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TESTBERICHT
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Publikationsdatum
28. September 2001
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Die Firma Dynavox ist nicht nur der Schweizer Importeur von NAD, sie stellt auch im eigenen Hause die Rowen Produkte her. Anton Aebischer, als NAD-Mann der ersten Stunde, und sein Sohn Yvo modifizieren gewisse NAD-Geräte und bringen sie unter der Bezeichnung Rowen Edition auf den Markt. Ein Verstärker- CD-Player-Gespann, welches hohe Erwartungen weckt, besteht aus den beiden Rowen Edition-Geräten NAD C350 und NAD C541.

Rowen Edition

Rowen Edition-Geräte werden bei der Firma Dynavox klanglich getunt
Rowen Edition-Geräte werden bei der Firma Dynavox klanglich getunt
Die Preise der Rowen Edition-Versionen liegen lediglich um 200 Franken höher als die NAD-Original-Geräte. Sowohl der Verstärker als auch der CD-Player kosten in der Rowen Edition 1090 Franken.
Die Rowen Edition des C541 CD-Players kommt mit einem hochwertigen Spezialkabel von Rowen, das alleine schon 110 Franken wert ist. Das Gerät hat man klanglich mit audiophilen Operationsverstärkern am Ausgang aufgewertet, die weitaus teurer als die originalen Bausteine sind. Weiter hat man die Elektrolyt Kondensatoren durch Folien-Typen ersetzt, was auch nicht gerade billig ist. Ausgewechselt wurde in der Speisung ein Kondensator.
Die Stromstabilität des Verstärkers wurde erhöht. In der Folge steht kurzzeitig eine höhere Spitzenleistung zur Verfügung. Eliminiert wurden die Ausgangsdrosselspulen. Eine kleine Modifikation der Endstufe garantiert einen stabilen Betrieb. Auch beim Verstärker ersetzten die Rowen-Leute die Elektrolyt-Kondensatoren durch Folientypen, welche nicht nur länger leben, sondern auch besser klingen.

Understatement

Der Verstärker lässt sich zwischen Vor- und Endstufe auftrennen. Man beachte auch das Soft Clipping.
Der Verstärker lässt sich zwischen Vor- und Endstufe auftrennen. Man beachte auch das Soft Clipping.
Also wirklich, dieser fernsteuerbare Verstärker gleicht einem hässlichen Entlein und wohl niemand würde erwarten, dass er sich als herrlicher Schwan entpuppte. Was aber doch ein wenig stört, ist das beim Anklopfen billig scheppernde Gehäuse. Ob dies einen Einfluss auf den Klang hat, darf diskutiert werden.
Der über Relais schaltende Verstärker wartet mit einigen Besonderheiten auf. Da wäre das zuschaltbare Soft Clipping, welches bei Überforderungen der Endstufe die Verzerrungen vermindern soll. Wie bei NAD schon fast Standard, ist die Vor- und Endstufe auftrennbar, so dass Equalizer eingeschlauft oder aktive Mehrweganlagen realisiert werden können.
Ein 12 Volt Triggerausgang kann für das zum Verstärker synchrone An- und Ausschalten von Geräten mit 12 Volt Trigger-Eingängen benutzt werden. Weiter passt sich dieser Verstärker, dank seiner ISC-(Impedance Sensing Circuit) Schaltungstechnik der angeschlossenen Last an und spielt so an jeder Impedanz seine Trümpfe aus. Während er an 4 und 8 Ohm Last gleichermassen 60 Watt Sinus und 135 Watt Dynamic Power (Impulsleistung) liefert, sind es an 2 Ohm respektable 240 Watt bei musikähnlichen Impulsen.

HDCD-tüchtig

Auch der CD-Spieler verfügt über einen kräftigen Ringkerntransformator.
Auch der CD-Spieler verfügt über einen kräftigen Ringkerntransformator.
Hochwertige Burr-Brown Sigma-Delta 24 Bit D/A-Wandler mit 8fach Oversampling und ein Ringkerntransformator mit separaten Leistungsregulatoren für analoge und digitale Schaltkreise geben eine gute Ausgangslage für einen optimalen Klang. Hinzu gesellt sich der integrierte HDCD-Decoder und ein umfassender Bedienungskomfort. Während CD-Rs einwandfrei abgespielt werden, verweigert dieser Player seinen Dienst bei den wiederbespielbaren CD-RWs.
Punkto Gehäuse gilt leider dasselbe wie beim Verstärker. Hier hätte die Rowen Edtion mit einer Dämpfmatte eventuell noch ein letztes Quentchen Definition herauskitzeln können. Doch lassen wir diese Unkenrufe und erfreuen uns im nächsten Kapitel an den klanglichen Leistungen.

