16. Oktober 2018 | seit 1999
TESTBERICHT
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Publikationsdatum
11. Oktober 2001
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Die japanische Nobelmarke Nakamichi hat sich mit Produkten wie ihren legendären Kassettengeräten und exzellenten Verstärkern im Audiobereich einen guten Namen geschaffen. Doch mit HiFi alleine kann eine Firma heute nicht mehr überleben. Seit einiger Zeit setzt Nakamichi ihr hohes konstruktives Know-how deshalb auch im Heimkino- und Designbereich ein. Jüngstes Kind: das Home-Cinema-Design-System Soundspace 10.

Schlanke Beauties

Soundspace 10 ohne Aluminium-Sockel
Soundspace 10 ohne Aluminium-Sockel
Kühles Aluminium, dunkelgrauer Kunststoff und schlanke Formen prägen das Design des Soundspace 10. Es besteht aus fünf absolut identischen und kompakten Lautsprechern, einem Hauptgerät mit integriertem 5-fach CD-DVD-Wechsler samt Display, zwei Subwoofern mit allen notwendigen Verstärkern, einem irgendwo zu versteckenden 43-cm-Elektronikbehälter - A/V-Tuner/Prozessor-Einheit genannt - und zwei sehr unterschiedlichen Fernsteuerungen.
Die Boxen und das Hauptgerät können auf den optional erhältlichen, schlanken Aluständern montiert werden. Sie machen auch an die Wand gehängt eine gute Figur und einen ebenso guten Sound. Ohne Ständer wird die ganze Sache sogar noch rund 2000 Franken günstiger. Für Multiroomanwendung kann die Anlage in Zukunft mit passenden Bausteinen erweitert werden.
Einfach und übersichtlich präsentiert sich die Hauptfernsteuerung bei geschlossener Klappe....
Einfach und übersichtlich präsentiert sich die Hauptfernsteuerung bei geschlossener Klappe....
Zu loben ist generell die Verarbeitung. Aus dem Billigsortiment stammen allerdings die Anschlussklemmen für die Satelliten. Dies ist deshalb jammerschade, weil die Wiedergabe dieser Lautsprecher durch hochwertigere Kabel noch aufgebessert werden kann. Die Satelliten sind mit normalen Kalotten und je zwei schnuckelig kleinen Mittelhochtönern bestückt.
Das Soundspace 10 ist kein Eigenbrötler, sondern lässt sich, dank vielseitiger Anschlussmöglichkeiten, mit diversen anderen externen Geräten wie DATs, CD- MD- und Videorecordern kombinieren. An der AV-Tuner/Prozessor-Einheit sind die dazu notwendigen Anschlüsse vorhanden. Das Bild wird über S-Video-Buchsen oder Cinch (Composite Video) geschaltet.

So einfach wie möglich...

Die weniger oft zu bedienenden Funktionen sind unter der Abdeckung zu finden
Die weniger oft zu bedienenden Funktionen sind unter der Abdeckung zu finden
Eine echte Herausforderung für jeden Konstrukteur ist es, komplexe Systeme einfach bedienbar zu machen. Deshalb sollte jeder Tester Gebrauchsanweisungen meiden wie der Teufel das Weihwasser. Jeder Griff zum Bedienungsmanual bedeutet einen Minuspunkt für den Designer. So kam bei der Bedienung dieses Systems echte Freude auf: nur sehr selten musste im Manual ein Detail wie etwa die Realisierung des schnellen Vorlaufs nachgeguckt werden.
Die grosse Hauptfernsteuerung bedient sich des bewährten Systems mit der Klappe: Die wichtigsten Bedienungselemente sind übersichtlich auf der Front angebracht, die eher vom Fachmann zu bedienenden Tasten hat man unter der Abdeckung versteckt. Die schicke und handliche Nebenfernsteuerung bietet nur die wichtigsten Funktionen wie Quellen-/Sender-/Titelanwahl sowie Lautstärke und vereinfacht so den alltäglichen Umgang mit diesem System.

Installation am besten durch den Fachmann

Schnuckelige Zweitfernbedienung erleichtert den musikalischen Alltag
Schnuckelige Zweitfernbedienung erleichtert den musikalischen Alltag
Dem Durchschnittskonsumenten die Inbetriebnahme und Einpegelung eines Surroundsystems zu überlassen, wäre wohl etwas riskant, denn auch der Fachmann ist hier doch recht gefordert. Es gilt, nicht nur alle Geräte richtig zu verkabeln, sondern auch die Pegel und Verzögerungszeiten für die einzelnen Kanäle einzustellen, den Tuner an die Antenne zu schalten und einiges mehr. Perfekt justiert wurde uns das System denn auch vom Importeur geliefert, und der Kaufinteressent kann selbstverständlich davon ausgehen, dass der geschulte Händler die Auslieferung und Installation fachmännisch übernimmt.

