappierende Klangtransparenz

Wir hörten die Marantz-Kombi zunächst preisklassengerecht mit Lautsprechern der 5000-Franken-Klasse, so mit einem Paar B&W 703 und mit den Isostatic PDR-250P.

Schon nach kurzer Einlaufzeit präsentierten die Japaner eine brillante Soundvorstellung, die man bis anhin bei Geräten dieser Preiskategorie kaum je erlebt hat: Zunächst verblüffte das Duo mit einer exorbitanten Klangtransparenz, die guten Aufnahmen zu einer exzellenten Durchhörbarkeit verhalf.

Selbst bestens bekannte Aufnahmen erstrahlten plötzlich in neuem Glanz und gaben Details preis, die man bis anhin gar nie darin vermutet hätte. Die Klangkultur ist insgesamt sehr hoch – so hoch, dass man punkto Lautsprecher unwillkürlich nach noch teureren Spielpartnern Ausschau zu halten beginnt. Beispielsweise anstelle der 700er Serie lieber gleich auf eine Nautilus schielen, denn die bewährte Metallkalotte der 703 ist zwar gerade gut genug, beschönigt aber andererseits im Zusammenspiel mit den brillant agierenden Marantz weniger gute Aufnahmen in keiner Weise.

Tiefgang, Druck und Kontur

Eine Freude ist es, zu welcher Höchstform die B&W 703 via Marantz im Tief- und Grundtonfundament aufläuft. Vorausgesetzt, man verwendet wirklich hochwertige Lautsprecherkabel – das sollte in dieser Preisklasse selbstverständlich sein –, zeigt der PM-15S1 ein Ausmass an Tiefgang, Druck und Kontur im Bass, wie es wohl nur von ausgewachsenen Vor-Endstufen noch übertroffen wird. Angesichts des kraftvollen, vitalen Auftritts darf man die offizielle Leistungsangabe von 2 x 75 Watt an 8 Ohm als sehr konservativ in Frage stellen.

Ultraschnelle Impulswiedergabe

Hochbrisante Impulswiedergabe bei CD und SACD
Exzellent konnten sich die Marantz’ an den Isostatic über deren Bändchenhochtöner in Szene setzen, sobald gute CDs oder gar SACDs auf dem Menü stand. Nun strahlten die Höhen ohne jegliche Härte in kaum zu überbietender Transparenz, und die berühmte „Luft“ zwischen den Einzelinstrumenten war deutlich erspürbar. Bei perkussiver Musik auf SACD zeigte die Kombi eine mühelose, ultraschnelle Impulswiedergabe, wie sie für die Super Audio CD typisch ist.

Auch Flügel profitieren von der „Schnelligkeit“ der Elektronik, indem Anschläge „pickelhart“ wie aus dem Nichts aufgebaut werden. Ganz offensichtlich sind die Vorteile der HDAM-Technologie mehr als nur ein Schlagwort.

Die räumliche Abbildung ist – auch schon bei guten CDs – absolut hervorragend und vereint präzise Ortung mit beeindruckender Weiträumigkeit und Tiefenstaffelung. Alles in allem schafft es die Marantz-Kombi, opulente Klangwelten in beeindruckender Weise ins Wohnzimmer zu zaubern. Bleibt noch die Qualität des Phono-Eingangs nachzutragen, die dem hervorragenden Klangniveau der Line-Inputs in nichts nachsteht. Und dies nicht nur via Phono-MM, sondern auch über den Moving-Coil-Eingang, der sogar mit einem Benz Ruby harmonierte, obwohl dieses eigentlich gerne etwas mehr als die gebotenen 100 Ohm Abschlussimpedanz in Anspruch nimmt.

Fazit

Geld sparen, um es in besseren Klang zu investieren. Ganz nach diesem Motto sind der 15er-Verstärker und -CD-Spieler von Marantz konzipiert, die nicht nur bezogen auf den Preis, sondern auch absolut betrachtet ein enorm hohes Wiedergabeniveau an den Tag legen.
STECKBRIEF
Preis:
Marantz PM-15S1 2380 Franken, Marantz SA-15S1 2380 Franken
Profil:
Die Firma Marantz setzt in diesen beiden neuen Komponenten der 15er-Linie ihre jahrzehntelange Tradition in Sachen Spitzenklang aus High-End-Geräten fort.
Pro:
Marantz PM-15S1
enorme Klangtransparenz
extravagantes Design
Top-Verarbeitung

Marantz SA-15S1
hervorragender Klang
erstklassige Verarbeitung
gute Bedienbarkeit
Contra:
Marantz PM-15S1
- keine Mehrkanal-Wiedergabe

Marantz SA-15 S1
-
Ausstattung:
Marantz PM-15S1
Anschlüsse
Hochpegel 3
Phono MM, MC
Tape 2
Vorverstärker Ausgang
Kopfhörer o
Funktionen
Klangregler Bässe, Höhen
Balance -
Fernbedienung +
Lautsprecheranschlüsse 1
Besonderheiten „Source direct“-Schaltung; Mehrnkanal-Konfiguration via Control-Bus realisierbar

Marantz SA-15 S1
Wiedergabe CD, CD-R/-RW, SACD (2-Kanal), SACD-Dual-Layer- und -Hybrid-Disc
Ausgänge Cinch, digital-optisch und -koaxial, Kopfhörer (6.5-mm-Klinke, regelbar)
Programmierung Reihenfolge, Zufallswiedergabe, Wiederholung, Lieblingstitel
Besonderheiten blaue Beleuchtung abschaltbar

Technische Daten:
Marantz PM-15S1
Abmessungen (BxHxT) 44 x 12,3 x 44,4 cm

Marantz SA-15S1
Abmessungen (BxHxT) 44 x 12,3 x 41,9 cm
Wettbewerb