Hohe Klangkultur

Trotz günstigem Preis sauberer Aufbau mit hochwertigen Bauteilen.
Trotz günstigem Preis sauberer Aufbau mit hochwertigen Bauteilen.
An hochwertigen Lautsprechern überraschte das NAD-Gespann nicht nur bei HDCD-CDs durch eine unerhörte Klangfarbenpracht. Streicher erschienen edel und rein, nie grell oder unnatürlich aggressiv und dennoch mit schöner Brillanz auch auf der hohen E-Saite. Regelrecht geadet wurden die Testhörer von den abgrundtiefen und wohldefinierten Klängen der Kontrabässe.
Schwärmen darf man auch vom warm-brillanten Klangtimbre der Blechbläser. Geradezu himmlische Klänge liess der Gaudeamus Chor auf der DMP-Hybrid-SACD "Sacred Feast" von sich hören. Glockenrein führten die Sopräne ihre Kantilenen aus. Tenor und Bässe gefielen durch Brust und sattes Volumen.
Trotz ihres eher warmen, noblen Klangcharakters waren die schlichten NAD-Musikanten auch bei hartem Rock und impulsivem Jazz im Element. Sie legten ein sattes, sehr straffes Bassfundament unter impulsive Gitarrenriffs und perkussive Exzesse. Die Leistung der Endstufe reicht ohne weiteres aus, um an Lautsprechern mit relativ hoher Empfindlichkeit mittelgrosse Räume hifi-gerecht zu beschallen. Das Soft Clipping zeigte eine sehr begrenzte Wirkung. Wird die Leistungsgrenze überschritten, sind auch mit eingeschaltetem Soft Clipping Verzerrungen zu hören.

Fazit

Wenngleich das NAD-Rowen-Edition-Gespann keine echt "neuen akustischen Dimensionen" eröffnet, so bringt es eine Klangqualität, die man ohne weiteres mit teureren Geräten vergleichen darf. In Anbetracht des günstigen Preises und der dank Rowen-Modifikation doch beachtlich hohen Verarbeitungsqualität, erscheint dieses Gespann absolut hitverdächtig.

High Definition Compatible Digital

Unter dieser Bezeichnung - abgekürzt HDCD - versteht man eine Technik, die vor einigen Jahren das Zeitalter der hochauflösenden CD einläutete. Beim HDCD-Prozess werden zusätzliche Daten auf die Disc eingeschmuggelt, welche die Dynamik und den Frequenzbereich drastisch erweitern. Die speziell gemasterten HDCD-Discs lassen sich auf jedem CD-Player abspielen, zeigen ihre vollen klanglichen Qualitäten aber nur über spezielle HDCD-tüchtige Wandler. Auf der hdcd-Website www.hdcd.com ist das Angebot an HDCD Soft- und Hardware ersichtlich.
STECKBRIEF
Preis:
1090.- pro Gerät
Profil:
Unscheinbare Geräte mit Swiss-Tunig, die sich klanglich mit weitaus teureren Geräten messen können.
Pro:
C 350,
sehr hohe Klangqualität,
Vor-Endstufe auftrennbar,
Umfassende Ausstattung,
C 541,
sehr hohe Klangqualität,
integrierter HDCD-Wandler,
Gute Bedienbarkeit,
Umfassende Ausstattung
Contra:
C 350,
mässige Gehäusequalität,
C 541,
spielt keine CD-RWs,
mässige Gehäusequalität
Ausstattung:
C 350: Eingänge: Disc, CD, Video, Aux, Tuner, Tape 1, Tape 2, Main In. Ausgänge: Tape 1, Tape 2, Pre Out 1, Pre Out 2. 12 Volt Trigger Out
C 541: Ausgänge: Line Out, Digital Out Coaxial. Programmierung: ja. Zufallswiedergabe: ja. Direkteingabe: ja
Technische Daten:
C 350: Abmessungen (BxHxT) 43.5x10x29 cm
C 540: Abmessungen (BxHxT) 43.5x7x28.5 cm
Wettbewerb