Die optimale Klangbalance

Wie die Erfahrung gezeigt hat, ist je nach Film die Lautstärke der rückwärtigen Speaker entweder zu laut oder zu leise. Um dies auszugleichen, muss der Pegel der Rearboxen verstellt werden. Nun gilt es, die Abdeckhaube der Fernsteuerung zu öffnen und die richtigen Tasten aus einer grossen Auswahl zu finden. An den mit "Rear" beschrifteten Tästchen verstellt man anschliessend den Pegel nach Wunsch. Aber aufgepasst! In unmittelbarer Nähe sind die Bedienungselemente für die Delay-Zeiten, die der Fachmann sorgfältig gewählt hat und die auf keinen Fall verstellt werden dürfen. So ist es keine schlechte Idee, sich die Zeitverzögerungswerte zu notieren, damit sie nach einer Fehlmaninpulation wieder in die optimale Stellung gebracht werden können.
Wer Klangregler benötigt, wählt die Select Taste an der Hauptfernsteuerung und kommt so zur Bass-Höhen- und Balance Regelung. Hier kann der Fan auch die DSP-Raumprogramme anwählen.
Summa summarum darf die Bedienung wirklich gelobt werden. Anders hätte man es sicher auch machen können, aber kaum einfacher. Einziger Wunsch wäre, dass die Pegel für die Rückkanäle einfacher und auf der Front der Fernbedienung verstellt werden könnten.

Mit gespitzten Ohren

Der Schacht des Disc-Magazins fasst fünf Scheiben. Das Beladen geschieht bequem von obenDer Schacht des Disc-Magazins fasst fünf Scheiben. Das Beladen geschieht bequem von oben
Bevor die Ohren der Testhörer durch knallige Actionfilme abgestumpft waren, wurden einige erstklassige, mehrkanalige DVD-Audios mit klassischer Muse angehört. Ja, Sie haben richtig gelesen: DVD-Audios! Obwohl der DVD-Player dieses Systems (noch) nicht DVD-Audio-tauglich ist, lassen sich alle DVD-Audios abspielen, welche zusätzlich zum hochaufgelösten Tonformat den Sound auch im Dolby Digital Format (Filmton) anbieten. Obwohl datenreduziert, begeisterte die ausgeprägt räumliche und breitbandige Wiedergabe der neusten Teldec-DVD-Audio mit der "Sinfonie aus der neuen Welt". Generell überzeugte das System mit einem angenehmen, transparenten Klang. Ein gigantisches klangliches Feuerwerk bot das Soundspace 10 bei "Carmina Burana" (Teldec). Aber auch bei audiophilen CDs war das System im Element. Punkto Feinzeichnung entpuppte es sich bei feinen Streicherpassagen und Gitarrenzupfern nicht gerade als überragend, klang aber dennoch sehr anständig.

Virtueller Raum
Stereo-CDs verwandelt der eingebaute DSP mit unterschiedlichem Erfolg in den aktuellen Surround Sound. Bei Blues, Jazz und Klassik empfahlen sich die Programme "Natural" und "Hall". Sie fügen dem Stereoklangbild deutlich mehr Raum hinzu, ohne die räumliche Zeichnung zu verschmieren. Einzig auf "Stadium" wirken die Hall- und Echo-Effekte für musikalische Zwecke etwas übertrieben.

Im Pantoffelkino
Wer von den zwei doch recht korpulenten Subwoofern samt fünf kompakten Satelliten eine brachiale Soundorgie mit zwerchfellerschütterndem Donnerknall erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die Trampelgeräusche einer über frisch polierte Nobelkarossen stampfenden Elefantenherde wirkten wohl fundamental tief, doch fehlte der letzte Druck um abzuheben. Von zwei relativ grossen Subwoofern hätte man doch etwas mehr Bassgewalt erwartet. Allerdings sollte man bedenken, dass solche horrormässige Schallpegel zartbesaiteten Nachbarn eventuell gewisse Probleme bereiten könnten. Bei vernünftigen und über längere Zeit zu verkraftenden Lautstärken gab es am Sound nun wirklich nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil: Gerade bei mittleren Schallpegeln und sogar bei gedämpfter Lautstärke bot das System eine überzeugende Vorstellung mit einer bemerkenswerten Feindynamik, überzeugender räumlichen Abbildung und einer hervorragenden Sprachverständlichkeit. Last but not least rundete eine tadellose Bildqualität den positiven Eindruck dieses Systems ab.

Fazit

Das elegant gestylte Nakamichi Soundspace 10 überzeugte vor allem durch einfache und logische Bedienung, umfassende Ausstattung und untadelige Qualitäten bezüglich Bild und Ton. Dass dies nicht ganz billig ist, leuchtet ein, denn Nakamichi hat noch nie Produkte für den Billigen Jakob gebaut.
STECKBRIEF
Preis:
11200 Franken mit Sockel,10000 Franken ohne Sockel
Profil:
Elegant gestyltes Home Cinema System vom Nobel-Hersteller Nakamichi mit unfassender Ausstattung sowie untadeligen Qualitäten bezüglich Bild und Ton
Pro:
einfache, durchdachte Bedienung,
DVD-Wechsler,
besonders räumlicher Klang,
sehr gute Sprachverständlichkeit,
übersichtliche Zweitfernbedienung
Contra:
nicht sehr druckvoller Bass,
anspruchsvolle Erstinstallation
Ausstattung:
DVD-Wechsler mit 5er-Magazin
RDS-Tuner
Alle Verstärker und Lautsprecher
Technische Daten:
Abmessungen (BxHxT in cm):
Steuereinheit: 24.5x120x25
Subwoofer: 29.4x56.5x39.2
Satelliten: 12x35x12
Wettbewerb